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Spargelzeit

Nur durch Schaden wird man klug, heißt es. Für die BA gilt das wohl nicht

Um was geht es. Jedes Jahr freuen wir uns auf den frischen Spargel. Aber der muss erst geerntet werden. Schon in der Vergangenheit gab es des öfteren Probleme, wenn das Arbeitsamt Arbeitslose abkommandierte zur Spargelernte. Presse und Medien berichteten dann gerne über die faulen Arbeitslosen, die gar nicht oder höchstens ein bis zwei Tage zur Ernte erschienen und dann die Spargelbauern im Stich ließen.

Die Spargelbauern beschäftigen seit Jahren für die saisonale Spargelernte polnische Spargelstecher, die für den geringen Lohn diese Arbeit verrichteten.

Aber das wird nun schwieriger, denn Polen ist nun ein Mitgliedsland der EU und damit sind die Bedingungen völlig anders. Der Spargelbauer muss erst feststellen, ob der Erntehelfer in Polen arbeitslos gemeldet ist. Er muss die Sozialversicherung quasi doppelt berechnen, einmal nach deutschem Muster und einmal nach polnischem Muster und das muss er nach einem ihm noch unbekannten Verfahren direkt mit Polen abrechnen. Hinzu kommt, dass der polnische Erntehelfer durch diese doppelten Beiträge entschieden weniger Geld bekommt, was für ihn die Arbeit wohl weitaus weniger attraktiv macht.

Für die BA ist klar, BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt möchte von den bisher 870.000 Arbeitsgenehmigungen die Hälfte unter den Tisch fallen lassen und durch Langzeitarbeitslose ersetzen. Ich denke, dass er da die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, denn nach EU-Richtlinien darf kein Arbeiter gehindert werden, in einem zur EU gehörenden Land zu arbeiten.

Es kommt aber auch noch etwas hinzu. Schon in den 60ger und 70ger Jahren hat man die Arbeitskräfte vom Land in die Stadt und die Fabriken gelockt. Spargelstechen ist die Arbeit eines Menschen, der an Landarbeit gewöhnt ist. Sehr früh aufs Feld und unter Umständen 12 bis 13 Stunden am Tage den Spargel stechen. Die Technik ist nicht schwer zu lernen. Aber welcher Arbeiter oder Angestellte ist heute noch in der Lage, eine solche Zeit in ständig gebückter Haltung diese Arbeit zu verrichten? Dazu bedarf es einer ausgeprägten Rückenmuskulatur, deren Fasern auf diese gebückte Haltung eingerichtet, also entsprechend dehnbar sind. Die Hälfte der Deutschen hat ohnehin mit dem Rücken Probleme und ist von daher schon nicht geeignet, diese Arbeit auszuführen. Polen hingegen ist ein Land, in welchem die Landwirtschaft noch ein bestimmender Faktor der Wirtschaft ist. Deshalb sind die Polen an diese Arbeit gewöhnt und schaffen sie problemlos.

Schon in der Kohl-Ära hat man versucht, Arbeitslose für diese Arbeit einzusetzen. Vergeblich! Jetzt will man das verstärkt tun und es ist ein Zeichen der Inkompetenz der BA, wenn sie mit solchen Äußerungen hausieren geht. Jeder BA-Mitarbeiter, aber auch jeder Reporter oder Moderator, der die "faulen deutschen Arbeitslosen" attackiert, sollte diese Arbeit erst mal 2 Tage selber durchführen, damit er endlich mal begreift, wovon er redet oder was er zu vermitteln versucht. Die Ba sieht nur mit dem gewohnten Tunnelblick: Da ist Arbeit und da sind Arbeitslose, also werden sie dafür verwendet. Ob die Eignung vorhanden ist, danach fragt keiner. Und hier ist Eignung nicht eine Frage der Fertigkeit, sondern der körperlichen Konstitution. Ausgeübter Zwang kann da leicht zu bleibenden, gesundheitlichen Schäden führen. Aber das interessiert weder die Presse noch die BA.