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Erstelldatum: 11.07.2007

Schüler benoten ihre Lehrer

Sachen gibt's. Zufällig bin ich bei Heise auf ein Richterurteil gestoßen. Eine Lehrerin hatte per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, dass auf der Internetseite http://www.spickmich.de/ eine Benotung ihrer Leistungen durch ihre Schüler erfolgte. Für mich erstaunlich die Objektivität der Richter, die nun diese Benotung von Lehrkräften durch ihre Schüler für rechtens befand.

Natürlich wurde ich neugierig und habe mich auf der Seite ein wenig umgesehen. Ins Leben gerufen wurde sie von drei Studenten und eine nach eigenen Angaben inzwischen auf über 40.000 User gewachsene Zahl der nutzer dieser Seite spricht eindeutig dafür, dass die Idee angenommen wurde.

Nun wird es sicherlich nicht jedem opportun erscheinen, dass Schüler ihre Lehrer benoten. In einem der veröffentlichten Kommentare war die Aussage eines Schulleiters, dass es den Schülern an den Fähigkeiten mangele, einen Lehrer objektiv zu benoten. Ich denke, diese Lehrkraft unterschätzt unseren Nachwuchs. Man kann sicher davon ausgehen, dass die Benotung von Lehrern nicht durch Erstklässler erfolgt. Aber wer anders als die Schüler sollte überhaupt beurteilen können, wie eine Lehrkraft den Lehrstoff rüber bringt? Wer anders als die Schüler könnte wohl den Eindruck beschreiben, den ein Lehrer generell auf die Schüler macht? Ich glaube, dass der noch nicht oder nur wenig beeinflusste Instinkt von Kindern und Jugendlichen viel eher und viel deutlicher erkennt, ob das Verhalten eines Lehrers echt oder aufgesetzt ist, ob die Methode der Wissensübermittlung den Schüler zum gespannten Zuhörer macht oder eher Wirkung auf sein Schlafzentrum ausübt, ob er Wissen vermittelt oder Lehrstoff abspult.

Eine Benotung ist immer ein subjektiver Vorgang. Doch das gilt nicht nur für die Benotung durch die Schüler, sondern auch für die Benotung durch einen Lehrer. Dabei denke ich, dass die Benotung durch Schüler wesentlich objektiver ist, weil sie nicht von einer Einzelperson abgegeben wird, sondern durch die Benotung mehrerer Schüler einen Durchschnittswert ergibt. Das kann ein Lehrer von sich nicht behaupten, denn ob gewollt oder nicht, persönliche Animositäten oder Sympathie bzw. Antipathie kann auch ein Lehrer nicht völlig abschalten, seine persönliche Einstellung zu einem Schüler wird immer Einfluss auf sein Benotungsverhalten ausüben.

Lehrer sollten diese Seite nicht als Gefahr, sondern als Chance sehen. Eine Chance, etwas über sich selbst zu erfahren und damit die Chance, an sich zu arbeiten. Das verlangt er schließlich auch von seinen Schülern, warum soll das dann nicht auch für ihn gelten?

Bitte meine Damen, nicht eingeschnappt sein. Statt dem Begriff Lehrer hätte ich wohl besser den Begriff Lehrkraft verwenden sollen. Natürlich gelten alle meine Aussagen nicht nur für den männlichen Teil im Unterrichtswesen, sondern auch für Sie, die sie vermutlich den größeren Anteil der Lehrkräfte stellen.

Schade, dass man das nicht auch für unsere Politiker machen kann. Aber dazu fehlt leider die erforderliche Transparenz, was ein Politiker nun wirklich mit seinem Mandat so alles anstellt und für wen er wirklich tätig ist. Eher möglich wäre das bei öffentlichen Einrichtungen, beispielsweise bei den ARGEn. Stellen Sie sich vor, jeder Hartz IV-Empfänger würde seinen Fallmanager benoten. Ich fürchte, da würde die Notenskala von 1 bis 6 nicht reichen und ob die Noten 1 bis 3 überhaupt von einzelnen Fallmanagern erreicht würden, halte ich für eher fraglich. Aber es könnte eine Methode sein, die Kräfte in den Behörden der BA aufzuschrecken und vielleicht sogar dazu bringen, über das eigene Verhalten völlig losgelöst von den Vorschriften einmal nachzudenken. Es ist schließlich nicht nur die Machtposition, sondern auch die Anonymität, die so manchen Bediensteten der Behörden so sein lässt, wie er ist.

Korrektur:

Für die, die es noch nicht aus dem Gästebuch wissen, es gibt auch bereits ein Pendant zu Spickmich für Arbeitslose. Hier die Adresse: http://www.sozialhilfe24.de/amt_ergebnis.php