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Erstelldatum: 10.11.2006

Schilda lässt grüßen

Betrachtet man die Themen in der EU, kann man oft nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Derzeit wird einem Artikel im Spiegel zufolge gerade eine Fernsehrichtlinie für Produktplatzierung in Filmen ausgekungelt. Es ist schon erheiternd. Kaum ein Film, ob nun Kino- oder Fernsehproduktion, der nicht für die optische Platzierung bestimmer Produkte einen Teil der Produktionskosten erhält. Jetzt will die EU, dass die Zuschauer darauf hingewiesen werden, dass hier Werbung für Produkte erfolgt.

Unsere Politiker wollen aber den deutschen Verbraucher schützen und haben einen Gegenvorschlag eingebracht. Wenn ein Land nicht ausdrücklich die Produktplatzierung erlaubt, soll sie verboten werden. Erfolgt dann eine Ausstrahlung dennoch, kann geklagt werden, bis zum höchsten EU-Gericht.

Es ist schon lustig. Da gibt es massenhaft Fernsehsender, die Filme während der Ausstrahlung unterbrechen und Werbung einblenden. Diese Werbung ist in fast allen Fällen mit Versprechen verbunden, die keines der beworbenen Produkte halten kann Mit diesen Versprechungen werden aber Verbraucher dazu gebracht, diese Produkte zu versuchen, ob es nun das jeden Kalk beseitigende Putzmittel, der gesunde Burger oder das Handschonende Spülmittel ist.

In Filmen wird dann zwar ziemlich auffällig die Packung Marlboro gut erkennbar auf den Tisch im Restaurant gelegt, oder vor der auffälligen Reklame eines McDonald geparkt, oder wie in den James Bond Filmen der BMW auffällig in Szene gesetzt, aber zumindest nicht mit haltlosen Versprechen dafür geworben. Man wird lediglich mit dem Anblick konfrontiert. Genau dafür müssen wir aber geschützt werden. Da kann man nur noch fragen, ob Schilda inzwischen Europäische Dimensionen angenommen hat. Man begegnet dem, was dort in den Filmen auffällig positioniert wird, im täglichen Leben auf Schritt und Tritt. Kein Nichtraucher kommt auf die Idee, beim Anblick einer Packung Marlboro im Schaufenster eines Zigarettenladens nun unbedingt rauchen zu müssen. An einem McDonald geht man täglich vorbei, BMW's stehen auf jedem Parkplatz und zu oft auch in der zweiten Reihe am Straßenrand.

Fragt sich also, was soll dieser Schwachsinn und da fällt mir nur eine Antwort ein. Irgendeine Lobbygruppe, vielleicht ein großes Werbeunternehmen, möchte unterbinden, dass hier eine unterschwellige Werbung stattfindet und hat sich mit entsprechenden Ideen in Brüssel eingebracht. Da die Ideen aus Brüssel ohnehin maßgeblich von Lobbyisten geprägt werden, die eifrige und devote EU-Beamte dann auch erfüllen möchten, wurde diese Schnapsidee ernst genommen und flugs eine Richtlinie konzipiert. Mit deutscher Gründlichkeit haben unsere Politiker dann empfunden, dass wir unbedingt besser geschützt werden müssen und sprechen sich für ein komplettes Verbot aus, es sei denn, es wird ausdrücklich erlaubt.

Die EU will Hinweise auf die Werbung durch Produktplatzierung. Wie stellen sich die Bürokraten das vor? Soll bei den Hinweisen auf die Gestalter des Films im Vor- oder Abspann dann zusätzlich die beworbene Produktpalette dargestellt werden? Deutschland will ein Verbot. Sollen alle Szenen, dann herausgeschnitten werden? Wo fängt denn eigentlich die Werbung an und wo hört sie auf? Werden Szenen aus Ballungszentren gezeigt, fallen immer die riesigen Leuchtreklamen und die großen Werbeplakate oder Litfasssäulen ins Auge. Ist das nun Werbung oder nicht. Na, das müssen dann die Gerichte entscheiden. Ich stelle mir den James Bond Film mit dem BMW vor, wenn alle Szenen mit dem BMW rausgeschnitten würden. Stattdessen wird der Film an diesen Stellen unterbrochen und Fernsehwerbung eingeblendet. BMW blendet dann einen Werbespot ein, in dem sie darauf hinweist, dass an dieser Stelle eigentlich die Parkhausszene mit James Bond und dem BMW kommen müsste, die aber leider wegen verbotener Produktplatzierung herausgeschnitten werden mussten. Was würden wohl Asterix und Obelisk sagen?