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Erstelldatum: 08.09.2008

Zufriedene Sklaven

Ich könnte mir vorstellen, dass in das Gebet von Angela Merkel immer der Zusatz einfließt: "Gott, erhalte mir meine zufriedenen Sklaven!" Warum ich das meine? Auf mein Schreiben an die Rechenkünstler Thießen und Fischer habe ich etliche Antworten bekommen. Die eine negative Antwort möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

    Werter Herr Flegelskamp,

    solche Sprüche können nur aus dem Wohlstands-Westdeutschland kommen, in dem man nie gelernt hat mit weniger Geld umgehen zu müssen! Subjektiver geht es kaum.

    http://www.statistik-mv.de/berichte/n__/n-i__/n113__/2006/daten/n113-2006-44.pdf Unternehmer in MV zahlten ihren Angestellten im Oktober 2006 durchschnittlich 2.246 Euro Brutto. Der durchschnittliche Nettomonatsverdienst betrug 1.471 Euro.

    5 Verdiener finanzieren 1 Transferleistungsempfänger.

    Bei der Zahlenvorgabe ist eine Forderung nach Erhöhung der Bezüge Erpressung bzw. Nötigung oder glauben Sie, dass der durchschnittliche Nettomonatsverdienst ebenfalls um die gleiche Höhe steigt?

    Ich komme mit H4 aus und könnte bei 50% Erhöhung Sie auch mitunterhalten.

Ist der Schreiber tatsächlich Hartz IV-Empfänger, dann ist er einer der zufriedenen Sklaven und offenbar eifriger BILD-Leser. Eines kann ich diesem Herrn allerdings mit absoluter Sicherheit sagen; er könnte mich bei einer 50%-tigen Regelsatzerhöhung keinesfalls "noch mitunterhalten".

Nehmen wir sein Schreiben ein wenig unter die Lupe und beginnen wir damit, dass er aussagt, 5 Verdiener finanzieren 1 Transferleistungsempfänger. Diesen Schwachsinn verbreitet auch die Presse in schöner Regelmäßigkeit. Schwachsinn ist es deshalb, weil diese Aussage in mehrfacher Hinsicht falsch ist.
  1. Angeblich wird die Regelleistung bei Hartz IV aus Steuermitteln bezahlt. Aber Arbeitnehmer zahlen Beiträge in die Arbeitslosenversicherung. Die Kürzung des ALG I-Bezugs hat dazu geführt, dass die BA Überschüsse in Milliardenhöhe hat, von denen sie Milliarden an den Bund für nicht vermittelte ALG I-Empfänger zahlen muss, wenn diese ins ALG II abrutschen. Damit kann diese jährlich gezahlte Summe der BA schon mal von den für Hartz IV aufgewendeten Mitteln in Abzug gebracht werden.
  2. Steuermittel fließen dem Bund nicht nur von Arbeitnehmern zu. Folglich zahlen nicht die Arbeitnehmer alleine die Transferleistungen, sondern sie werden aus dem gesamten Steueraufkommen aufgebracht.
  3. Empfänger von Transferleistungen finanzieren einen Teil ihrer Transferleistung selbst.

Die Summe der Steuereinnahmen sind 538,2 Milliarden . Verlässliche Zahlen für das Aufkommen des Staates für ALG II Empfänger waren für 2007 auf die Schnelle nicht zu finden, für 2006 sollen sie 40,6 Milliarden betragen haben, das macht 7,54% der Steuereinnahmen aus.

Erkennbar wird, dass die Umsatzsteuer (MwSt.) inzwischen den größten Teil der Steuereinnahmen ausmacht. Mit 169,6 Milliarden schlägt sie zu Buche, das sind 31,51% der gesamten Steuereinnahmen. Also finanzieren die Empfänger von Transferleistungen sich zu 31,51% selbst, denn ihr Einkommen wandert zu 100 % in den Konsum und Umsatzsteuer zahlen sie in gleichem Maße wie jeder andere. Gleiches gilt für die Energiesteuer (29 Mrd.) und die sonstigen Steuern (69,4 Mrd.), das mach noch einmal 18,28 % Eigenfinanzierung aus. Denn auch Arbeitslose zahlen Stromsteuer oder die unter sonstige Steuern versteckten indirekten Steuern, die auf jeden Artikel des täglichen Bedarfs erhoben werden. Anders gerechnet könnte man sagen, der Arbeitslose oder Sozialhilfeempfänger bekommt lediglich 178.25 echte Regelleistung, denn er gibt den Rest über die Steuern wieder an den Staat zurück. Das betrifft natürlich nur die Leistungen für die Lebenshaltung, denn die Wohnkosten werden ja separat und unterschiedlich berechnet. Doch auch dort fließt ein Teil durch die Besteuerung der Nebenkosten wieder an den Staat zurück.

"Tabelle Einsparung echter Kosten von nominellen Kosten"

Leistungsempfänger
    
nominell/
echt
Transfer-
leistung
    
Monatsleistung
    
Monate
    
Summe - Jahr
6.703.714
  *  
nominelle
351,00
  =  
2.353.003.614,00
  *  
12
  =  
28.236.043.368,00
6.703.714
  *  
echte
178,25
  =  
1.194.937.020,50
  *  
12
  =  
14.339.244.246,00
Summenabzug
1.158.066.539,50
Ersparnis
13.896.799.122,00

Schauen wir aber mal auf die Arbeitnehmer. Die Lohnsteuer macht 24,49% des Steueraufkommens aus, rechnen wir die 2,63% aus der Solidaritätsabgabe hinzu, ergibt das 27.12% des Steueraufkommens. Rechne ich nun noch die veranlagte Einkommensteuer (5,40%) hinzu, obwohl die nicht nur von Arbeitnehmern aufgebracht wird, komme ich auf 32.52% Steueraufkommen der Arbeitnehmer und das ist der prozentuale Anteil der Arbeitnehmer (großzügig gerechnet) an den nominellen Transferleistungen für Arbeitslose und Sozialleistungsempfänger.
Lt. Stat. Bundesamt lag die Zahl der Arbeitnehmer 2007 bei durchschnittlich 35,242 Millionen Arbeitnehmern. Bei 82 Millionen Einwohnern macht das 42,98% der Einwohner aus. Weiterhin weist das Stat. Bundesamt einen Durchschnittsverdienst 2007 von 2981,00 , das sind im Jahr 35.772,00 . Hochgerechnet auf 35.242.000 Arbeitnehmer ergibt das monatlich 105.057.147.250,00 oder im Jahr 1.260.685.767.000,00 . Dann habe ich die drei Steuereinnahmearten (Lohnsteuer, veranlagte Einkommensteuer und Solidaritätsabgabe), zusammen 169,1 Milliarden als Steueranteil des Jahresdurchschnittseinkommens dagegen gerechnet und eine eigenartige Summe herausbekommen. Danach beträgt der Steuersatz durchschnittlich 13,41%. Lege ich aber einen Durchschnittsverdienst von 35.772,00 im Jahr zugrunde, müsste der Durchschnittssteuersatz lt. Steuertabelle 2007 tatsächlich 21,59% betragen. Habe ich nun falsch gerechnet oder rechnet das Stat. Bundesamt falsch oder mit unterschiedlichen Parametern, gerade so, wie die Politik es braucht?? Oder werden derart viele Steuervergünstigungen gezahlt (Riester/ Rürup-Rente und sonstige Vergünstigungen, besonders für die Hochverdiener), dass dem Steuersäckel damit 8,18% an Einkommensteuer verloren gehen?

Doch wie rechnet man nun, wie viele Arbeitnehmer einen Arbeitslosen finanzieren? Aus dem Steueraufkommen kann das wohl nicht kommen, denn dann würde man genüsslich von 4 Arbeitnehmern sprechen, legt man nur die Lohnsteuer und veranlagte Einkommensteuer und die 351 für die Lebenshaltung zugrunde. Rechne ich aber nun das Gesamtbrutto von 1.260 Billionen der Arbeitnehmer, dann macht das Transfervolumen gerade mal 3.22% aus, dass der Staat insgesamt für Arbeitslose aufwendet, also etwas mehr als den gleichen Betrag, den der Arbeitnehmer als Eigenanteil für die Arbeitslosenversicherung aufwenden muss.

Nein, ich denke, man geht von der Zahl der Arbeitnehmer aus, die derzeit bei ca. 35 Millionen liegen soll, dann nimmt man die Zahl der Leistungsbezieher von derzeit etwas über 6 Millionen, teilt die 35 Millionen Arbeitnehmer durch 6 Millionen Leistungsempfänger und rundet mal nach Belieben kaufmännisch ab (INSM) oder auf (BILD) und schon hat man ein Statement, mit dem man hausieren geht.

Allerdings stimmt es wirklich, dass der Arbeitnehmer auch die Aufwendungen für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger finanziert, so wie er das dolce Vita unserer Politiker, unserer Professoren, den Zuwachs auf den Bankkonten der Reichen, die Beamten usw. finanziert, denn ohne seine Arbeit gäbe es keine Produkte, die gekauft werden, keine Politiker, die sich selbst bedienen, keine Beamten, die den Staat mehr schlecht als recht verwalten, keine Gewinne, die in die Kassen der Reichen gespült werden usw. So aber muss man konstatieren, dass die Aufwendungen aus dem gesamten Steuertopf bedient werden, der aber noch immer nicht alle Einnahmen des Staates enthält, auch nicht die Milliarden, die er aus der Arbeitslosenversicherung unrechtmäßiger Weise entwendet, einmal als Strafzahlungen der BA an Steinbrück, einmal als Pensionsrückstellungen für Beamte der BA durch Weise. Die Rechnung über die Zahl der Arbeitnehmer, die die Rentner oder Arbeitslosen finanzieren würden, sind Propagandazahlen ohne jeden Bezug zur Realität. Man sollte lieber einmal darauf schauen, dass die Zinszahlungen des Staates an die Banken höher sind, als die Transferleistungen. Man sollte sich mal fragen, warum die Körperschaftssteuer nur 22,9% des gesamten Steueraufkommens beträgt. Vielleicht sollte man mal die Bilanzen der großen Konzerne durchforsten, die Gewinne vor Steuern und die Gewinne nach Steuern ansehen und dann mal auf die Summe der ausgewiesenen Differenzen vor und nach Steuern aller Körperschaftssteuerpflichtigen Unternehmen schauen. Ich glaube, da könnten sich leichte Unterschiede zur stat. ausgewiesenen Körperschaftssteuer des Staates ergeben.

Damit komme ich zurück zu dem Schreiber dieser Mail. Er ist ein glücklicher Sklave, der programmgemäß nickt oder den Kopf schüttelt, wie man es von einem Sklaven erwarten kann. Nur eines habe ich nicht verstanden. Er schreibt, er kommt mit seinem H4 zurecht. Er hat sich wohl auch nicht die Mühe gemacht, die Studie von Thießen und Fischer zu lesen. Diese Studie, die jeder Student besser hinbekommen hätte, weil sich ein Student auch mit den Parametern befasst hätte, die es zu beachten gilt. Wie sonst wäre zu erklären, dass in der Studie des Prof. Thießen und des Diplom-Kaufmanns Fischer nicht ein Cent für die Stromversorgung auftaucht, nicht ein Cent für die Versorgung mit Wasser, beides Positionen, die nicht in den bezahlten Wohnkosten berücksichtigt werden? Er hat wohl auch nicht gelesen, dass diese Herren die Mindestversorgung auf 132 reduzieren wollen. Aber das muss er ja auch nicht, denn er ist ja ein glücklicher Sklave. Aber warum arbeitet er dann nicht, in einem der Jobs, die man doch zuhauf findet (lt. Presse und lt. Politik), wenn man mit einem Job zufrieden ist, der unterhalb der Leistungsgrenze der Transferzahlung liegt? Damit würde er doch die geschundenen Arbeitnehmer entlasten und selbst noch glücklicher werden? Aber Arbeit macht ja frei und Freiheit will er wohl nicht, denn er liebt sein Sklavendasein. Oder hat er vielleicht doch begriffen, dass die Minijobs regulär bezahlte Arbeit vernichten? Vielleicht erklärt er mir das als Antwort auf diesen Beitrag. Vielleicht beschränkt er sich auf Beschimpfungen. Mal sehen.