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Erstelldatum: 30.07.2010

Wie wird die Rente ausgerechnet?

Legende: Rentenbegriffe

Entgeltpunkte: Für jedes Beitragsjahr wird der Wert der Entgeltpunkte ermittelt
Rentenwert: Rentenwert des Vorjahres plus prozentuale Erhöhung
Durchschnittsverdienst: Die Addition der Einkommen aller abhängig Beschäftigten geteilt durch die Zahl der Beschäftigten
Eckrentner: virtueller Rentner, ausgehend von der Annahme, ein Arbeitnehmer habe 45 Jahre gearbeitet und für jedes Arbeitsjahr genau 1 Entgeltpunkt erreicht
Beitragsbemessungsgrenze: Höchstbetrag des Jahreseinkommens, welches für die Rentenberechnung herangezogen wird. Von Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze werden keine Rentenbeiträge berechnet

Rentenbescheid:

Bekommen Beitragszahler der gesetzlichen Rentenkassen Ihren Rentenbescheid oder eine Vorabinformation über die Rentenberechnung, wissen Sie mit dem Zahlensalat oft nichts anzufangen. Dieses Blatt soll das ändern!

Versicherungsverlauf (Beispiel:)

Art   von      bis        Einkommen      Dauer   Beitragsart
VK 01 01.01.66-31.12.66 11.410,93 DM 12 Mon. Pflichtbeiträge DÜVO 01.01.73-31.12.73 27,600,00 DM 12 Mon. Pflichtbeiträge SOZL 19.10.92-20.10.92 272,00 DM Beitragswert ...

Steht in den ersten beiden Spalten VK 01, steht VK für Versicherungskarte und 01 ist die Nr. der Versicherungskarte.
Steht ab Stelle 1 dort DÜVO, wurden die Daten vom Arbeitgeber mittels Datenübertragung an die Rentenkasse übermittelt
Steht dort SOZL, dann sind die nachfolgenden Werte aus sozialen Leistungen berechnet, im Beispiel aus 2 Tagen Krankheit über die 6 Wochen Gehaltsfortzahlung hinaus. Ebenso würden Zeiten der Arbeitslosigkeit dort aufgeführt.

Im Anschluss folgt der Beitragsbemessungszeitraum, im Beispiel 1 Kalenderjahr, aber der Bemessungszeitraum kann durch Ereignisse unterbrochen sein. Ein Ereignis könnte ein Arbeitgeberwechsel, eine längere Krankheit oder eine Gehaltserhöhung bzw. ein Tarifwechsel sein, dann hätten Sie für das Kalenderjahr 2 Berechnungen, bei mehr Ereignissen entsprechend mehr. In jedem Fall gibt es für ein Jahr mindestens eine Zeile mit Berechnungsdaten.

Danach folgt der Verdienst im angegebenen Beitragsbemessungszeitraum. Hier kann der angegebene Verdienst niedriger angegeben sein, als Ihr tatsächlicher Verdienst. Das passiert, wenn Sie mit Ihrem Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze überschreiten. Dann ist der dort angegebene Wert identisch mit der Beitragsbemessungsgrenze.

Die restlichen Daten sind selbsterklärend.

Entgeltpunkte für Beitragszeiten: Beispiel:

von        bis        Einkommen        Durchschnittsverd.       ermittelte Entgeltpunkte
01.01.66 - 31.12.66 11.410,93 DM : 9.893 DM = 1,1534 Punkte 01.01.73 - 31.12.73 27,600,00 DM : 18.295 DM = 1,5086 Punkte

Hier beginnt das, was vielen Schwierigkeiten bereitet. Lassen wir den Bemessungszeitraum außer acht und schauen gleich auf die beiden Beträge.

  • Betrag 1 ist Ihr ausgewiesenes Einkommen, max. bis Beitragsbemessungsgrenze.
  • Betrag 2 ist das vom Staat ermittelte Durchschnittseinkommen. Dazu wird das Brutto-Einkommen aller Beitragszahler addiert und durch die Zahl der Beschäftigten dividiert. Das Ergebnis ist das Durchschnittseinkommen. Würde ein Arbeitnehmer immer genau dieses Durchschnittseinkommen haben und genau 45 Jahre arbeiten, wäre er der sogenannte Eckrentner, weil er für jedes Beitragsjahr immer genau einen Entgeltpunkt bekäme und das über einen Zeitraum von 45 Jahren. Aber der Eckrentner ist ein virtueller Rentner, eine statistische Größe, es gibt ihn nicht wirklich. Tatsächlich ergeben sich die für die Rentenberechnung so wichtigen Entgeltpunkte wie folgt:

anrechenbares Einkommen / Durchschnittseinkommen = Entgeltpunkte

An den beiden Beispielzeilen sieht das so aus:

                      11.410,93 /  9.893   =   1,1534 Punkte
                      27,600,00 / 18.295   =   1,5086 Punkte

Dieses Beispiel ist das eines Besserverdienenden, der die Höhe des Durchschnittsverdienstes überschreitet. Das ist keinesfalls die Norm. Bei vielen Rentnern steht ein Null vor dem Komma, weil ihr Einkommen unter dem ermittelten Durchschnittseinkommen liegt.

Die so ermittelten Punkte, oder genauer gesagt Entgeltpunkte sind dann die Basis für die Rentenberechnung. Die für alle Beitragsjahre ermittelten Entgeltpunkte werden addiert und mit dem letzten aktuellen Rentenwert multipliziert (der Rentenwert ist für Deutschland Ost und Deutschland West unterschiedlich). Die jährliche Rentenanpassung (falls es eine gibt) plus der Rentenwert des Vorjahres ergibt den aktuellen Rentenwert. Die Formel lautet also:

                 erreichte Entgeltpunkte * Rentenwert
Am Beispiel des Eckrentners: 45 Arbeitsjahre, pro Jahr 1 Entgeltpunkt = 45 Entgeltpunkte, Rentenwert 2004 = 26,13 € ergäbe eine Rente von
                 45 Punkte * Rentenwert 26,13 € = 1.175,85 € Rente
Das so ermittelte Ergebnis ist die Bruttorente. Anrechenbare Zeiten auf Ihrem Rentenbescheid werden gesondert ausgewiesen (z. B. Ausbildungszeiten), aber die dort ermittelten Entgeltpunkte fließen wie alle anderen in die Berechnung ein.
Von dieser Rente müssen Sie die Hälfte des Krankenkassenbeitrags und die ganze Pflegeversicherung (seit Januar 2004) in Abzug bringen. Das Ergebnis ist die Rentenauszahlung. Die Rentenauszahlung ist Bestandteil Ihres steuerpflichtigen Einkommens, allerdings nicht die volle Rente, sondern nur der sogenannte Ertragsanteil, der aber ab 2005 kontinuierlich erhöht werden soll (Urteil Bundesverfassungsgericht: Versteuerung der Renten, dafür die Beiträge steuerfrei. Die Versteuerung darf aber nach dem Urteil nicht zur Doppelbesteuerung führen.)

Seit dem 1.1. 2005 sind 50 % der Netto-Rente steuerpflichtig.

Der folgende Absatz basiert auf einer Vermutung von mir.

Verdacht
Genau betrachtet ist schon diese Berechnung der Bundesversicherungsanstalt unkorrekt. Gemeint ist die Ermittlung des Durchschnittsverdienstes. Es werden die realen Einkommen addiert und durch die Zahl der Beschäftigten geteilt. Doch das ist falsch, denn viele der Einkommen liegen über der Beitragsbemessungsgrenze, dürften dann in der Addition aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt werden, weil nur bis dort auch Beitragszahlungen erfolgen. Die addierten Einkommen wären geringer, aber die Zahl der abhängig beschäftigten Beitragszahler würde sich nicht verändern. Bei der Teilung würde der Durchschnittsverdienst geringer ausfallen und höhere Werte bei den Entgeltpunkten erzielt werden.