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Erstelldatum: 15.12.2006

Ungewaschen und unrasiert?

Ich komme wohl nicht umhin, zum Thema Beck, Frisör und Körperpflege meinen Senf beizutragen. Eigentlich wollte ich mich bedeckt halten, trotz der vielen Mails, die ich zu diesem Thema bekommen habe. Ich habe den Mann nicht gesehen und nur nach einem Foto in der Presse kann ich nicht beurteilen, ob Beck einen bestehenden Umstand in Verbindung mit einer schon gewohnheitsmäßigen Diffamierung maßgeblicher Politiker gegen Arbeitslose verbunden hat.

Ich denke, für Beck war die Reaktion der Presse ein wenig überraschend. An Opportunität gewohnt, hatte er wohl mit Zustimmung gerechnet, gibt es doch auch in einem Teil der Bevölkerung diese Haltung, mit der man wider besseres Wissen ein Alibi für die eigene Haltung hat. Die Presse hat aber wider Erwarten anders reagiert und Becks abfällige und arrogante Äußerung zur Schlagzeile gemacht. Machen wir uns nichts vor, das geschah nicht aus Empörung, sondern aus Sensationsgier. So stand dann plötzlich mal ein Arbeitsloser im Mittelpunkt des medialen Interesses.

Bei Arbeitslosen hat der Vorfall natürlich wütende Reaktionen ausgelöst, durch das Medieninteresse überregional. So regt das Erwerbslosen Forum Deutschland an, am 2.1.2007 ein Happening in Mainz zu veranstalten, indem man dem Beispiel der Politik folgt und einmal kräftig Schaum schlägt, allerdings anders als Politiker echten Schaum, um damit Bärte zu rasieren und Beck aufzufordern, den Rasierten nun auch einen Job zu besorgen.

Was mich letztendlich veranlasst hat, das Thema auch aufzugreifen, war ein Bericht in der WELT zu der Aktion der kassenärztlichen Vereinigung, sich "Demonstranten bei einem Hostessenservice zu mieten". Sie werden sich berechtigter Weise fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Es war die überraschende Überschrift in der WELT: "Falsches Spiel der Lobbyisten". Wenn die WELT Lobbyisten angreift, dann erregt das meine Aufmerksamkeit, weil das nun ein wirklich ungewöhnlicher Vorgang ist, die Springer-Presse und Lobbyistenschelte? Das passt nicht zusammen. In dem Bericht wurde dann moniert, die protestierenden Ärzte hätten wohl nicht genug Rückhalt in den eigenen Reihen. Dass das nicht stimmt, weiß ich aus einer mir bereits vor einiger Zeit zugetragenen Nachricht, nach der Ärzte eine Pressekampagne gegen die Gesundheitsreform in Form eines Fernsehspots im Werbefernsehen vorhatten. In dieser Nachricht stand:

    Die KV Schleswig-Holstein wollte im privaten Rundfunk die kritische Haltung der Ärzteschaft gegenüber dieser "Reform" per Werbesendung ins öffentliche Bewusstsein bringen. An sich ein kluger Zug, um der Bevölkerung einmal die Haltung der Ärzte klar zu machen, und über die Auswirkungen aufzuklären, die diese Reform für alle hätte. (In der öffentlichen Debatte bekommt das Volk darüber ja kaum etwas mitgeteilt.)

    Die angesprochenen privaten Rundfunksender mussten nun gestern diese Werbemöglichkeit leider absagen - die Landesrundfunkanstalt (ULR) hat diesen Spot verboten! Das riecht m. E. verdammt nach staatlicher Zensur (meine Anmerkung: Riecht ist sehr vornehm ausgedrückt).
    Die Ärzte beraten jetzt weitere Schritte, u. a. tageweise Schließung aller Praxen (Notdienst ausgenommen).

Der neben dem Bericht angezeigte Hinweis auf eine Fotostrecke, mit dem Foto des zurzeit wohl prominentesten Arbeitslosen veranlasste mich, mir die Fotos anzusehen. Siehe da, da gab es einmal das Foto vom Tag des Zusammentreffens mit Beck und ein Foto nach dem Frisörbesuch. Natürlich ist mein Eindruck subjektiv, aber mir gefiel er vorher besser und das trotz Piercing der Nase. Obwohl bei Piercings voreingenommen, konnte ich für den Ring in der Nase schon eine Begründung finden. Ich hatte schon einmal berichtet, dass die Mehrheit von uns einen Ring durch die Nase trägt und unser Mann halt nur den Mut hat, das auch offen zu zeigen. Es kann auch noch einen anderen Grund geben, schließlich bohrt die jeweils zuständige ARGE ja bei jedem Arbeitslosen ununterbrochen und schafft löchert die Betroffenen ununterbrochen. Hat unser Mann nur einen Weg gesucht, die Löcher zu stopfen?

Wie auch immer, Beck hat seinem Sekretariat sicher eine Menge Arbeit mit seinem Spruch aufgehalst, denn die Reaktionen werden an seiner Kanzlei nicht spurlos vorübergegangen sein. Briefe, wie der von Jürgen Noffz dürften seine Kanzlei in großer Zahl erreicht haben.

Sollte es jetzt noch nicht so recht klappen, warten Sie bis 2009. Dann wird er vermutlich als Kanzlerkandidat der SPD auftreten. Schließlich braucht man dann wieder einen Phrasendrescher, nachdem der letzte Große auf diesem Gebiet ins lukrativere Gasgeschäft eingestiegen ist und zusätzlich Märchenbücher für Erwachsene schreibt (mit einer bösen Hexe und einem guten Zauberer).