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Erstelldatum: 09.01.2009

Tierquälerei

Ich bekomme häufiger Mails mit der Aufforderung, gegen Tierquälerei vorzugehen oder darüber zu schreiben. Warum ich das bisher nicht getan habe? Die Antwort ist einfach, weil es zwecklos ist. Nehmen wir an, eine Petition gegen die Art der Tiertransporte oder die Art der Schlachtung, gegen die Art der Haltung usw. wird gefordert oder gar eingestellt. Was passiert dann? Beispiel Geflügel, Käfighaltung oder Bodenhaltung unter mehr als zweifelhaften Bedingungen. Dann sind die Bürger empört, wenn sie dabei u. U. mit einem Video konfrontiert werden, dass die Grausamkeiten gegen Tiere dokumentiert und sie zeichnen die evtl. eingestellte Petition mit. Erstens meist zu wenige, zweitens ist es ein Großteil dieser Bürger, der am gleichen oder nächsten Tag beim Einkauf bei Aldi, bei Lidl, Penny, Rewe, Tengelmann oder wie die Supermarktketten noch so heißen, dann Eier kauft, deren Produktion eben von solcher tierquälerischen Haltung stammt. Oder er kauft Hähnchenschenkel, ganze Hähnchen, Putenfleisch, weil es billig ist und uns die Werbung vorgaukelt, es sei gesund und unterstütze eine ausgewogene Ernährung. Niemand untersucht, ob das Fleisch von Tieren in Dauerstress, ob nun Geflügel, Rinder, Schweine und was wir sonst noch so auf dem Fleischteller haben, nicht auch langfristig negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Aber das ist aus meiner Sicht auch nicht so wichtig. Wichtig ist unser Umgang mit unseren Mitgeschöpfen. Und hier setzt unsere Heuchelei oder Gleichgültigkeit ein. Wir sehen in den Vitrinen das schöne rote Fleisch, die glänzenden Putenfilets und vor allem den billigen Preis. Was wir nicht sehen, wie die Farbe des Fleisches durch chemische Behandlung aufgepäppelt wird. Was wir nicht sehen, ist die oft wässrige Konsistenz des Fleisches, ein klares Merkmal der industriellen Haltung. Wir verwenden bei der Zubereitung dann meist von der Werbung angepriesene fertigsoßen, die wiederum mit vielen chemischen Zusätzen, vor allem mit Glutamat, unseren ohnehin schon angegriffenen Geschmacksnerven einen Geschmack vorgaukeln, den der eigentliche Inhalt nicht hat. Dazu gibt es ein kleines Video, welches sich mit Hamburgern von McDonald auseinandersetzt. Auch wenn der Text englisch ist, ist er leicht verständlich. Ich wünsche derweil schon mal guten Appetit beim nächsten Besuch bei McDonald.

Ich bin kein Vegetarier und vertrete auch nicht die Meinung, dass der Verzehr von Fleisch falsch, widerlich oder sündhaft ist. Ich glaube, dass die Entwicklung des Menschen zu dem, was er heute ist, nur deshalb in dieser Form stattgefunden hat, weil er sich vom Vegetarier zum Allesfresser entwickelte. Aber unsere frühen Vorfahren hatten noch Respekt vor den Tieren, betrachteten sie als ihre Mitgeschöpfe. Sie sahen sich selbst zwar als Raubtiere, die auf die Jagd gingen, beschworen aber im Anschluss die Geister der erlegten Tiere und begründeten, warum sie sie getötet hatten. Schamanismus pur, aber eigentlich ein Naturgesetz, dass Raubtiere (zu denen auch der Mensch zählt) hervorgebracht hat, um die Zahl der Fluchttiere gesund und stark zu erhalten. Der Mensch, eigentlich das langsamste und schwächste Wesen seiner Größe und eher ein Opfer der Raubtiere als selbst ein Raubtier brachte seine ihm von der Natur verliehene Fähigkeit zum Schutz seiner Art ein, seinen Verstand. Mit der Produktion von Waffen und der (soweit wie möglich) Kontrolle des Feuers vermochte er nicht nur, sich gegen Raubtiere zu behaupten, sondern auch die ihm an Größe und Stärke weit überlegenen Tiere seiner Zeit zu jagen.

Mit der Domestizierung der Tiere begann auch seine Missachtung der anderen Kreaturen. Religionen waren daran wesentlich beteiligt, indem sie den Menschen außerhalb der natürlichen Ordnung stellten, als das erdgebundene Ebenbild der jeweiligen Götter.
Aber die eigentliche absolute Missachtung unserer Mitgeschöpfe begann mit der Erfindung von Schusswaffen, die eine Jagd auf Wildtiere frei von eigenem Risiko und ohne wirkliches Jagdgeschick ermöglichten. Mit der technischen Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg begann die Industrialisierung der Tierhaltung und weitgehend die Aufgabe der Weidehaltung. Tiere hörten auf, Geschöpfe zu sein, sie wurden zur reinen Ware, auch per Gesetz. Das Zeitalter der Massentierhaltung begann. Ohne uns alle wäre das nie möglich gewesen. Gab es früher in einem normalen Haushalt nur ein bis zwei Mal in der Woche Fleisch (der berühmte Sonntagsbraten) und noch seltener Geflügel, wurde nun das Fleisch so billig, dass jeder täglich Unmengen davon oder von der aus gleicher Quelle stammenden Wurst konsumieren kann.

Das Fernsehen publiziert dann gelegentlich die Zustände, die mit der industriellen Tierverwertung verbunden sind und die Menschen sind entsetzt und empört. Aber ist das Entsetzen und die Empörung nicht nur reine Heuchelei? Wie viele Menschen hat es wirklich dazu gebracht, die eigenen Essgewohnheiten zu überdenken und auf Bio-Ware umzusteigen, die zwar teurer ist, aber den Tieren zumindest bis zur Schlachtung ein Leben zugesteht? Müssen wir wirklich täglich Fleisch auf dem Teller und Wurst auf dem Brot haben? Ich denke nicht und habe mich deshalb umgestellt. Nicht auf rein vegetarische Kost, sondern ich gönne mir während der Wildsaison ein Stück Wild, Reh, Hirsch oder Wildschwein, friere davon einen Teil ein und kaufe somit kaum noch anderes Fleisch und wenn, dann Bio. Wurst esse ich ohnehin so gut wie gar nicht. Die Älteren werden sich noch erinnern, wie es in der Nachkriegszeit ausgesehen hat. Vielleicht lohnt ein Blick auf die Änderung der Lebensmittelrationierung, zusammen mit der Währungsreform.

Warum ich heute dennoch über Tierquälerei schreibe? Mit wurde per Mail ein Link zugesendet. Ein Film aus Asien. In weiten Teilen Asiens ist Hundefleisch so normal wie bei uns Schweinefleisch. Dieses Video zeigt den Transport von Schlachthunden und die Art der Haltung, einschließlich der Schlachtung. Ich konnte mir das Video nicht bis zum Ende ansehen, denn mich packte das pure Entsetzen. Aufgerufen wird zu einer Unterschrift unter eine Petition.
Aber es ist leicht, mit dem Finger auf China zu zeigen. Bei uns sind die Verhältnisse kaum besser. Der Umstand, dass es hier um die Hundeschlachtung in China geht, ist für uns natürlich emotional gewichtiger, weil wir den Hund nicht als Nutztier, sondern als Freund des Menschen ansehen. Allerdings verhindert das nicht, dass jedes Jahr Tausende von Hunden ausgesetzt werden, weil "Herrchen" in Urlaub fahren muss. Gleiches gilt für Katzen. Also bei aller Wut und allem Entsetzen über die gezeigten Bilder müssen wir uns immer vor Augen halten: Wir haben eine gehörige Portion Mitschuld, denn diese Skrupellosigkeit Tieren gegenüber hängt direkt mit unseren Essgewohnheiten zusammen. Und die Schlachtgewohnheiten in Deutschland und Europa sind durchaus zum Teil vergleichbar mit denen auf dem Video. Nur sind es bei uns andere Opfer. Ohne Ihren Hang nach extrem billigen Fleisch ginge es nicht nur den Bauern besser, die nicht bereit sind, die natürliche Anpflanzung und die natürliche Tierhaltung aufzugeben, sondern vermutlich auch Ihnen. Auch würden sie die politische Haltung zum Essen, zu den erlaubten Zusatzstoffen bis hin zu Planungen der WHO zusammen mit der FAO (Codex Alimentarius) oder den gentechnischen Vorhaben damit evtl. praktisch ad absurdum führen und ändern..

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