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Erstelldatum: 16.08.2007

Verdienen sie, was sie verdienen?

Das Lohnniveau in Deutschland sinkt. Lohnabschlüsse sind in den letzten Jahren in einer Höhe erfolgt, die unter dem Strich eine Senkung des realen Einkommens zur Folge hatten. Lohnzurückhaltung war und ist sehr wichtig, will man Investition und damit den Aufschwung fördern.

Falls man mir bei diesem Bericht Neid unterstellt, muss ich energisch sagen, Sie haben Recht. Ich bin einfach neidisch, dass meine Mentalität es nicht erlaubt, mit der gleichen Lockerheit moralische und ethische Bedenken über Bord zu werfen, wie dies aus meiner Sicht in den Vorstandsetagen von Politik und Wirtschaft eher die Regel ist.

Investiert wurde in den letzten Jahren kräftig, doch wie es scheint, ausschließlich in die Gehälter der Vorstandsbosse. Auch das ist wichtig, sind sie es doch letztendlich, die immer als Erste ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, wenn illegale Praktiken der Unternehmen aufgedeckt werden. Sicher, Konsequenzen hat das keine, denn wenn sie zurücktreten, dann mit hohen Abstandssummen und anschließend haben sie es leicht anderweitig unterzukommen, sind doch "mutige Manager" in der Deutschen Wirtschaft immer sehr gefragt. Landen sie einmal vor Gericht, gibt es ja den § 153a, der ein Ende der juristischen Verfolgung durch die Zahlung festgesetzter Barmittel erlaubt. Ein Paradebeispiel ist hier der Spitzenverdiener der Dax-Manager, der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. 2006 bekam er insgesamt 13,21 Millionen Euro Gehalt, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Natürlich ist das nur ein Teil seines Einkommens, schließlich sitzt er ja auch noch im Aufsichtsrat von Siemens und kann mit Aktienan- und Verkäufen sicher noch ein kleines Zubrot verdienen, weil er manche Dinge eben früher weiß als andere, so vermutlich auch an den Aktivitäten der Strombörse (siehe ZDF-Dokumentation "das Kartell") partizipiert.
Ob er nun die nach § 153a auferlegten Zahlungen von 3,2 Millionen Euro aus seinem Gehalt, aus möglichen Insider-Geschäften aus dem Deal mit Vodafone oder aus anderen Quellen leistete, ist nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass er Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens (kennen Sie die Geschichte von der Krähe, die der anderen kein Auge aushackt?) ist und regelmäßiger Besucher der Bilderberg-Konferenzen. Bekannt ist auch sein Ausspruch zu Beginn des Prozesses in der Mannesmann/Vodafone:
    „Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“
Berechtigt, weil die in diesem Fall geschaffenen Werte doch eindeutig erkennbar sind, Profite für die Beteiligten, die von Politik und bestimmten Wirtschaftskreisen gewünschten Entlassungen von Mannesmann-Mitarbeitern, weil damit die Börsenkurse steigen und nicht zuletzt die Freude der Steuerzahler, die die Kursverluste der Vodafone auf dem Wege der steuerlichen Abschreibung auf Jahre finanzieren dürfen.

Da gerade von Siemens die Rede war, 2005 löste Klaus Kleinfeld den Vorstandschef Heinrich von Pierer ab, der direkt in den Job des Aufsichtsratsvorsitzenden schlüpfte. Praktisch, denn in dieser Position war er im Prüfungskommitee, das die Korruptionsvorwürfe im Siemens-Konzern untersuchte, Korruptionsfälle, die größtenteils in seiner Zeit als Vorstandschef stattfanden. Natürlich wusste er nichts von dieser Korruption, er hat ja nur die Kosten bewilligt. Irgendwie haben die Aktionäre das nicht so recht geglaubt und sich deshalb bei der Hauptversammlung mit über 34% gegen eine Entlastung ausgesprochen. Auf die CDU und vor allem auf Angela Merkel scheint das keinen Eindruck zu machen. Trotz der Korruptionsaffäre bei Siemens hält die CDU und insbesondere Angela Merkel an von Pierer als Leiter des Rates für Innovation und Wachstum fest. Ob von Pierer Angela in seine Trickkiste schauen lässt? Wenn ich so nachdenke, hat Angela vielleicht die innovative Idee von von Pierer, einerseits auf "Klimareise" nach Grönland zu gehen und mit leicht tragischem Tonfall über die Folgen der Klimaerwärmung zu schwadronieren, andererseits aber Deutschland zum Weltmeister von Müllimporten zu machen, die in ständig neu entstehenden Müllverbrennungsanlagen hier in Deutschland verbrannt werden sollen, selbst der Müll aus Australien.

Doch zurück zum Thema. Seit dem 1.7. ist Peter Löscher neuer Siemens-Chef. Kleinfeld hat das Handtuch geworfen. Warum wohl, konnte er sich doch 2006 über elf Prozent mehr Geld und damit ein Jahresgehalt von 3,63 Millionen Euro freuen. Ob er Sorge hatte, bei dem sich immer weiter ausbreitenden Strudel der Korruptionsvorwürfe bei Siemens auch in den Sog zu geraten?

Wer kennt es nicht, das Erfolgsrezept der Deutschen Telekom? Schlechter Service, hohe Preise und ein zusammengekauftes Imperium auf Pump. So übergab Ron Sommer die Telekom an den Interimsboss Helmut Sihlers, der nur eine Sorge hatte, möglichst schnell einen Nachfolger zu finden. Den fand er in Kai Uwe Ricke, der das Ruder herumreißen wollte, mit einem Schlagwort, das man in Deutschland zur Genüge kennt: Sparen, sparen, sparen. Abbau von 32.000 Stellen, natürlich sozialverträglich, was immer dieser Begriff auch bedeuten mag (in der Praxis vorzeitiger Ruhestand auf Kosten der Rentenkasse und Abfindungen, größtenteils auf dem Wege der Abschreibung durch den Steuerzahler finanziert). Ricke schloss mit ver.di ein Beschäftigungspakt, der für die Mitarbeiter bei einem damit verbundenen teilweisen Lohnverzicht eine Arbeitszeit von 34 Std. in der Woche bedeutete (das war vor 3 Jahren, mit der Begründung, es sei nicht genug Arbeit da). Die Nettoeinnahmen von immerhin 3,1 Milliarden wurden komplett an die Aktionäre ausgezahlt, ein Vorgehen, so heißt es, dass man sonst nur bei den so genannten Heuschrecken kennt. Nun ja, die Heuschrecke Blackstone, für die Ron Sommer heute als Berater tätig ist, ist mit 4,5% an der Telekom beteiligt. Ob es da Zusammenhänge gibt? Mit dieser Heuschrecke hat sich dann der Bund, genauer das Finanzministerium, immer noch Hauptaktionär bei Telekom mit ca. 28% (14,83% Bund und über die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) nochmals 16,87%), verbündet und im Aufsichtsrat auf die Ablösung von Ricke gedrängt (ja, ja. Vor den Wahlen Heuschrecken (Müntefering), nach den Wahlen Kumpels und Verbündete (Steinbrück).

Anschließend wurde René Obermann als Vorstandsvorsitzender durchgesetzt. Obermann, mitunter auch als Dobermann bezeichnet, änderte das Konzept. 50.000 Mitarbeiter sollen in ein zu gründendes Unternehmen ausgelagert werden und plötzlich wieder mehr arbeiten, dabei aber zusätzlich auf einen Teil des Lohns verzichten. Lt. Ricke gab es beim Pakt mit ver.di zu wenig Arbeit. Obermann sagt nun, dass Arbeit genug da wäre, aber die Löhne zu hoch.
René Obermann löste Mitte November Kai-Uwe Ricke an der Telekom-Spitze ab. Er bekam dann in nur eineinhalb Monaten 1,73 Millionen Euro Gehalt. Nach Focus Online bekam Ricke, Obermanns Vorgänger, nach eigenen Angaben ein Jahresgehalt von 2,89 Millionen. Rechnet man das Salär von Obermann aufs Jahr hoch, würde das 13,84 Millionen Jahresgehalt bedeuten. Ob die Gehälter in der Vorstandsetage von Telekom so schnell steigen, oder ist im "Antrittsgeld" von Obermann eine Motivationsspritze für eine bestimmte Vorgehensweise enthalten?

Wenn er nun verbreitet, dass auch der Vorstand 2007 auf 2 Gehälter verzichten würde, aus Solidarität mit den Mitarbeitern, klingt das zwar ganz gut, ist aber (in meinen Augen) recht obskur. Ob er mal über seine Lohnhöhe nachdenken sollte?

Die Bedenken dieser 50.000 Mitarbeiter, dass die Auslagerung nur dem Zwecken diene, das ausgelagerte Unternehmen zu zerschlagen oder zu verkaufen, scheinen mir nicht ganz unbegründet, wurde doch diese Vorgehensweise bei anderen Konzernen immer dann angewendet, wenn man Mitarbeiter in großem Stil auf die Straße setzen wollte. Dass neuerdings weitere 2.000 Mitarbeiter bis 2009 abgebaut werden sollen, dient sicherlich der Steigerung der Profitrate und muss Obermann als Verdienst angerechnet werden, so sehen es jedenfalls Wirtschaft, Großaktionäre, Heuschrecken und Politik.

Nun könnte man weiter graben und würde sicher in allen Fällen fündig. Doch ich begnüge mich mit ein paar Daten zu den Einkommen einiger Vorstände in Deutschland. Bei den Lohnsteigerungen ihrer Mitarbeiter sind sie meist seht knauserig. Doch generell scheint das keine Veranlagung zu sein, denn bei der Anhebung der eigenen Gehälter wird ihre angeborene Großzügigkeit sichtbar.

  • Norbert Reithofer ist erst seit 1. September 2006 BMW-Chef: In den vier Monaten bis Jahresende verdiente er 2,71 Millionen Euro.
  • Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber verdiente 2006 mit 1,94 Millionen Euro gute 18 Prozent mehr als 2005.
  • MAN konnte 2006 seinen Gewinn kräftig steigern, der Chef seinen Verdienst um fast acht Prozent: Hakan Samuelsson bekam insgesamt 2,2 Millionen Euro.
  • Infineon-Chef Wolfgang Ziebart bekam 2006 zehn Prozent weniger als im Vorjahr: insgesamt verdiente er 2,25 Millionen Euro.
  • Henkel-Chef Ulrich Lehner strich im vergangenen Jahr 3,08 Millionen Euro ein.
  • Georg Funke, Vorstandschef der Immobilienbank Hypo Real Estate, verdiente 2006 mit 3,08 Millionen Euro fast sieben Prozent mehr als im Vorjahr
  • In seinem letzten Jahr als VW-Chef verdiente Bernd Pischetsrieder 3,14 Millionen Euro - 6,44 Prozent mehr als 2005
  • Der Chef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, verdiente im vergangenen Jahr 3,17 Millionen Euro.
  • Der Vorstandsvorsitzende von Fresenius Medical Care (FMC), Ben Lipps, verdiente 2006 insgesamt 3,24 Millionen Euro.
  • Im WM-Jahr lief es für Adidas-Chef Herbert Hainer nicht so gut in der eigenen Kasse. Er verdiente mit 3,44 Millionen Euro mehr als eine halbe Million weniger als 2005 (4,17).
  • Der Vorstandsvorsitzende des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, Werner Wenning, verdiente 2006 mit 3,47 Millionen Euro rund 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz bekam 2006 nur etwas mehr als im Vorjahr: 3,48 Millionen Euro gegenüber 3,4 Millionen Euro in 2005.
  • Manfred Wennemer, der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, verdiente 2006 mit 3,52 Millionen Euro ein gutes Fünftel mehr als im Vorjahr.
  • Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der BASF AG, verdiente im vergangenen Jahr 4,15 Millionen Euro.
  • Post-Chef Klaus Zumwinkel verdiente im vergangenen Jahr 4,24 Millionen Euro (u. a. ist er Aufsichtsratsvorsitzender bei Telekom).
  • Metro-Chef Hans-Joachim Körber verdiente im vergangenen Jahr 4,67 Millionen Euro - 56,71 Prozent mehr als 2005.
  • E.on-Chef Wulf Bernotat hat 2006 rund 4,93 Millionen Euro verdient - das sind knapp 14 Prozent weniger als 2005.
  • Allianz-Chef Michael Diekmann verdiente 2006 rund 5,3 Millionen Euro. Das sind rund fünf Prozent mehr als 2005.
  • Harry Roels verdiente 2006 rund 6,9 Millionen Euro. Im Jahr davor lagen seine Einkünfte bei 6,78 Millionen Euro.
  • Dieter Zetsche, Chef der DaimlerChrysler AG, hat 2006 7,15 Millionen Euro verdient.
  • Wolfgang Reitzle, Vorstandschef der Linde AG, hat 2006 rund 7,37 Millionen Euro verdient.
  • Henning Kagermann kam 2006 auf eine Jahresvergütung von 9,03 Millionen Euro - für den Chef des Softwarekonzerns SAP ein Plus von mehr als 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Eine Frage muss ich noch stellen. Kann man bei diesen Einkommen wirklich von "verdienen" sprechen? "Verdienen" diese Leute wirklich, was sie verdienen oder liegt es daran, dass sie die Höhe ihrer Einkommen selbst bestimmen, ausgenommen in den wenigen Fällen, in denen die Aktionäre wegen bestimmter Vorkommnisse mal die Bremse ziehen? Sind nicht die Fälle von Missmanagement in den Vorstandsetagen meist die Hauptursache dafür, dass Unternehmen in die Krise geraten?

Ich vertrete die Ansicht, kein Mensch VERDIENT wirklich das 10- bis 100-fache dessen, was die anderen Mitarbeiter in einem Konzern bekommen, denn auch Vorstandsmitglieder sind nur Angestellte einer AG. Sie verdienen ihr Geld nicht wirklich, sie bekommen es nur und weil sie auch in den Aufsichtsräten von anderen Konzernen sitzen, kann man vermuten, dass hier die Weichen für diese Einkommen nach dem Motto gelegt werden
"Unterstütze mich bei meinen Gehaltsforderungen, dann unterstütze ich Dich bei Deinen." Na ja, das ist natürlich nur so eine Idee von mir.

Nicht nur eine Meinung von mir ist die enge Verknüpfung der Politik mit den Vorstandsetagen der Konzerne. Dort sitzen nicht wenige ehemalige Spitzenpolitiker (oder besser, Politiker, die als Spitzenpolitiker in der Presse bezeichnet werden), die gekonnt ihre Verbindungen zur Politik für die Interessen der Konzerne bis hin zu Schmiergeldzahlungen ausnutzen. So mancher Politiker hat Ambitionen, nach seiner politischen Karriere eine solche Position in der Wirtschaft zu bekommen und neigt deshalb zu besonders "Wirtschaftsfreundlichen" Entscheidungen. So mancher Politiker bekleidet zusätzlich zu seinem Amt Posten in den Aufsichtsräten der Konzerne und verliert so mitunter die Übersicht, wann er für welche Interessen entscheiden soll. Dies gilt nicht nur für die Abgeordneten, sondern auch und vor allem für Staatssekretäre.