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Erstelldatum: 29.03.2010

Schlagzeilen

Schlagzeilen markieren neben reiner Sensation auch das politische Handeln, oft zum Gähnen langweilig. So feiert die Presse in den Schlagzeilen nun den neuen Startvertrag mit Worten wie "Neuer START-Vertrag Supermächte schaffen ein Drittel der Atomwaffen ab". Da fällt mir ein, ich müsste meinen Keller auch mal wieder entrümpeln. Mehr, so nehme ich an, ist dieser Vertrag auch nicht. Da haben wohl die alten Kernwaffen ihr Verfallsdatum erreicht und man muss Platz schaffen für die neueste Generation. Das als außenpolitischen Erfolg von Obama zu feiern, halte ich für ziemlich dreist, denn diese Verträge werden alle paar Jahre unterschrieben und beweisen aus meiner Sicht nur einen Generationswechsel des Schreckens. Aber es macht sich in der Presse gut und das Volk jubelt.

Wirkliche Abrüstung wäre es, alle Rüstungsbetriebe stillzulegen. Ganz ehrlich, dann wären mir auch die damit verursachten Arbeitsplatzverluste gleichgültig. Aber solange die Rüstungsproduktion steigt, so wie z. B. vor kurzem die Zunahme der Rüstungsexporte aus Deutschland um ca. 70% in der Zeit von 2004 bis 2008 nach Feststellung des Internationalen Friedensforschungsinstituts in Stockholm in der Presse bejubelt wurde, sind diese Berichte reine Volksverdummung. Wenn Sie sich entschließen, ihre alten Handys auf den Müll zu schmeißen, kommt dem in etwa die gleiche Gewichtung bei. Ein paar der alten Handys finden dann vielleicht doch noch Abnehmer in Ländern, in denen man noch nicht die neuesten Generation besitzt und es steht zu befürchten, dass das mit bei der Entsorgung alter Waffenarsenale auch passieren wird.

Eine Meldung aus der EU hat mich erleichtert. Hatte ich bisher immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mein Geld in toxischen Papieren anlegte (die ehemals einzige legale Art, sein Geld zu verbrennen), kann ich nun aber reinen Gewissens den direkten Weg wählen, denn die EU-Kommission hat das Verbrennen von Euro-Banknoten und das Einstampfen von Euro Münzen ausdrücklich erlaubt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die EU-Kommissare da nicht wegen der Zeitumstellung das Datum mit dem 1. April verwechselt haben.

Eine Meldung hingegen hat mich zutiefst erschreckt. Reform-Katholiken fordern Rücktritt des Papstes . Das wäre ja furchtbar, denn dann wären WIR ja nicht mehr Papst. Ich halte diese Forderung für total überzogen, nur weil er über die pädophilen Handlungen in den USA informiert war und sie als traditionelle Handlung nicht weiter beachtete. Außerdem war er damals ja auch noch nicht Papst. Ich denke, alle Päpste auch in der Vergangenheit besaßen solche Kenntnisse, denn die pädophilen oder auch sadistischen Handlungen des Klerus sind ja keineswegs ein Phänomen der Neuzeit, sondern ziehen sich als roter Faden durch die Kirchengeschichte und dienen ausschließlich der Verfestigung des Glaubens. Ist nicht die Geißelung seit jeher eine bewährte Methode, die Bakterien des Teufels mit der Peitsche auszutreiben?
Sicher, wäre der Papst Pole oder Italiener, wären Rücktrittsforderungen vielleicht angebracht, aber doch nicht bei einem Deutschen Papst. Schließlich ist die katholische Kirche unfehlbar und heißt das nicht auch, dass die pädophilen oder sadistischen Neigungen klerikaler "Leistungsträger" dann auch einen tieferen, nur noch nicht von jedermann ergründeten Sinn ergeben müssten?? Sind Gottes Wege nicht unergründbar?

Nun bin ich ja dafür, dass man die Kirche und den Segen der Kirche um eine Position erweitern sollte, die seit jeher eng mit dem Glauben verbunden ist. Gehört nicht neben Vater, Sohn und heiligem Geist auch das goldene Kalb unverzichtbar zur Glaubenskongregation? Denn auch die Meldung über den Rücktritt des Herrn Wiesandt erschüttert die Teutschen Landen. Sie kennen Herrn Wiesandt nicht? Das ist der Herr, den Herr Ackermann dem Herrn Steinbrück an die Hand gab, die HRE zu retten. Auch wenn HRE nicht für Heilige Römische Entsagung steht, erfüllt sie eine ähnliche Funktion. Der Papst des goldenen Kalbes, Herr Josef Ackermann, hat Herrn Steinbrück schließlich einen seiner fähigsten Mitarbeiter an die Hand gegeben, den Steuerzahler die Entsagung seiner Steuergroschen zu lehren, eben jenen Herrn Wiesandt. Doch der ist nun unzufrieden mit dem Nachfolger des Herrn Steinbrück. Da hatte er (der Herr Wiesandt) nun durchaus erfolgreich weitere Milliarden in das schwarze Loch des unergründlichen Finanzwesens fließen lassen (das gemeine Volk nennt das lapidar "in den Sand gesetzt) und damit dem Leben des Steuerzahlers einen tieferen Sinn verliehen, da weigert sich der Nachfolger des Herrn Steinbrück (der Herr Schäuble), ihm für diesen Erfolg mit höheren Einkünften und zusätzlichem Boni zu danken. Da Herr Wiesandt noch relativ jung ist und natürlich auch an seine Karriere denken muss, hat er Herrn Schäuble nun seinen Abschied verkündet. Jetzt, mit seiner erfolgreichen Sanierung der HRE im Sinne des goldenen Kalbes hat er schließlich alle Chancen, im unergründlichen Himmel des internationalen Finanzwesens steil empor zu schweben.

Ja, da wäre dann noch der Herr Erdo?an mit seiner Idee, türkische Gymnasien in Deutschland zu betreiben, was natürlich einen empörten Aufschrei in der Presse und vor allem in den anschließenden Leserkommentaren zur Folge hatte (zum Glück habe ich auf meiner Seite keine Kommentarfunktion). Auch Frau Merkel konnte dieser Idee nichts abgewinnen. Da sie aber gelegentlich poltische wie eine Nähmaschine funktioniert, die auf Zick-Zack eingestellt ist, berichtet die Presse nun, Frau Merkel sein offen für türkische Schulen in Deutschland. Ziel der Bundesrepublik sei allerdings nicht die Assimilation, sondern die Integration und die verlange nach der Beherrschung der deutschen Sprache. Sollte Frau Merkel dies nicht nur gesagt, sondern auch gemeint haben, bin ich ausnahmsweise mal einer Meinung mit ihr. Dann aber wäre es eher angebracht, im ersten GO türkische Grundschulen, sagen wir bis zur 4. Klasse, einzurichten, mit deutschem Lehrplan und einem Schwerpunkt auf deutschem Sprachunterricht, aber mit türkischen Lehrern. Damit würden die Sprachprobleme von türkischen Kindern, die bisher zuhause weitgehend bis ausschließlich nur türkisch gesprochen haben, in allen Fächern kompensiert. Kinder könnten dann, wenn sie etwas nicht ganz verstanden haben und auch noch nicht so recht ihre Fragen in Deutsch artikulieren können, in ihrer Heimatsprache nachfragen. Dass in diesen Schulen auch türkischer Unterricht in Sprache und Schrift gelehrt wird, setze ich als selbstverständlich voraus. Das wäre ein aus meiner Sicht gangbarer Weg und danach würden auch türkische Gymnasien Sinn machen, weil Defizite aufgrund der Sprachbarrieren in deutschen Schulen vermieden würden, auch Defizite in Bezug auf die türkische Sprachen und Schrift.

Ich wohne in einer Stadt mit einem hohen türkischen Bevölkerungsanteil. Suche ich mal einen kleinen "Tante Emma-Laden", kann ich sicher sein, dass er sich in türkischer oder asiatischer Hand befindet. Und oft ist das Deutsch der Ladenbesitzer ausgesprochen holprig. Weil ich mir aber bewusst bin, dass diese Leute dennoch Deutsch verstehen (wenn auch nicht alles), haben sie mir gegenüber einen großen Vorteil, denn ich verstehe kein Wort türkisch und auch kein Wort der jeweiligen Sprachen in asiatischen Läden oder denen von anderen Zuwanderern. Und ich werde immer freundlich bedient. Würden wir endlich beginnen, in den Zuwanderern weniger die Konkurrenz als mehr die kulturelle Erweiterung unseres Horizontes zu sehen, würde das dem Miteinander statt dem Gegeneinander sicherlich dienlich sein. Wir sollten nicht vergessen, dass gerade die Völkerwanderungen der Geschichte nicht nur die ethnische Vermischung bedeutete, sondern auch der Erweiterung des Horizontes und damit der Kultur immer wieder einen Schub nach vorne verliehen hat. Ganz abgesehen von den handwerklichen und technischen Feinheiten, die übernommen wurden. Eine weitgehende Assimilierung bleibt dabei im Laufe der Generationen nicht aus. Mich stören auch nicht die Kopftücher, welche die Frauen tragen. Über eine Burka Schüttele ich vielleicht den Kopf, aber nicht heftiger, als beim Anblick einer katholischen Nonne. Und bei den Teenagern bemerke ich viel häufiger, dass die türkischen Teenies viel seltener vergessen, einen Rock unter dem breiten Gürtel zu tragen und auch ihre Kriegsbemalung finde ich dezenter. Von Piercings und Tattoos ganz zu schweigen.