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Erstelldatum: 18.08.2007

Wissen-scha(f)ft oder Wissen-verhindern?

Es gibt sie, die Leute mit dem Titel Professor, Doktor und vielen unterschiedlichen Anhängen über die zugehörige Profession. Ein Beispiel. Wenn ein Professor Volkswirtschaft studiert hat, dazu über ein Thema des Gesamtkomplexes eine Doktorarbeit verfasste und mittels dieser Arbeit promoviert (akademische Prüfung, die die Befähigung zu eigenständiger Forschung überprüft), hat er zunächst einen Dr.-Titel in Volkswirtschaft. Mit dem Dr.-Titel hat er einen akadademischen Grad erreicht. Nicht vergessen werden sollte, dass es auch die Möglichkeit gibt, Doktor zu werden, ohne ein akademische Prüfung zu absolvieren, der Dr. h. c. (honoris causa = ehrenhalber). In einem Land, in dem Titel eine derart gravierende Rolle spielen, weil es den Herrlichkeiten feudalistischer Diktatur bis heute noch nachtrauert, gibt es natürlich auch viele Politiker, die keinen Dr.-Grad erworben haben (aus welchem Grund auch immer), denen aber das Wasser im Munde zusammen läuft bei der Vorstellung, sich einen Dr.-Titel vor den Namen heften zu dürfen, selbst wenn sie die Buchstaben h. c. noch dazu schreiben müssen. Um diesen Herrschaften eine Möglichkeit zur Vereinfachung aufzuzeigen, hier mein Vorschlag:

Lassen Sie eine Namensänderung vornehmen, indem sie zusätzlich den Vornamen Dietrich annehmen. Stellen Sie diesen Vornamen vor Ihre bereits vorhandenen Vornamen und drucken Sie ihn auf Ihrer Visitenkarte in der Abkürzung Dr. aus. Da es keine Verpflichtung gibt, das der Promotion zugrunde liegende Fach anzugeben (Der. med., Dr. Phil. oder Dr. med. dent. usw.), wird die Mehrheit derer, denen Sie Ihre Visitenkarte übergeben, vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie den abgekürzten Vornamen liest. Das ist nicht einmal arglistige Täuschung, weil sie ja nie behauptet haben, ein Doktor zu sein. Dieser Weg ist einfacher, als einen Dekan einer Uni durch großzügige Spenden oder sonstige Förderungen davon zu überzeugen, Sie mit dem Dr. h. c. unbedingt beglücken zu müssen. Sollten Sie aber berechtigte Hoffnungen auf eine Kanzlerschaft haben und sich diese Hoffnungen erfüllen, haben Sie es nicht nötig, meinem Vorschlag zu folgen. Dann kommt das automatisch, im In- und Ausland.

Aber ich hatte mit einem Prof. begonnen. Prof. (Professor) ist kein akademischer Grad, sondern die im Rahmen einer Hochschulprüfung festgestellte Lehrfähigkeit, die Voraussetzung, wenn Sie an einer Uni einen Lehrstuhl beanspruchen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie promoviert haben. Die Habilitation gilt als höchste akademische Prüfung, in der herausragende Leistungen in wissenschaftlicher Forschung und universitärer Lehre nachzuweisen sind.

Aus meiner Sicht ist hier eine Teilung unbedingt erforderlich. Wissenschaft ist inzwischen ein Begriff, der nach meinem Verständnis nur noch von einer kleinen Truppe im Bereich der Promovierten und Habilitierten als Begriff Anwendung finden darf. Ich verstehe Wissenschaft so, dass ein Wissenschaftler die Aufgabe hat, Wissen zu schaffen. Betrachte ich hingegen viele der Professoren und Doktoren, die in der Presse und in den TV Medien als wissenschaftliche Experten auftreten, dann finde ich, dass diese Personen in erster Linie die Profession betreiben, Wissen zu verhindern und deshalb nicht als Wissenschaftler bezeichnet werden dürften. Dazu fallen mir auf Anhieb viele Namen ein, die ich aber nicht nennen möchte. Sonst ergeht es mir vielleicht ähnlich, wie es Dr. Andrej H. ergangen ist, auch wenn ich keinen akademischen Grad habe. Schon der Umstand, dass mir das Fehlen eines akademischen Grades keinerlei Kopfzerbrechen bereitet, macht mich in den Augen einiger Personen sicherlich verdächtig und in den Augen dieser Personen verdächtig zu erscheinen, kann als Folge einen von der Bundesanwaltschaft erlassen Haftbefehl bedeuten, in welchem ich als Mitglied einer terroristischen Vereinigung bezeichnet werden könnte. Dazu würde es ausreichen, dass ich auf Bitten eines Besuchers meiner Seite mich mit diesem treffe, ohne zu wissen, dass dieser einer im Fadenkreuz eines Geheimdienstes stehenden systemkritischen Gruppe angehört. In einem solchen Fall würde unser Treffen als konspiratives Treffen ausgelegt und aufgrund meiner Veröffentlichungen eine Mittäterschaft angenommen, ansonsten möglicherweise konstruiert werden.

Es gibt sie immer noch, die Wissen-schaftler, eine dünne Schicht Intellektueller, die sich mit dem System in unserem Land kritisch auseinandersetzen und das auch in Veröffentlichungen einem breiten Publikum näher bringen wollen. Dann kann es auch passieren, dass man das Missfallen mancher Leute in einem solchen Maße erregt, dass darüber nachgedacht wird, wie man eine solche Person aus dem Verkehr ziehen kann und dabei gleichzeitig andere kritische Geister einschüchtert.

Lesen Sie das von Wissenschaftlern verfasste Schreiben an die Generalbundsanwaltschaft zu der Verhaftung von Dr. Andrej H. . Lesen Sie auch die in diesem Zusammenhang veröffentlichten Artikel von
ATTAC
der Rosa_Luxemburg-Stiftung
Erklärung der MieterEcho-Redaktion
AG Soziales Berlin im Berliner Sozialforum
Zeit online
Die TAZ

Mein Eindruck, wer Wissen schafft ist inzwischen in den Augen der Mächtigen ein Terrorist, wer Wissen verhindert, wird Experte. Den Phrasen, mit denen Unwissen verbreitet wird, begegnen wir täglich, in der Presse, in den TV-Medien und wie diese Phrasen von breiten Bevölkerungsschichten aufgesogen werden, kann in Kommentaren aufgrund von Zeitungsberichten, aber auch in Foren jeglicher Art erfahren werden. Die Schmieden dieser Phrasen sind Institute wie Bertelsmann, INSM und andere, aber inzwischen wohl auch Universitäten, abhängig von den Lehrenden (oder heißt es Leerenden?).

Weil ich aber noch nicht in ausreichendem Maße eingeschüchtert bin, möchte ich Sie noch auf eine Internetseite verweisen. Sie nennt sich http://www.nebeneinkuenfte-bundestag.de/. Nicht das auf dieser Seite das wahre Spektrum der Nebeneinkünfte aufgezeigt wird. Das kann niemand, weil die Politiker hier mit Nebelkerzen sehr großzügig umgehen. Aber auf der Seite wird die Zahl der Nebentätigkeiten schnell erkennbar und auch die Mindesteinnahmen, die Politiker hierdurch haben. Nach oben sind da keine Grenzen zu setzen, weil diese Politiker ja eine Veröffentlichung nur in einem alles verwischendem Stufenmodell angeben müssen.
Einen Fehler habe ich noch festgestellt. Bei den Mindesteinnahmen wurde die steuerfreie Pauschale nicht berücksichtigt und bei den Ministern und der Kanzlerin nur die Mandatsbezüge, nicht aber die Gehälter als Minister oder Kanzler aufgeführt. Natürlich sind die Gehälter keine Nebeneinkünfte, aber ich stelle mir immer wieder die Frage, wie sich die gleichzeitige Mandatsausübung mit dem Amt des Ministers oder Kanzlers, aber auch bei den Staatssekretären mit dem $ 5 des Ministerialgesetzes verbinden lässt. Darauf werde ich die Betreiber noch hinweisen.