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Erstelldatum: 21.11.2006

Das älteste Gewerbe

Wenn vom ältesten Gewerbe der Welt gesprochen wird, ist gemeinhin die Prostitution gemeint. Aber es gibt ein "Gewerbe", das noch älter ist. Das Verbrechen! Schon immer gab es Leute, die großes Interesse an dem Besitz anderer hatten, ohne die Bereitschaft oder auch ohne die Möglichkeit, sich solchen Besitz auf legale Weise zu verschaffen. Also verschaffte man sich den Besitz, indem man ihn dem rechtmäßigen Besitzer abnahm. Die Bezeichnung dafür war vom hierarchischen Status abhängig. Diebstahl, Raub und Mord nannte man es, wenn es von Menschen der Bevölkerung begangen wurde, Krieg nannte man es, wenn die Täter Herrscher über ein Land waren. Im ersten Fall war es illegal und wurde bestraft, wenn man der Täter habhaft wurde, im zweiten Fall nannte man es Politik und die Bestrafung war abhängig davon, ob man erfolgreich war oder nicht.

Dort, wo Politik gemacht wurde, fand man schnell Gefallen daran, das Volk ununterbrochen auszuplündern. Steuern nannte man das und fand natürlich auch eine logische Begründung für diese Plünderungen. Da mussten die Bodyguards bezahlt werden (früher wurden sie Leibwache genannt, man brauchte Krieger, damit man andere Länder überfallen konnte, aber auch, falls man selbst überfallen wurde. Gendarmen mussten aufpassen, dass im Lande alles mit rechten Dingen (sprich nach dem Willen der Herrschenden) zuging. Deshalb wurden dann auch Gefängnisse benötigt, in welche man Verbrecher bis zu Hinrichtung einsperrte. Wohnen musste man schließlich auch und damit die anderen Herrscher sahen, wie mächtig man war, musste das schon ziemlich prunkvoll sein. Auch sonst benötigte man ein wenig Geld zum Leben und wenn schon leben, warum dann schlecht?

Das Volk liebte seine Herrscher. Nicht, weil diese gut zu ihnen waren, sondern weil es einfach prachtvoll aussah, wenn sich die Herrscher einmal, prachtvoll gekleidet, dem einfachen Volk zeigte. Auch, weil die Herrscher immer einen ziemlich heißen Draht zu den jeweils angebeteten Göttern hatten. Das waren Momente, in denen man den Hunger vergaß, in denen man nicht nur die Lumpen sah, in welche der Nachbar wie man selbst gekleidet war und hatte man Glück, dann hatte der Herrscher gerade gute Laune und verteilte vielleicht sogar ein wenig Brot unter sein Volk.

Andere hatten allerdings keine große Lust, für Almosen von früh bis spät zu schuften und dennoch ständig Hunger zu haben. Sie spezialisierten sich auf Eigentumsübertragung durch Diebstahl, Überfälle, Raub und Mord. Meist wurden sie nicht besonders alt, denn wenn man sie erwischte, machte man nicht viel Federlesens. Öffentliche Hinrichtungen dienten den Herrschern dann auch zur Belustigung der Menschen und man war sehr einfallsreich auf diesem Gebiet. Die Verurteilten wurden aufgehängt, geköpft, zwischen 4 Pferde gespannt und so zerrissen, gepfählt, gekreuzigt oder zu Tode gefoltert. Weil den Menschen das gefiel, führte man Spiele ein, in denen Menschen gegeneinander oder gegen wilde Tiere kämpfen mussten und das Volk durfte dann bestimmen, ob der Sieger seinen Gegner massakrieren sollte oder am Leben ließ. Weil das Volk von Natur aus barmherzig ist, entschied es sich meist für die Variante Daumen nach unten und der Verlierer hauchte dann Sein Leben im blutgetränkten Sand der Arenen aus, ein barmherziges Urteil, denn Leben konnte man das ohnehin nicht nennen.

Weil die Zeiten für die zum Volk zählenden Menschen nie gut, aber oft noch schlimmer waren, hatte das Verbrechen großen Zulauf. Um die Gefahren dieses Lebens zu mildern, schloss man sich ähnlich den Berufsständen zu Gilden zusammen, eine Methode, die durch gegenseitige Hilfe und mit Bestechung von Gendarmen manchen Zugriff vereitelte.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Menschen zivilisierter. Man erfand neue Methoden, sich gegenseitig umzubringen, erfand neue Folterinstrumente und neue Methoden, sich den Besitz anderer anzueignen. Diese Art des Fortschritts hält bis heute an. Kanonen lösten die Katapulte ab, Pistolen und Gewehre nahmen den Platz von Pfeil und Bogen und den Armbrüsten ein und auch die Methoden, das Volk zu verdummen, wurden verfeinert. Als es den Menschen dann noch gelang, sich in den Himmel zu erheben, war das ein Durchbruch für die Kriegsführung. So konnte ein Einzelner je nach Art der verwendeten Bomben nicht nur Tausende, sondern Hunderttausende bis Millionen mit einem einzigen Flug über Feindgebiet massakrieren und verstümmeln (siehe Hiroshima und Nagasaki).

Weil es vereinzelt Menschen gibt, die Skrupel haben, jemanden zu erschießen, der einem nichts getan hat und der einem wehrlos ausgeliefert ist, musste man neue Methoden erfinden und hat endlich den Durchbruch erzielt: "Einen Roboter, der zwischen Freund und Feind und zwischen Mensch und Tier unterscheiden kann und keine Skrupel kennt, das Feuer zu eröffnen. Wie sollte er auch, Skrupel zu programmieren ist der IT-Branche bisher noch nicht gelungen und Isaaks Asimovs Robotergesetze sind nichts als Science Fiction. Die von Samsung erfundenen Kampfroboter sollen demnächst in Korea eingesetzt werden.



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Zielgenau, treffsicher, frei von Skrupel und Angst, immer aufmerksam, pausenfreier Dienst 24 h am Tag, das lässt sicher das Herz jeden Generals und von Verteidigungsminister Jung höher schlagen. Oben blau angestrichen kann man sie für die UN als Blauhelme einsetzen.

Aber auch das Verbrechen hat die Entwicklung mitgemacht. Die Gilden vergangener Zeiten wurden zur Mafia, Camorra oder den Triaden. Die Gildenführer, später teilweise auch Pate genannt, haben für ihre Mitglieder den Status eines Herrschers, in den Augen der übrigen Menschen sind sie honorige Geschäftsleute, die über Konzerne und Banken herrschen, was die Geldwäsche der Einnahmen aus illegalen Aktivitäten ungemein erleichtert. Da die öffentlichen Hinrichtungen nur noch Geheimdiensten und Terroristen zugestanden werden, ansonsten nur noch mit geladenen Gästen stattfinden (USA), Landen die kleinen Mitglieder dieser Syndikate öfter mal im Gefängnis. Dann besorgt das Syndikat Anwälte oder kümmert sich um die Familien. Solange die Mitglieder spuren, geht es sehr sozial in diesen Kreisen zu. Wenn die Politik von Schattenwirtschaft spricht, verschweigt sie zumeist, dass sich der größte Teil davon in den Syndikaten abspielt. Die Verflechtung des heutigen Verbrechens mit der Wirtschaft und dem Kapital hat inzwischen ungeahnte Ausmaße angenommen. Selbst das mittlere Management dieser Kreise lebt auf großem Fuße, hat beste Kontakte zur Politik und zur Justiz und wird nur in ganz extremen Fällen ermittlungstechnisch belästigt.

Man sieht, wir sind heute zivilisiert. Heutige Hinrichtungen werden mit der Spritze, mit Giftgas oder elektrisch durchgeführt. In den für Frieden und Freiheit erforderlichen Kriegen massakriert man nicht nur die Gegner dieses Freiheitsgedankens, sondern gleich die eigenen Soldaten mit, wie einem Bericht der Berliner Umschau zu entnehmen ist. Die Absicht von Bush, auch dem Iran seinen Frieden und seine Freiheit zu bringen, ist mit der Wahl der Demokraten ins Repräsentantenhaus und in den Senat vermutlich zunächst ins Wasser gefallen. Während der Aachener Friedenspreis Strafanzeige gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung wegen der Planung von völkerrechts- und grundgesetzeswidrigen Angriffskriegen bei der Bundesanwaltschaft eingelegt hat, werden die Forderungen der NATO nach Kampfeinsätzen deutscher Soldaten in Afghanistan immer dringender. In der NATO meint man, deutsche Soldaten müssen endlich wieder lernen, zu töten. Kann ich ja verstehen, waren die Deutschen nicht mal Spitze darin? Aber waren es die Soldaten, die so Spitze darin waren? Muss man nicht auch mal nach der Politik und nach der Wirtschaft fragen, wen man sich daran erinnert? War diese Politik, kurz vor dem großen Morden nicht in fataler Weise vergleichbar mit der heutigen Politik?

Inzwischen sind ja auch die Deutschen zivilisiert. Sie haben es sogar ins Grundgesetz geschrieben und die Politik hat gesagt: "Nie mehr Krieg von deutschem Boden aus!" Jung, seines Zeichens Verteidigungsminister, hat wohl bei Geschichte gefehlt und es auch nicht im Leistungskurs gehabt. Deshalb hat er ein Buch Herausgegeben, das er völlig sinnverzerrt Weißbuch nennt. Dabei ist es, so sehe ich das, ein schmutziges Buch ohne jede Spur von Weiß. In diesem Buch träumt er wieder von glorreichen Tagen, in denen er, diesmal als Oberbefehlshaber, seine Soldaten und Soldatinnen rund um die Welt schickt, damit sie für Frieden, Freiheit und Wohlstand den Menschen dort alte preußische Traditionen einbläuen sollen, nach alter Tradition mit ein wenig morden, ein wenig plündern und ein wenig vergewaltigen. In dieser Tradition sieht er sich eins mit dem Traditionalisten Bush, der den Wilden Westen wieder beleben will, sich aber in der Himmelsrichtung vertan hat und seine Jungs in den Osten geschickt hat.

Und irgendwo in einigen prachtvoll ausgestatteten Villen sitzen die obersten Köpfe der Mafia, der Triaden, kurz der Syndikate und grinsen. Für sie ist das Geschäft mit dem Tod das Geschäft des Lebens. Sie beliefern alle Seiten mit Waffen und sorgen für Nachschub an Drogen und weil sie gerecht sind, wird niemand bevorzugt. Sie machen es offiziell in Staatsauftrag und inoffiziell über schwarze Kanäle und die Banken in ihrem Besitz waschen das Geld aus den schwarzen Kanälen, bis es blütenweiß ist.

Man sieht, die Menschheit hat sich entwickelt. Aber ein paar liebgewordene Traditionen hat man beibehalten. Dazu gehört, dass man sich gegenseitig abschlachtet, dass man sich nimmt, was anderen gehört und dass man das immer als den Kampf für das Glück der jeweiligen Bevölkerung verkauft. Und noch immer jubelt die Mehrheit den Herrschenden zu, weil sie sich an ihrem Glanz nicht satt sehen kann und schuftet dafür, dass sich der Reichtum auch noch vermehrt. Nur eins hat sich verändert. Die inoffiziellen Gangster haben sich mit den offiziellen Gangstern verbrüdert, wenigstens die Spitzen. Aber das ist nicht Deutschland, das ist global und deshalb spricht man auch von Globalisierung.