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Erstelldatum: 09.12.2006

Rauchen kann tödlich sein

Das ist heute auf jeder Packung Zigaretten, Tabak usw. in großen Buchstaben aufgedruckt. Der Schriftgröße nach ist es ein Slogan der BILD. Mich als Raucher erschreckt diese Aufschrift natürlich jedes Mal, wenn ich meine Pfeife stopfe oder zwischendurch zum Zigarillo oder zur Zigarette greife, weil mir die Ruhe für eine Pfeife im Moment fehlt.

Natürlich fühle ich mich permanent schuldig, was mich dann ab und wann anregt, über diese meine Verfehlung nachzudenken. Ich würde das häufiger tun, aber nachdem man jetzt festgestellt hat, dass bei Rauchern das Gehirn schrumpft, werden sie verstehen, dass ich den Rest meines Gehirns gelegentlich auch anders nutze. Habe ich aber die schrumpfenden Kapazitäten für solche Überlegungen freigemacht, kommt zu allererst meine Bewunderung für die Politiker, die, obwohl ja für jedermann ersichtlich schon sehr früh mit dem Rauchen angefangen haben müssen, unermüdlich darauf drängen, die Menschen dieses Landes vor diesen Gefahren zu schützen. Nun, wenn das nicht immer so auf Anhieb klappt, ist das ja verständlich, weil der Schrumpfungsprozess es ja mit sich bringt, dass, wenn man einen Gedanken gefasst hat, ein Zweiter nicht gefasst werden kann oder evtl. verloren geht. Aber da scheint Hilfe in Sicht, wenn ich meinen Informationen trauen kann. Einige dort sollen im Besitz eines weißen Pulvers sein, welches durch die Nase inhaliert nicht nur den Schrumpfungsprozess vorübergehend stoppt sondern sogar ein Aufblasen bis auf Erbsengröße ermöglichen soll. Allerdings kann ich das nicht beweisen. Vielleicht sollte man Fußballtrainer Daum mal fragen.

Doch von Berlin muss ich nun abschweifen um mich, einem allgemeinen Trend folgend, wieder auf mich zu konzentrieren. Schließlich wollte ich ja über die Aufschrift auf Rauchwaren nachdenken, wenigstens im Rahmen der Möglichkeiten, die mein geschrumpftes Hirn noch zulässt. Nach stundenlangem Nachdenken wurde mir dann klar, dass diese Aufschrift auf den Packungen der Tabakindustrie nur ein Anfang sein kann. Diese Aufschrift sollte überall dort aufgebracht werden, wo die Möglichkeit besteht.

Jedem Neugeborenen sollte auf den Nabel die Inschrift tätowiert werden: "Das Leben kann tödlich sein", denn es ist bewiesen, dass das Leben viel öfter tödlich endet, als das Rauchen. Auch auf die Uniformen unserer Soldaten sollte die Inschrift stehen: "Dein Auslandseinsatz kann tödlich sein". Wer ein Auto, ein Motorrad, Moped oder Fahrrad kauft, müsste darauf verwiesen werden, dass der Gebrauch tödlich sein kann. Wer in einem Haushalt lebt, muss ständig mit seinem Ableben rechnen, denn lt. Statistik passieren die meisten tödlichen Unfälle im Haushalt. Wenn ich dann auf die Straße flüchte um mich statt der Angst um meine Leben an den heimlichen Blicken auf die hübschen Beine einer jungen Dame von meinen trüben Gedanken abzulenken, hämmert es wie eine Schlagzeile der BILD in mein Hirn (soweit noch vorhanden): "Sex kann tödlich sein". Wer in ein Flugzeug steigt, um in den verdienten Urlaub zu fahren, müsste eigentlich darauf hingewiesen werden, dass die Ankunft am Urlaubsort nicht gewährleistet ist, weil die Dinger manchmal vom Himmel fallen oder böse Terroristen damit den Weg zum 40. Stockwerk abkürzen wollen. Selbst in den kommenden Tagen hören die Gefahren nicht auf. Weihnachten kann die Wachskerze den Christbaum entzünden oder die elektrische Lichterkette ist nicht ausreichend isoliert und ich bekomme einen tödlichen Schlag. Ich kann am preiswert erworbenen Gammelfleisch zu den Festtagen durch eine Vergiftung sterben und wenn ich stattdessen Sushi esse, hat vielleicht jemand Polonium 210 hineingeschmuggelt. Das Feuerwerk zur Jahreswende kann zu einem Brand des Wohnhauses führen und mich gleich zu Beginn des neuen Jahres ins Nirwana befördern.

Ich lehne mich zurück, meine Hände greifen automatisch zur Tabakdose und wie von selbst beginnen meine Finger, eine Pfeife mit Tabak zu füllen. Nachdem ich die Pfeife, oder besser deren Inhalt entzündet habe und den weißen Rauch genüsslich gegen die Decke blase, bin ich wieder völlig entspannt. Meine Überlegungen haben mir gezeigt, dass, egal was ich tue, ich keine Überlebenschancen habe. Rauche ich z. B. im Bett, kann die Asche, die runter fällt, meine sein. Dabei ergeht es mir wie ca. 6 Milliarden anderen Menschen auf dieser Welt, die ständig begründet um ihr Leben fürchten und trotz aller Anstrengungen, es zu erhalten, nie wissen, ob sie den nächsten Tag noch erleben. Statt zu leben, solange es geht, konzentrieren sie sich darauf, zu überleben, für später vorzusorgen, zunächst zusammen zu raffen, was geht, damit sie später sorgenfrei leben können. Dabei wissen sie nie, ob es ein Später gibt und ob sie die Angewohnheit, nur da zu sein statt zu leben, später noch ändern können. Ich kenne etliche Leute (besser gesagt, ich kannte), die viel gesünder gelebt haben als ich und vermutlich auf viel gesünder gestorben sind, als das bei mir zukünftig der Fall sein wird. Ich jedenfalls ziehe es vor, zu leben statt mir über ein mögliches Ende meiner Anwesenheit auf diesem runden Ball große Gedanken zu machen. So kann ich mir trotz der groß geschriebenen Hinweise auf mein mögliches Ableben durch den Genuss dieser Artikel den gelassenen Gedanken "na wenn schon" nicht verkneifen. Aber Gelassenheit ist heute ebenso wenig modern, wie der Gebrauch der eigenen grauen Zellen, die mitunter erstaunliche Ergebnisse abliefern, wenn man sie gelegentlich benutzt. Denn selbst ein schrumpfendes, aber benutztes Hirn ist weit wirkungsvoller, als ein ungeschrumpftes und unbenutztes.

Deshalb:

Alkohol und Nikotin
rafft die halbe Menscheit hin!

Doch nach gutem alten Brauch,
stirbt die and're Hälfte auch.