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Erstelldatum: 10.03.2010

Uniform

Wenn wir dieses Wort hören oder lesen, denken wir an Kleidungsstücke, die etwas zum Ausdruck bringen sollen. Da gibt es die Wehrmachtsuniform oder die Polizei-Uniform, die mehr sind, als bloße Kleidungsstücke. Sie signalisieren nicht nur staatliche Macht, sondern auch die hierarchische Struktur dieser Macht. Lassen wir die vielen weiteren Formen der bekleidungsmäßigen Uniformierung einmal beiseite, waren oder sind sie doch ein äußerliches Kennzeichen der Zugehörigkeit seines Trägers zu einer Gruppe von Menschen, die entweder mit einem öffentlichen Amt versehen sind, oder damit die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe signalisieren (auch bspw. in Karnevalsvereinen oder kirchlichen Einrichtungen).

Uniformen haben sich aber auch an anderer Stelle eingebürgert, z. B. Punks, die mit ihren schrillen Frisuren eigentlich Protest gegen Uniformität zum Ausdruck bringen wollen, zeigen das groteskerweise dadurch dass sie sich selbst uniformieren. In einer so genannten Leistungsgesellschaft fallen besonders "uniformierte" junge Leute auf, die sich bereits zur Leistungselite zählen und das noch außen mit Anzügen oder Kostümen im grauen oder blauen Flanell zum Ausdruck bringen. Diese jungen Leute sind besonders häufig bei Unternehmen zu finden, die von sich behaupten Unternehmensberatung zu betreiben.

Wir alle kennen die unterschiedlichsten Formen von Uniformen, doch leider machen wir uns zu wenig Gedanken darüber, dass in den meisten Fällen ein klein geschriebenes "uniform" damit verbunden ist und sich dieses klein geschriebene uniform auf die Denkprozesse auswirkt. Die Uniform ist nicht mehr als eine Tracht, es sei denn, dass damit Denkprozesse verbunden werden, die nur wenig Raum für ein universelles Denken lassen.

Nehmen wir als auffälligstes Beispiel noch einmal die Wehrmacht. Wer diese Uniform anzieht, oftmals nicht einmal freiwillig, wird einer Prozedur unterzogen, die mit dem Wörtchen "Drill" charakterisiert wird. Natürlich dient der Drill nur dazu, die Überlebenschancen im Ernstfall zu erhöhen, so die offizielle Lesart. Ich hingegen vertrete die Ansicht, dass es ein Domestizierungsprogramm ist. Junge, noch formbare Männer und Frauen, werden programmiert, die Regeln und die hierarchische Struktur nicht anzuzweifeln, geschweige denn, sie zu kritisieren. Diese Aufgabe wird zumeist an junge Leute übertragen, die sich oft nicht nur durch besonderen Eifer, sondern auch durch das Fehlen eigenen Denkens und eine leicht sadistische Grundeinstellung aus der Gruppe der niedrigsten hierarchischen Stufe hervortaten. Sie übernehmen die Grundausbildung, stolz auf ihre Beförderung zum Feldwebel und nutzen nicht selten diese Gelegenheit, ihren Rekruten nicht nur lautstark, sondern auch mit oft drastischen Mitteln jeglichen Zweifel am Sinn ihres Tuns auszutreiben. Als Gegenpool dient dabei das mannschaftliche Auftreten. Zwischen den Rekruten bildet sich zumeist ein kameradschaftliches Verhältnis. welches in der relativ geringen Freizeit keinen Raum für kritische Überlegungen lässt, sondern mehr darauf gerichtet ist, die eigene Männlichkeit vor allen anderen herauszustreichen. Aber auch die unweigerlich mit der Ausbildung verbundene Technik, vor allem bei Waffen, übt auf die jungen Leute eine Faszination aus, die nur bei Einzelnen Raum für kritische Überlegungen lässt.
Heute gibt es ja auch Soldatinnen und wie dort der Ablauf ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Die Methoden werden ein wenig abweichend sein, nicht aber das eigentlich Ziel: "Der absolute Gehorsam gegenüber höheren Dienstgraden und eine uniforme Denkweise". Dieses uniforme Denken haftet vor allem bei Menschen, die länger "gedient" haben.

Aber ist die Uniformität des Denkens nicht schon Bestandteil in der Erziehung, im Bildungswesen und dort ganz besonders bei den Studierenden? Letzteres prangert Professor Dr. Peter Finke in seinem Buch Die Ökologie des Wissens an (mit einem kleinen Ausschnitt "Vom Machtraum zum Wahrheitsraum" unter dem Link). Dass er weniger bekannt ist, mag wohl daran liegen, dass er ein Querdenker ist, also einer von jenen, die sich dem uniformen Denken verweigern.

Denken macht frei, heißt es, aber diese Freiheit nehmen zu wenige Menschen für sich in Anspruch. Es ist eben einfacher, in vorgeschriebenen Bahnen zu denken, dabei Scheuklappen zu tragen, die den Blick nur in eine Richtung zulassen, die vorgegebene Richtung. Das, so vermute ich, ist auch der Grund für die völlig unverständlichen Wahlergebnisse. Die meisten Menschen machen ihre Art zu denken von Schablonen abhängig, die ihnen von der Presse, vom Fernsehen und von der Politik geliefert werden. Natürlich spielt auch das persönliche Umfeld, Familie und Freunde, dabei eine große Rolle. Mit einer anderen Denkweise wird man da leicht zum Außenseiter. Eigentlich sehe ich hier viel Ähnlichkeit zum Verhalten der zuvor beschriebenen Punks.

Ein praktisches Beispiel liefern uns bestimmte kirchliche Einrichtungen und Elite-Schulen mit den Aufdeckungen von Missbrauch und Gewalt. Die Kirche als göttliche Institution, zumindest aus Sicht der Anhänger und Elite-Schulen bzw. -Internate, etwas Besonderes. Nun ist, wohl eher durch Zufall, die Spitze des Eisbergs sichtbar geworden, einmal der Missbrauch von Schutzbefohlenen, zum anderen die Gewalt. Das passt so gar nicht in das verklärte Bild so vieler Menschen. Dabei zieht sich die Gewaltspirale und pädophiles verhalten (neben anderen Exzessen) wie ein roter Faden durch die Geschichte der "heiligen Mutter Kirche. Der Pfaffenspiegel, geschrieben von Otto von Corvin und in erster Auflage bereits 1845 veröffentlicht, beschreibt das auf treffliche Weise. Vielleich ein wenig zu sehr aus der Sicht eine Evangelen und deshalb ein wenig zu einseitig, aber sicher nicht übertrieben.

Aber selbst die nun bekannt gewordenen Vorkommnisse werden kaum reichen, die regelrecht eingebrannte Sichtweise auf und über die Kirche zu ändern. Daran ändert auch nichts, dass der Bruder des Pabstes zuerst jegliche Kenntnis von derartigen Vorkommnissen in seinem Kloster bestritt, dann plötzlich davon gehört hatte und schließlich zugeben musste, dass auch Schüler seiner Chorgruppe geohrfeigt hat. Ich will nicht die Ohrfeige als solche bewerten, sondern die verlogene Art dieses doch so sehr der Wahrheit verpflichteten Geistlichen. Und eine Frage steht noch im Raum. Sie die früher missbrauchten Kinder nicht auf Dauer seelisch verkorkst und kommen evtl. gerade aus ihren Reihen auch eine Reihe unserer jetzigen Politiker?

Wir leben derzeit in einer Krise. Trotz Scheuklappen und uniformer Denkweise wurde dieser Umstand wahrgenommen. Aber an der Wahrnehmung vorbei scheinen die Aktivitäten der Politiker zu laufen, die Krisenbewältigung wie immer betreiben. Sie versuchen die Krise auszusitzen, natürlich nicht, ohne sich selbst zu loben, welche unermesslichen Anstrengungen sie unternehmen, um die Krise zu bewältigen. Aber außer einigen "elitären Kaffekränzchen" ist dabei bisher nichts herausgekommen. Wie könnte es auch? Politiker sind machtlose Marionetten und welche Macht haben schon an Fäden hängende Puppen. Umso erfrischender ist es, in der Mainstream-Presse dann gleich in zwei Zeitungen einen Beitrag des Redakteurs des Tagesspiegels Harald Schumann zu lesen, einmal im Tagesspiegel und einmal in der ZEIT. In der ZEIT hat mich dieser Artikel besonders verwundert, sind doch ZEIT-Redakteure regelmäßige Besucher der Bilderberg-Treffen.

Eine Attac-Gruppe beabsichtigt, ein Bankentribunal in Berlin zu veranstalten. In der Einleitung heißt es:

    Vom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal veranstalten, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll...

Unter dem Motto "WIR ZAHLEN NICHT FÜR EURE KRISE!" finden in Stuttgart und in Essen am 20.03. 2010 Demonstrationen statt. Vielleicht sind diese Veranstaltungen ein Signal, die Uniformität des eigenen Denkens zu erkennen und deren Gleise zu verlassen. Es wäre zu wünschen, denn die Politik in der westlichen Welt ist wie ein Zug, der unaufhaltsam auf einen Tunnel zurast, der in Gettos und Lagern mündet, die noch aus einer Zeit vor 70 Jahren hinreichend bekannt sein dürften. Es ist an der Zeit zu erkennen, dass das Nazi-Regime nur eine Facette des Faschismus ist und das, was die westliche Welt heute als Demokratie verkauft, eine andere und vielleicht sogar schlimmere Facette, weil sie weniger offensichtlich und deshalb weitaus erfolgreicher agiert. Hitler hat das Hau-Ruck-Verfahren versucht,, die heutigen Macher wenden die Salami-Taktik an. Die "Freiheit" der Demokratie wird scheibchenweise eingeengt und jede Einschränkung mit wortgewaltigen Begründungen an die Allgemeinheit verkauft. Wie infam das vonstatten geht, soll ein Beispiel verdeutlichen.

Präsident Clinton hat sich in seiner Amtszeit der Armut angenommen. Dabei ist er von der Sichtweise (des Kapitals) ausgegangen, dass vor allem Frauen sich mit der Sozialhilfe arrangieren, Kinder bekommen, die automatisch wieder in der Sozialhilfe landen, diese Kinder wieder Kinder bekommen usw. Also hat er die Zahlung von Sozialhilfe auf 5 Jahre (im Leben) begrenzt, losgelöst von der Frage, ob die Dauer der Zahlung am Stück oder immer wieder durch Jobs unterbrochen geleistet wird. Die Springer-Presse (WELT) feiert das als einen Sieg über die Armut.

Dabei sieht die Wahrheit anders aus. Lt. Hamburger Abendblatt sind inzwischen 14,6% der Amerikaner auf Lebensmittelkarten angewiesen. Die Linkszeitung berichtet darüber hinaus über Demonstrationen im Staat New York. Rechnet man nun die Sozialhilfeempfänger hinzu und dann noch die Massen, die von den in den USA noch wesentlich weiter verbreiteten Tafeln ernährt werden, dann kann Amerika bereits heute als Armenhaus bezeichnet werden.

Inzwischen wurden schon mehrfach Stimmen laut, das Clinton Modell auch für Deutschland zu übernehmen. Natürlich wären besonders CDU-, CSU- und FDP-Anhänger von einer solchen Maßnahme begeistert und ich fürchte, wenn die NRW-Wahl durch Wahlverweigerung diesen Parteien eine Mehrheit verschafft, werden wir Ähnliches noch in dieser Legislatur-Periode verzeichnen. Nicht zu vergessen, auch die SPD würde im Falle einer großen Koalition und die Grünen im Falle eine Jamaica-Koalition ein solches Modell mittragen