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Erstelldatum: 09.10.2009

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Presse hat wohl momentan leichte Probleme mit der politischen Berichterstattung. Zwar berichtet sie laufend über die Verhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP, über die Forderungen der einen und die Gegenpositionen der anderen Seite. Treten die politischen Vertreter vor die Presse, berichten sie über harte, aber faire Verhandlungen, die in einer guten Atmosphäre verlaufen, aber Konkretes kommt dabei nicht rüber.

So ganz korrekt arbeiten die einzelnen Presseorgane offenbar auch nicht, denn die einen sprechen in ihren Berichten von der Koalition, die anderen von der "neuen" Regierung, was real gesehen in beiden Fällen unrichtig ist, weil diese Verhandlungen ja erst die Koalitionsverhandlungen sind. Rein theoretisch könnte es ja sein, dass die Fronten bei dem einen oder anderen Thema so verhärtet sind, dass die CDU/CSU schließlich doch noch bei der SPD anklopft, weil die ihr formbarer erscheint. Doch das ist natürlich nur Theorie, denn die Hintermänner werden wohl gesagt haben, wo es lang geht.

Was die Verhandlungen betrifft, erinnert mich das an einen Sketch, den ich vor Jahren einmal gesehen habe und Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Ort der Handlung: Ein Sitzungssaal in einem First-Class-Hotel.

Akteure Die Gewerkschaft X und die Arbeitgeberverbände Y und Z.

Thema: Tarifverhandlung

Erste Szene: Sitzungssaal. Die Atmosphäre ist aufgeheizt, die Teilnehmer diskutieren hitzig, zumeist reden mehrere auf einmal.

Zweite Scene: Die Toilette. Vor den Porzellanbecken stehen nebeneinander die Verhandlungsführer von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. Nach den nicht näher gezeigten Vorbereitungen eine Geräuschkulisse, die ich so umschreiben möchte:

    Das Wasser rauscht,
    das Wasser schwoll,
    ein Arbeitgeber stand daran,
    schaut auf den Schniedel ruhevoll,
    spricht dann den Nachbarn an:

Arbeitgebervertreter: "Wo treffen wir uns?"
Gewerkschafter: "Sagen wir bei 2,4%."
Arbeitgebervertreter: "Das ist zu hoch. Sagen wir 2%."
Gewerkschafter: "Das kann ich nicht verkaufen. Sagen wir 2,2%, rückwirkend ab April."
Arbeitgebervertreter: "Na gut. Aber Laufzeit 18 Monate, dafür eine Einmalzahlung von 200 im Oktober?"
Gewerkschafter: "OK. Wann einigen wir uns? Heute schon? Das wäre, glaube ich, verfrüht."
Arbeitgebervertreter: "Ich würde sagen, morgen, so gegen 20:00 Uhr. Wenn wir uns zu schnell einigen, heißt es, wir hätten es uns zu leicht gemacht. Außerdem, die Küche hier ist exzellent, das sollten wir genießen."

Ein kurzes Schütteln, dann die abschließenden Hantierungen, der Gang zum Waschbecken, danach zurück in den Sitzungssaal. Bereits auf dem Flur empfängt sie das laute Stimmengewirr. Sie treten ein und beteiligen sich sofort wieder an den Debatten, die bis tief in die Nacht geführt werden.

Am nächsten Abend gegen 21:00 Uhr tretend die "erschöpften" Verhandlungsführer vor die Presse und verkünden den in zähem Ringen erreichten Kompromiss. Man habe sich auf eine Lohnerhöhung von 2,2%, rückwirkend ab April mit einer Laufzeit von 18 Monaten und einer im Oktober erfolgenden Einmalzahlung von 200 geeinigt. Der erschöpft wirkende Verhandlungsführer der Gewerkschaft betont, dass man zwar mehr habe erreichen wollen, aber so sei wenigstens ein tragbarer Kompromiss herausgekommen. Der ebenso erschöpft wirkende Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite betont ernst, dass man bis an die äußerste Grenze des Tragbaren für die Arbeitgeberseite gegangen sei. Die Höhe der Vereinbarungen sei wirtschaftlich eigentlich nicht tragbar.



So ähnlich stelle ich mir den "Verhandlungsmarathon" der drei Parteien vor. Nun ja, fast, denn ich weiß natürlich nicht, ob Westerwelle auf die Damentoilette darf. Doch sicher findet sich ein anderes lauschiges Plätzchen, um zu vereinbaren, was man dann nachfolgend in heftigen Debatten als gegenseitigen Kompromiss erreicht.

Etwas anderes hat mich allerdings wirklich verblüfft. Oder doch nicht? Barack Obama bekommt den Friedensnobelpreis. Das Nobelpreiskomitee würdigte die „außergewöhnlichen Bemühungen“ des US-Präsidenten um die Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Ich muss seit Amtsantritt von Obama eine Menge verpasst haben. Zwar hat man mi Nordkorea verhandelt, was diese nicht davon abgehalten hat, weiter den starken Mann zu markieren. Zwar hat er versprochen, Guantanamo zu schließen, aber die dortigen Folterknechte vor Gericht zu stellen, das wollte er dann doch nicht. Schließlich haben sie ja nur Befehle befolgt. Haben dass die meisten Nazis vor 1945 nicht auch? Wäre es nicht an der Zeit, Kriegsverbrecher und staatliche Folterknechte unmittelbar anzuklagen und wegzusperren, wenn sie Befehle befolgen, die eindeutig gegen die Menschenrechtskonventionen verstoßen?
Auch so hat sich in Guantanamo nicht viel getan. Das KZ (denn das ist es) besteht nach wie vor und was sich im Innern abspielt, bleibt der Öffentlichkeit nach wie vor verborgen.
Obama hat auch Gespräche mit dem Iran geführt, droht aber nach wie vor im Verbund mit Israel dem Iran mit Krieg, wenn er nicht die Urananreicherung komplett aufgibt. Mit welchem Recht eigentlich? Fast alle westlichen Staaten haben Atomwaffen, auch Israel, obwohl Israel offiziell keine Kernwaffen besitzen dürfte. Ein Unruheherd wie Pakistan hat Kernwaffen, aber das macht ja nichts, denn das sind ja Freunde. Welches Recht hat also die USA, das einzige Land, das bereits Atombomben als Kriegswaffe eingesetzt hat und welches Recht haben die Länder des Westens, die teilweise ebenfalls über Kernwaffen verfügen, dem Iran die Urananreicherung zu verbieten, ohne den geringsten Beweis, dass man dort wirklich den Bau von Kernwaffen anstrebt?
Den Krieg in Afghanistan haben die USA seit Obama auch auf die Grenzgebiete Pakistans ausgeweitet. Alles im Namen des Kampfes gegen den Terror. Doch dieser Kampf ist nicht gegen den Terror, er erzeugt ihn erst. Das wissen die Verantwortlichen genau. Aber würden sie es zugeben, müssten sie die wahren Gründe für ihre Machenschaften und Kriegsspiele preisgeben.

Insgesamt gesehen verstehe ich nicht, wie man Obama den Friedensnobelpreis geben kann. Aber ich habe es auch nicht verstanden, als man ihn an Kissinger vergeben hat, der wirklich ein Kriegstreiber gewesen ist.

Wochenlang war Ruhe, aber jetzt galoppiert sie wieder, die Schweinegrippe. Doch das ist verständlich. Die Pharmakonzerne können bald liefern und 50 Millionen Dosen (so viel hat der Staat geordert) bringen schließlich viel Knete. Also stirbt vorsorglich mal eine Person, deren Immunsystem dank des Virus H1N1 total zusammengebrochen ist. Natürlich wurde zweifelsfrei nachgewiesen, dass H1N1 der Täter war. Dann meldet die WHO, die Nebenwirkungen seien gering. Woher die WHO das nur weiß? Vermutlich aus der Zeitung, denn dpa meldet ja, dass lt. einer Studie der Impfstoff gegen H1N1 gut verträglich sei. Und natürlich warnt das RKI (Robert Koch-Institut), das Virus könne sich im Herbst verändern und sehr gefährlich werden. Ich kann immer nur staunen. Wenn sich das Virus verändert (mutiert), dann ist die Impfung ohnehin für die Katz, denn die Antigene sind doch genau auf die jetzige Zusammensetzung von H1N1 ausgerichtet und nicht auf eine mutierte Variante. Und wie sich die Adjuvans zusammensetzen, darüber berichten weder das RKI noch das PEI (Paul-Ehrlich-Institut). Glaubt man den Aussagen im Internet, enthalten sie hoch toxische Stoffe wie z. B. Quecksilber. Wenn das stimmt, müssen dann künftig die Geimpften im Falle des Todes auf eine Sondermülldeponie?

Ein ähnliches Theater gab es bereits mit der Vogelgrippe, ohne dass es eine echte Gefahr gegeben hätte. Ich fürchte, die Millionen armen Viecher, die man wegen angeblichem Befall mit der Vogelgrippe massakriert hat (pardon, da sagt man ja "gekeult") hat, sind umsonst gestorben. Jetzt das Theater um die Schweine-Mexiko-Amerika Grippe, an der im Verlauf des Jahres 2009 weniger Menschen weltweit erkrankt sind, als an einer normalen Grippewelle innerhalb von 2 bis 3 Wochen in einem Land wie Deutschland erkranken. Dennoch gibt die WHO eine Pandemiewarnung heraus. Vermutlich sind doch zu viele Pharmaleute im Berater-Team der WHO und vermutlich auch die private Finanzierung zu sehr vom Wohlwollen der Pharmaindustrie abhängig.

Trotzdem stelle ich mir mehr und mehr die Frage, ob es hier wirklich nur ums Geld geht. Vor allem Risikogruppen und Schwangere sollen "vorsorglich" geimpft werden. Warum nicht zuerst die wichtigsten Menschen in diesem Land? Die Politiker, die Multimillionäre und Milliardäre, die Universitätsprofessoren und die vielen Experten, die doch so viel wichtiger für das Land sind, als die Risikogruppen? Warum testen die Institute, die so dringend die Impfung empfehlen, den Impfstoff nicht zuerst am eigenen Leib aus? Warum sollen Alte zwei Mal geimpft werden, obwohl doch H1N1 diesmal angeblich vor allem die Jüngeren befällt? Nun, man kann natürlich sagen, dass man Menschen aus den Risikogruppen leichter entbehren kann, falls dieser kaum bis gar nicht getestete Impfstoff doch weniger harmlos als dargestellt ist. Auch lassen sich Regressforderungen von diesen Gruppen leichter abwimmeln, als wenn es Professoren, Politiker oder Reiche trifft.

Irgendwie sind wir Menschen ja irrational. Lesen wir den Beipackzettel von Medikamenten, dann verstehen wir die meisten aufgeführten Nebenwirkungen nicht und wenn doch, dann trifft es ja nur Wenige, uns aber doch nicht. Also nehmen wir unseren Lottoschein und geben ihn ab. Im ersten Fall gehen wir also davon aus, dass es uns nicht trifft, im zweiten Fall hoffen wir inständig, dass es uns trifft, obwohl dort die Chance noch geringer ist. Irgendwie finde ich das crazy (neudeutsch ausgedrückt).

Doch das alles ist nur der alltägliche Wahnsinn, die Ruhe vor dem Sturm. Sind erst einmal die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen, werden vielleicht einige Leute verstehen, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen haben, als sie auf den Urnengang verzichtet haben oder die falsche Partei gewählt haben. Die Auswirkungen wird die Mehrheit zu spüren bekommen. 4 Jahre, in denen wir vielleicht erkennen werden, wie leidensfähig dieses Volk denn nun wirklich ist.