Mail an ARD-Presseclub, Focus, Stern, Die Zeit zum Presseclub am 22.08. 2004

Gert Flegelskamp
06.04. 2006
Rhönstr. 17
63071 Offenbach

Als der Sendeplatz mit der politischen Sendung „der Internationale Frühschoppen“ von Werner Höfer vor Jahrzehnten belegt wurde, war es eine seriöse und intelligente politische Sendung. Die Sendung hat nicht nur an Niveau verloren, sie hat kein Niveau mehr. Sie wurde zu einem neoliberalen Schwatzclub degradiert, in welchem mit dümmlichen unreflektierten Aussagen Stimmung für die Regierung und gegen die Bevölkerung gemacht werden soll.

In die heutige Sendung (22.08. 2004) bin ich aus Versehen geraten und fand die Aussagen wirklich ärgerlich. Besonders hervorgetan haben sich dabei die Reporter des Focus und des Stern. Von Frau Niejahr habe ich ohnehin nichts anderes erwartet.

Herr Krumrey vom Focus tat sich besonders durch eine selbstzufriedene Gestik und beeindruckende mathematische Kenntnisse hervor. Gerade hatte er noch Clement kritisiert, weil dieser den Begriff 1 €-Jobs verwendet hatte und schon plappert er den Ausspruch von Clement nach, wonach die Zahlung von 1 € die Stunde plus die 345/331 € ALG II ein Einkommen von bis zu 1.000 € ermöglichen. Ja, er steigert sich dann noch in die Sorge, dass andere Geringverdiener lieber diesen Weg beschreiten, weil sie es dann einfacher haben.

Sagen Sie, Herr Krumrey, wie dumm muss man sein, um solche Äußerungen von sich zu geben? Nehmen Sie mal Ihren Taschenrechner zur Hand und rechnen Sie nach (im Kopf können Sie das sicherlich nicht). Tag und Nacht haben 24 Stunden, der Monat 30 bzw. 31 Tage (außer der Februar). Jetzt tippen Sie mal auf Ihrem Taschenrechner ein: 30 x 24 und sie kommen zu dem verblüffenden Ergebnis: 720. Damit Sie wissen, was das für eine Zahl ist, das sind die maximal möglichen Stunden in einem Monat mit 30 Tagen. An den Monaten mit 31 Tagen müssen Sie noch 24 Std hinzurechen. Wenn ich nun dazu noch 331 bzw 345 € hinzurechne, komme ich auf tatsächlich über 1000 € monatliches Einkommen. Aber sehen Sie, Arbeitslose sind doch nur zu faul zum arbeiten, dass ist doch Ihre These, ebenso wie die des Kanzlers und des Superministers . Glauben Sie ernsthaft, diese Faulen wären bereit, 24 Stunden am Tag zu arbeiten? Höchsten 16 Stunden, den Rest legen die sich auf die faule Haut.

Weder die Moderatorin noch einer der anderen Reporter hat widersprochen. Da ich unterstelle, dass Ihre Kenntnisse der Grundrechenarten soweit ausreichen, auch ohne Taschenrechner zu erkennen, dass die Rechnung nicht stimmen kann, nehme ich an, es werden bewusst Gerüchte in die Welt gesetzt, um Stimmung gegen die demonstrierenden Arbeitslosen zu machen, die eine korrupte Regierung unter die Armutsgrenze stoßen will.

Alle Aussagen, die ich hören konnte, bevor ich abgeschaltet habe, gingen in die gleiche Richtung. Perfide daran finde ich, dass hochbezahlte Zeitungsleute über ein Thema sprechen, von dem sie wirklich keine Ahnung haben. Sie sollten sich ein Beispiel nehmen an einem Radiosender, in dem ein Reporter einen Selbstversuch macht, wie man mit dem Geld zurecht kommen kann. Probieren Sie es mal: Nur 3 Monate. Dann wissen Sie wenigstens in etwa, wovon Sie schreiben und sprechen.

Seien Sie sicher, meine Damen und Herren Reporter, ich werde keine Ihrer Kolumnen mehr kaufen. Das tangiert Sie sicher nicht sonderlich. Aber ich werde diesen Bericht auch auf meiner gut besuchten Homepage veröffentlichen und versuchen, andere Initiativen auf diese Manipulationsversuche durch Sie hinzuweisen. Einige werden sicher ebenfalls auf Ihren Internetseiten darüber berichten. Gerne würde ich dazu beitragen, die Auflagenstärke Ihrer Blätter zu reduzieren.

Wer weiß, vielleicht kommt Ihr Chefredakteur dann auf die Idee, Sie sollten mal praktisch erkunden, wie es ist, einen Job auf dem durch Überangebote glänzenden Arbeitsmarkt zu suchen. Der Lerneffekt wäre kollossal. Und, für 1 € könnten Sie dann bei mir putzen. Dann könnten Sie zusätzlich in Gesprächen mit mir lernen. Interesse?

Guten Tag