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Erstelldatum: 28.08.2008

Eppler zu Georgien

Kaum zu fassen, ein SPD-Politiker spricht aus, was Sache ist und ein Presseorgan veröffentlicht die Aussage sogar. n-tv im Interview mit dem SPD-Politiker Eppler. Das Interview ist nicht nur deshalb interessant, weil Eppler entgegen den sonstigen Aussagen in der Presse bestätigt, dass Russland gar nicht anders konnte, er spricht auch an, was in allen Medien völlig außer Acht geblieben ist, dass Georgien mit dem Massaker in der Hauptstadt von Südossetien den Konflikt begonnen hat und das 180 amerikanische "Berater" die Kriegsvorbereitungen der Georgier schließlich mitbekommen haben müssten. Wäre er kein Politiker, hätte er wohl zum Ausdruck gebracht, dass diese "Berater", vermutlich die gleiche Art Berater wie vor 25 Jahren die Berater von Osama bin Laden und Saddam Hussein, diesen Krieg provoziert haben, weil er dem Wahlkandidaten McCain helfen könnte.

Die amerikanische Bevölkerung hat ja die alte Wild West Romantik noch immer nicht ganz abgelegt und ist dabei in weiten Kreisen von erschreckender Naivität. Ich bin überzeugt, dass mehr als 95% der amerikanischen Bevölkerung keine Ahnung hat, wo Georgien eigentlich liegt und was es mit dem Land auf sich hat. Ebenso bin ich überzeugt, dass die Kosovo-Problematik den Amerikanern völlig unbekannt ist, obwohl der Zusammenhang mit der westlich geförderten Separationsbewegung des Kosovo zu den Separationsbetrebungen in Südossetien und Abchasien, die übrigens wesentlich älter sind, als die des Kosovo, nicht zu übersehen ist. Auch glaubt die Mehrheit der Amerikaner ihrem Präsidenten, wenn er behauptet, dass der Iran die USA mit Atomwaffen gefährden könnte. Ob das in Deutschland allerdings viel anders ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Deshalb bin ich wirklich erfreut, dass ein Politiker einmal Tacheles redet. Die USA haben die militärische Ausrüstung von Georgien in den letzten Jahren mit für dieses Land riesigen Summen unterstützt. Sie will den Konflikt mit Russland, denn das Ende des kalten Krieges hat die ganze Misere der amerikanischen Politik einer breiten Weltöffentlichkeit offenbart. Amerika lebt bereits seit langer Zeit von den Konflikten in der Welt und wo keine sind, trägt man sie eben hin. Das allerdings sehen die Amerikaner nicht, weil sie von ihrer Presse und den TV-Medien dumm gehalten werden. Sie sehen in ihrem Staat den edlen Revolverhelden, der die Welt beschützt und weil Gewalt in den USA an der Tagesordnung ist, findet man auch nichts an der Art und Weise, wie dieser Schutz ausfällt. Sie sind stolz auf ihre Jungs, wenn die mal wieder ein Land mit Bombenteppichen belegt haben, das gar nicht in der Lage ist, sich dagegen zu wehren, weil sie aus ihrer Presse und über die TV-Sender mit Nachrichten gefüttert werden, die die angegriffenen Staaten als böse, primitive und hinterhältige Ansammlung von Terroristen hinstellen. Sie erfahren nichts davon, dass die "Freiheit", die das Regime den angegriffenen Staaten bringt, aus Diktatur, Terror und Ausbeutung besteht.

Aber man sollte nicht über die "dummen Amerikaner" reden, ohne vor der eigenen Türe zu kehren. Der deutschen Politik scheint dieses amerikanische System von Desinformation, Gewalt und Ausbeutung sehr zu gefallen. Warum sonst werden alle Anstrengungen unternommen, es zu importieren. Auch in unserer Presse haben Berichte wie dieses Interview absoluten Seltenheitswert. Auch in unserem Land nimmt das System der Desinformation, der Überwachung und der Ausbeutung dramatische Formen an. Vielleicht ist der Anteil der Bevölkerung, der sich damit manipulieren lässt, prozentual ein wenig geringer, aber dabei muss die Betonung auf "ein wenig" liegen. Liest man die Kommentare in den Zeitungen zu bestimmten Artikeln, wird deutlich, dass die Medienpropaganda der Häuser Bertelsmann und Springer, Holtzbrinck und WAZ-Gruppe incl. der DDVG sehr erfolgreich ist. Auch die öffentlich Rechtlichen Rundfunk- und Fernseh-Anstalten haben sich trotz Verpflichtung zur politischen Neutralität zu politischen Huren entwickelt.

Wenn sich dann allerdings mal ein Artikel in diese Publikationsorgane verirrt, so wie hier das Interview mit Eppler, in welchem die Wahrheit ausgesprochen wird, dann keimt mal wieder ein wenig Hoffnung auf, dass der nächste Wahlantritt der deutschen USA-Parteien CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne, für alle zum wirklichen Desaster gerät. Wenn nicht, dann haben wir bald wieder Verhältnisse wie 1933 bis 1945, denn die Militär-Fanatiker und Überwachungs-Freaks, eingeschlossen die Geheimdienste, sind wieder sehr aktiv geworden. Die Politik ist sich bewusst, dass sie eine Politik gegen die Bevölkerung fährt und weiß, dass das über kurz oder lang zur Eskalation führen muss. Darauf will man vorbereitet sein und spielt bereits Szenarien durch, wie man solchen Eskalationen begegnen kann, natürlich mit Militär. Oder glauben Sie immer noch an das Märchen, die Bundeswehr im Innern würde wegen dem "K(r)ampf gegen den Terror" so dringlich von Schäuble u. a. gefordert?