Navigation aus    Navigation an

Schleuderpreise
oder wie Deutschland Parzellenweise verkauft wird.

Privatisierung, ist das Schlagwort, mit dem ja alles besser gehen soll. Und der Staat macht fleißig Gebrauch davon, man hat den Eindruck, dass es auch ein Ebay für Staat und Investoren gibt, wenn man sieht, zu welchen Preisen der Staat Volksvermögen verscherbelt. Aber nicht nur der Staat, auch Deutsche Unternehmen verscherbeln Immobilien an ausländische Investoren, so dass man bald fragen muss, wem Deutschland gehört.

Hier Beispiele von Immobilien, die seit 2000 den Besitzer gewechselt haben:
  1. 2000: Der Bund verkauft 114.000 Eisenbahnerwohnungen, davon 64.000 an die Deutsche Annington zum Preis von 4,1 Milliarden Mark. Der Rest geht an ein Käuferkonsortium aus sieben Unternehmen:

    • Die Nord LB Immobilien Holding GmbH (Schwesterunternehmen der Niedersächsischen Landesentwicklungsgesellschaft LEG) erwarb insgesamt 19.905 Wohnungen: davon 8.863 in Hamburg, 9.144 in Hannover und 1.898 Treuhandbestände in Mecklenburg-Vorpommern.
    • Die LEG Baden-Württemberg erhielt 6.485 Wohnungen in Stuttgart,
    • die TreuHandStelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlebezirk GmbH 6.170 in Herne,
    • die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG 4.211 in Wuppertal
    • die LEG Nordrhein-Westfalen 3.873 in Münster,
    • die LEG Saarland 2.259 in Saarbrücken.
    • Die restlichen Wohnungen sicherte sich die Investorengruppe Praijs, Drimmer, Baum und Pielen als GbR: insgesamt 6.837, davon 3.049 in Berlin und 3.788 Treuhandbestände in Brandenburg.

    Verkaufswert pro Wohneinheit = 64.025,49 DM oder 32.735,71
  2. 2003: Die Deutsche Annington übernimmt die BIG-Heimbau AG, der rund 10.000 Wohnungen in Schleswig-Holstein und Hamburg gehören. Der Kaufpreis wird geheim gehalten aber Experten beziffern den Gesamtwert der Gesellschaft auf rund 400 Mio. . Die Wohnungen der BIG-Heimbau befinden sich überwiegend in den vier kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins sowie Hamburg. "Die Lage, das soziale Umfeld und der Zustand der Wohnungen sind erstklassig", sagte Annington-Geschäftsführer Volker Riebel. Die BIG-Heimbau AG ist kein staatliches Unternehmen, deshalb keine weitere Betrachtung.

    Verkaufswert je Wohneinheit = ca. 40.000,00

  3. 2004: Das Land Berlin verkauft seine größte Wohnungsbaugesellschaft GSW mit 66.000 Wohnungen für 2,1 Milliarden Euro an Cerberus und Whitehall, eine Fondsgesellschaft der Investmentbank Goldman Sachs. Dazu schreibt der Berliner Kurier:
    Das "Heuschrecken"-Prinzip

    Verkaufswert je Wohneinheit = 31.818,18
  4. 2004: Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) veräußert für 3,5 Milliarden Euro ihre Wohnungsbaugesellschaft Gagfah mit 81.000 Wohnungen an Fortress. Das Geld wurde für eine kurzfristige Sicherung der Mindestreserve der Renten benötigt

    Verkaufswert je Wohneinheit = 43,209,88
  5. 2004: Das Immobilien- und Beteiligungsunternehmen WCM AG verkauft seinen kompletten Bestand von 31.000 Wohnungen für 1,39 Milliarden Euro an Blackstone.
    Zwar ein Privatunternehmen, aber gewisse Verflechtungen mit der Politik werden in diesem Artikel der Zeit deutlich: Seltsame Pleite

    Verkaufswert je Wohneinheit = 44.838,71
  6. 2004: ThyssenKrupp stößt 40.000 Werkswohnungen ab für 2,1 Milliarden Euro, Käufer ist ein Konsortium aus dem Investor Corpus und der US-Bank Morgan Stanley.

    Verkaufswert je Wohneinheit = 52.500,00
  7. 2005: Die Deutsche Annington schluckt Viterra, die Immobilientochter von E.on, der 140.000 Wohnungen gehören, Kaufpreis: 7 Milliarden Euro.

    Verkaufswert je Wohneinheit = 50.000,00 </li>

  8. 2005: Die Nileg, die Immobilientochter der Norddeutschen Landesbank, wechselt mit ihren 30.000 Wohnungen für 1,5 Milliarden Euro in den Besitz von Fortress.

    Verkaufswert je Wohneinheit = 50.000,00

  9. 2005: Cerberus erwirbt von der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften (BGAG) deren Immobilientochter Baubecon (ehemals Neue Heimat Niedersachsen) mit rund 20.000 Wohnungen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wenig erbaulich ist, dass der Verkauf an die von den Gewerkschaften gerne verbal angegriffenen "Heuschrecken" erfolgte.
  10. 2005: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verkaufen für 350 Millionen Euro 5.100 Wohnungen an Corpus. Corpus ist ausnahmsweise mal eine Deutsche Immobiliengruppe, zu 75 % im Besitz von Sparkassen (je 25 % Sparkasse Köln/Bonn, Sparkasse Düsseldorf und Frankfurter Sparkasse. 25 % gehören der M. Zimmer Holding).

    Verkaufswert je Wohneinheit = 68.627,45

  11. 2006 geplant: Die nordrhein-westfälische Landesregierung möchte die rund 100.000 Wohnungen der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) privatisieren. Die Stadt Dresden hat beschlossen, ihre Wohnungsgesellschaft Woba mit über 40.000 Wohnungen zu veräußern, ein Bürgerbegehren will den Verkauf verhindern. Annington hat bereits reges Interesse verkündet.
  12. Geplant: Der Verkauf der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft WOBA. Lt. MDR-Meldung v. 22.02. 2006 ist eine Vorentscheidung gefallen. Nach der Meldung wird von der Stadt die Investorengruppe Fortress favorisiert. Fortress will für die rund 48.000 Wohnungen fast eine Milliarde Euro zahlen, ließ Oberbürgermeister Roßberg verkünden. Endgültig soll am 9. März darüber entschieden werden.
    Das wäre ein Verkaufswert pro Wohnung von gerade mal 20.800

Die größten Vermieter Deutschlands sind heute schon Fonds und internationale Kapitalgesellschaften. Die "Elefanten" auf dem Wohnungsmarkt Annington, Fortress, Cerberus und Corpus besitzen zusammen weit mehr als 500.000 Wohnungen. Für sie sind die Wohnungen reines Wirtschaftsgut und Renditeobjekt. Die Wohnungen als Sozialgut, die Interessen der Bewohner und der Städte bleiben auf der Strecke.
Lesen Sie dazu den Focus-Bericht vom 22.02.2006 http://focus.msn.de/hps/fol/newsausgabe/newsausgabe.htm?id=25233

Den Verkäufern der öffentlichen Hand fehlen anschließend die Einnahmen, die sich aus den Mieten der Verkaufsobjekte als regelmäßige Einnahmen ergaben und sie vergeben die Chance, im Sinne sozialer Maßnahmen auch sozial Schwachen ein angemessenes Wohnen zu ermöglichen.
Die Fondgesellschaften unter den Verkäufern haben nur das eine Interesse, die ihren Anlegern zugesicherten Profite zu realisieren. Wie das geschieht, ist für sie ohne Belang. Wenn ein Renditeobjekt den Abriss ganzer Wohnblöcke erfordert, werden sie das tun, ohne Rücksicht auf die Bewohner und von Zeit zu Zeit kann man in der Presse lesen, mit welchen Mitteln Druck auf die Bewohner ausgeübt wird, um sie aus ihren Wohnungen zu vertreiben.

Schaut man auf die erzielten Preise, dann wurden die von den staatlichen Stellen verkauften Wohnungen regelrecht verschleudert. Hätte man den Bewohnern entsprechende Angebote unterbreitet und bei der Finanzierungsplanung ein wenig unter die Arme gegriffen, bin ich sicher, dass man damit hätte erreichen können, dass die Wohnungen von den Mietern erworben worden wären, denen diese Möglichkeit sicher lieber gewesen wäre, als die Übergabe an fremde Investoren, deren Interesse einzig schneller Profit ist. Aber so etwas scheint nicht gewollt zu sein, denn sozialer Druck lässt sich neben Arbeitslosigkeit auch durch Wohnen erzeugen. Und sozialen Druck braucht man, will man weitere Einschränkungen durchsetzen.

Deutsche Annington Immobilien GmbH, Frankfurt a.M. Heute aufgeteilt in:
    Deutsche Annington Nord (Hamburg), Ost (Berlin), Ruhr (Essen), Westfalen (Dortmund), Rheinland (Düsseldorf), Süd-West (Frankfurt) und Süd (München)

Auch wenn sie Deutsche Annington heißt, ist sie nicht deutsch. Das Tochterunternehmen von Japans größtem Wertpapierhaus Nomura wurde 1997 eigens gegründet, um möglichst sämtliche 114.000 Eisenbahnerwohnungen zu übernehmen. Übernommen wurde mehr als die Hälfte und zwar insgesamt 64.037 Wohnungen. Das Wertpapierhaus Nomura ist seit 1971 in Deutschland (FFM) vertreten, zunächst als Repräsentanz, dann, nach Erteilung einer Vollbanklizenz durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen als Nomura Europe GmbH Mitglied an der Frankfurter Wertpapierbörse. 1990 wurde der Name in NOMURA BANK DEUTSCHLAND geändert.

Die von Annington/Nomura für 4,1 Mrd DM erworbenen Wohnungen verteilen sich auf die Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Karlsruhe, Frankfurt am Main, Mainz, Köln (8090 Wohnungen, hauptsächlich in Gremberghoven, Mülheim, Kalk und Nippes), Essen und Kassel. Hinzu kommen Treuhandbestände des BEV (Bundes-Eisenbahn-Vermögen) in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Ein Annington-Sprecher beteuerte, dass sich weder für die Mieter noch für die Angestellten der Eisenbahn-Wohnungsgesellschaften etwas ändern würde. Im Kaufvertrag habe sich Annington zu umfangreichen sozialen Absicherungen der bisherigen Mieter verpflichtet. Demnach seien Luxussanierungen vertraglich ausgeschlossen und die Mieten dürften jährlich um höchstens drei Prozent zuzüglich Inflationsausgleich erhöht werden. Ferner werde Annington innerhalb der nächsten 10 Jahre höchstens ein Fünftel der Wohnungen verkaufen. Für die Neumieter wäre Annington an keinerlei Schutzzusagen gebunden.
Anfang Januar 2001 erhielten die Mieter der 8.090 Kölner Eisenbahnerwohnungen ein Schreiben von Annington: Mietpreiserhöhung!
Dezember 2005: Die Deutsche Annington/BWG beabsichtigt, die ehemaligen Bahn-Wohnblocks zwischen Untere Zahlbacher Straße und Linsenberg (Frankfurt a. Main) abzureißen und verdichtet neu zu errichten, ein Projekt der so genannten "Luxussanierung". Bisher wurden die Pläne von der Stadt nicht genehmigt. Dazu sollte man wissen, dass unter den Mietern viele sind, die vertraglich (mit der Bahn) ein Wohnrecht auf Lebenszeit haben.

4,1 Milliarden DM für 64.037 Wohnungen, das macht pro Wohnung 64.025,49 DM oder 32.735,71 Euro. Hätte man die Wohnungen den Mietern zu diesem Preis zum Kauf angeboten, bin ich überzeugt, die hätten zu einem großen Teil ihre Wohnung gekauft.

Zurück zum Ausgangspunkt Annington übernimmt Eisenbahnerwohnungen

Die Viterra AG war ein Wohnungs- und Immobilienunternehmen, das von der VEBA (heute E.ON AG) gegründet wurde. Sie hieß zunächst VEBA Wohnen, später VEBA Immobilien (Die Veba war ursprünglich mal ein Staatsunternehmen). Die Immobilientochter des größten deutschen Energieversorgers E.ON-AG, war bis zum August 2005 mit 152.000 Wohnungen größter Immobilienbesitzer Deutschlands. Jetzt ist damit die Annington der größte Immobilienbesitzer. Der Erwerb durch die Annington hat zusätzlich 720 Arbeitsplätze gekostet.

Zurück zum Ausgangspunkt Annigton schluckt Viterra