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Erstelldatum: 26.04.2012

Ein Unternehmer der anderen Art

Wer kennt sie nicht, die Trigema-Werbung. Dahinter steht ein Unternehmer, der von sich behauptet, dass er sein Unternehmen in Deutschland mit 1.200 Mitarbeitern führt und auch weiterhin führen wird. Der Name dieses Unternehmers ist Wolfgang Grupp. Ein CDU-Wähler aus der schwäbischen Alb, der aber nicht den gängigen Parteivorstellungen der CDU folgt, sondern dem Begriffe wie Ethik und Moral wichtig zu sein scheinen.

Es ist schon fast verwunderlich, dass dieser Mann dennoch gelegentlich in den Medien auftaucht und ich finde es ausgesprochen erfrischend, was er dort von sich gibt. Da ist z. B. sein Auftritt bei Sandra Maischberger am 02. 03. 2010 und seine Aussagen zeigen, dass er über die Verhältnisse in diesem Land empört ist. . Erstaunlich für mich dabei ist, dass es offenbar keiner der übrigen Gäste oder auch Sandra Maischberger zu diesem Zeitpunkt wagt, ihn zu unterbrechen, obwohl dieser Mann Klartextet redet. Dabei ist klar erkennbar, dass ihn sein Nachbar und sein Gegenüber ausgesprochen scheel ansehen. Sein Gegenüber, der FDP-Politiker Martin Lindner, ist über diese Aussagen sicherlich nicht erfreut und sein Nachbar, das in die USA ausgewanderte Börsenwunderkind Thomas Kramer, der, wie wohl bei "Börsenwunderkindern häufiger vorkommend", später dann eine fulminante Pleite hingelegt und sich in die USA verdrückt hat, zeigt zu einem späteren Zeitpunkt, dass er, auf eigenes Versagen angesprochen, äußerst "sensibel" reagiert. Diese beiden Gäste von Sandra Maischberger würde ich eher der neoliberalen Religion zuordnen. Dagmar Enkelmann, die parlamentarische Geschäftsführerin der Linken hingegen begrüßt diese Aussagen, wie an ihrer Mimik abzulesen ist. Allerdings kommt sie in der Sendung kaum zu Wort, bzw. wird von Kramer niedergeschrien. Das ist überhaupt ein Merkmal dieser Sendung, die dank Kramer von der Maischberger nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, nachdem sie erstmals eskalierte.

Grupp gehört sicherlich zu den Menschen, deren Jahreseinkommen gleich hoch wie das so mancher Vorstände von Dax-Unternehmen ist. Ihn unterscheidet aber ein wesentliches Merkmal (soweit ich das beurteilen kann) von diesen Vorständen. Seine Jahreseinkommen richtet sich nach der Wirtschaftslage und dem Gewinn seines Unternehmens, in dem er auch persönlich haftender Gesellschafter ist. Er verkörpert das, was so genannte Spitzenmanager gerne von sich behaupten, er ist eine echte Führungskraft. Er führt sein Unternehmen und diktiert es nicht, wie es ansonsten in den Führungsetagen der Dax-Konzerne geschieht. Er ist Familienunternehmer und zeigt aus meiner Sicht beeindruckend den Unterschied, der zwischen einem Familienunternehmen und einem Shareholder Value, also einem börsennotierten Aktienunternehmen besteht.

Dazu sollte man auch einen Blick auf die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der 29 größten Dax-Unternehmen von 2009 werfen:

Name
Unternehmen
Gehalt
Josef Ackermann, Deutschen Bank
9,551 Millionen
Jürgen Großmann RWE
7,912 Millionen
Peter Löscher Siemens
7,119 Millionen
Léo Apotheker SAP
6,7 Millionen
Martin Winterkorn Volkswagen
6,6 Millionen
Wolfgang Reitzle Linde
6,22 Millionen
Michael Diekmann Altdanz
4,821 Millionen
Wulf Bernotat E.on
4.465 Millionen
Frank Appel Deutsche Post
4,436 Millionen
Dieter Zetsche Daimler
4,342 Millionen
Herbert Hainer Adidas
4,189 Millionen
Werner Wenning Bayer
3,946 Millionen
Eckhard Cordes Metro Group
3,84 Millionen
Kasper Rorsted Henkel
3,564 Millionen
Jürgen Hambrecht BASF
3,377 Millionen
Nikolaus von BomhardMünchener Rück
3,369 Millionen
René Obermann Telekom
2,728 Millionen
Norbert Reithofer BMW
2,581 Millionen
Ben Lipps Fresenius Medical Care
2,529 Millionen
Reto Francioni Deutsche Börse
2,47 Millionen
Norbert Steiner K+S
2,101 Millionen
Thomas-B. Quaas Beiersdorf
1,817 Millionen
Wolfgang Leese Salzgitter
1,549 Millionen
Ekkehard D. Schulz ThyssenKrupp
1,293 Millionen
Peter Bauer Infineon
1,155 Millionen
Wolfgang Mayrhuber Lufthansa
1,147 Millionen
Georg Pachta-Reyhofen MAN
0,805 Millionen
Martin Blessing Commerzbank
0,572 Millionen

Sich über diese Jahresbezüge aufzuregen, ruft in unserer Gesellschaft unweigerlich die Leute auf den Plan, die dieses Land stets als "Neidgesellschaft" bezeichnen, in denen man den "Erfolgreichen" den Erfolg neidet. Doch das sind Leute, die entweder nicht nachdenken, oder am System partizipieren. Wolfgang Grupp zeigt am Beispiel von Zweien dieser Erfolgreichen, dass der angebliche Erfolg nicht vorhanden war, sondern das krasse Gegenteil. Edzard Reuter, der Sohn des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin Ernst Reuter und spätere Konzernchef von Daimler, wollte den Konzern in einen auf die Zukunft ausgerichteten Konzern umbauen und gestaltete ihn entsprechend um. Dass dabei sein Augenmerk vor allem auf Rüstungsunternehmen gerichtet war, zeigt mir einmal mehr die Gleichgültigkeit dieser "Erfolgreichen" gegenüber dem, womit sie Geld scheffeln wollen und hat sich andererseits in diesem speziellen Fall auch als Rohrkrepierer erwiesen, weil Glasnost mit dem anschließenden Zusammenbruch des Ostens diesen Traum zerplatzen ließen. Der böse böse Feind war plötzlich verpufft, hatte sich in Luft aufgelöst und das bedeutete, dass bis zur Erschaffung eines neuen internationalen Feindbildes wohl noch einige Zeit vergehen würde. An George W. Bush jr. dachte damals noch niemand und es war ja auch nicht absehbar, dass ein alkoholabhängiger und eher geistig Zurückgebliebener eben aufgrund seiner Primitivität der Welt das ersehnte neue Feindbild bescheren würde. Folglich wurde der Umbau von Daimler zum Milliardengrab und der Ziehsohn von Reuters im Konzern, Jürgen Schrempp, nutzte die Gunst der Stunde, den "König vom Thron zu stoßen" und den Thron selbst zu besteigen. Die Folge war eine Umstrukturierung des Unternehmens, wie das in Fachkreisen immer genannt wird, wenn man Monopoly spielt. Schrempp war ein würdiger Nachfolger, konnte er doch als Vorstandsvorsitzender der DASA schon nachweisen, dass er im Geschäft der Kapitalvernichtung und des Personalabbaus bestens bewandert war. Unter seiner Regie fand der Zusammenschluss mit Chrysler statt, was letztendlich ein weiteres Milliardengrab für Daimler wurde. Dass er gleichzeitig auch der höchstbezahlte Manager zur damaligen Zeit war, versteht sich von selbst. Dass er für die von ihm und zuvor von Reuters vernichteten Arbeitsplätze und auch für die Kapitalvernichtung in keiner Weise haften musste, ist ein hervorstechendes Merkmal dieser "Führungskräfte". Und deshalb hat es nichts mit Neid zu tun, wenn man sich über deren Gehälter aufregt, denn diese Leute bekommen diese Gehälter, aber ob sie sie verdienen, ist eine völlig andere Frage. Kann ein Mensch wirklich so viel in einem Jahr verdienen, wie einer seiner Mitarbeiter mit einem Bruttoeinkommen von 4.000 in 45 Jahren ununterbrochener Arbeit nicht verdienen kann? Oder gar so viel, dass besagter Mitarbeiter dafür über 180 Jahre arbeiten müsste, wie am Beispiel Ackermann? Die nächste Tabelle zeigt einmal mehr auf, worauf Gewinne der Konzerne oft ganz oder teilweise fußen oder was einen Rückgang der Gewinne weniger krass aussehen lässt: "Der Stellenabbau!"
Dabei sind diese Gehälter nur ein Teil der Jahreseinkünfte dieser "Erfolgreichen", denn sie alle sitzen zusätzlich in Aufsichts- und Verwaltungsräten anderer Konzerne und in diesen Funktionen kann man neben hohen Nebeneinkünften noch hervorragend kungeln, zum Beispiel darüber, dass seitens des Aufsichtsrates keine Einwände kommen, wenn man die eigenen Gehälter und Aktienoptionen festlegt. Dass einige zusätzlich noch in teilweise aus meiner Sicht dubiosen Organisationen wie Bilderberger oder trilaterale Kommission, transatlantische Gesellschaft oder diversen Stiftungen agieren, könnte sie auch als Ausführende von "Planspielen" kennzeichnen, bloße Handwerker, die ausführen, was die echten Strippenzieher geplant haben und dafür in entsprechende Positionen lanciert werden. Dass Reuters und Schrempp nicht die Einzigen "Erfolgreichen" dieser Art sind, haben etliche andere, vor allem bei den Banken, bei Siemens, bei Telekom, bei Preussag usw. bewiesen.

Aus einem Spiegelbericht. Die Gewinne und Verluste von Unternehmen, der damit verbundenene Stellenabbau in Prozent und die trotz allem gezahlte Dividende.

Dividenden der Dax-Riesen: So viel Geld schütten die Konzerne aus
Unternehmen Dividende in
Millionen
Veränderung
ggü. Vorjahr
in % (i)
Veränderung des
Gewinns in % (j)
Veränderung der
Beschäftigung in Deutschland
in Prozent
Adidas 73 -30,0 -62,0 2,5
Allianz b) 1.900 17,0 a) -31,2
BASF 1.600 -12,8 -49,9 2,6
Bayer 1.158 0,0 -20,9 -1,9
Beiersdorf c) 159 -22,0 -33,0 -7,7
BMW 197 0,0 -36,4 -3,1
Commerz. d) 0 0,0 30,6 63,0
Daimler 0 -100,0 a) -3,0
Dt. Bank 287 50,0 a) -2,0
Dt. Börse 391 0,0 -52,0 0,0
Dt. Post e) 725 0,0 a) -0,6
Dt. Telekom 3.400 0,0 -76,2 -3,2
E.on f) 2.900 0,0 433,0 -2,1
FMC 183 5,0 12,3 0,0
Fresenius 122 7,0 45,0 9,0
Henkel 227 0,0 -49,1 -10,6
Infineon 0 0,0 a) -7,0
K+S 38 -91,6 -89,0 -0,3
Linde 304 0,0 -15,9 -6,2
Lufthansa 0 -100,0 -120,0 -1,5
MAN 297 -87,0 -120,0 -7,0
Merck 200 -33,0 -0,6 1,0
Metro 386 0,0 -6,9 -3,5
Münch. Rück 1.088 4,5 62,0 -1,9
RWE 1.870 -22,0 33,0 3,0
Salzgitter h) 15 -82,1 -157,0 -0,4
SAP 594 0,0 5,3 -4,2
Siemens g) 1.388 0,0 -58,0 -3,8
ThyssenKrupp 139 -77,0 -182,0 -5,0
Volkswagen 647 -17,1 -80,6 -2,8
a) prozentuale Veränderung bei negativem Überschuss im Vorjahr nicht darstellbar
b) Verkauf Dresdner Bank, Übernahme der Oldenburgischen Landesbank
c)Veräußerung von tesa-Standorten und anderen Unternehmensteilen
d)Übernahme der Dresdner Bank
e) Beschäftigungsrückgang wegen Altersteilzeit
f) Verkauf der Thüga
g) Verkauf der VDO
h) Stammbelegschaft
i) bezogen auf die Dividende pro Aktie
j) Überschuss nach Steuern

Quelle: lt. Spiegel Angaben der Unternehmen

Shareholder Value ist der Neusprech-Begriff für Konzerne auf Aktienbasis, deren Eigentümer, also die Aktionäre, das Unternehmen im Prinzip nicht interessiert, sondern lediglich der Kurs der Aktie und die Höhe der Dividende. Kleinaktionäre gibt es zwar eine Menge, aber sie machen nur einen verschwindend kleinen Anteil bei der Aktienverteilung aus. Die wohl größten Besitzer solcher Aktienpakete sind Banken, Versicherungsunternehmen und Fonds und diese sind auch die größten Spekulanten. Gerade die Fonds und Versicherungen sind es, die mit ihren Spekulationen gesunde Unternehmen zugrunde richten, nur um einen kurzfristigen Gewinn zu erzielen. Dass sich dabei die Private Equity- und Hedge-Fonds besonders hervortun, ist inzwischen Allgemeinwissen. Besonders Letztere betreiben und vertreiben die als Risiko-Kapitalanlagen bezeichneten Papiere, aber die derzeitige Finanzkrise beweist, dass das Risiko weniger bei den Anlegern als vor allem bei den Steuerzahlern liegt. Auch das bringt Grupp in der Sendung zum Ausdruck.

Nun kann man sich fragen, ob Grupp ein besonderer Mensch ist. Ich glaube, er ist überwiegend ein Vertreter jener Form des Unternehmertums ist, die nicht vergessen hat, dass zu einem florierenden Unternehmen vor allem die Leute gehören, die durch motivierte Arbeit den Erfolg eines Unternehmens sichern. Er ist ein Vertreter des Unternehmertums, die Leistung nicht hierarchisch definieren, sondern wissen, dass die Leistung eines jeden Einzelnen ausschlaggebend für den Erfolg und damit für den eigenen Gewinn ist. Für ihn sind die Mitarbeiter nicht bloß Personalnummern, sondern Menschen, mit allem was dazu gehört, also auch deren Nöte und Ängste. Und er weiß, dass diese Leute sich auf ihn als Arbeitgeber verlassen und, weil er sie nicht enttäuscht, er sich auch auf sie verlassen kann. Seine Mitarbeiter identifizieren sich mit seinem Unternehmen und das ist seine Stärke. Es gibt noch mehr seiner Art, die allerdings von jenen in Bedrängnis gebracht werden, die sich steuerlich unterstützt ins Ausland absetzen oder die, politisch durch die EU forciert in Deutschland zu Bedingungen anderer Länder arbeiten und damit trotz niedriger Preise höhere Gewinne einfahren, weil in ihren Ländern ein ganz anderes Lohn- und Preisniveau herrscht. Und ich glaube nicht, dass man Grupp sein Vermögen neidet, denn er erwirtschaftet es nicht auf dem Rücken der Schwachen.

Deutschland wird ja immer noch als Sozialstaat bezeichnet, ein aus meiner Sicht völlig überzeichneter Begriff. Überzeichnet deshalb, weil sich immer mehr Menschen keine Gedanken darüber machen, was eine soziale Verpflichtung wirklich bedeutet. Der Unternehmer, der über die "hohen Lohnnebenkosten" jammert (wie auch hier bei Maischberger), ist einfach nur gierig, denn diese so genannten Lohnnebenkosten sind einfach nur Lohnkosten, der Teil des Lohns, den der Arbeitnehmer nicht in die Hand bekommt. Doch diese Art Unternehmer würde diese Kosten lieber als Gewinn auf dem Konto sehen. Er lässt jegliche soziale Verantwortung vermissen. Deutschland ist ein Hochpreisland und das bedingt im Gegenzug hohe Einkommen, um die Preise auch bezahlen zu können. Und es bedingt hohe Aufwendungen, um eine vernünftige Arbeitslosen- Kranken- und Rentenversicherung zu bezahlen. Dass der Arbeitgeber hälftig an diesen Kosten beteiligt wird, ist nicht mehr als recht und billig. Wenn er eine Maschine kauft, muss er auch die Kosten für Wartungs- und Ausfallzeiten tragen. Dabei ist sein Anteil an diesen als Lohnnebenkosten bezeichneten Beiträgen geringer als bei seinen Arbeitnehmern, weil er die Kosten als Betriebskosten voll von der Steuer absetzen kann.

Der Arbeitgeber, der mit seiner Produktion in die Billiglohnländer wechselt, ist sich seiner sozialen Verpflichtung nicht bewusst oder ignoriert sie. Dass er dabei noch staatlich subventioniert wird, weil er die Abwicklung für die Verlagerung ins Ausland auch noch steuerlich absetzen kann, zeigt etwas von der angeblichen wirtschaftlichen Kompetenz der schwarz-gelben Parteien, in deren Regierungszeiten diese Gesetze geschaffen wurden.

Aber auch in der Masse wird soziale Verantwortung ignoriert. Der Arbeitnehmer, der krank feiert, ohne krank zu sein, nutzt das System aus und ist folglich mitverantwortlich dafür, dass die Kosten für das Gesundheitswesen steigen. Wer sich hingegen über das gesetzliche Rentensystem aufregt, wegen angeblich zu hoher Beiträge, ist einfach nur ein Dummkopf, der diese Systeme nicht wirklich begriffen hat. Das hängt natürlich auch mit den politischen Aussagen und der Werbung der Versicherungswirtschaft zusammen. Jedes Kapitalgedeckte Rentensystem (das gilt auch für die private Krankenversicherung) ist aus volkswirtschaftlicher Sicht eine Fehlinvestition. Um die Verträge erfüllen zu können, werden die Beiträge auf den Geldmarkt geworfen und damit dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Je länger ein solcher Rentenversicherungsvertrag läuft, umso geringer ist die Wertschöpfung bei Fälligkeit der Zahlung aufgrund der inflationären Geldentwertung. Gerade das Umlagenkonzept der gesetzlichen Rentenversicherung sichert zum einen die unmittelbare Rückführung des Beitragsgeldes in den Wirtschaftskreislauf und sichert damit Arbeitsplätze, vor allem im Einzelhandel, weil dieses Geld sofort wieder Konsum generiert, zum anderen sichert es dem Fiskus Steuern in Form von Umsatzsteuer und allen indirekten Steuern. Und es sichert dem Rentner die Anpassung an den verminderten Geldwert, zumindest solange, wie es nicht der politischen Zerstörungswut anheimfällt.

Eine weitere unberechtigte Kritik ist die von Familien mit Kindern, die behaupten, ihre Kinder würden das Rentensystem finanzieren und damit Kinderlose bevorteilen. Auch diese Diskussion ist politisch angezettelt worden und grottenfalsch. Zunächst stellt sich die Frage, ob die Kinder dieser Familien überhaupt jemals in dieses Rentensystem einzahlen werden. Kommt es dazu, dann zahlen sie ihre Beiträge ausschließlich für ihre später eingeforderte Rente, so, wie es die Kinderlosen für ihre Rente machen. Wer drei Kinder hat, die alle später in einem versicherungspflichtigen Job tätig sind, hat nicht nur drei Beitragszahler in die Welt gesetzt, sondern auch drei Rentner. Und alle drei werden eine Rente einfordern, die sich ausschließlich daran bemisst, wie viele Jahre sie Beiträge und in welcher Höhe bezahlt haben.

Die einzige berechtigte Kritik an diesem System ist, warum nicht jeder Bürger unabhängig vom Berufsstand in dieses System integriert ist (Bürgerversicherung). Wer sich also über die Beitragszahlung in die Rentenversicherung aufregt, verleugnet seine eigene soziale Verantwortung.

Soziale Verantwortung ist nur dann gegeben, wenn sie von allen getragen wird. Wer wegen eines kleinen oder auch großen Gewinns aus seiner sozialen Verpflichtung ausschert, ist mitverantwortlich für die Destabilisierung des Systems. Die meist verwendete Ausrede dabei ist: "Das tun doch alle!" Dazu gehört aber auch das Begreifen, dass die Destabilisierung der sozialen Systeme die gleiche Wirkung wie ein Stau auf der Autobahn hat. Sie behindert das Fortkommen aller bei erhöhter "Unfallgefahr".