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Verdummung mittels Statistik

Sie meinen, es gehe vielen Deutschen Familien schlecht? Unsinn, Sie lesen wohl keine in der Presse veröffentlichten Statistiken?

Ausgehend von einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung, den mir ein Leser zuschickte, habe ich mal ein wenig nachgeschaut, was es denn eigentlich mit diesen Zahlen auf sich hat. Der Bericht, den das Statistische Bundesamt zum Tag der Familie veröffentlicht hat, verfügt nämlich die durchschnittliche Familie mit Kindern unter 18 Jahren über ein Einkommen von ca. 3.100,00 bis über 4.000,00 netto im Monat. Es ist der Bericht der EVS (Einkommens und Verbrauchs Stichprobe).

Es ist ein herrliches Beispiel, wie man mittels statistischer Zahlen Verdummungspolitik betreiben kann. Für die EVS-Stichprobe werden 75.000 Familien befragt. Dabei wird eine Quotierung vorgenommen. Wie die aussieht, wird allerdings nicht erklärt. Berücksichtigt werden Einkommen bis 18.000,00 , was man schon mal als Beweis bewerten kann, dass es sich hierbei nicht nur um Arbeitnehmerhaushalte handeln kann. Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte etc. werden also für diese Stichprobe, die alle 5 Jahre gemacht wird, ebenfalls herangezogen.

In einem Bericht der Allgemeinen Zeitung betont dann Thomas Krebs, Referatsleiter Wirtschaftsrechnung und Zeitbudgets beim Statistischen Bundesamt, der verfügbare Nettobetrag sein ja nicht nur das Einkommen, sondern beinhalte ja auch so genannte öffentliche Transferzahlungen, die sich bei Familien mit Kindern auf immerhin durchschnittlich 717 Euro summieren. Hierzu zählen unter anderem staatliche Hilfsleistungen wie die Sozialhilfe, das Wohngeld oder die Arbeitslosenhilfe aber auch Zahlungen wie das Kindergeld, das Mutterschafts und Erziehungsgeld, die Eigenheimförderung oder die Ausbildungsförderung Bafög. Hinzu kommen noch Einnahmen aus Vermögen, zu denen neben Zinsen, Dividenden und Mieten bei Haushalten mit selbstgenutztem Wohneigentum auch der so genannte Eigentümermietwert hinzugerechnet wird, da der Eigentümerhaushalt keine Miete zahlen muss. Dass der (normale) Haushalt statt der Mietzahlung dann Kredite bei den Banken abzahlen muss, wurde vermutlich unberücksichtigt gelassen, nicht aber die für die Kreditzinsen bestehenden Steuerleichterungen. Dass in der Aufzählung der Transferleistungen auch Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe aufgeführt werden, muss ein Witz sein, denn Arbeitslose oder Sozialhilfeempfänger haben kaum Eingang in diese Statistik gefunden. Darauf deutet der Tabellenanhang einer zu diesem Thema vom statistischen Bundesamt herausgegebene Broschüre mit dem Thema Leben und Arbeiten in Deutschland ganz eindeutig hin.

Für mich war das ein Anlass, mal die Statistiken mit den Durchschnittsbruttoverdiensten in Deutschland als Vergleich heranzuziehen und die sind für mich der Beweis, dass hier mit ganz faulen Tricks gearbeitet wird, um in der Presse wieder verlautbaren zu können, wie gut es uns doch wirklich geht. Hier die entsprechenden Statistiken

Durchschnittliches Einkommen
Produzierendes Gewerbe

Gegenstand der Nachweisung

Einheit 2002 2003 2004

Durchschnittliche Bruttoverdienste
in Deutschland

Bezahlte Wochenstunden der Arbeiter Std 37,9 37,9 37,9
- männlich Std 38,0 38,0 38,0
- weiblich Std 37,2 37,3 37,2
Bruttostundenverdienste der Arbeiter EUR 14,56 14,93 15,24
- männlich EUR 15,05 15,43 15,74
- weiblich EUR 11,37 11,65 11,90
Bruttowochenverdienste der Arbeiter EUR 552 566 577
- männlich EUR 572 587 598
- weiblich EUR 423 434 443
Bruttomonatsverdienste der Angestellten EUR 3 627 3 736 3 815
-männlich EUR 3 946 4 055 4 133
-weiblich EUR 2 789 2 878 2 954

Aktualisiert am 10. Mai 2005



Kredit, Handel und Versicherungen

Gegenstand der Nachweisung

Einheit 2002 2003 2004

Durchschnittliche Bruttoverdienste
in Deutschland

Kreditgewerbe
Bruttomonatsverdienste der Angestellten EUR 3 141 3 229 3 321
- männlich EUR 3 554 3 621 3 723
- weiblich EUR 2 708 2 797 2 870
Versicherungsgewerbe
Bruttomonatsverdienste der Angestellten EUR 3 312 3 390 3 453
- männlich EUR 3 635 3 718 3 779
- weiblich EUR 2 937 2 998 3 051
Handel, Kredit- und Versicherungsgewerbe
Bruttomonatsverdienste der Angestellten EUR 2 797 2 881 2 950
- männlich EUR 3 151 3 231 3 300
- weiblich EUR 2 362 2 436 2 497

Aktualisiert am 10. Mai 2005



Handwerk

Gegenstand der Nachweisung

Einheit 2002 2003 2004

Durchschnittliche Bruttoverdienste
in Deutschland

Handwerk 1

Bruttostundenverdienste Insgesamt EUR   12,17   12,40 12,53

Berufe:

Maler und Lackierer EUR 12,60 12,67 12,85
Metallbauer EUR 12,20 12,51 12,63
Kraftfahrzeugmechaniker

EUR

12,02 12,27 12,35
Klempner, Gas- und Wasserinstallateure EUR 12,61 12,82 13,03
Zentralheizungs- und Lüftungsbauer EUR 12,27 12,57 12,67
Elektroinstallateure EUR 11,93 12,31 12,42
Tischler EUR 12,38 12,53 12,69
Bäcker EUR 11,27 11,49 11,65
Fleischer EUR 11,44 11,52 11,62
1 Männliche Gesellen. - Stand: Mai.

Aktualisiert am 31. Januar 2005



Landwirtschaft

Gegenstand der Nachweisung

Einheit 2002 2003 2004

Durchschnittliche Bruttoverdienste
in Deutschland

Gegenstand der Nachweisung

2001

2002 2003 2004
Landwirtschaft (Bruttostundenverdienste)
Qualifizierte Arbeiter 7,47 7,50 7,37 7,56
- Männer 7,67 7,67 7,51 7,71
- Frauen 6,97 6,98 6,90 7,07
Landarbeiter 7,61 7,34 7,20 7,57
- Männer 7,69 7,35 7,20 7,57
- Frauen 6,21 7,14 7,30 7,52
Nichtqualifizierte Arbeiter 7,39 7,86 7,64 7,80
- Männer 7,55 7,80 7,71 7,82
- Frauen 6,61 8,11 7,46 (7,70)
Arbeiter insgesamt 7,48 7,49 7,35 7,57
- Männer 7,67 7,62 7,46 7,69
- Frauen 6,95 7,02 6,94 7,10

Aktualisiert am 18. April 2005

Vergleicht man die verschiedenen Statistiken, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, alle Haushalte mit Kindern sind Doppelverdiener und beziehen dazu noch jede Menge staatlicher Transferleistungen. Der Leser, der mir den oben genannten Beitrag lieferte, schrieb dazu folgendes:

Was täten wir bloß ohne die Statistiker? Alle positiven Nachrichten gingen einfach so an uns vorbei. So zum Beispiel die beruhigende Erkenntnis, daß wir alle, statistisch gesehen, 3.753 Euro netto in der Tasche haben. So hoch liegt nämlich das durchschnittliche Monatseinkommen einer deutschen Familie. Hat das Statistische Bundesamt zum "Internationalen Tag der Familie" errechnet.

Sie kommen nicht auf diese Summe? Die Kinder fressen Ihnen die Haare vom Kopf, und die Stromgesellschaft droht, Ihnen den Saft abzudrehen, falls Sie nicht bald die fälligen Raten begleichen? Machen Sie sich gefälligst nicht ärmer, als Sie sind! Sicher haben Sie nur vergessen, Ihre fiktiven Mieteinnahmen einzurechnen.

Laut dem Statistischen Bundesamt verfügt schließlich jeder Deutsche mit Eigenheim über Mieteinnahmen - durchschnittlich 800 Euro sind es im Hamburger Umland. Dabei ist es ganz unerheblich, ob er die Miete nun tatsächlich kassiert oder einfach nur selbst in seinem Haus wohnt. Schließlich spart er ja jede Menge Geld, gerade weil er keine Miete zahlen muß.

Solche fiktiven Einnahmen sind eigentlich ein prima Argument für das nächste Kreditgespräch bei der Bank. Keine Sicherheiten? Quatsch.

Da wären zunächst die fiktiven Mieteinnahmen von 800 Euro, dann noch einmal 80 Euro für die Ersparnisse aus der Nicht-Mitgliedschaft im Fitneßklub. Und nicht zu vergessen die eingesparten 300 Euro für fehlende Pflege und Stallmiete des nicht vorhandenen Pferdes der Tochter. Das macht stolze 1.180 Euro feste Einnahmen im Monat!

Statistik hilft natürlich auch in anderen Lebenslagen, zum Beispiel beim Gemüsehändler. Wenn der Ihnen eine Gurke zum doppelten Preis andrehen will, klären Sie ihn einfach über die durchschnittliche Preisentwicklung auf. Danach sind Obst und Gemüse heute gerade mal ein Prozent teurer als vor zehn Jahren. Und das trotz Euro-Einführung!

Dann einfach den angemessenen Preis zahlen und gehen. Sollte der Händler Ihnen daraufhin Schläge androhen, hauen Sie ihm das Statistische Jahrbuch auf den Tisch.

Ja, so ist das wohl. Man muss nur immer glauben, was einem mit Statistiken belegt wird, denn natürlich werden alle Statistiken völlig wertfrei erstellt, nur damit wir Bescheid wissen. Wer glaubt, damit seien Absichten verbunden, liegt natürlich völlig falsch. Schließlich sind ja unsere ach so ehrlichen Politiker die Auftraggeber.