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Erstelldatum: 13.06.2012

Kampf für den Umweltsch(m)utz

Die EU will für Autos Abgaswerte bis 2012 erreichen, die eine wirkliche Senkung der CO2 Werte bewirken könnte.

"Ein Angriff auf die deutschen Automobil-Hersteller" fanden BILD, Merkel, Gabriel und Glos ziemlich einheitlich. Es stimmt. Deutschland ist der größte Exporteur von Nobelkarossen a la Benz, BMW, Porsche etc. und die Kisten sind nicht nur schnell, sondern dann auch durstig. Nach den Vorstellungen der EU sollen sie Strafe zahlen, wenn sie die vorgesehenen Abgaswerte überschreiten. Um die Werte einzuhalten, müsste zusätzliche Technik eingebaut werden und das würde so um die 1.200 bis 1.500 kosten.

Schreien ohne zu denken, kann ich da nur sagen. Dieses Geplärre zeigt, wie wenig Verstand in Politik und Wirtschaft wirklich vertreten ist. Denn schon ein kleiner Funke im Verstand müsste die Herrschaften, ob nun Politiker, BILD-Redakteure, Fernsehmoderatoren EU-Kommissar (Verheugen) oder Wirtschaftsbosse der betroffenen Automobil-Konzerne dazu bringen, darüber nachzudenken, dass die Käufer dieser Nobelkarossen Mehrkosten in dieser Größenordnung aus der Portokasse zahlen können. Sie würden ferner dabei einkalkulieren, dass bei den Spritpreisen dieses Geld schnell wieder im Säckel ist, weil ja der Durst dieser Karossen gedrosselt wird.

Oft wird ja in den deutschen Medien betont, dass Deutschland, ehemals eine der führenden Nationen in der Technologie, inzwischen auf einen Mittelplatz abgerutscht ist. Warum wohl? Weil die Deutschen dümmer geworden sind? Vermutlich, wenn man es auf die so genannte Elite bezieht. Japanische Autohersteller haben längst die Zeichen der Zeit erkannt und bringen Hybrid-Karossen auf den Markt, auch solche, die getrost zu den Nobelkarossen gezählt werden können. In Deutschland laufen da die Uhren anders. Die deutsche Industrie will, wenn es um die Entwicklung neuer oder verbesserter Technologien geht, Zuschüsse aus Steuermitteln. Bleiben die aus, wird nichts Neues auf den Markt gebracht, nicht einmal, wenn die Technik bereits vorhanden ist. Und wenn doch, dann nur zu horrenden Aufpreisen.

Würden Wirtschaftsbosse und Politik gelegentlich den Verstand einschalten, müsste sie sich fragen, wie wohl die Menschen denken, die bisher ihre Karossen gekauft haben. Was, wenn die Absatzländer für ihren Export das Umweltgewissen packt? Was, wenn nationale Grenzwerte in den Importländern bei den dortigen Käufern ein Umdenken auslösen, indem Sie sich sagen, eine Benz, ein BMW oder ein Porsche wären ja schön, aber ein Toyota, ein Renault usw. sind auch nicht schlecht und haben dazu noch die Abgaswerte stark gesenkt?

Statt den Ball, den ihnen die EU hier zuwirft, aufzunehmen und damit auch für die Zukunft zu planen, plärrt man über einen Krieg gegen die deutsche Automobilwirtschaft, fabuliert über die vielen Arbeitsplätze, die das kosten würde, spricht natürlich auch vom Neid der anderen, Automobile herstellenden Länder.

Dieses Verhalten zeigt, dass Denken nicht zu den Stärken der Elite gehört. Arbeitsplätze gehen nicht durch zusätzliche Entwicklungsaufträge verloren, sondern durch eine falsche Politik, die verantwortungsvolle Menschen zum Umsteigen auf andere Marken bringt. Und nicht nur die, denn Täuschung gehört ja zur Politik und wenn Manager und Politiker in anderen Nationen auf andere Karossen umsteigen, um ihren Bürgern verantwortungsbewusstes Handeln vorzugaukeln, wird auch das Umsatzeinbußen deutscher Autokonzerne zur Folge haben.

In einer der letzten Ansprachen von Merkel hat sie betont, dass sie (und sie ist die CDU/CSU) die Mitte ist. Die Satire-Sendung "Neues aus der Anstalt" hat mitgezählt. 35 mal hat sie das Wort Mitte gebraucht. Natürlich richtet sich dieser Angriff gegen links, den verbalen Schwenk der SPD nach links, obwohl die SPD wegen ihrer Orientierungslosigkeit gar nicht mehr weiß, wo links überhaupt ist, vor allem aber gegen die Linke, den Zusammenschluss aus WASG und PDS. Mir drängt sich da ein Bild auf, Merkel, die aus einer Schnellfeuerwaffe 35 mal die Mitte gegen links abschießt, dabei vom Rückstoß immer weiter nach rechts abgedrängt wird (der Eindruck wird vom Islamreport von Schäuble noch verstärkt). Nach dem 35. Schuss ist sie so weit nach rechts abgedriftet, dass die Wahrnehmung dessen, was sich im gesamten Spektrum abspielt, so stark eingeschränkt wird, dass sie nur noch das Rechte, aber nicht mehr das Richtige erkennen kann.

Es ist nichts Neues, das die CDU/CSU vor Wahlen gerne im Trüben fischt und versucht, rechts verseuchte Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Derzeit beweisen das Schäuble und Koch mit ihren Aktionen, dass ausländerfeindliche Parolen in Deutschland immer noch gerne von bestimmten Wählergruppen honoriert werden und auf diese Wählergruppen wird dabei spekuliert. Sie sollen den drohenden Machtverlust kompensieren. Verbale Attacken gegen die Linke mit dem Hinweis auf die DDR-Vergangenheit gehören dazu. Natürlich hat die ehemalige PDS eine DDR-Vergangenheit, so wie CDU, CSU, FDP und SPD nach dem 2. Weltkrieg eine Nazi-Vergangenheit hatten. Nur dass im Gegensatz zu damals die PDS bereits mehr als 15 Jahre Zeit hatte, diese Vergangenheit zu verarbeiten, während damals die Parteien und mit ihnen Justiz und Verwaltung nahtlos in die angeblich neue Ära der BRD übergingen und somit keine Veranlassung hatten, ihre Vergangenheit zu verarbeiten. Kann es sein, dass der Geist von damals in diesen Parteien auch heute noch viel präsenter ist, als der erste Anschein vermuten lässt?

Eins ist aus meiner Sicht gewiss, der Populismus feiert Triumphe, aber eine verantwortungsvolle Politik bleibt auf der Strecke. Das Geschrei um die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Automobilbauer ist ein probates Beispiel. Die wirtschaftlichen Interessen würden nämlich nach innovativem und zukunftsgerichtetem Handeln verlangen und nicht nach der Glorie der Vergangenheit lechzen. Die Zeit der Spritfresser ist vorbei und wenn Politik und Wirtschaft das nicht erkennen wollen, bereiten sie ein weiteres Stück Niedergang der Nation vor. Doch vielleicht stört das gar nicht, sind doch lt. einem Bericht des Handelsblatts die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne nun mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren. Gegenüber 2005 ist ihr Anteil um 20 auf nunmehr 53 Prozent gestiegen. Kommt dazu noch die Privatisierung der Bahn und da liegt die Stanley Morgan Bank schon seit geraumer Zeit auf der Lauer, steigt der prozentuale Anteil ausländischer Anteilseigner an deutschen Unternehmen weiter. Das ist der Patriotismus deutscher Politiker und deutscher Konzernbosse. So gesehen ist der Niedergang der deutschen Nation politisches Ziel und die Debatte um die deutsche Automobilwirtschaft ist vielleicht doch das Produkt einer Überlegung, wie man den Niedergang noch beschleunigen könnte.