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Erstelldatum: 26.11.2007

Vermarktet

Wirtschaft und Markt sollen nach dem liberalen Konzept eine sich gegenseitig stimulierende, aber auch kontrollierende Einheit bilden. Dass das nicht funktioniert, sehen wir allenthalben. Trotzdem schenken zu wenige Menschen dem Marktgeschehen die Beachtung und Aufmerksamkeit, die man ihm widmen sollte.

Was ist das überhupt, Markt? Manche werden einen Vergleich zum Wochenmarkt ziehen, ein Vergleich, der zu kurz zielt. Andere werden ganz richtig formulieren, Markt ist ein Austausch von Gütern jeglicher Art und das trifft es schon genauer. Was aber sind Waren? Das ist mit einem Wort gesagt: "ALLES!" Pflanzen? Sind Ware, frisch, getrocknet, gekocht. Tiere? Sind Ware, lebendig, tot, im Ganzen oder in Teilen. Sand, Wasser, Steine, Flüsse, Meere, Wälder, Wiesen, Felder, alles Waren. Menschen? Sind die Verwerter der Waren. Aber HALT, das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn Menschen sind Ware, wie alles auf diesem Planeten. Der Markt kennt keine Grenzen. Alles was verwertbar ist, ist Teil des Marktes als Ware. Das gilt auch für den Menschen. Er ist in vielerlei Hinsicht Markt und Ware zugleich. Sein Samen? Markt und Ware! Seine Föten? Markt und Ware! Seine Organe? Markt und Ware! Seine Seele? Markt und Ware! Sein Verhalten? Markt und Ware! Sein Leben? Markt und Ware! Es gibt für alles einen Markt, legal oder illegal. Die einzige Maxime ist die Frage nach dem Profit.

Die Vermarktung des Menschen ist keine Erfindung der Neuzeit, denn mit der Sklaverei wurde sie bereits in der Antike und vorher praktiziert. Die Religion hat die Vermarktung der Seele eingeführt, doch der Rest ist relativ neu. Sie brauchen eine neue Leber? Tut uns leid, die sind aus, aber wir setzen Sie auf eine Warteliste. Wie, Sie haben Geld? Das ist natürlich etwas anderes. Wann können Sie kommen?

Ein Markt ist besonders umkämpft und wird am wenigsten wahrgenommen: "Das Verhalten!" Seit Freud weiß man, wie man Verhaltensmuster analysieren und missbrauchen kann. Die Werbung macht sich das zunutze, aber da wissen wir, dass eine gezielte Beeinflussung stattfinden soll und können es ignorieren. Manche wenigstens. Aber wir haben ja noch das Fernsehen, liebevoll Pantoffelkino genannt. In seinem Beitrag Die Industrialisierung des Denkens auf Telepolis beklagt Rüdiger Suchsland den Umstand, dass selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen die Kultur immer mehr ins Hintertreffen gerät. Er hat Recht, aber aus meiner Sicht zieht er die falschen Schlüsse. Er betrachtet die Verflachung der Programme des Fernsehens der Öffentlich Rechtlichen als die Folge eines Zeitgeistes, der zur Entpolitisierung der Allgemeinheit führt. Ich hingegen denke, dass dahinter eindeutig System steckt. Doch dazu später mehr.

Zunächst muss ich ein wenig ausholen und mal wieder auf den Begriff Liberalismus im Zusammenhang mit dem Marktgeschehen zurückkommen. Neoliberalismus wird heute wirklich als eine Art Schimpfwort angesehen. Zu Unrecht, wie ich denke.

Das, was wir heute Neoliberalismus nennen, ist eine Abart des Laissez-faire, des "reinen" Liberalismus, einer Idee, die bereits 1707 von Boisguilbert mit den Worten "on laisse faire la nature" (man lasse die Natur machen) Bestand einer Dissertation war. Die Grundidee von Laissez-faire ist es, dass sich der Staat aus allen Belangen der Wirtschaft heraushalten solle. Der Begriff Neoliberalismus wurde dann auf dem Walter Lippman Kollegium 1938 von Alexander Rüstow geprägt. Auf diesem Kollegium ging es um eine neue Art des Liberalismus. Walter Lippmann Kollegium deshalb, weil der amerikanische Schriftsteller und Journalist Walter Lippmann dazu eingeladen hatte. Mit von der Partie aus Österreich waren Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und Alfred Schütz, Wirtschaftswissenschaftler der Österreichischen Schule. Friedrich August von Hayek war später der deutsche Papst des Neoliberalismus heutiger Prägung, der die Lehre u. a. an der Uni Freiburg verbreitete und mit der von Hayek Stiftung im Geiste noch heute präsent ist. Auf dem Walter Lippman Kollegium sollte die Fähigkeit des Liberalismus erörtert werden, sich den Problemen der Zeit, sprich dem Totalitarismus (Hitler-Deutschland) und der Weltwirtschaftskrise entgegen zu stellen. Der Begriff Neoliberalismus sollte die Abgrenzung der neuen liberalen Konzepte gegenüber dem Laissez-faire-Liberalismus des 19. Jahrhunderts dienen, der letztendlich im Manchester Kapitalismus mündete. Entgegen dem heute gelebten Neoliberalismus äußerte sich Alexander Rüstow wie folgt:

    Der neue Liberalismus jedenfalls, der heute vertretbar ist, und den ich mit meinen Freunden vertrete, fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört. Und mit diesem Bekenntnis zum starken Staat im Interesse liberaler Wirtschaftspolitik und zu liberaler Wirtschaftspolitik im Interesse eines starken Staates – denn das bedingt sich gegenseitig, mit diesem Bekenntnis lassen Sie mich schließen.
Als Ziele wurden die Hauptforderungen des Neoliberalismus definiert:
  • Monopol- und Kartellkontrolle,
  • sozialern Ausgleich,
  • Chancengleichheit,
  • Internalisierung externer Effekte dienen sollen.
Die Idee des Neoliberalismus wendet sich dabei ausdrücklich gegen jede Art monopolistischer und gruppenegoistischer Machtentfaltung (Lobbyismus) sowie gegen willkürliche staatliche Eingriffe wie z.B. marktverzerrende Subventionen oder Schutzzölle. Genau diese Gefahren sahen die damaligen Teilnehmer des Lippmann Kollegiums im Ursprungskonzept des Laissez-faire. Dieses Konzept des Neoliberalismus verwirklichte Ludwig Erhard weitgehend mit dem als soziale Marktwirtschaft bezeichneten Wirtschaftskonzept der Nachkriegszeit. Es war übrigens auch das Wirtschaftskonzept von Keynes.

Das, was heute als Neoliberalismus bezeichnet wird, hat nichts mit Neoliberalismus zu tun. Es ist das Konzept des Friedrich August von Hayek, den ich als Fanatiker und Wirrkopf sehe. Dazu sollte man wissen, dass von Hayek ein fanatischer Gegner des Sozialismus war. In seinem Buch "Der Weg zur Knechtschaft" vertritt er die Ansicht, dass der Nationalsozialismus in Deutschland und der Faschismus in Italien nicht – wie sozialistische Intellektuelle behaupteten – Formen der kapitalistischen Reaktion seien, sondern "Weiterentwicklungen des Sozialismus". Diese und ähnliche Agitationen gegen jede sozialistische Idee hat er sein Leben lang verfolgt. Hat er anfangs noch das Wirtschaftskonzept von Ludwig Erhard unterstützt, wandte er sich bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts davon ab. Ausgerechnet die FDP, in deren Reihen nach dem Krieg eine Vielzahl der nach Hayeks Vorstellungen "braunen Sozialisten" Unterschlupf gefunden hatten, griff die Ideen seines Wirtschaftskonzeptes auf. Bedauerlich, dass gerade die FDP in der damaligen Zeit der Mehrheitsbeschaffer für die Parteien war und so ihre und damit von Hayeks Wirtschaftsideen in die Politik einbringen konnten. Nicht nur einbrachten, sondern auch verwirklichten. Das, was wir heute als Neoliberalismus bezeichnen, hat nichts mit Neoliberalismus zu tun. Es ist der Laissez-faire Liberalismus alter Prägung, der jeglichen Eingriff und jegliche Kontrolle durch den Staat ablehnt. Auch die von Erhard und Keynes offerierte Grundbedingung des Marktes, "Angebot und Nachfrage" ist dem Konzept von Hayeks einer reinen Angebotsfixierung gewichen.

Ich habe eine völlig andere Sicht auf den Begriff Wirtschaft, als das, was man allgemein darunter versteht. Dem allgemeinen Verständnis nach sind der Markt und die Unternehmen die Grundpfeiler der Wirtschaft. Das halte ich für falsch. Das Fundament der Wirtschaft ist der Konsument. Er alleine bestimmt das Marktgeschehen. Unternehmen sind dabei die Opportunisten, die nur das produzieren, was der Konsument haben will. Und damit komme ich wieder zum eigentlichen Thema. Wenn ich sage, dass ausschließlich der Konsument das Marktgeschehen bestimmt, ist das insofern nicht ganz richtig, weil spätestens seit Sigmund Freud eine Lenkung der Bedürfnisse der Konsumenten stattfindet. Die Grundbedürfnisse des Konsumenten sind klar. Er will essen, trinken, benötigt Kleidung, für sich und seine Familie ein Dach über dem Kopf und im Winter Heizmaterial, damit es warm ist. Mit der Befriedung dieser Grundbedürfnisse haben die Menschen Jahrtausende gelebt und nur eine kleine Minderheit hatte darüber hinausgehende Bedürfnisse, besser unter dem Begriff Luxus bekannt. Um sich diesen Luxus leisten zu können, musste der Rest der Menschen ein Leben lang Frondienste leisten. Obwohl die Mehrheit nicht nur die Erzeugung der eigenen Grundbedürfnisse mit ihrer Hände Arbeit schufen, sondern auch noch all das, was die Herrschenden zusätzlich als Luxus beanspruchten, besaßen sie nichts, denn jeglichen Besitz hatte die Herrschenden unter sich aufgeteilt. Für diejenigen, die alles erst schufen, blieben nur die Krümel und oft nicht einmal die. Wie die Geschichte zeigt, begehrten die Menschen regional gelegentlich gegen diese Unterdrückung auf, um entweder blutig dafür zu büßen oder sich im Anschluss erneut der Fron neuer Herrscher zu beugen (siehe frz. Revolution).

Im Zeitalter der Industrialisierung und immer neuer Produkte, die durch die Industrialisierung erst möglich wurden, dazu der Niedergang der Feudalstrukturen, die dem entstehenden Kapitalismus Platz machen mussten, lockerte sich der Würgegriff der Fronherrschaft. Um den zunehmenden Reichtum zu gewährleisten, musste man eine Öffnung des Marktes zulassen, genauer, man musste das Privileg der Herrschenden, den Luxus, in bescheidenem Maße auch der Allgemeinheit zugänglich machen. Was nutzt es schließlich, wenn ich eine Million Autos bauen kann, aber nur 10.000 bis 20.000 Käufer dafür finde. Ein ausgebombtes Land war hilfreich, ein neues Konzept zu probieren, der Untertan aus der Unterschicht als bürgerlicher Untertan, ein Prozess, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann, als Gewerkschaften noch das taten, wofür sie gegründet worden waren. Heute kann man sie nur noch als Kollaborateure bezeichnen (die GDL nehme ich hier aus). Doch so richtig los ging das erst nach dem 2. Weltkrieg, mit dem so genannten Wirtschaftswunder.

Eine relativ kurze Wohlstandsepoche in den Jahren der Nachkriegszeit hatte einen Wandel im Denken der Menschen zur Folge. Das Grundgesetz, als Ersatz für eine Verfassung, hatte diese Vorstellungen von einer Einheit der Bürger festgeschrieben und in verschiednen Grundrechten verankert. Ein wenig widersprüchlich wurde jedoch das Beamtentum gesondert betrachtet (Art. 33). So ganz mochte man den "Untertanen" wohl doch nicht aus der Pflicht lassen. Doch die Untertanenmentalität geriet ins Wanken, der "Respekt" vor der Obrigkeit, der Herrschaft ließ nach. Die Untertanen der Vergangenheit wähnten sich plötzlich auf gleicher Augenhöhe mit den Herren. Nicht alle, aber viele. Das führte zum Missfallen einiger dieser Herren.
  • Herrmann Josef Abs, (dem man seine Nazi-Vergangenheit erstaunlich schnell verziehen hatte), nun Chef der Deutschen Bank, war der Ansicht: „Eine parlamentarische Demokratie ist geradezu dadurch charakterisiert, dass die Legitimation durch Wahlen und die Legitimation durch Privateigentum in einem Gleichgewicht stehen (1976).
  • Reinhard Mohn, Gründer der Bertelsmann AG und auch nicht gerade unbescholten, was die Nazizeit anging, war der gleichen Ansicht und verstand die Eigentumsverpflichtung des Kapitals als Recht des Kapitals zum Eingreifen in die Politik.

Etliche Staatsrechtler (zumindest nennen sie sich so) bauten diese These weiter aus und dann kommt unser heutiger Präsident des BVerfG ins Spiel, damals noch als Kommentator tätig. Herr Prof. Papier machte das Ganze quasi offiziell mit seinem Kommentar.
In über 600 Randnoten kam er zu dem Schluss, dass die Sozialpflichtigkeit des Art. 14 quasi den Anspruch des Kapitals begründe, in die Politik einzugreifen. Je mächtiger und konzentrierter das Kapital dabei aufträte, desto gewichtiger seine Eingriffsmöglichkeiten.
Nach seiner Interpretation war das Kapital keine Gefahr für die Demokratie, sondern die Demokratie eine Gefahr für das agierende Kapital. Die "Eigentumsordnung" erfordere dies „gerade auch wegen ihrer politischen Explosivität“ (Maunz-Dürig 1983 ff. Art. 14, Rdnr. 5). Prof. Papier hebt dabei hervor, dass die Einmischung nicht einmal das Gemeinwohl, also übergreifende Ziele, im Auge zu haben brauche. Vielmehr beinhalte die Sozialpflichtigkeit des Eigentums eine Einmischung „mit privatnütziger Zielsetzung“ (Rdnr. 4 und 276) bzw. mit dem Ziel einer „privatnützigen Mitgestaltung der Sozialordnung“ (Rdnr. 12).
Dafür wird sogar ein neues Verständnis der Gewaltenteilung eingeführt: Papier spricht von einer unsere Verfassung prägenden sozialen „Gewaltenteilungsfunktion“ des Art. 14 (Rdnr. 4), wonach dem Kapital im Grade seiner Konzentration eine besondere Legitimation, nämlich die Legitimation zur Teilhabe an gesellschaftlicher Gewalt zukomme, als Gegengewicht zu den demokratischen Rechten des Volkes. Eine rein auf den Volkswillen gestützte Demokratie lehnt er entschieden ab.
(Quelle: Martin Bennhold: In: Ingrid Lohmann / Rainer Rilling (Hg.): Die verkaufte Bildung - Kritik und Kontroversen zur Kommerzialisierung von Schule, Weiterbildung, Erziehung und Wissenschaft. Opladen 2002, 279-299.)

Man könnte auch sagen, vor seinen Amtsantritt als Verfassungsrichter (1998) hat Präsident Papier bereits die neue Herrschaftsstruktur dieses Landes dokumentiert.

Das Problem des Marktes ist, dass die Bevölkerung, im GG eigentlich als Souverän geführt, offenbar keine Ressentiments dagegen hat, gleichzeitig als Ware zu funktionieren und ganz allmählich wieder die gewohnte Position des Untertanen einzunehmen. Warum? Warum bäumen wir uns nicht dagegen auf? Liegt es wohlmöglich daran, dass wir nicht erkennen, wie wir stückchenweise verramscht werden? Ich werde versuchen, es aufzuzeigen und komme damit zurück zu der Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, diesmal aber meine Sicht.

Zunächst die Privatsender. Ein großer Teil der dortigen Programme, vor allem der Tagesprogramme, ist Unterschichtenfernsehen pur. Es funktioniert nach dem Prinzip man nehme:
  • einen Moderator oder eine Moderatorin, der/die bereit ist, aus den Kandidaten selbst die entwürdigsten Eigenheiten herauszukitzeln, ohne dabei eigene Primitivität zu scheuen
  • Kandidaten, die für einen Fernsehauftritt alles tun, weil sie unfähig sind, die Grenze zwischen Menschenwürde und Primitivität zu erkennen

So bekommt man etwas zustande, was man als Show oder Talkshow bezeichnet, nicht nur äußerst billig in der Gestaltung, sondern auch billig die entstehenden Kosten und das Endprodukt, die Show, betreffend. Hier werden Menschen als Ware präsentiert, auf eine Art, die ich weitaus schlimmer finde als Pornographie. Schlimm ist, dass solche Sendungen auch noch Zuschauer finden, welche die gebotenen Peinlichkeiten ergötzlich finden. Gleichgültig, welcher Einkommensgruppe sie angehören, für mich sind sie die echte Unterschicht. Wie ich gelesen habe, startet demnächst die nächste Staffel von Big Brother, eine Sendung, die zu 100% in diese Kategorie fällt.

Falsch wäre es aus meiner Sicht, hinter diesen Primitivsendungen nur ein etwas primitives Vergnügen zu sehen. Die Bertelsmanngruppe, genauer die Bertelsmannstiftung gehört zu den politisch aktivsten Think Tanks der Welt. Erklärtes Ziel dieser Gruppe ist eine Weltordnung, auch als neue Weltordnung bezeichnet, die eine überregionale Herrschaftsstruktur im Geiste der Feudalherrschaft, diesmal jedoch durch Kapital, Banken (was gleichbedeutend ist) und Medien anstrebt. ich bleibe bei meiner Sicht, dass das oberste Konzil dieser Gruppierungen die Bilderberger sind. Dem Hinweis auf so manche andere Gruppierung mit gleichen oder ähnlichen Zielsetzungen kann ich nur entgegnen, dass ich die Bilderberger als "Oberbefehlshaber" all der anderen Gruppen betrachte.

Die Öffentlich-Rechtlichen hingegen werden aus den Gebühren aller Zuschauer gezahlt und sollen Kultur, Bildung und Unterhaltung bieten. Wie schon in der Kritik festgestellt wurde, sinkt der Anspruch dieser Sender, die Qualität wird schlechter. Was dennoch nur selten auffällt, ist der Umstand, dass die Berichterstattung tendenziös ist. Selbst die nahezu unverzichtbare Tagesschau, die scheinbar völlig neutral Nachrichten verbreitet, ist ein Instrument ständiger, sehr subtiler Gehirnwäsche. Erinnern wir uns an die Fußballweltmeisterschaft. Die politisch gewollte Euphorie zu diesem Ereignis wurde uns ins Gehirn eingebrannt. Abend für Abend nahm die Berichterstattung darüber einen viel zu großen Raum für die eigentlich knapp bemessene Sendezeit der Tagesschau ein. Dazu wurden opulente Bilder der bewegten Massen gezeigt und Interviews mit begeisterten Fans geführt. Ein probates Mittel, von den vielen anderen Problemen im Lande abzulenken.

Machen wir nun einen Schwenk auf die gegenwärtige Berichterstattung über den Streik der GDL. Scheinbar wird neutral berichtet, doch wer genauer hinschaut und hinhört, wird eines Besseren belehrt. Die Ausführungen der Bahnspitze über die gewaltigen Schäden für die Volkswirtschaft und die entstehenden Kosten werden voll übertragen. Auch die GDL kommt zu Wort und kann Ihre Position klarlegen. Dann kommt Hansen von der Transnet ins Spiel, ein Gewerkschafter, der bekannt für seine Kumpanei mit der Führungsspitze der Bahn ist und der wettert nun gegen die GDL, ein wenig gegen die Bahn (das gehört sich so bei Fernsehauftritten). Danach ein paar Interviews mit den wartenden Reisenden und obwohl der Streik der GDL große Sympathie in der Bevölkerung hervorgerufen hat, überwiegen die (gezeigten und teils genervten) Aussagen der Interviewten über die Wartezeiten und die zu erwartenden Verspätungen. Anschließend noch die düsteren Mienen der Wirtschaftsfunktionäre, die nie den Hinweis vergessen, dass der Aufschwung gefährdet würde. So wurde uns ganz subtil mitgeteilt, dass wir die Forderungen und den damit verbundenen Streik der GDL doch bitte zu verurteilen hätten, würde er doch vielleicht den Aufschwung bremsen.

Das Wort ist mächtiger als das Schwert lautet ein Ausspruch. So ist es. Informationen zu vermitteln ist die Aufgabe der Tagesschau, sie so zu vermitteln, dass eine unterschwellige Botschaft damit verbunden wird, geschieht wohl eher im Auftrag der Politik und der Funktionäre der Wirtschaft.

Mit dem Medium Fernsehen wurde eine neue Dimension der Beeinflussung und Propaganda erreicht. Auch hier sind wir Ware, Ware, die etikettiert und gestempelt werden soll. Ein Medium, mit dem Einfluss auf unser Verhalten genommen wird, was für Bedürfnisse wir haben sollen, wie wir uns ernähren und was wir trinken sollen. Die Werbung spielt dabei eine wichtige Rolle mit ihren Versprechungen, die von den Produkten nur in den seltensten Fällen gehalten werden. Sie wollen den Regenwald retten? Kaufen Sie unser Bier. Wenn sie unser Produkt kaufen, spenden Sie für dies oder für das. Es ist schon mehr als peinlich, wie man genasführt wird, uns Glauben machen will, mit dem Kauf bestimmter Produkte Gutes zu tun. Ob Klimawandel, ob Katastrophe, ob Not in der Dritten Welt, Ihr Wille zu helfen wird kommerzialisiert, von den gleichen Leuten, die für das meiste davon verantwortlich sind. Wie man diese Beeinflussung gezielt gestaltet? Dafür hat man das Instrument der Meinungsumfrage und wer fühlt sich nicht geschmeichelt, wenn seine Meinung gefragt ist. Hinzu kommen die Kundenkarten und Rabattaktionen, die Aufschluss darüber geben, wer wo und was einkauft. Wir spielen mit und wären die Stempel, die man uns aufdrückt, sichtbar, würde unsere Haut nicht ausreichen, sie alle aufzunehmen. Hier sind wir Ware und Konsument zugleich. Ware durch Aufzeichnung unserer Gewohnheiten und unseres Verhaltens, um unser Konsumverhalten zu dirigieren. Das Fernsehen hilft uns. Es hilft, den Weg zurück in die Unterschicht problemlos zu finden. Es hilft uns, Kultur zu vermeiden und uns über Primitivität zu freuen. Es hilft uns, die Welt zu verstehen, nicht wie sie ist, sondern wie wir sie verstehen sollen. Es hilft uns, Unnatürliches als selbstverständlich zu betrachten, es hilft uns, jedes Sozialempfinden zu verlieren. Fernsehen ist die Kommandozentrale des Kapitals. Das Wenige noch weiter einzuengen, dass von unserem Selbst noch bleibt, dafür sind dann Leute wie Schäuble zuständig. Dazu auch ein Video

Die Rente! Werbung und Politik drängen ungestüm, private Rentenversicherungen abzuschließen, denn die gesetzliche Rentenversicherung würde künftig nicht mehr zum Leben reichen. Auch die Tagesschau berichtet das ganz unverblümt. Im Vordergrund steht dabei die Riester- und die Rürup-Rente. Keiner fragt dabei, ob die Menschen im sich ausweitenden Niedriglohnsektor diese zusätzlichen Beiträge auch schultern können. Aber davon abgesehen stelle ich eine Prophezeiung auf. Die Riester- und Rürup-Rentenanwärter werden leer ausgehen. Jeder hat bereits die Krise auf den Finanzmärkten durch die Immobilienkrise in den USA mitbekommen. Wie konnte es dazu kommen? Die Antwort ist einfach. Jeder ist überzeugt, dass Geld arbeiten kann. Das ist Blödsinn. Die Vermehrung von Kapital funktioniert nur, weil Menschen Schulden machen und für das aufgenommene Kapital Zinsen zahlen. Weil die Kapitalanlage nicht nur Zinsen bringt, sondern die Zinsen wieder Zinsen, wächst diese Kapital exponentiell. Bei einem Zinssatz von 8% verdoppelt sich das Kapital somit in einem Zeitraum von neun Jahren. Das heißt, seit der Währungsreform hat sich das angelegte Kapital mehr als 6 mal verdoppelt. Bei einer Million macht das 2,4,8,16, = 32 Millionen aus, also das 32-fache des angelegten Kapitals. Damit das so bleibt, muss das Kapital aber wieder zurück in die Finanzwirtschaft und neue Schuldner finden. Ich habe hier nur einen Anlage von 1 Million angezeigt, überlegen Sie einmal, wie viele solcher Anleger es wohl gibt. Deutschland hat alleine 750.000 Millionäre, Multimillionäre und Milliardäre. Die USA noch weitaus mehr. Doch leider sind die Schuldner knapp geworden, deshalb werden die Anlagen immer risikoreicher. Aber Ihr Versicherer für Ihre Riester- oder Rüruprente muss, will er seine Versprechungen halbwegs halten, die er Ihnen bei Vertragsabschluss zugesichert hat, Ihr Geld anlegen, damit es so viel Rendite bringt, dass er nicht nur Ihre Rente, sondern auch seine Kosten und die Gewinne für die Aktionäre einnehmen kann. Dazu kauft er Aktien, legt Geld in Fonts an. Aber risikoarme Anlagen gibt es kaum noch und eine alte Weisheit sagt, dass das kapitalistische Finanzsystem mit exponentieller Zinswirtschaft immer wieder kollabiert. Die Immobilienkrise der US-Wirtschaft ist der Beginn und das wird sich wie beim Domino-Day fortpflanzen, immer schneller und immer größere Kreise ziehen. Allerdings bleibt der Aha-Effekt aus.

Gerne und mit strahlendem Lächeln präsentiert Steinbrück seine Sparanstrengungen bei der Neuverschuldung und fast jeder im Lande beklagt den immensen Schuldenberg. Warum? Der Schuldenberg ist die unausbleibliche Folge des kapitalistischen Finanwirtschaftssystems und wenn der Staat seine Schuldenmacherei einschränkt, müssen Ihre Versicherer in risikoreichere Gefilde ausweichen. Die Leute mit der dicken Kohle weichen aus in Sachwerte und in Besitz. Ihre Rentenbeiträge hingegen werden für Spekulationen missbraucht, solange, bis die Pleite kommt. Dass sie kommt, ist unausweichlich und sie wird wie die Immobilienkrise von den USA ausgehen und erneut die gesamte westliche Welt erfassen. Von Ihren Beiträgen in die Privatversicherung werden Sie voraussichtlich keinen Cent wieder sehen. Angela Merkel und Peer Steinbrück führen Sie zur Schlachtbank, flüstern Ihnen dabei beruhigende Worte ins Ohr, bevor man sie an die Metzger übergibt.

Ich sagte es bereits. Die Wirtschaft sind wir. Aber leider verhalten wir uns nicht so. Wir verhalten uns wieder nicht anders, wie schon die ganze Zeit in der Menschheitsgeschichte, als leicht dirigierbare Hammelherde, die von ein paar kläffenden Kötern in die Richtung gedrängt wird, in welcher uns "die Hirten" haben wollen. Stellt man dann die Frage: "Willst Du nicht endlich etwas tun?" bekommt man die resignierte Antwort: "Ich kann doch nichts machen!"

Eine der Stammzellen des Feminismus ist die "Selbstfindung". Warum soll dieser Begriff nur für Frauen gelten, die eine Ausrede suchen, aus einer Ehe auszubrechen? Warum geht nicht ein Ruck der "Selbstfindung" durch die Bevölkerung, egal ob Männlein oder Weiblein? Wie tönte es vor wenigen Jahren und klingt noch heute auf so mancher Montagsdemo?

Wir sind das Volk!

Ändern wir den Slogan in

Wir sind die Wirtschaft!

Befreien wir uns von der Bevormundung durch Fernsehen, Werbung, Politik. Beginnen wir einen Krieg! Nicht wie Bush mit Sprengkörpern und Schusswaffen, sondern mit unserer Wirtschaftsmacht. Gründet eine Organisation "Wirtschaft sozial" und finanziert sie mit einem geringen Monatsbeitrag. Wählt Menschen mit Organisationstalent an die Spitze und legt eine Satzung fest, die bestimmt, dass für jede Aktion eine demokratische Abstimmung aller Mitglieder erfolgen muss. Nehmt in die Organisation Leute auf, die recherchieren können. Steht die Organisation, dann hilft jedes Mitglied, neue Mitglieder zu finden. Ist die Zahl ausreichend angewachsen, damit meine ich bei 20 Millionen Rentnern und 10 Millionen Arbeitslosen und 5 Millionen Geringverdienern eine Mitgliederzahl im Millionenbereich. Ist der Aufbau erfolgt, dann schlagt zu.

Ein Unternehmen will Tausende Leute entlassen?
Die Organisation recherchiert, welche Firmen und Marken zu diesem Unternehmen gehören, schlägt den Boykott der Produkte dieses Unternehmens vor und informiert über die Produkte dieses Unternehmens. Die Mitglieder entscheiden sich mehrheitlich für den Boykott und schlagartig werden keine Produkte dieses Unternehmens mehr gekauft.
Die Ölkonzerne heben den Spritpreis an?
Die Mitglieder suchen 2 bis 3 Marken aus und tanken nur noch bei der Konkurrenz.
Die Strompreise werden angehoben?
Man sucht den größten Konzern aus, recherchiert, an welche kleinen Unternehmen er Strom liefert und wechselt zu den Konkurrenzunternehmen

Die Beispiele lassen sich beliebig fortführen. Ich weiß, das bedeutet, dass die boykottierten Unternehmen Leute entlassen, deshalb spreche ich von Krieg. In einem konventionellen Krieg gibt es Tote und Verwundete, in diesem Krieg Arbeitslose. Aber vor allem gibt es Unternehmen und Unternehmer, die allmählich begreifen, dass nicht sie die Wirtschaft sind. Wollt Ihr wirklich warten, bis 70% der Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind? Oder doch lieber den Unternehmern und den Aktionären zeigen, dass WIR die Wirtschaft sind und jedes Unternehmen jederzeit in den Ruin treiben können? Erst bei konsequenter Durchführung wird die Arbeitslosigkeit, die wir hervorrufen, vorübergehender Natur sein. Erst wenn wir konsequent unsere Wirtschaftsmacht demonstrieren, können wir erreichen, dass die Arbeitszeiten ohne Lohnausfall so verkürzt werden, dass wieder jeder arbeiten kann. Weicht ein Unternehmen ins Ausland aus, bleibt es auf dem Index. Erst wenn wir unsere Stärke demonstrieren, wird das Geschwätz vom Unqualifizierten enden und sich die Unternehmer daran erinnern, dass man für die Toilettenreinigung keinen Studierten benötigt.

In der Zeit des Wirtschaftswunders brauchte man Arbeitskräfte, also waren die Lohnsteigerungen so, dass auch die Arbeitnehmer am Wirtschaftserfolg partizipierten. Bis in die 60er Jahre wurde die Rationalisierung aufgrund leistungsfähigerer Maschinen mit Arbeitszeitverkürzungen kompensiert. Heute fordern Politik und Unternehmensverbände längere Arbeitszeiten und vernichten damit weitere Arbeitsplätze. Zeitarbeitsfirmen zahlen miserable Gehälter und die Unternehmen stellen diese Zeitarbeitskräfte ein, entlassen dafür Stammpersonal. So genannte karikative Einrichtungen lassen wie fast alle kommunalen Einrichtungen mehr und mehr Arbeiten durch Ein Euro Jobber verrichten, Arbeiten, die früher von regulären Arbeitnehmern durchgeführt wurden. Wollen wir warten, bis das Arbeitsministerium aus den Gesetzen die Begriffe zusätzlich und gemeinnützig ganz gestrichen hat und Ein Euro Jobber in jedem Wirtschaftszweig zum Einsatz kommen? Wenn Sie Zahnschmerzen haben, warten Sie auch nicht, bis der Zahn alle anderen Zähne angesteckt hat und schließlich alle Zähne verfault sind.

Arbeitslosigkeit ist gewollt, weil man uns damit erpressen kann. Zeigen wir den Erpressern, dass Schluss damit ist, indem wir endlich begreifen, dass WIR die Wirtschaft sind und es in unserer Macht liegt, alles zu erreichen. Dazu müssen wir uns nur organisieren und zwar auf eine Art, dass die Demokratie gewahrt bleibt, mit Regeln, mit denen jeder sofort entfernt werden kann, der versucht, falsch zu spielen. Zeigen wir, dass wir aufgehört haben, Ware zu sein, dass wir aufgehört haben, Sklaven zu spielen.

Wir sind mehr als das Volk, WIR sind die echte Wirtschaft!