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Erstelldatum: 09.12.2007

Werbung

Werbung bestimmt heute unser Leben. Die Mehrzahl der Fernsehprogramme finanziert sich über Werbung und die öffentlich Rechtlichen platzieren gerne einmal Schleichwerbung in ihre Programme. Das ist zwar verboten und wenn es auffällt, empört sich die Presse, dann flaut es aber wieder ab, bis zum nächsten Skandal.

Auch den Zweck, den Werbung verfolgt, kennen wir. Produkte sollen bekannter werden und durch die Art, wie das Produkt präsentiert wird, sollen wir zum Kauf verleitet werden. Spätestens seit Siegmund Freud weiß man, worauf die Menschen anspringen. Das ist, als wollte man ein Auto klauen und muss nur noch die richtigen Drähte miteinander verbinden, damit der geklaute Wagen anspringt.

Eines ist, hoffe ich, fast allen Menschen klar. Werbung sagt nichts über Qualität aus. Im Vorfeld werden über Meinungsumfragen die Erwartungen der Verbraucher ausgekundschaftet und ausgewertet. Die Erwartungen der Verbraucher werden zwar nicht erfüllt, aber ihre Erwartungshaltung spiegelt sich anschließend in der Werbung wider. Über ein schlechtes Produkt werden Lügen verbreitet, indem man es hoch lobt. Werbung spricht nicht selten die niederen Instinkte an, wie z. B. die "Geiz ist geil" Kampagne. Auch Sex ist ein beliebtes Mittel, indem der Eindruck vermittelt wird, die Benutzung eines Produkts hätte Auswirkungen darauf, beim anderen Geschlecht besondere Beachtung zu finden.

Es gibt Werbung, die ausgesprochen aggressiv ist, andere Werbekampagnen versuchen es mit Blödeleien. Manche sind echt witzig, manche ausgesprochen primitiv, manche arbeiten mit der Hammer-Methode, indem sie so oft es nur eben geht, den Produktnamen bzw. den des Herstellers in ihrer Werbung erwähnen. Interessant ist es, Fernsehwerbung zu hören, also das Bild ausgeschaltet zu lassen. Dann bekommt man einen Eindruck über die verbale Komponente, mit der die Produkte präsentiert werden. Man empfindet die Aggressivität, die angespannte Fröhlichkeit oder das gewollte Geheimnisvolle viel stärker, als wenn man die Bilder dabei sieht.

Doch Fernsehen bietet gelegentlich Einblicke hinter die Kulissen. So z. B. über die Vorbereitungen von Werbung über Lebensmittel und Essen. Da wird nicht nur ein Essen gekocht und gut drapiert gefilmt, nein, die Farben werden verändert, weil die gezeigten Produkte sonst zu blass aussehen. Das, was letztendlich in der Werbung präsentiert wird, ist mitunter gar nicht mehr genießbar, weil es mit Chemie so bearbeitet wird, dass es zwar toll aussieht, aber nicht mehr essbar ist.

Die Mittel, die Unternehmen für Werbung ausgeben, sind gigantisch. So z. B. die Präsentation von Produkten, die durch Prominente erfolgt. Ob Schumacher, Steffi Graf, Fußballer, Heidi Klum, sie alle bekommen gigantische Honorare dafür dass sie Produkte präsentieren, die sie zuvor vielleicht nicht einmal kannten. Die anschließende Präsentation in den Sendungen, ganzseitige Anzeigen in den Zeitungen oder komplette Beilagen, kurzum, ein echt teures Vergnügen.

Andererseits, die verkauften Endprodukte sollen billig sein. Das geht aber nur, indem man die Qualität einschränkt. Am Beispiel Schokolade möchte ich das einmal verdeutlichen. Zwei Unternehmen, beide machen Werbung. Das eine Unternehmen, indem es den Entstehungsprozess der Produkte so präsentiert, als würden die Produkte einzeln und von Hand hergestellt. Den Akteuren ist klar, dass niemand an diese Art der Herstellung glaubt. Es ist reine Sympathiewerbung, darauf ausgelegt, vor allem die Qualität und sorgfältige Verarbeitung in den Vordergrund zu stellen. Natürlich schlägt sich die Werbung im Preis nieder, aber es bleibt auch dafür ein hochwertiges Produkt. Das andere Unternehmen bemalt lieber Kühe und lässt imaginäre Alpenbewohner auf lustige Weise für den Produktionsprozess arbeiten. Trotz der massiven Werbung ist das Produkt dennoch billig. Aber ein Blick auf die Rückseite der Verpackung und die verwendeten Lebensmittelzusatzstoffe verdeutlicht, dass der Geschmack weniger eine Frage der Qualität, sondern eher der verwendeten Chemie ist.

Natürlich wissen Sie das alles, warum also wiederhole ich es? Wer in den letzten Tagen die Zeitungen gelesen hat, hat über Schleichwerbung der Bundesregierung gelesen. Die Linke hat dazu eine kleine Anfrage gestellt. Danach vergibt nicht nur Ursula von der Leyen Aufträge an Werbeunternehmen, vorproduzierte Beiträge mitsamt Moderationsvorschlägen und O-Tönen über deren Projekte für den Hörfunk zu liefern und im redaktionellen Bereich unterzubringen. Auch Wirtschaftsminister Glos scheint diese Form zu wählen. Ich habe nun nicht vor, mich über die dafür verwendeten Mittel aufzuregen. Politik ist ein "Produkt", dessen Verbreitung nicht der Werbung bedarf oder bedürfen sollte. Ob Zeitung oder Fernsehen, alle berichten über die aktuelle Politik. Wenn also Werbeunternehmen damit beauftragt werden, dieses Produkt medienwirksam zu präsentieren, lässt das nur den Schluss zu, dass dieses politische Produkt derart miserabel ist, dass man es ohne werbetechnische Schönfärberei der Öffentlichkeit nicht präsentieren kann. Hier geht es nicht um den Bekanntheitsgrad. Hier geht es um eine Aufbereitung mit allen Tricks der Werbebranche, um der Öffentlichkeit die Ergebnisse miserabler Politik zu verkaufen. Die Öffentlichkeit wird damit getäuscht, über die schweren Fehler dieser Politik mit glorifizierender Meldung im Unklaren gelassen. Im Pferdehandel vergangener Zeiten wurde solches Vorgehen mit dem Begriff Rosstäuscher belegt.