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Erstelldatum: 31.10.2008

Umverteilung

Umverteilung, also das Geld aus unseren Taschen in die Taschen der Aktionäre zu verschieben, wie funktioniert das eigentlich? Ich denke, gerade bekommen wir wieder ein Paradebeispiel dafür geliefert. Unsere stets um unser Wohl besorgten Staatsdiener haben ein Milliardenpaket geschnürt, um die Wirtschaft in Schwung zu halten und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun.

Ich bin mir nicht darüber klar, was wir Deutschen mehr lieben, sagen zu können, dass Politiker unfähig sind, oder uns nach Strich und Faden über den Tisch ziehen zu lassen? Wenn ich darüber nachdenke, ist uns das Klischee vom unfähigen Politiker wohl lieber.

Werfen wir einen Blick auf die Absichten der Bundesregierung. Gabriel, Steinbrück und Glos sind glücklich, uns die frohe Botschaft übermitteln zu können. Man wird für alle Autos (so Herr Steinbrück) mit der Abgasnorm 2 eine Steuerbefreiung von der KFZ-Steuer für ein Jahr und für Fahrzeuge mit der Abgasnorm 1 von zwei Jahren beschließen. Gabriel verkündete das im Fernsehen und wenn man dabei seinen treuherzigen, mit großer Wichtigkeit gepaarten Blick sieht, wer könnte da widerstehen. Wirtschaftsminister Glos lachte, als er die frohe Botschaft verkündet. Es ist ja nicht nur die Steuerbefreiung, die den deutschen Michel dazu verleiten soll, sich ein neues Auto zu kaufen. Es ist auch der Appell an unser Gewissen, denn mit dem neuen, abgasarmen Autor kurbeln wir nicht nur die Wirtschaft an, nein, wir tun auch was für die Umwelt. Weniger Schadstoffe werden in die Luft geblasen.

Die Mehrheit wird das Lachen von Glos wohl dem glücklichen Gefühl zuschreiben, etwas für die Wirtschaft UND für die Umwelt getan zu haben. Ich als chronischer Meckerer glaube eher, er konnte sich das Lachen nicht verkneifen ob dieses Unsinns. Denn der eigentliche Hintergrund ist wieder ein kleiner Kapitaltransfer in die Taschen der Aktionäre.
Hänschen Schmitz, will etwas für die Wirtschaft und die Umwelt tun. Er verkauft, viel früher als geplant, sein altes Auto und kauft sich ein neues Auto. Weil sein altes Auto ja nicht der Abgasnorm 1 oder 2 entspricht, muss er beim Verkauf natürlich einen kleinen Abschlag in Kauf nehmen. Aber das macht er ja gerne, denn er tut ja was für die Umwelt.

Der Käufer, ein Großhändler, kauft begeistert alle so verkauften Autos auf. Die meisten sind noch in einem relativ guten Zustand, trotzdem kann er sie billig erwerben und schafft sie dann über die Grenze ins Ausland. Ob Polen, Ungarn, Bulgarien, die Türkei und viele andere Länder, sie kaufen diese Gebrauchten gerne. Ein Teil der alten Gebrauchten bleibt auch in Deutschland. Diejenigen, die sich kein neues Auto leisten können, kaufen sich einen dieser Gebrauchtwagen und verkaufen dafür ihre alte Kiste, die fast auseinander fällt. Aber auch für diese nahezu schrottreifen Autos finden sich noch Abnehmer, denn in einigen anderen Staaten ist man nicht so pingelig wegen kleiner Roststellen oder der einen oder anderen Beule.

Alle sind glücklich. Hänschen Schmitz, der jetzt stolz sein abgasarmes Auto KFZ-steuerfrei fahren kann. Dass er die eingesparte KFZ-Steuer über den Abschlag beim Verkauf des Alten wieder reingebuttert hat, ist nicht so schlimm, hat er doch seinen Anteil zum Klimaschutz geleistet. Aber irgendwie ist das eine Rechnung, die nicht ganz aufgeht. Seine alte Kiste läuft noch immer, nur irgendwo anders. Und der Luft ist es ziemlich egal, wo sie verschmutzt wird, in Polen, in der Türkei, in Ungarn, in Rumänien, Bulgarien, in irgendeinem kleinen Scheichtum in der Wüste oder in China. Es wird noch genau so viel Dreck in die Luft geblasen, wie zuvor. Und wenn irgend ein Auto wirklich in der Schrottpresse gelandet ist, wird für das Recycling so viel Energie verbraucht, als hätte man es noch eine lange Zeit gefahren.

Aber die Aktionäre der Autoindustrie freuen sich, zieht doch die Produktion wieder an und lässt die Dividende und den Kurs steigen. Die Finanzindustrie freut es auch, kann sie doch wieder Zinsen für Kredite verlangen. Und die Versicherungen freut es auch, bekommen sie doch nun wieder Aufträge über eine Restschuldversicherung herein. Und wenn es die Finanzindustrie freut, freut es natürlich auch die Aktionäre der Banken, die man zwar meist nicht kennt, die aber sicherlich bedürftiger sind, als die Arbeitslosen, Rentner und Arbeitnehmer. Und Gabriel, Steinbrück und Glos freut es auch. Für dieses Milliardenpaket muss man natürlich an anderer Stelle ein wenig kassieren. Wo genau, das werden wir noch erfahren. Aber die drei Minister sind happy, beweisen sie doch wieder einmal, wie leicht es doch ist, dem Volke einen Ring durch die Nase zu ziehen. Und Piercings sind schließlich in.