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Mensch, Gott und Religion

        Einst aus dem Paradies vertrieben,
        weil wir die falsche Frucht gepflückt,
        doch der, der dieses hat geschrieben,
        hat wohl nicht richtig durchgeblickt.

        Unfähig sind wir, zu erkennen,
        dass wir im Paradiese sind,
        weil stets wir nur dem Geld nachrennen,
        sind für die Schönheit wir zu blind.

        Statt das wir mit dem Herzen blicken,
        zu sehen all die Wunder pur,
        statt das wir uns daran erquicken,
        zerstören wir das alles nur.

        Statt dass das Schöne wir genießen
        und uns an all den Wundern freu'n.
        Versuchen wir darauf zu schießen
        und schmeißen lieber Bomben rein.

        Da gibt es Staaten, gibt es Rassen,
        alle mit eigener Kultur,
        doch jede lehret uns zu hassen,
        was anders ist. Warum denn nur?

        Dann gibt es noch die Religionen,
        der Gott ist gleich, der Glaube nicht,
        die in den Kirchen oben thronen,
        die schüren Hass, die Liebe nicht.

        Wer anders glaubt, das ist ein Ketzer,
        Ungläubige, die sind nichts wert,
        so tönen laut die Kirchenhetzer,
        und richten tut man mit dem Schwert.

        Im Namen Gottes führt man Kriege,
        and're zu morden heil'ge Pflicht,
        dem Säugling legt man in die Wiege,
        den Terror, aber Achtung nicht.

        Und ist genügend Blut geronnen,
        schreit eine Gruppe, das ist Sieg,
        Doch wirklich wurde nichts gewonnen,
        Gewinn liegt nie in einem Krieg.

        Danach beginnt man dann zu beten,
        "Mein Gott, das war zu Deiner Ehr',
        wir haben glorreich sie zertreten,
        jetzt gibt es keine Ketzer mehr."

        Der Mensch steckt höher seine Ziele,
        jetzt will ins Weltall er hinaus,
        denn Alien gibt's sicher viele,
        die rottet er dann auch noch aus.

        Und zwischen einzelnen Scharmützeln,
        da kehrt der Alltag nun zurück,
        da kann man beten, schaffen, witzeln
        und jagen nach dem großen Glück.

        Jetzt folgen Kriege and'rer Art,
        ganz ohne Waffen, viel subtiler,
        und während man mit Lob nicht spart,
        sägt man am Stuhl vom Gegenspieler.

        Beurteilt wird, es ist ein Witz,
        nicht was man wirklich hat getan,
        letztendlich zählt nur der Besitz,
        das, was der Mensch erraffen kann.

        Ob Jude, Moslem oder Christ,
        im Grunde sind sie alle gleich,
        Was einem nicht geheuer ist,
        das klopft man mit der Keule weich.

        Und gibt's den Gott, dann fasst ihn Grausen,
        hat diese Monster er erschaffen?
        Besser, sie würden sich noch lausen,
        besser, sie wären heut' noch Affen.

        Wär' Gott so, wie er wird beschrieben,
        in Bibel, Talmut und Koran,
        die Welt wär' flach, wär' grau geblieben,
        das Leben lief nach strengem Plan.

        Beim beten stets den Rücken beugen,
        arbeiten bis die Schwarte kracht,
        Sex nur erlaubt zum Kinder zeugen,
        nicht weil er froh und glücklich macht.

        Doch Gott sagt: "Nein, das bin ich nicht,
        gab ich euch Augen nicht zu sehen,
        ich bin die Farbe, bin das Licht,
        bin das Vertrauen, das Verstehen.

        Ich bin der Berg, das Tal, der Fluss,
        ihr seht mich in des Meeres Wogen,
        ihr schmeckt mich beim Genuss der Frucht,
        ihr könnt mich seh'n als Regenbogen.

        Könnt mich in jedem Wesen finden,
        in jedem Halm, in jedem Baum,
        bin in der Luft, bin in den Winden,
        in jedem Stein, in jedem Raum.

        Bin in dem Tier, dass ihr misshandelt,
        bin in dem Tal, dass ihr zerstört,
        ich bin die Welt, die ihr verschandelt,
        die, wie ihr glaubt, doch euch gehört.

        Bin selbst in euch, ganz tief versteckt,
        unter Gewalt und Habgier, Hass und Schmerz,
        wart' ich darauf, dass ihr entdeckt,
        wo ich zu finden bin im Herz

        Was ihr als Paradies beschreibt,
        in Wirklichkeit die Hölle ist,
        weil nichts, was interessant ist, bleibt,
        das Leben wäre öd und trist.

        Soll denn beim Lamm der Löwe liegen?
        Tiger und Puma fressen Gras?
        Niemanden mehr im Kampf besiegen?
        Seid doch mal ehrlich, wollt ihr DAS?

        Bedenket auch, ihr seid nur Gäste,
        die kommen, wachsen und vergeh'n,
        doch ihr nehmt euch stets nur das Beste,
        'könnt Mäßigung wohl nicht versteh'n.

        Was immer ihr euch habt genommen,
        wenn ihr mal geht, dann ohne Geld,
        so nackt, wie ihr einst seid gekommen,
        so nackt verlasst ihr diese Welt."

        Doch niemand hat sein Wort vernommen,
        und traurig wendet Gott sich ab,
        der Mensch wird nicht zur Einsicht kommen,
        bis er geschaufelt hat sein Grab.

        Ein letztes Wort noch, meine Lieben,
        bevor ihr schärfet eure Messer,
        hab's nur erkannt und aufgeschrieben,
        letztendlich bin ich auch nicht besser.