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Erstelldatum: 19.03.2010

Politisches Infosystem

Ich glaube, ich habe schon oft geschrieben: "Wir alle wissen ..." Nun habe ich im Focus gelesen, was die Forschungsgruppe Wahlen noch neben dem üblichen; "wen würden Sie wählen, wenn heute Wahl wäre" gefragt hat. Danach ist der Prozentsatz derer, die wissen, welcher Kandidat für welche Partei antritt, erschreckend gering. Demnach weiß kaum mehr als die Hälfte der Befragten, dass Rüttgers für die CDU antritt (53%) und von Hannelore Kraft als Spitzenkandidatin der SPD wussten nur 36%. Wie viele wussten, dass Andreas Pinkwart Spitzenkandidat der FDP ist, Sylvia Löhrmann als Frontfrau für die Grünen antritt und Bärbel Beuermann für die Linke ins Feld zieht, werden wohl nur noch ganz wenige wissen. Nur, nach welchen Kriterien wählen dann die Leute, wenn sie noch nicht einmal wissen, wer in welcher Partei ist?

Aber natürlich kann ich gut meckern, solange ich mich nicht frage: Wie war das denn bei Dir, als Du jung warst? Dann muss ich beschämt zugeben: Es war keinen Deut anders. Den Bundeskanzler hätte ich so gerade noch benennen können, aber danach wäre Schluss gewesen. Wie also habe ich meine Wahlentscheidung getroffen, als ich mit 21 Jahren zum ersten Mal wählen durfte? Das war einfach. Weil das Verhältnis zu meinen Eltern nicht durch pubertäre Konflikte getrübt war, habe ich selbstverständlich wie Vati gewählt und das war damals die SPD. Aber was die "da oben" so treiben, davon hatte ich keine Ahnung und auch keine Lust, mich damit zu befassen. Ich habe mich mit den Dingen befasst, die auch heute für die meisten Jungendlichen wichtig sind. Nach der Arbeit mit den Kumpels rumhängen, mit dem Motorrad die Gegend verunsichern, vor den Mädels ein entsprechendes Imponiergehabe an den Tag legen, im Sommer bei entsprechendem Wetter das ganze Wochenende im Schwimmbad verbringen oder mal ins Kino gehen. Aber Politik, wer interessierte sich schon dafür?

Nun könnte ich als Entschuldigung anführen, dass wir in der Schule keinerlei politischen Unterricht hatten, zumindest kann ich mich daran nicht erinnern. Ich könnte weiterhin anführen, dass es außer den Zeitungen auch keine anderen Informationsmedien gab. Doch das ist keine wirkliche Entschuldigung für mein damaliges Desinteresse. Heute weiß ich, dass man früh beginnen muss, sich mit politischen Vorgängen auseinanderzusetzen. Denn, die Jugend geht vorbei, aber die Politik, die bestimmt nicht nur die Jugendzeit, sondern das ganze Leben und viele der heutigen politischen Maßnahmen wirken sich auf das gesamte spätere Leben aus. Und ich vermute einmal, dass sich heute mehr junge Menschen schon mit politischen Themen befassen, als zu meiner Zeit. Dennoch zeigen die Umfragen, dass es noch viel zu wenig sind.

Wie es heutzutage an den Schulen aussieht, weiß ich nicht. Werden die Schüler heute mit politischen Themen konfrontiert? Bekommen sie im Schulunterricht Informationen darüber, welche politischen Ämter von welchen Leuten besetzt sind, wenigstens in der Bundesregierung und im jeweiligen Bundesland? Oder werden solche Themen nur flüchtig bis gar nicht durchgenommen? Werden aktuelle politische Ereignisse zum Gegenstand politischer Bildung an den Schulen gemacht oder wird gar versucht, einen Unterricht mit Schwerpunkt auf eine bestimmte Partei zu legen um damit poltische Einflussnahme bereits in der Schule zu nehmen? Ich kann es nicht sagen, aber irgendwie habe ich Zweifel an einem ausreichenden und objektiven politischen Unterricht.

Aber das Internet wird doch heutzutage von fast allen Jugendlichen durchstöbert. Wäre es nicht eine lohnende Aufgabe für alle Webseitenbetreiber, die politische Themen aufgreifen, auf ihrer Seite das Bundes- und die Landeskabinette vorzustellen? Dabei können sie ruhig persönlich werden, denn es ist ja ihre Webseite. Sie könnten stichwortartig festhalten, was sie bei dem jeweiligen Politiker, egal ob männlich oder weiblich, gut finden oder was sie stört. Und wer weiß, vielleicht beginnen sich dann auch Jugendliche (und nicht nur die) ein wenig mit Politik zu befassen. Wichtig wäre dabei allerdings, bei aller möglichen Kritik die Vorstellung der jeweiligen Politgrößen relativ neutral zu halten, also keine persönliche Aversion, sondern allgemein bekannte und durch die Presse gegangene Kritikpunkte aufnehmen. Wem eine persönliche Meinung unerlässlich scheint, sollte sie in jedem Fall als seine persönliche Meinung kennzeichnen.

Ein Beispiel, wie ich mir das vorstelle:

Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Aktuelle Koalition: CDU und FDP
Name/Partei
Funktion
Wahlsystem
letzte Wahl
Wahlkreise
Kritik
Jürgen Rüttgers (CDU) Ministerpräsident Personalisierte Verhältniswahl
(erstmalig 2010)
22. Mai 2005
128
Parteitage

So könnte jedes Regierungsmitglied kurz vorgestellt werden. Wer es noch weiter ausführen will, könnte auch die Fraktionsspitzen der der jeweiligen Oppositionsparteien vorstellen und am Schluss die Wahlergebnisse der letzten Wahl dokumentieren. Dabei sollte der Beitrag über die Creative-Common-Lizenz jedermann zum Kopieren angeboten werden.

Vielleicht gelänge es damit, die politische Abstinenz in unserem Lande zu durchbrechen. Natürlich spricht nichts dagegen, unter der Tabelle eine Überschrift "persönliche Meinung" einzubinden und darunter Links auf eigene Beiträge zu setzen, in denen bestimmte politische Handlungen angeprangert werden. Ich jedenfalls werde damit beginnen, die Bundesregierung auf diese Weise vorzustellen und als Dauerlink in der Navigation zu präsentieren.