Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 26.04.2008

Stell Dir vor, es ist Krieg ...

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Diesen Satz sagt man Berthold Brecht nach, aber ich glaube, er hat ihn nur zitiert und dann mit den Worten weitergeführt:

    dann kommt der Krieg zu Euch! Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

Vermutlich stammt der Satz aus dem Roman "The People, Yes" (1936) von dem amerikanischen Schriftsteller Carl Sandburg. Dort heißt es, dass ein kleines Mädchen beim Vorbeiziehen einer Truppenparade meint:

    "Sometime they'll give a war and nobody will come"

Es spielt keine Rolle, wer diesen Satz nun wirklich prägte. Ich sehe in dem Satz eine unglaubliche Weisheit, dessen Tiefe erst bedeutsam wird, wenn man diese wenigen Worte, ihre Bedeutung in seiner ganzen Ausprägung erfasst. Doch dazu muss man sich ein wenig Mühe geben, darüber nachdenken, die Konsequenz erweitern, sie als umfassende Aussage begreifen.

Im Kern besagen die Worte, dass ein Krieg von den Mächtigen ausgerufen wurde. Aber die, die diesen Krieg führen sollen, die Soldaten, die Offiziere, haben durch eigenständiges Denken erkannt, dass dieser Krieg sinnlos ist, dass er niemandem nützt, außer denen, die ihn anzetteln wollen. Statt sich tränenreich von der Frau und den Kindern zu verabschieden, um in einem sinnlosen Krieg Menschen zu töten, die man nicht kennt, über die man nichts weiß und schließlich selbst zu sterben und damit die Familie alleine zu lassen und der Not preiszugeben, gehen sie lieber mit der Familie in den Park, das Schwimmbad, zu einem Volksfest oder sonst wohin und leben, genießen den Tag, genießen das Schöne um sich herum, genießen das Glück des Lebens. Die Mächtigen, die diesen Krieg wollen, sind machtlos, können nichts dagegen tun, weil sich alle weigerten, weil ihnen nun die Helfershelfer fehlen, weil ihre Macht verloren ist.

Ich weiß, das klingt pathetisch, ist es aber nicht. Es zeigt lediglich die Konsequenzen auf, die es hat, wenn alle Menschen den Verstand, den sie bekommen haben, auch benützen würden, nicht blindlings Befehlen, sondern nur der eigenen Überlegung gehorchend. Menschen wollen keinen Krieg, abgesehen von eingen wenigen Machtmenschen und einigen Verrückten. Welche Genugtuung bringt es, einen wildfremden Menschen abzuschlachten? Die Genugtuung, einen Feind eliminiert zu haben? Woher wissen Sie denn, dass er ihr Feind ist? Sie kennen ihn doch nicht, wissen absolut nichts über ihn: Ach so. Man hat Ihnen gesagt, dass er der Feind ist. Würde man Ihnen sagen, dass ihr bester Freund ein Feind ist, würden Sie mit dem Zeigefinger an die Stirn deuten. Bei einem Fremden hingegen akzeptieren Sie diese Aussage? Man hat Ihnen erklärt, warum er ihr Feind ist? Haben Sie auch die Beweggründe derer zu verstehen versucht, die Ihnen das erklärt haben?

Bush, Cheney, Rumsfeld, Rice, sie alle haben den Amerikanern erklärt, warum die Taliban, die Iraker die Feinde der Amerikaner, ja der ganzen westlichen Welt sind. Jeder wusste, dass diese Aussagen nichts als Lügen waren. Jeder wusste es, trotz der gefälschten Beweise, die man präsentierte. Jeder wusste, dass es um Öl ging, um Geschäfte für die Rüstungsindustrie, aber kaum einer hatte den Mumm, dagegen vorzugehen, die Gefolgschaft zu verweigern. Weit über eine Million Menschen haben das mit ihrem Leben bezahlt. Bush, Cheney, Rumsfeld, Rice gehören nicht dazu und werden nicht dazu gehören. Sie sind nur die Rädelsführer, die sich selbst nicht in Gefahr begeben. Sie haben die Macht, die Gefolgschaft zu erzwingen. Warum? Doch nur, weil andere sich blind als Befehlsempfänger unterordnen, Zombies, weil ihr Hirn nur eine Ansammlung nutzloser Zellen ist, nur zu verwenden, um Befehle entgegenzunehmen und auszuführen.

Merkel und Co. predigen uns, dass unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt werden muss. Jeder in diesem Land weiß, dass das völliger Schwachsinn ist. Nichts als eine ständig wiederholte Parole. Aber das macht sie nicht wahrer. Abgeordnete werden Ihnen erklären, es ginge um die Sicherung der Energieressourcen, also um Öl. Welch ein Unsinn. Dort, wo das Öl gefördert wird, ist es die Garantie für Einkommen. Sie müssen und wollen es verkaufen. Es ist für sie der Garant für Wohnung, Kleidung, Nahrung. Wenn wir unsere Soldaten dorthin schicken, verteidigen wie nicht die Sicherung unserer Energieressourcen, wir gefährden sie, denn wir erzeugen Hass gegen uns, begründeten Hass. Wenn die Menschen dort in uns den Feind sehen, haben sie Recht. Wir sind ihr Feind, weil wir in ihr Land einbrechen, ihre Landsleute töten und sie bestehlen.

Das ist es, was diese wenigen Worte zum Ausdruck bringen. Wir folgen nicht den Mächtigen, sondern unserem Verstand und die Mächtigen sind hilflos, vorausgesetzt, wir alle tun es. Sind Sie bis hierher gefolgt, dann überlegen Sie weiter. Sind Kriege wie im Irak die einzigen Kriege, die wir führen? Beschränken sich Machtpositionen nur auf Kriege mit Waffengewalt? Führen wir nicht derzeit Krieg auf dem Arbeitsmarkt, im Renten- und Gesundheitswesen? Wird uns nicht von den Mächtigen diktiert, dass wir uns einschränken müssen, auf Lohn, Rente und Gesundheitsvorsorge verzichten müssen, um die Wirtschaft anzukurbeln? Wissen wir nicht alle, dass das dreiste Lügen sind? Ist uns nicht allen bewusst, dass es ohne uns keine Produkte gäbe, keine Dienstleistungen? Wissen wir nicht alle, dass wir es sind, die die Reichen reicher machen, die die Politiker, die Konzernvorstände ernähren? Wissen wir nicht alle, dass Arbeitslose benutzt werden, um die Angst in uns vor dem gleichen Schicksal zu schüren? Wissen wir nicht alle, dass auch wir mal alt sein werden, dass auch uns Krankheit drohen kann? Wir wissen es. Warum diktieren wir dann nicht den Mächtigen unsere Bedingungen, entmachten sie, aufgrund unserer Masse und unserer Stärke? Sie sind, was sie sind, durch uns. Wir haben sie gemacht und machen sie immer noch. Was nutzt einem Fabrikbesitzer seine Fabrik, wenn wir seine Produkte nicht mehr kaufen? Welche Chancen hat ein Konzernvorstand, wenn wir die Produktkette des Konzerns boykottieren? Was würde passieren, wenn wir alle plötzlich zur Bank gehen und unsere Einlagen entnehmen?

Ein einziger Satz: "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin" und so mächtig in seiner Aussage, wenn man ihn nur vollends mit seinem Verstand erfasst, seine Aussage in seiner ganzen Inhaltsschwere begreift. Dann begreift man, dass Macht nur geliehen ist, von uns, die wir uns doch so oft so klein vorkommen. Dabei fehlt nur ein Baustein: "Einigkeit!"

Eine kleine Allegorie, die helfen kann, das Gesagte zu verdeutlichen. Ein Ritter in voller Rüstung, ein prachtvolles Streitross mit Wappenbestickter Decke und ein Knappe und ein paar Knechte. Der Ritter, das ist einer von den Mächtigen, das prachtvolle Streitross verkörpert die Macht, der Knappe und die Knechte, das sind wir. Wie kommt der Blechummantelte aber auf den Gaul, wenn wir ihn nicht hinaufheben? Die Antwort ist einfach: überhaupt nicht. Ohne uns kommt er nicht einmal mehr aus seiner Rüstung.

Vielleicht denken Sie mal darüber nach? Wäre ja ein vielversprechender Anfang.