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Erstelldatum: 03.04.2007

Neuzeit-Odysseus

Am 1.4. strahlte das ZDF den amerikanischen Film Troja aus, der als Monumentalfilm und mit der im Hollywood-Stil üblichen Geschichtskorrektur den Kampf um Troja nachzeichnete. Die markanteste Szene des Films wie auch der Ilias von Homer ist die Art der Einnahme der eigentlich (damals) uneinnehmbaren Stadt Troja, das trojanische Pferd, aufgrund der List von Odysseus gebaut. Aber hier geht es nicht um den Film, sondern um den Deutschen, der sich scheinbar für Odysseus hält. Wir kennen ihn besser unter dem Namen Wolfgang Schäuble.

Nach dem Vorbild von Odysseus will er ein trojanisches Pferd in das Troja der heutigen Zeit, uns besser unter dem Namen Internet bekannt, schleusen. Nun ist unser Neuzeit-Odysseus, wie es sich für einen Politiker gehört, natürlich eine grundehrliche Haut. Deshalb gibt er in einem Interview mit der TAZ auch zu, dass er von PC's, dem Internet und allem was damit zusammenhängt, keine Ahnung hat. Aber das macht ja nichts, weil es der üblichen politischen Vorgehensweise entspricht. Wichtig ist nur, dass sein Vorhaben nur dazu dient, dass wir, das gemeine Volk, sicher sind. Sicher vor Terroristen und vor Kriminellen (verstehen Sie das nicht falsch, Politik und Wirtschaft sind nicht eingeschlossen). Da sich die Zeiten gewandelt haben, soll natürlich nach dem Willen unseres Neuzeit-Odysseus, wenn der Trojaner ins Internet eingeschleust wurde, bei den Terroristen oder Kriminellen (wie gesagt, außer Wirtschaft und Politik) nicht plötzlich der Verfassungsschutz, das BKA oder der MAD aus dem Bildschirm springen, das ginge ja auch nicht, weil Sie das Holzpferd des Odysseus ja auch nicht durch die Leitungen kriegen. Nein, statt dem Holzpferd will unser Neuzeit-Odysseus ein Programm einschleusen, das nur den Spitznamen Trojaner hat. Mit diesem Programm können dann die beauftragten Behörden, im ersten Schritt der Verfassungsschutz, das BKA und der MAD den Computer des Terroristen/Kriminellen (Sie wissen schon außer ....), genauer gesagt die Festplatten durchsuchen und alles, was verdächtig ist, herunterladen.

Aber da gibt es ein Problem. Wie schon gesagt, unser Neuzeit-Odysseus hat von einem PC keine Ahnung, folglich kann er die Überwachung nicht übernehmen. Das ist schlimm, weil er ja eine grundehrliche Haut ist und die dort gefundenen Daten ja nur verwenden würde, wenn sie etwas über geplante Terrorakte (Sie wissen schon, außer ...) oder Kriminelle Aktivitäten (jetzt schreibe ich nicht mehr jedes Mal dazu, Sie wissen schon, außer ...), außer vielleicht, Herr Schreiber macht ihm ein Angebot über eine Spende an die Partei von 100.000 DM, entschuldigen Sie, wir haben ja heute Euros, also über 51.129,19 (ich weiß nicht, ob er mit seinen Preisen auf 50.000 runtergehen würde). Also schwebt ihm vor, dass diese Aufgaben bei Terrorismusverdacht oder dem Verdacht der Unterminierung unserer Verfassung (wenn Sie sich z. B. freiwillig um einen Ein Euro Job bewerben und damit gegen Art. 12. verstoßen) der Verfassungsschutz, bei kriminellem Verdacht, wenn also ein Krimineller zur Geldwäsche in den Waschsalon statt zur Deutschen Bank geht, das BKA und wenn die Braut eines Tornado-Piloten ihm vor seinem Einsatz in Afghanistan eine Mail schickt und ihn bittet, nicht zu fliegen, der MAD.

Hier sehe ich nun ein Problem, denn seit dem Versuch des Vorgängers unseres Neuzeit-Odysseus, die NPD zu verbieten, ist ja nicht mehr ganz klar, ob der Verfassungsschutz nun die NPD unterwandert oder umgekehrt, die NPD den Verfassungsschutz. Aber vielleicht ist meine Sorge ja auch unbegründet, weil ich einfach die Aussage unseres Neuzeit-Odysseus, dass wir ein Rechtsstaat sind, falsch verstanden habe. Vielleicht ist ja nicht, wie ich in meiner Einfalt dachte, damit des Recht gemeint. Ja, genau genommen muss ich mit meiner einfältigen Annahme falsch liegen, wenn ich mir die Aussagen von Herrn Glos noch einmal ins Gedächtnis rufe und bedenke, dass unser Neuzeit-Odysseus ja auch die Bundeswehr im Innern einsetzen möchte.

Wichtig für Sie ist, dass Sie künftig den PC nicht mehr abschalten, denn wenn der Verfassungsschutz, das BKA oder der MAD dann ihre Festplatte downloaden, dauert das bei den heute üblichen mindestens 80 GB ein wenig länger und durch das Abschalten Ihres PC würden sie den genannten Behörden ihre Arbeit unnötig erschweren.

Wer weiß, bei der fortschreitenden Technik wird der Aprilscherz des CCC (Chaos Computer Club) Wirklichkeit, die dort beschriebene Funktion des Moduls wte0104-brsjm.digit einzusetzen und Mikrophone und Kamerafunktionen über versteckt in ihrem Bildschirm eingebaute Hardware zu aktivieren. Das würde dann den vorgenannten Behörden nicht nur neue Erkenntnisse bringen, sondern auch den Besuch von Pornokinos ersparen. Würde dann die BA mit eingebunden, könnte sie die eheliche Gemeinschaft anhand von Aufzeichnungen jederzeit nachweisen.

Zum Schluss noch eine Empfehlung an unseren Neuzeit-Odysseus, der im Interview mit der TAZ ja auch zum Ausdruck brachte, dass man evtl. das GG ändern müsste. Da sollte er lediglich den Art. 146 ändern, der noch besagt:
    Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Diesen Text hat unser Neuzeit-Odysseus ja bereits in seiner letzten Amtszeit verfasst. Da wegen der Bestrebungen unserer nur auf unser Wohl die Füllung der Börsen der Wirtschaft bedachten Kanzlerin zur endgültigen Verwirklichung einer EU-Verfassung, also einer Verfassung für ein nicht verfassungsgemäßes Wirtschaftsgebilde aus mehreren Staaten (früher nannte man es ehrlicher EWG) mit einer vom Deutschen Volk in freiheitlicher Abstimmung beschlossenen Verfassung für Deutschland nicht mehr zu rechnen ist, empfehle ich die Änderung ausschließlich des Art. 146 mit den folgenden Worten:
    Die Artikel dieses Grundgesetzes, das nach Vollendung der Einheit und Beendigung der Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, haben nur Gültigkeit, solange nicht das Parlament in seiner Herrlichkeit und Glorie andere Vorstellungen mit dem jeweiligen Art. verbindet. In diesem Falle gilt, was das Parlament beschließt und niemand hat das Recht, diese Beschlüsse anzufechten.

Damit würden alle Zweifel über die Verfassungsmäßigkeit ausgeräumt und ein paar Richter müssten nicht ihre Gehirnwindungen verkrampfen, wie sie Verfassungsverstöße verfassungskonform auslegen können. Wie gesagt, nur eine Empfehlung.

Wir jedenfalls freuen uns auf den Tag, an dem unerwartet plötzlich ein hölzernes Pferd mit den Zügen von Schäuble auf dem Bildschirm erscheint und wiehert, ein Wiehern, das sich eher wie das Gelächter von Gargamel anhört. Das sollte uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gargamel nur bei den Schlümpfen auf die Schnauze fällt. Im richtigen Leben ist das "auf die Schnauze fallen" unser Schicksal.