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Erstelldatum: 16.07.2004

Die Zerrbilder des Wirtschaftsweisen Rürup

Vorab: Ein Leser hat mir die Worte des Helmut Arntzen gesendet, der mit wenigen Worten auf den Punkt bringt, was Herrn Prof. Rürup offensichtlich plagt. Arntzen sagt:

Am gefährlichsten ist die Dummheit,
die nicht Ausdruck von Unbildung,
sondern von Ausbildung ist.

Rürup meldet sich wieder, diesmal hat er das Modell der Kopfpauschale bei den Krankenkassenbeiträgen aufgegriffen, welches uns schon Frau Merkel aufs Auge drücken wollte. Nur Rürup ist ja ein Weiser. Er kann so etwas doch viel komplizierter bewerkstelligen, so, dass wieder viel Bürokratie und Verwaltungsarbeit damit verbunden ist. Und wie bei seinem Rentenmodell stürzt sich die Presse und die Politik begeistert auf die Aussagen, diskutiert das Pro und Contra.

Nur eines tun alle nicht, zweifeln. Wenn Rürup ein Weiser ist, dann bin ich Zeus. Für mich ist Rürup ein Scharlatan, ein Mann, der mathematische Modelle entwickelt und diese der Allgemeinheit als unabweigerlich vorstellt. Dabei muss man sich klar darüber werden, Rürup handelt auf Anweisung. Was er der Öffentlichkeit vorstellt, sind Modelle, mit deren Entwicklung er beauftragt wurde und in der Auftragsvergabe wurde auch gleich das Ergebnis geliefert, dass seine Modelle zu bringen hatten.

Am Beispiel seines Rentenmodells möchte ich das näher erläutern. Er hat ein Modell bis 2050 entwickelt und zusammen mit Frau Schmidt dieses Modell mit entsprechendem tragischen Gesichtsausdruck präsentiert. Präsentiert als Fakt, nicht als Möglichkeit. Präsentiert als Büchse der Pandora, mit der ganzen Tragik der Auswirkungen in den nächsten 50 Jahren. Er und Ulla haben da wirklich das Besondere dieser Regierung gezeigt, engagierte Mitarbeiter mit hellseherischer Begabung. Nur, so weit ist es mit der hellseherischen Begabung des Wirtschaftsweisen Rürup nicht her. Jedes Jahr liefern die Wirtschaftsweisen zweimal ihre Prognosen an die Regierung mit den entsprechenden Empfehlungen und nur eines ist bei diesen Prognosen sicher: Sie stimmen nie. Und jetzt kommt einer dieser Weisen, die nicht einmal eine Halbjahresprognose halbwegs richtig zustande kriegen und stellt eine Prognose für 50 Jahre auf?

Bohrt man ein wenig nach, kommt allerdings ans Tageslicht, dass Herr Rürup und sein Kollege Raffelhüschen nebenher für Versicherungsunternehmen tätig sind. So war Rürup zeitweilig Aufsichtsratsvorsitzender der Pro bAV Pensionskasse AG, einer Tochtergesellschaft des Versicherungskonzerns AXA. Außerdem hält er im Auftrag von Versicherungsunternehmen Vorträge über private Renten- und Krankenversicherungen. Noch schlimmer treibt es sein Kollege Raffelhüschen. Der ist Mitglied des Vorstands der Stiftung Marktwirtschaft, Berlin. Die Stiftung Marktwirtschaft wurde als „Frankfurter Institut“ von vor allem den Arbeitgebern nahestehenden Ökonomen, (CDU-)Politikern und Intellektuellen aus dem Raum Frankfurt gegründet. Darüber hinaus ist er Botschafter des vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründeten und finanzierten Think Tanks INSM, der eifrig mit PR-Methoden den sozialen Abbau betreibt. Natürlich ist Raffelhüschen auch für private Versicherungen tätig:

  • Er tritt als Referent auf Veranstaltungen des Finanzdienstleisters MLP auf
  • Er ist Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe
  • Er berät "wissenschaftlich" den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V. in Berlin
  • Er berät "wissenschaftlich" die VICTORIA Versicherung AG in Düsseldorf
Bei den Ergüssen sollte also zunächst die Frage gestattet sein, ob nicht die privatwirtschaftlichen Interessen dieser Herren gewichtige Faktoren für derlei Prognosen sind.

Stellen Sie sich vor, Rürup hätte vor 100 Jahren gelebt und von Bismarck den gleichen Auftrag bekommen. In seiner Prognose wären 2 Weltkriege, das Ende des Kaiserreiches, der Börsenkrach 1929 und einige Dinge mehr unberücksichtigt geblieben. Aber Sie müssen nicht so weit zurück schauen. Ein einziges Ereignis hat alle zuvor gestellten Prognosen über den Haufen geworfen, der 11. September. Und dieses Ereignis hat sich nicht einmal in Deutschland abgespielt.

Nur ein Scharlatan übelster Sorte kann es wagen, der Öffentlichkeit diesen Unsinn zu vermitteln. Leider sieht es so aus, als sei die Presse inzwischen voll eingebunden in diese Täuschungsmanöver für die Bevölkerung, denn wo bleibt der empörte Aufschrei unserer kritischen(?) und unabhängigen(?) Presse? Oder ist unsere Presse heute so simpel, dass ihr der Widersinn solcher Aussagen nicht auffällt?

Jetzt hat er sich erneut zu Wort gemeldet und ein Kopfpauschalen-Modell für die Krankenversicherung vorgestellt. Und natürlich sind die geforderten Maßnahmen wieder unausweichlich und Presse und Politik (aller Farben) reißen sich begeistert um seine Ausführungen, haben sie doch das gleiche Ergebnis wie seine Rentenreform, purer Vampirismus. Rürup ist der Graf Dracula der Deutschen. Hoffen wir, dass sich bald ein Van Helsing findet.