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Erstelldatum: 11.05.2006

Vorbemerkungen zum Brief an Bush

Überrascht zeigte sich die Presse, dass sich der Iranische Präsident Mahmood Ahmadinejad in einem Brief an Bush gewendet hat. In den gängigen Medien wurde das Schreiben nicht oder nur einzelne Sätze, aus dem Zusammenhang gerissen, veröffentlicht und mit Kommentaren versehen, die wie in der Vergangenheit auf die Bedrohung durch den Iran verweisen.

Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice bezeichnet das Schreiben als belanglos. Sie meint, Ziel Ahmadinedschads sei es vermutlich gewesen, die internationale Gemeinschaft kurz vor dem Außenministertreffen in New York durcheinander zu bringen.

Der amerikanische Uno-Botschafter John Bolton, ein sehr umstrittener Mann in der UNO, meint, er sehe darin den Versuch Irans, den Entscheidern "Sand in die Augen zu streuen". Das sei typisch für das Vorgehen Irans vor wichtigen Entscheidungen. Auch US-Geheimdienstchef John Negroponte hält das Schreiben für eine taktische Initiative.

Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen eine Resolution auf der Grundlage von Kapitel VII der Uno-Charta verabschieden. Dieses Kapitel ermächtigt den Sicherheitsrat zu Sanktionen und Militärschlägen. Russland und China sind strikt dagegen.

Deutschland ist ja derzeit auf Kuschelkurs zu Bush und in meinen Augen ist Steinmeier ein Heuchler. Er war Kanzleramtschef unter Schröder und hat dort strikt gegen den Irak-Krieg votiert. Jetzt ist er Außenminister einer Kanzlerin, die schon im Irak-Krieg die Positionen der USA unterstützte und nun die erneuten Kriegsgelüste des amerikanischen Präsidenten massiv unterstützt.

Bolton (UN-Botschafter) und Negroponte (Geheimdienstchef von den 18 US-Geheimdiensten) waren und sind Kriegstreiber. Negroponte wird, wenn Bush es will, so wie Tennet (ehemaliger Geheimdienstchef) wieder jede Menge gefälschte Beweise liefern.

Rice und Bush interessiert es nicht die Bohne, ob der Iran wirklich eine Atombombe baut, denn für die USA stellt das keine Bedrohung dar. Diese beiden, aus meiner Sicht zurzeit gefährlichsten Menschen der Welt haben ganz anderes im Sinn und dabei stört der Iran. Geht es nach ihnen, dann wird sich wieder "eine Armee der Willigen, diesmal unter Deutscher Beteiligung" auf den Weg machen, um den Iran zu zerstören. Für Bush dann sicherlich auch die Gelegenheit, seine neu entwickelten "Minibombs" mal einzusetzen, um die Wirkung in der Realität zu testen. Dann zu behaupten, man hätte mit einer solchen Bombe eine Anlage zur Herstellung von Atombomben zerstört, wird man ihm nicht widerlegen können, denn eine "Minibombe" ist immer noch weit wirkungsvoller als die Bomben auf Nagasaki oder Hiroshima und hinterlässt keine verwertbaren Spuren.

Ahmadinejad ist Politiker und ich kann nicht beurteilen, wie ehrlich oder unehrlich er ist. Aber ich kann die Taktiken der gängigen Presseorgane ein wenig beurteilen, deren Berichte seit vielen Jahren immer zielgerichtet sind und durch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate die Aussagen in einem anderen Licht darstellen und damit Meinungen suggerieren, die in dieser Form nie Inhalt von bestimmten Aussagen waren. So geht es auch mit der Berichterstattung über den Iran. Es wird ein verzerrtes Bild erstellt, auch unterstützt von Iranern, die nach dem Sturz des Schah-Systems aus dem Iran geflüchtet sind, weil sie eine politische Verfolgung befürchteten und seither vom Hass auf das jeweils etablierte Regime im Iran geprägt sind.

Kaum einer hier im Lande kann wirklich abschätzen, was im Iran wirklich los ist und welche Rolle Ahmadinejad wirklich spielt. Aber ich weiß, dass Großbritannien und die USA seit Mitte des vorigen Jahrhunderts sich kräftig in die Politik des Iran einmischten. 1951 wurde die Anglo-Iranian Oil Company (später umbenannt in BP), eine von den Briten geführte (globale) Ölgesellschaft gegen den Willen des von den Briten installierten Schahs Mohammad Reza Pahlavi privatisiert, weil die Engländer die Gewinne der Öl-Firma nicht gerechter teilen wollten. Sie wandten sich an die USA, doch solange Truman Präsident der USA war, winkten die Amerikaner ab, weil Massadegh dort sogar wohlwollend und mit Respekt behandelt wurde. Das änderte sich, als Eisenhower Präsident wurde.

Mossadegh war ein im Iran beliebter Ministerpräsident, aber sein Zusammengang mit einer kommunistischen Partei (Tudeh-Partei) ließ Befürchtungen bei den Amerikanern aufkommen, die Sowjetunion könne über die Tudeh-Partei Einfluss im nahen Osten gewinnen und man beschloss, Mossadegh zu stürzen.

Am 4. April 1953 billigte Allen W. Dulles, der Direktor der CIA, ein Budget von einer Million US-Dollar, die dazu verwendet werden sollten, Mossadegh zu stürzen ("in any way that would bring about the fall of Mossadegh"). Mit der "Operation Ajax" gelang es der CIA in Kooperation mit dem Schah und monarchistischen Gruppen am 22. August 1953 Ministerpräsident Mossadegh aus dem Amt zu entfernen. Dieser weigerte sich, zuvor über Radio die Bevölkerung zu mobilisieren, und verhinderte damit ein Blutvergießen. Mossadegh wurde verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt mit anschließendem Hausarrest bis an sein Lebensende (in seinem Geburtsort). Allerdings war noch vor 10 Jahren der Wikipedia-Bericht ganz anders abgefasst, deshalb sollte man sich einen Breicht der Deutschen Welle durchlesen, der das Thema wesentlich objektiver als Wikipedia behandelt.

Man setzte dann wieder den pro-westlichen Schah Mohammad Reza Pahlavi als Oberhaupt des Iran ein, einen bei der deutschen Presse wohlwollend skizzierten Despoten, dessen blutige Herrschaft in der deutschen Presse keinen Widerhall fand.

So wie dem Iran ging es vielen Staaten (auch dem Irak) in der ganzen Welt. Wer den Interessen der USA entgegenstand, musste damit rechnen, dass die USA sich direkt oder auf indirektem Wege einmischte und die bestehenden Systeme stürzte. So kam mit Unterstützung der USA Hussein an die Macht und auch Pinochet in Chile.

Ich erkläre das, weil der Iran keine anderen Staaten bedroht hat, aber vom Irak u. a. mit von den USA gelieferten chemischen Waffen und mit Unterstützung der USA angegriffen wurde. Schaut man zurück, dann war die USA die Macht in der Welt mit den meisten direkten und indirekten Kriegen gegen andere Völker, ohne jemals selbst angegriffen worden zu sein. Die einzigen Angriffe gegen die USA waren Verstaatlichungen von Rohstoffquellen, die zuvor von britischen und amerikanischen Unternehmen in wirklich ausbeuterischer Art betrieben wurden.

Der Iran hat in mittelbarer und unmittelbarer Nähe Atommächte (Russland, Pakistan) und auch Indien und Israel sind nach heutigem Stand der Technik nur einen Steinwurf entfernt. Gleichgültig, ob der Iran eine Atombombe bauen will oder nicht, sie würde der Abschreckung und nicht dem Einsatz dienen, so wie das in Nordkorea ja funktioniert hat.

Bush lässt immer neue Nuklearwaffen bauen, die USA haben das größte Nuklear-Waffen-Arsenal der Welt und sie sind die Macht in der Welt, die ohne Rücksicht bereit ist, ihr Waffenpotential gegen andere Völker einzusetzen. Wer in den USA eine Friedensmacht sieht, ist ein Narr. Sie ist eine Kriegsmacht mit eindeutigen imperialistischen Interessen. Sie will die Welt beherrschen und ihrem Kapital die Möglichkeit geben, alles nach amerikanischen Maßstäben Verwertbare zu den Bedingungen der amerikanischen Geldgeber auszubeuten. Daran ändert auch nichts, dass sie Deutschland vom Nazi-System befreit haben. Auch das lag durchaus im Eigeninteresse der Amerikaner. Die Bedrohung der Welt ist nicht der Iran, sondern Bush und Rice.

Warum wird das Schreiben von Ahmadinejad nicht von den Medien im Volltext veröffentlicht? Weil in diesem Schreiben viel Wahrheit steckt?
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