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Erstelldatum: 03.02.2010

Warum Fernsehen?

Immer wieder frage ich mich, warum so viele Menschen Monat für Monat 17,98 für das Fernsehen ausgeben. Sicher, darin sind 5,76 Rundfunkgebühren enthalten, aber einen Fernseher können Sie nicht anmelden, ohne dass die Gebühren für den Rundfunk eingerechnet werden. Sie zahlen in jedem Fall alle drei Monate 53,94 . Haben Sie wie ich nur einen Rundfunkempfänger, dann werden monatlich 5,76 bzw. im Quartal 17,28 fällig. Das empört viele Leute, die nahezu ausschließlich die Privaten nutzen, die Sender, die ihr Programm umsonst ausstrahlen, weil sie sich über Werbung finanzieren.

Viele Menschen unterliegen diesem Irrtum, dass die Privaten ihr Programm "umsonst" ausstrahlen, dabei ist diese Form von Fernsehen mit Sicherheit erheblich teurer, als die Gebühren der Öffentlich Rechtlichen. Sie zahlen dafür bei jedem Einkauf. Jede Tafel Schokolade, jede Tütensuppe, jedes Stück Käse, jedes Stück Butter, egal, was immer sie kaufen, sie zahlen für jedes einzelne Teil Fernsehgebühren. Sie wissen es nur nicht oder kennen zumindest nicht die Höhe dieser zusätzlichen Gebühren. Hinzu kommt, dass neben den Gebühren, die sie so bei jedem Einkauf zahlen, Sie selbst einer permanenten Gehirnwäsche unterzogen werden, denn Werbung soll sie ja verleiten, Produkte zu kaufen, Produkte, die sie mitunter so nötig brauchen wie einen Kropf. Analysiert man mal die Werbesprüche, kommt so viel Lüge und Dummheit ans Tageslicht, dass es schon fast schmerzt.
Das Problem ist, diese Form von Fernsehgebühren muss auch ich, zumindest teilweise, bezahlen, weil auch ich nicht vollständig auf den Kauf von Artikeln verzichten kann, die von den werbenden Konzernen hergestellt werden. Stehe ich dann an einer Kasse in einem Supermarkt, staune ich immer wieder, dass Menschen sich als Werbeträger für diesen Supermarkt betätigen und dafür auch noch Geld zahlen. Sie packen ihren Einkauf in Plastiktüten, die groß mit dem Namen der Kette beschriftet sind. Aber statt für diese Werbung Geld zu bekommen zahlen sie noch für die Tüten. Dabei wäre es ein einmaliger Kostenaufwand, sich einen Beutel aus Leinen zu kaufen, mit dem man lange Zeit alle gekauften Waren transportieren kann und gleichzeitig die Umwelt schont.

Ein Beispiel: Das Wundermittel AXE. Sprüht sich ein Mann damit ein, dann umschwirren ihn die Frauen wie Motten das Licht. Ich habe es ausprobiert. Eigentlich fand ich den Geruch aufdringlich, aber Frauen sind ja anders gestrickt und folgen dieser Duftnote. Dachte ich, aber Fehlanzeige. Obwohl ich mich an eine Stelle gesetzt hatte, an der viele Frauen vorbei mussten, erntete ich nicht einmal einen Blick, geschweige denn das hingebungsvolle Seufzen einer ob meines Duftes dahin schmelzenden Schönheit. War ich zu sparsam mit dem Zeug umgegangen? Beim zweiten Versuch habe ich fast die halbe Flasche verbraucht und siehe da, die Frauen reagierten. Im Cafe nahmen sie Platz an einem möglichst weit entfernten Tisch und wenn sie an mir direkt vorbei mussten, rümpften sie die Nase. Seither bin ich geheilt und verzichte völlig auf Duftwässerchen. Und siehe da, junge Damen und Herren lächeln mir wieder freundlich zu, allerdings sind sie zumeist in einem Alter unter 8 Jahren und das Geschehen spielt sich an einer Supermarktkasse, in einem Aufzug oder sonst wo im öffentlichen Raum ab. Und irgendwie macht es mich stolz, dass ich bei der noch unverdorbenen Spezies Mensch offenbar gut ankomme, der Spezies Mensch, die in den Alten noch nicht die Alten sehen, sondern den Opa oder die Oma, den Onkel oder die Tante. Der Spezies Mensch, die noch nicht versaut ist vom Konsumterror und den künstlich hervorgerufenen Bedürfnissen. Aber daran arbeiten die Fernsehsender ganz massiv. Man kann schließlich nicht früh genug beginnen, die Menschen auf ihre spätere Rolle als Konsument vorzubereiten. Also setzt man ihnen Comics vor, deren Gestalten offenbar eine Vorbereitung auf die später zu konsumierenden Horrorfilme sind, unterbrochen von Werbung, die direkt auf diese Zielgruppe abgestimmt ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Als ich meinen Fernseher vor ein paar Jahren auf den Müll gebracht habe, nicht ganz freiwillig, denn er hatte seinen Geist aufgegeben, habe ich mich entschlossen, ihn nicht mehr durch ein neues Gerät zu ersetzen. Der Entschluss war bedingt durch die immer schlechter werdende Qualität der Sendungen. In den ersten Wochen habe ich gemerkt, dass Fernsehen auch eine Droge ist, die süchtig macht. Ich hatte regelrechte Entzugserscheinungen, bin aber standhaft geblieben. Inzwischen habe ich festgestellt, dass man lediglich ein wenig Phantasie benötigt, dazu einen PC mit Internet-Anschluss, dann reicht es völlig, Google-News aufzurufen und man bekommt alles, was das Herz begehrt: Horror, Krimis, Serien, Komödien, Kabarett, Revue, Action. Einzige Vorbedingung, man muss lesen können. Damit meine ich nicht die Aneinanderreihung der Buchstaben, was gemeinhin als Lesen verstanden wird. Ich mein das Lesen, das die in einem Artikel gemachte Aussage erkennt, sie mit der Realität vergleicht, um daraus mit Hilfe der eigenen Phantasie und der Logik Schlüsse zu ziehen, die mitunter erheblich von den veröffentlichten Texten abweichen.

Beginnen wir mit der Komödie. Obama hat den Banken und Bankstern den Krieg erklärt, klare und starke Worte gesprochen. Das ist es, was einen Politiker auszeichnet, so zumindest ist die Meinung vieler Menschen. Wie meinte Goethe im Faust? "Die Botschaft hört ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube." Obama hat inzwischen im Kongress keine Mehrheit mehr und damit sind solche Botschaften wohl eher dazu gedacht, die aufgebrachte Stimmung in der Bevölkerung nicht nur zu mildern, die durch die Finanzkrise und die Gier der Bankster hervorgerufen wurde, sondern auch für die in diesem Jahr anstehenden Kongresswahlen zu nutzen. Schließlich ist in den USA die Arbeitslosigkeit drastisch gestiegen, Kleinanleger, die in Rentenkassen oder ähnliche Fonts eingezahlt haben, die Leute, die ihre als Haus bezeichnete Bretterbude mit Hypotheken belastet haben, die einer Prunkvilla würdig wären, stehen plötzlich vor dem Nichts, aber der Kinderglaube der Amerikaner an die Allmacht ihres Präsidenten ist in solchen Fällen ein probates Mittel, die Gemüter wieder zu beruhigen.

Dabei verkennen die Amerikaner, dass die Wurzel des Übels bereits in der den Banken vorgeschalteten Institution beginnt, dem Federal Reserve System, kurz FED genannt. Sie ist die offizielle Notenbank der USA, also die Bank mit "der Lizenz zum Geld drucken." Notenbanken haben, oder besser hatten, alle Länder. In Deutschland war es bis zum Eintritt in die Währungsunion die Bundesbank, eine staatliche Bank. Die 1913 ins Leben gerufene FED ist hingegen ein Zusammenschluss von Privatbanken. Ein schwacher US-Präsident (Woodrow Wilson) hat 1913 die von dem späteren Schwiegervater von John D. Rockefeller, Jr. (unter Gerald Ford Vize Präsident der USA) Nelson Wilmarth Aldrich nach der Rezession amerikanischer Banken 1907 auf Jekyll Island eingefädelten Verschwörung (denn das war der Federal Reserve Act) mit einigen Großbankern sein OK gegeben und der Gründung der FED zugestimmt. Es gibt Gerüchte, dass die 1907 ausgelöste Rezession durch bewusst ausgestreute Gerüchte von J. P. Morgan entstanden ist, in deren Verlauf sich die am Federal Reserve Act beteiligten Banken zusätzlich eine goldene Nase verdient haben. Natürlich wird bis heute in der offiziellen Version jegliche Verschwörung abgestritten. Aber werden das nicht Verschwörungen immer? Wie auch immer, das ist Vergangenheit.

Aber die Gegenwart ist auch nicht viel anders. Da ist der umstrittene Chef der FED, Bernanke. Obama möchte seinen 5-Jahresvertrag verlängern, aber die Senatoren machen diese Verlängerung nun zum Lotteriespiel (Obama ringt um seinen Notenbank-Chef). Würde Bernanke abgelehnt, wäre das zum ersten Mal seit Gründung der FED. Vorgeschlagen wird der Notenbankchef immer vom Präsidenten. Wenn die Süddeutsche die Unsicherheit auf die Wut der amerikanischen Öffentlichkeit gegen die Regierung und die Wall-Street zurückführt, glaube ich, das ist ein Schuss vor den Bug des Präsidenten, seine Finger von Gesetzen zu lassen, mit denen die Wall-Street und überhaupt der ganze Finanzsektor reguliert werden sollen. Lese ich dann aber einen zweiten Artikel in der Süddeutschen (Neues Feindbild - die Fed), dann steht meine Analyse auf schwachen Füßen. Das ist ähnlich wie in einem Krimi. Man hat für sich den Verdächtigen ausgemacht, aber dann treten Ereignisse ein, welche diesen Verdacht wieder zweifelhaft werden lassen. Dass Ron Paul gerne gegen das System anstinkt, ist bekannt. Er hat dafür auch in Deutschland viele Fans. Die Süddeutsche schreibt, dass Ron Paul seit langer Zeit an einer "FED-Phobie" leidet, eine Phobie, die ich für begründet halte. Wenn er mit seinem Entwurf erfolgreich wird und den Einfluss der Privatbanken in der FED verringert, wäre das in meinen Augen ein größerer Erfolg für die Amerikaner, als der Sieg der Amerikaner im Unabhängigkeitskrieg. Da in diesem Zusammenhang auch der Insiderhandel des Chefs der Goldmann-Sachs (eine der zentralen FED-Banken) erwähnt wird, sollte auch erwähnt werden, dass viele der Finanzminister in der Vergangenheit ehemalige Goldmann-Sachs-Bankster waren. Ob das Ganze nun eine Komödie, eine Tragikomödie oder ein Krimi ist, wird sich erst künftig herausstellen. Für mich ist das aber spannender als ein Fernsehabend.

Springen wir über den Teich zurück, bleiben aber beim Thema. Die Deutschen versuchen, mit Hauptdarsteller Schäuble, einen Film über das gleiche Thema auf die Beine zu stellen. Da ich ja ein wenig eigene Phantasie beim Lesen mancher Artikel einsetze, betrachte ich das Interview in der Berliner Morgenpost mit dem Drehbuchautor und Hauptdarsteller Schäuble zum Thema Bankenkontrolle wie Fragen nach seiner Rolle im Film und dem Inhalt des Drehbuchs. Aus dem Interview geht hervor, er hat kein Drehbuch und keine Vorstellungen davon und so will er mit aller Macht weiter arbeiten. Regelrecht erheiternd fand ich seine letzte Aussage auf die Frage zum Prozess gegen Schreiber. Seine Antwort:

    Wolfgang Schäuble: Nein. Was habe ich mit dem Prozess zu tun? Das ist jemand, der sich zehn Jahre der deutschen Strafverfolgung entzogen hat und jetzt endlich vor seinem gesetzlichen Richter steht.

Klar, die 100.000, die er einstmals von Schreiber bekommen hat, sind vermutlich auf seiner Festplatte im Hirn gelöscht. Wo das Geld geblieben ist, weiß niemand (außer vielleicht Schäuble) und im jetzigen Prozess zeigen erste Kommentare in der Presse, dass man eine Offenlegung der Hintergründe der Waffenschiebereien zu Zeiten Schreibers lobbyistischer Aktivität auf jeden Fall verhindern will. Das alles gehört für mich in den Bereich der Schmierenkomödie mit kriminellem Hintergrund.

Aber Schäuble ist ja ein universeller Schauspieler, der nicht nur in schlechten Komödien seinen Part spielt, sondern auch in Agenten-Thrillern (siehe Überwachung) und in Dramen. Eine Hauptrolle wird er sicherlich in dem Film "Sparbremse" übernehmen, dessen Dreharbeiten im Sommer, nach dem Krimi "NRW-Wahl" anlaufen sollen. Einen kleinen Ausblick darauf hat er im Beitrag Schäubles dramatischer Sparappell ans Kabinett zum Ausdruck gebracht. Doch das sollte jetzt nicht beunruhigen, denn das kommt erst nach der NRW-Wahl. Ich habe da einen Traum. Landtagswahlen werden wieder auf einen Zeitraum von vier Jahren reduziert und zusammen mit der Bundestagswahl finden gleichzeitig die jeweiligen Landtagswahlen statt. Das würde Geld sparen, wäre sozusagen eine erste Probe der Stimmauszählung (siehe Schleswig Holstein) und würde eine Politik ermöglichen die 3,5 Jahre anhält. Das übrige halbe Jahr wäre für den Wahlkampf politikfrei. Das ist aber nur ein Traum. Die Realität ist die NRW-Wahl und der Versuch der Regierungsmannschaft, alle poltischen Entscheidungen auf die Zeit nach der Wahl zu verschieben. Kommt aber bei der NRW-Wahl wieder eine Mehrheit für CDU und FDP zustande, gebe ich die Hoffnung auf, dass Menschen lernfähig sind.

Was Schäuble nicht über die Lippen kommt, ist auch nur ansatzweise ein Hinweis, dass man die Verursacher der Krise, also die Bankster, für den Schaden verantwortlich macht und sie vor allem zahlen lässt. Beschränkungen des Boni? Da lachen doch die Verursacher nur, wie es Ackermann bereits gemacht hat. Die Frankfurter Rundschau hat sich des Themas ein wenig intensiver angenommen. Die unverschämte Show geht weiter ist ein Artikel über Ackermann, der ein etwas anderes Bild von Ackermann erzeugt, als es Schäuble im Interview getan hat. Mit dem Artikel Bankenkontrolle mit Samthandschuhen geht sie auf die Vorhaben der G20 zur Bankenaufsicht ein.
Aber was nützt uns das, wenn eine Zeitschrift mal die Wahrheit schreibt? Wenn es ans Zahlen geht, zahlen wir die Zeche und wehren uns nicht einmal. Ist das Fatalismus? Lethargie? Oder einfach nur Dummheit?

Jetzt steht im europäischen Raum die Griechenlandfrage auf der Agenda. Griechenland gilt als das höchstverschuldete Land der Euro-Zone. Nun kommen Forderungen auf. Euro-Länder fordern deutsche Griechenland-Hilfe, so die WELT. Warum die Aufregung? Nun, Rating-Agenturen haben Griechenland herabgestuft. Da Griechenland Mitglied der Euro-Zone ist, hat das auch Auswirkungen auf die Währung. Der Wert des Euro fällt. In den Kommentaren zu dem Artikel in der WELT werden allerdings die Begrifflichkeiten ein wenig wirr gehandhabt, denn die EU und die Währungsunion sind zwei paar Schuhe (auch wenn keines der beiden Paare passt). Die EU und die EWWU (Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion) umfasst 27 Länder, die Euro-Zone (EWU oder Europäische Währungsunion) aber nur die 16 Länder, die ihre Währung gegen den Euro eingetauscht haben. Die in den Kommentaren zum Ausdruck gebrachte EU- und Euro-Abstinenz kann ich hingegen verstehen und teile sie.
Rating-Agenturen sind der Teil der Bankenmafia, die jahrelang die giftigen Derivate im Finanzgeschehen hoch, also mit geringem Risiko eingestuft und damit die weltweite Krise vorbereitet haben. Jetzt geben sie sich daran, die Folgen der Krise, nämlich die hohe Verschuldung der Länder auszunutzen. Stufen sie ein Land herab, bedeutet das für dieses Land, dass das Risiko für Staatsanleihen als hoch bewertet und Kredite damit erheblich teurer werden. Man kann auch sagen, jetzt wird die Ernte eingefahren. Statt diese Mafioso einzusperren, lässt man sie weiter gewähren und verlässt sich auf ihre Aussagen über Wert oder Unwert. Schwer zu sagen, ob das Ganze auf Unfähigkeit zurückzuführen ist oder Methode hat. Ich präferiere Letzteres.

Fakt ist aber, dass die Deutschen die Verursacher nicht zur Rechenschaft ziehen. Sie tun das Gegenteil, indem sie diese kriminellen Zocker in den Arbeitskreis zur Bewältigung der Finanzkrise eingebunden haben. Was die Anhänger einer solchen Philosophie gerne verbreiten, dass Ackermann keine Mittel aus dem Rettungsschirm in Anspruch genommen hat, halte ich nur für bedingt richtig. Die HRE (an der auch die Deutsche Bank beteiligt war) soll als Bad Bank funktionieren und hat eigene toxische Papiere in einer Größenordnung von ca. 200 Milliarden Euro. Wie kommt eine Mittelstandsbank an faule Papiere in dieser Größenordnung. Schon vor dem massiven Ausbruch der Finanzkrise gab es Gerüchte, dass die Deutsche Bank ihre toxischen Papiere bei der HRE abgeladen hätte. Aber an solche Tabus rühren die Politiker der Regierung natürlich nicht. Würden sie es tun, blieben sicherlich die Parteispenden der DB aus und auf diese 100-Tausende Euros (400.000 in den ersten 10 Monaten 2009 an die CDU) möchte man ja nicht gerne verzichten. Zwar hat die FDP zuletzt im Dezember 2008 eine Spende der DB von ebenfalls 200.000 angezeigt, aber wie heißt es doch so schön? Kleinvieh macht auch Mist und mit der kleinen Spende der Substantia, genauer, der Mövenpick-Kette, noch genauer, des Barons von Finck, schafft es die FDP sicherlich, halbwegs über die Runden zu kommen!

Eine Burleske der besonderen Art hat unser neuer Vizekanzler und Außenminister Westerwelle aufgetan. Er will den Taliban Geld zahlen, damit sie von den Taliban ablassen?! Im Spiegel gab es dazu einen amüsanten Offenen Brief an Guido Westerwelle
"Ich schwöre der Gewalt ab!"
Ich glaube aber, der Verfasser des Schreibens sieht das falsch. Im letzten Jahr hat doch die große Koalition so viel Erfolg mit der Abwrackprämie gehabt. Betrachten wir doch Westerwelles Vorschlag als Abwrackprämie für die Taliban. Sie bekommen Bares, wenn sie ihre alten verrosteten Waffen einstampfen. Bei Nachweis, dass die alte Knarre verschrottet wurde und diese mindestens 20 Jahre alt ist, können sie dann bei Mauser eine K98 neuester Bauart bestellen, wahlweise auch bei Heckler & Koch ein anderes Modell. Den Zuschuss zahlt Westerwelle. Aber vielleicht geht ja in dieser Frage meine Phantasie mit mir durch oder ich habe Westerwelle falsch verstanden?

Aber ich habe ja auch Horror-Ersatz versprochen. Der Horror ist inzwischen sich ausweitende Realität. Wer heute Orwells 1984 als Drohung begreift, hat noch nicht begriffen, dass die Gesellschaft schon längst viel weiter ist. Nur wissen es zu wenige Menschen. Man könnte mal auf die Straße gehen und das Wissen testen. Fragen Sie den Mann, die Frau auf der Straße nach der Vorratsdatenspeicherung und Sie werden feststellen, dass viele Leute davon wissen, wenn auch nur nebulös, also ohne Kenntnis der genauen Vorgänge. Fragen Sie dann weiter nach ELENA, wird das Wissen darüber schon deutlich eingeschränkt sein. Fragen Sie weiter nach INDECT, werden von 100 Personen vermutlich 100 nicht wissen, was sich hinter der Bezeichnung verbirgt.

Noch sind die Vorratsdatenspeicherung und ELENA unterschiedliche Datensammlungen, wobei gegen ELENA derzeit eine Petition gerichtet ist, der sich eigentlich jeder Bürger anschließen müsste. Wer ELENA noch gar nicht kennt, kann sich HIER zumindest oberflächlich darüber informieren.

Politiker werden in allen Fällen betonen, dass diese Datensammlungen nur der Sicherheit (Vorratsdatenspeicherung) und der schnelleren Bearbeitung (ELENA), z. B. im Falle der Arbeitslosigkeit diene. Und irgendwie klingt das ja auch einleuchtend, zumindest für ein naives Gemüt. Schließlich werden wir von jeder Menge Terroristen bedroht und von Arbeitslosigkeit ohnehin. Wenn man aber nach Terroristen sucht, sollte man in Berlin und in Brüssel mit der Suche beginnen, denn dort sitzen die wahren Terroristen, die ein immer enger werdendes Netz um die Bevölkerungen schnüren. Die Vorratsdatenspeicherung gibt interessierten Kreisen Einblicke in unsere Privatsphäre, von der wir im Netz ohnehin schon viel zu viel preisgeben. Wer wirklich glaubt, dass diese gespeicherten Daten nur in dem Sinne angewendet und genutzt werden, wie es in den Gesetzen steht, sollte sich allmählich an den Gedanken gewöhnen, dass Geheimdienste wie das BKA oder der Verfassungsschutz sich noch nie um bestehende Gesetze gekümmert haben. Diese Geheimdienste greifen die gespeicherten Daten auch ohne Erlaubnis ab.

Jetzt kommt ELENA hinzu und damit erweitert sich das Spektrum der erfassten Daten auch auf die gesamte Arbeitswelt. Führt man diese beiden Datensammlungen zusammen, hat man ein Gesamtbild von jedem Bürger, das weit über das des Romans "1984" hinausgeht. Nun gibt es ja immer noch Staatsgläubige, die so etwas für unmöglich halten. Aber genau das ist feste Planung, denn hier kommt INDECT ins Spiel, ein Forschungsprojekt der EU, die das Zusammenführen von Daten aus den unterschiedlichsten Quellen zum Inhalt hat. Bedenkt man, dass der Standort von jedem Handy-Benutzer auch mittels RFID zu jeder Zeit ermittelt werden kann, völlig losgelöst von der Frage, wo er sich momentan aufhält, dann hat der Staat zu jeder Zeit Zugriff auf jeden Bürger und weiß alles über ihn, mehr als der Bürger selbst. Selbst das, was er irgendwann in einem Forum geschrieben hat, kann ihm über die Internet-ID zugeordnet werden.

Wer immer noch glaubt, die BRD oder die EU seien demokratisch ausgerichtet, gehört wohl zu den Menschen, deren erster Griff beim Betreten ihrer Wohnung der Fernbedienung des Fernsehers gilt, Leute, die alles über DSDS oder das next Topmodel wissen, die jeden Teilnehmer bei Big Brother mit Namen kennen, voller Spannung die Talk-Shows am Nachmittag oder die Sendungen von Richterin Salesch oder Richter Hold verfolgen, die zu Tränen gerührt die Mysterie Serien verfolgen, wenn Tote mit einem Medium Kontakt aufnehmen und was noch so alles an Schwachsinn im täglichen Fernsehen und danach in unzähligen Wiederholungen geboten wird. Aber was in der realen Welt abgeht, davon hat dieser Typus Mensch keinen Schimmer, will es auch nicht wissen, denn dann müsste er ja beginnen, selbst zu denken. Aber fürs Denken hat er doch die Zeitung mit den vier großen Buchstaben.

Nun, ich habe keinen Fernseher mehr, also muss ich mir meine Unterhaltung im Netz suchen, zumindest teilweise. Und weil es im Netz ja nicht nur die standardisierten Märchenerzähler wie BILD, WELT, Spiegel, Stern usw. gibt, kommt man auch an Informationen, über die Presse oder Fernsehen nur selten, falsch oder gar nicht berichten und man gelangt auf diese Weise zu einem etwas anderen und sicherlich realistischeren Weltbild. Dazu muss man natürlich zu unterscheiden wissen, was nun reiner Unsinn, teilweiser Unsinn und was Wirklichkeit ist. Das wiederum setzt voraus, dass man nicht nur Buchstaben aneinander reiht, sondern auch zwischen den Zeilen zu lesen vermag. Doch das muss man nur wollen, dann kommt das ganz von alleine.

Sehen Sie, so spare ich jedes Quartal 36.66 , weil ich keine Fernsehgebühren zahlen muss, muss mich nicht ärgern, weil wieder kein Sender etwas wirklich Interessantes ausstrahlt, muss nicht die x-te Wiederholung von James Bond oder Filmen vom gouvernalen Muskelprotz Arnold Schwarzenegger über mich ergehen lassen, muss mir keine Serien ansehen, die wie Garderobe von der Stange jede Folge nach dem gleichen Schnittmuster produziert. Ich bin frei und es war anfänglich gar nicht so leicht, mit dieser Freiheit umzugehen. Aber heute bin ich nicht mehr gewillt, mir diese Freiheit nehmen zu lassen, weder von den Eurokraten noch von den Leuten in Berlin, in Hessen oder sonst wem. Sicherheit? Glauben Sie ernsthaft, der Staat hätte Ihre Sicherheit im Sinn, wenn er wie verrückt Daten sammelt? In München wurde kurz vor Weihnachten ein Mann tot geprügelt, weil er helfen wollte. Wo waren die Sicherheitskräfte, die das hätten verhindern sollen? Vor einer Woche wurde erneut ein Mann in einer Münchner U-Bahn brutal zusammen geschlagen. Wo waren die Sicherheitskräfte, wo war der Schutz für den Bürger? Selbst die Kenntnis der Behörden über die Gewaltbereitschaft mancher Jugendlicher oder Erwachsener wird sie nicht schützen, wenn Sie in den Fokus dieser Leute geraten. Der Staat kann ihnen keine echte Sicherheit bieten. Im Gegenteil, die Zahl der normalen Ordnungskräfte wird seit Jahren reduziert. Dieser Staat will nicht Ihre Sicherheit, sondern er will Sie bei Bedarf kontrollieren und sie u. U. auch manipulieren können, denn die gesammelten Daten können auch leicht an "politische Erfordernisse" angepasst werden.

Sie glauben an die Ehrlichkeit des Staates? Hören Sie sich einen Roland Koch an, der in meinen Augen ein Rassist und ein Betrüger ist, denn das seit 10 Jahren schwelende Verfahren um die schwarzen Kassen der Hessen-CDU ist ein Betrugsverfahren. Schauen Sie sich den Wahlbetrug bei der letzten Landtagswahl von Schleswig-Holstein in Husum an. Wer weiß, wenn man alle Stimmen der Wahl erneut auszählen würde, von ganz Schleswig Holstein, ob dann immer noch ein Ergebnis heraus käme, dass FDP und CDU eine Mehrheit beschert. Kommen Ihnen nicht Zweifel, ob die Wahlergebnisse insgesamt wirklich korrekt sind?

Aber solche Fragen stellt sich der gemeine Fernsehzuschauer in der Regel nicht. Auch liest er meist nur Zeitungen, die sein Weltbild nicht durcheinander bringen, sondern so schreiben, wie er es hören bzw. lesen möchte. Zweifel kommen bei ihm nur auf, wenn sein Weltbild durch Ereignisse durcheinander gebracht wird, von welchen er bisher nur glaubte, dass sie nur andere treffen. So findet es der gemeine Fernsehzuschauer sicherlich richtig, wenn Frau von der Leyen die Auffassung äußert, dass das durch die Änderung des Kindergeldes und durch die von den Arbeitsbehörden aus diesem Grund falsch ausgestellten Bescheide, durch welche die ALG II-Empfänger 20 zu viel an Kindergeld bekommen haben, schließlich Steuergelder wären, die man zurückholen müsste. Der gemeine Fernsehzuschauer (sofern er selbst nicht betroffen ist), wird zustimmend nicken und vermutlich nicht begreifen, dass für eine solche Rückholaktion dieses zu viel gezahlten Geldes ca. der 4-fache finanzielle Aufwand, also rund 80 aufgebracht werden muss. Er kennt schließlich immer nur die Fernseh- und Presse-Versionen. Woher sollte er wissen, dass man das Geld nicht einfach bei der nächsten Zahlung einziehen kann, weil hier nicht ein Verschulden des Empfängers, sondern der Behörde vorliegt. Woher sollte er wissen, dass die Behörden nun einen Widerruf des alten Bescheides veranlassen müssen, dann einen berichtigten Bescheid erfassen und versenden müssen. Das ist ein ungeheurer bürokratischer Aufwand, der in keinem Verhältnis zu den zu viel gezahlten Beträgen steht. Dass dieses Vorgehen zusätzlich eine weitere Prozesslawine in Gang setzten wird, kommt noch hinzu. Was also treibt die von der Leyen an, auf der Rückforderung zu bestehen? Ist es Unvermögen, weil sie nicht wirklich weiß, was das bedeutet? Oder ist es einfach nur Bosheit der "Elite-Ministerin", die so gerne die Vorzeige-Mutti spielt, allerdings nur bei "Elite-Kindern?

Sie sehen, "Fernlesen" ist viel aufregender als Fernsehen. Auch dort gibt es "Wiederholungen" (siehe Schweinegrippe), aber die muss man ja nicht anklicken, wenn man nicht interessiert ist. Als Fernleser stoßen Sie dann mitunter auf Informationen (oder, wie in meinem Fall, werden Sie darauf gestoßen), die Presse und Fernsehen tunlichst nicht bringen. So der Hinweis, dass Francis A. Boyle, ein US-Professor für Völkerrecht, beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gegen Bush, Cheney und andere führende Vertreter der Bush-Administration Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingereicht hat. Dann muss man nur ein wenig suchen und kommt schließlich zu dem Resultat, dass das keine Ente, sondern Realität ist. Beim amerikanischen Wikipedia wird leicht erkennbar, dass Boyle ein entschiedener Gegner der Kriegspolitik (nicht erst der von Bush) ist. Und in der ausländischen Presse findet man die Bestätigung der Anzeige, nichts davon aber in der deutschen Presse.

Und, sprechen wir auch einmal über das Resultat bestimmter Fernsehsendungen, vor allem der Bertelsmann-Sender. Jungen Menschen wird durch Presse und Fernsehen seit jeher eine Glamour Welt vorgegaukelt, die es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Da sieht man die Schönheiten auf Bällen, mit eleganten Kleidern, denen es entgegen den Gesetzen der Schwerkraft irgendwie gelingt, den minimal bekleideten Rest des Busens bedeckt zu halten. Man sieht die Herren, die im Smoking oder Frack mit anderen Herren oder Damen Nichtigkeiten austauschen. Dass sich dahinter ein Sumpf aus Drogen und Kriminalität verbirgt, bleibt den Zuschauern verborgen. Welches junge Mädchen oder welcher junge Bursche träumt nicht davon, in diesen Kreisen auch eine Rolle zu spielen und sie melden sich zu Tausenden, wenn mal wieder eine Casting-Show aufgezogen wird. Dafür sind sie zu jeder Form des Exhibitionismus bereit, um die voyeuristischen Zuschauer dieser Sendungen zu befrieden. Mit Dieter Bohlen hat RTL dabei den richtigen Sadisten gefunden, der dem Sender hohe Einschaltquoten und ihm selbst traumhafte Gagen garantiert. Der Zuschauer merkt es nicht einmal, dass er zum Voyeur umerzogen wird. Gleiches gilt für Heidi Klum und die Sendung Next Topmodel oder die von RTL II ausgestrahlte Sendung Big Brother. Ich halte diese Sendungen für einen widerlichen Abklatsch der Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Brot und Spiele, ein Jahrtausende altes Rezept. Aber das ist nicht alles. Diese Sendungen verleiten die Beteiligten, ob Zuschauer oder Teilnehmer, das ständig beobachtet zu werden als normal zu empfinden. Diese Leute empfinden die zunehmende staatliche Kontrolle über Video-Kameras, demnächst durch RFID-Chips in Ausweisen, durch die Vorratsdatenspeicherung und durch ELENA offenbar nicht als Belastung. Das wird sich vermutlich auch erst ändern, wenn die Staaten (denn dieses Vorgehen wird in allen westlichen Ländern praktiziert) ihre Macht, die sie auf diesem Wege zusätzlich gewonnen haben, ausspielen.

Stellen Sie sich vor, sie würden meinem Beispiel folgen und plötzlich feststellen, dass Sie ungeheuer viel Zeit gewonnen haben, sich problemlos mit Ihrer Familie beschäftigen können weil kein Fernsehprogramm Ihren Tagesablauf bestimmt. Stellen Sie sich vor, Sie könnten wieder mit ihren Kindern spielen und sich auch mit deren Problemen befassen, ob dann nicht vielleicht wieder eine Generation heranwachsen würde, die weiß, zu was Eltern nütze sind? Einige Ältere werden sich vielleicht noch erinnern, wie es war, als das Elternhaus noch kein Fernsehhaus war. Die gute alte Zeit. Davon haben die Alten immer geredet, aber heute kann man beweisen, dass die gute alte Zeit wirklich eine gute Zeit war, auch wenn man keinen Fernseher, kein Handy, keinen PC, keinen Nintendo und kein Auto hatte. Oder war die Zeit deshalb gut, weil man diesen technischen Schnick-Schnack nicht hatte?