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Erstelldatum: 12.08.2007

Die Preise, Hartz IV, Politik und das Denken

Wie man der Presse entnehmen kann, wird derzeit in Kreisen von CDU/CSU, SPD und Grünen über die Auswirkungen nachgedacht, die durch die Anhebung der Preise von Grundnahrungsmitteln auf die Empfänger von Transferleistungen entstehen.

Begonnen hat das alles mit der gravierenden Preiserhöhung bei Molkereiprodukten. Allerdings weisen Veganer, teilweise auch Vegetarier, immer darauf hin, dass Molkereiprodukte keine Grundnahrungsmittel und eher schädlich sind. Sie verweisen darauf, dass Milch von den jeweiligen Spezis zur Aufzucht der eigenen Jungen verwendet würde, aber keine Spezies außer dem Menschen die Milch anderer Wesen verwende.

Ich habe darüber nachgedacht und muss sagen, da haben sie Recht, na, wenigstens fast. Immer wieder kommt es ja vor, dass Tiere andere Tiere "adoptieren" und an ihren Milchdrüsen nuckeln lassen, manchmal sogar Menschen (siehe Wolfskinder). Die so Adoptierten werden auch groß und stark. Vielleicht liegt es bei der Milchverwertung ja daran, dass andere Spezies einfach Schwierigkeiten damit haben, eine Kuh, eine Ziege, ein Kamel oder ein Schaf zu melken, geschweige denn, eine Melkmaschine zu nutzen. Ist nicht der Mensch auch das einzige Wesen, das Rotkohl mit Äpfeln mischt und es meist erst kocht, bevor er es isst? Verwenden nicht selbst Veganer für ihren Salat zusätzlich Gewürze und ein Dressing, bevor sie ihn verspeisen? Ist nicht der Mensch das einzige Wesen, das seine Nahrung grundsätzlich erst aufbereitet, bevor er sie verzehrt?

Aber so ganz stimmt die Aussage ohnehin nicht. Aus eingeweihten Ameisenkreisen habe ich erfahren, dass der Mensch ihnen das Melken abgeguckt hat. Sie hätten schon lange vor dem Menschen Blattläuse gemolken, eine Kuh sei ihnen allerdings zu groß gewesen. Über die menschliche Vision, die Krone der Schöpfung zu sein, amüsieren sie sich seit mehr als 5.000 Jahren und erklärten mir spöttisch, wenn wir längst ausgestorben wären, würden sie noch immer die Erde beherrschen.

Sie haben natürlich Recht, wenn Sie meinen, dass wir uns nicht mit Ameisen vergleichen sollten. Sicher, im Prinzip beherrschen Ameisen und andere Insekten fast alles, was auch der Mensch beherrscht. Sie bauen, sie betreiben Landwirtschaft und Viehzucht, sie stehlen, sie morden und wenden eine Vielzahl chemischer Prozesse an. Aber sie haben eine matriarchalische Lebensform und leben in einem Feudalsystem. Denken ist bei den Schwarminsekten nur der Königin erlaubt.

Hier werden schon die Unterschiede zum Menschen erkennbar. Wir lehnen das Matriarchat weitgehend ab und haben den Feudalismus ebenfalls weitgehend aufgegeben. Durch die Abschaffung des Feudalismus haben wir das Denken dezentralisiert. Nicht mehr nur die eine Person an der Spitze denkt für uns. Diese Aufgabe haben eine Regierung, mehrere Parlamente, ein riesiger Blätterwald, Institutionen, die Wissenschaft übernommen. Nun ja, ganz stimmt auch das nicht, denn wir leben ja in einer Zeit des Outsourcings. Parlamente und Regierung haben das schnell erkannt und die Prozesse outgesourct (denglische Ausdrucksweise). Sie lassen nun denken, bei der Deutschen Bank, bei DaimlerCrysler, bei Siemens usw. Doch auch die denken längst nicht mehr selbst, sondern lassen denken bei der INSM, bei Bertelsmann, beim Bürgerconvent u. a. Dort wiederum hat man die Denkprozesse ebenfalls outgesourct, an die Börse und damit in die USA, weil die dort größere Köpfe haben. Doch dort, wo dann die Denkprozesse landen (bei der US-Politik), wird schon seit 1911 nicht mehr gedacht, man hat das Denken bereits unter Wilson outgesourct, an Halliburton, Exxon, Shell, Rockefeller-Foundation usw., die alle gesammelten Denkprozesse weiter an FED, IWF, WTO leiten, von wo sie endlich auf den Olymp geleitet werden. Dort sitzen ja bekanntlich die wahren Götter, Gates, Buffet, Allen, die Aldi-Brüder, die Walton Erben, die Quandt-Erben usw., die Namen der Götter veröffentlicht Forbes (er hat die Rolle des Hermes übernommen) jedes Jahr in einer Liste. Im Gegensatz zu einer Ameisen- oder Bienen-Königin denken die menschlichen Götter nicht an ihr Volk, sondern hauptsächlich an sich.

Weil die Befehlskette vom Olymp zur Erde zwar global, aber nicht effizient ist, wurde das Handy erfunden. Nach Abschluss der Erprobungsphase werden wir über das Handy jederzeit die Information bekommen, die wir zur Befehlsausführung vielleicht benötigen. Die heute noch extern getragenen Head-Sets werden dann, mit RFID-Chips und GPS kombiniert, in den Kopf implantiert. Der Grund ist, dass unser Chemiewissen und unsere Riechorgane nicht ausreichen, aufgrund von Botenstoffen unsere Anweisungen entgegen zu nehmen. Bis die Entwicklung von Handys mit implantiertem RFID-GPS-Headset abgeschlossen ist, kommen wir an die Schwarmintelligenz der Ameisen- und Bienenvölker noch nicht heran. Verständlich, wir sind ja noch eine sehr junge Gattung und die Insekten hatten viel länger Zeit, sich zu entwickeln.

Nach neuesten Presseberichten denken nun viele von uns, die Politiker hätten sich besonnen. Nun ja, ich habe mich vertan, sie denken, die Presse hätte gedacht und deshalb berichtet, dass die Politiker denken würden, Hartz IV wäre wegen der Preiserhöhungen, nicht nur bei den Molkereiprodukten, zu niedrig. Aber weil selber denken, wie zuvor beschrieben, ja nicht üblich ist und von Mount Rush-more-war noch keine Befehle gekommen sind, sollte man all das nur als automatischen Reflex betrachten, der in der Politik immer dann auftritt, wenn wichtige Wahlen vor der Türe stehen. In solchen Momenten benutzen Politiker eine aus Seife bestehende Zahnpasta, sondern aus diesem Grunde vermehrt Blasen ab, welche die Presse aufgreift, um ihnen wenigstens eine gewisse Konsistenz zu verleihen. Weil aber all das nur blinder Aktionismus ohne den leitenden Funken eines echten Gedankens ist, wird all das wieder zerplatzen, was ja auch die Bestimmung von Sprechblasen ist.

Eine der für die Erzeugung detaillierter Sprechblasen zuständige Behörde (Stat. Bundesamt) hat nun scheinbar neue Blasen an die Presse weitergeleitet, die Zunahme der Sozialhilfeempfänger. Weil bei der Presse inzwischen vergessen wurde, dass es keine Sozialhilfeempfänger mehr gibt, weil Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zu Hartz IV zusammengefasst wurden und die Sozialhilfe heute als Sozialgeld bezeichnet wird, hat sie voller (scheinheiligem) Entsetzen diese Information aufgenommen und verbreitet. So schreibt die FAZ, dass der Staat 4% mehr für die Sozialhilfe aufwenden müsse und damit 222 pro Kopf der Bevölkerung für Sozialhilfe aufgewendet werden müssten. Da Rechnen nur eingeschränkt im Denkverbot verankert ist, habe ich mal gerechnet. (82 Millionen Einwohner mal 222 ergibt 18,204 Milliarden Euro (im Jahr). Geteilt durch 12 (Monate) ergeben sich 1,517 Milliarden monatliche Kosten. Teile ich die nun durch die Zahl der in der BA-Statistik Juli angegebenen 1.977.743 Sozialgeldempfänger (Hartz IV), macht das eine monatliche Transferleistung von 767,04 aus, was der durchschnittlichen Regelleistung eines Hartz IV-Empfängers incl. Wohnkosten durchaus entspricht. Auch der Umstand, dass dieses Sozialgeld vornehmlich an Alte (Alte mit gar keiner oder zu geringer Rente) und Behinderte gezahlt wird, sollte eigentlich nicht völlig neu sein. Schließlich waren das die einzigen Kriterien bei der Zusammenlegung, die davor schützten, als arbeitsfähig erklärt zu werden. Aber solche Kleinigkeiten sind der Presse vermutlich nicht bekannt und im Sommerloch wird ohnehin jede Blase aufgenommen.

Bedenklich an diesem Vorgang ist lediglich die Erkenntnis (soweit wir zur Erkenntnis fähig sind), dass mit dem Outsourcing der Denkprozesse nicht gleichzeitig ein adäquates und effizientes Berichtswesen eingerichtet wurde. Es fehlt an der Symmetrie des Berichtswesens und lässt erkennen, dass die Informationstechnologie (Handy mit implantiertem RFID-GPS-Headset) schnellstens in Serienreife gelangen muss, wollen wir uns der Informationstechnologie der Insektenvölker wenigstens annähernd angleichen.

Sollten sie in meinem Bericht Lücken entdecken, bitte ich um Nachsicht, da ich von den Informationswegen teilweise abgeschnitten bin (Handy, Fernsehen) und deshalb von der rudimentär vorhanden Möglichkeit zum eigenständigen Denken Gebrauch machen musste, was natürlich wegen der fehlenden Gewohnheit zu Divergenzen zum genormten Denken der Global Think Tanks führen kann.