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Erstelldatum: 31.01.2005

Geld ist Plunder

Mir ist klar, dass diese Aussage provkativ ist, weil wir uns alle (ich eingeschlossen) wünschen würden, etwas mehr von diesem Plunder zu besitzen.

Worum es mir geht, ist den Wert des Geldes an sich mal zu beleuchten. Jeder Fianzprofi wird meine Aussagen entsetzt betrachten und mir sagen, es sei alles ganz anders. Aber hier macht sich bei mir der Altersstarrsinn breit. Natürlich ist auch mir bewusst, dass ich eine sehr stark vereinfachte Darstellung gebe, aber mir kommt es mehr darauf an, den mit dem Geld verbundenen Unsinn der Finanzwirtschaft zu verdeutlichen und die Betrachtung von Geld und Vermögen ein wenig zu relativieren.

Was ist das Wesen des Geldes? Ursächlich wurde es als reines Tauschmittel erfunden. Hintergrund war, dass der Tausch eines Ochsen gegen einen Kohlkopf auch schon in der Frühzeit der Menschen als schlechtes Geschäft empfunden wurde. Wer also einen Ochsen eintauschen wollte (oder ein anderes Haustier), hatte gewisse Probleme, einen adäquaten Gegenwert zu bekommen. Mit dem Geld änderte sich das. Er bekam seine gewünschte Tauschware und der Rest wurde in Form von Geld ausbezahlt, für das er auch anderenorts wiederum Waren einkaufen konnte.

Geld entstand also, um den Handel als universales Tauschmittel zu vereinfachen. Früher war Geld allgemein an wertvolle physische Tauschmittel wie z.B. Münzen aus Gold gebunden, heute sind die Zahlungsmittel in der Regel aus an sich wertlosem Material (Banknoten aus Papier).

Interessant sind die Bezeichnungen. Das lateinische Wort für Geld heißt pecunia "Vermögen an Vieh", von pecus = Vieh. Im Deutschen stammt das Wort Geld vom mittelhochdeutschen Gelt ab und bedeutete so viel wie unfruchtbares Vieh.

Sozusagen als Vorspiel ein kurzer Abriss der Geschichte des Geldes, bei weitem nicht vollständig.

Den Vorläufer des Geldes erfanden - wie auch übrigens das Bier - die Sumerer, die früheren Bewohner Mesopotamiens, also des heutigen Iraks. Bereits im dritten Jahrtausend vor Christus führten sie ein Universaltauschgut ein - und zwar Metall. Waren wurden bei den Sumerern gehandelt, indem man Güter jedweder Art gegen Metall tauschte. Beim "Kauf" einer Ware wurde deren Wert in Metall - etwa in Gold oder Silber - abgewogen; daher rührt beispielsweise der Name "Pfund". Das Metall war allerorten als Zahlungsmittel akzeptiert und somit - ganz klar - ein Vorläufer des Geldes.

Lange bevor es erste geprägte Münzen (7. Jh. v. Chr.) gab, hatten die Babylonier und Assyrer Mittel und Wege gefunden, ihr Handelssilber so zu kennzeichnen, dass seine Qualität ersichtlich wurde. Eine dieser Methoden bestand darin, das Silber in einen Beutel oder Kasten zu geben und diesen zu versiegeln. Das Siegel eines königlichen Wägemeisters oder hohen Beamten garantierte dabei Qualität und das Gewicht des Silbers. Eventuell kennzeichnete man auch schon Silberbarren direkt. Aus schriftlichen Quellen des 18. Jahrhunderts v. Chr. kann dies erschlossen werden. Runde Silberbarren des 14. Jahrhunderts tragen eindeutig Markierungen, die vielleicht auf die Herkunft des Silbers verweisen. Anders als bei den ersten Münzen, die die Normierung des Gewichts und des Edelmetallgehalts beinhalteten, kam es in früheren Zeiten also eher auf die garantierte Qualität an.

Eine kuriose Währung war die Steinwährung:

Je größer der Stein, desto wertvoller war er.

China: Das erste Papiergeld

Um 650 nach Christus gab der chinesische Kaiser ”Wertscheine” zum allgemeinen Gebrauch heraus. 1275 schwärmte Marco Polo, dass die Chinesen den Stein der Weisen entdeckt hätten, ”und ich sage euch, dass jeder gern einen Schein nimmt, weil die Leute, wohin sie im Reich des großen Khan auch gehen, damit einkaufen und verkaufen können, so als ob es pures Gold sei”. In China wird die Nutzung von Papiergeld um etwa 1455 wieder aufgegeben.

Die Azteken nutzten als Zahlungsmittel Kakaobohnen.

In Europa dauerte es noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, ehe Schweden erstmals Banknoten ausgab – die übrigen Staaten folgten schrittweise.

Kauri-Muscheln:
Eine erste Schlüsselwährung

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte erfuhr die Kauri, eine weiße oder hellgelbe Muschel von porzellanartiger Beschaffenheit, mit einer Länge von einem bis drei Zentimeter. Auf den Malediven, später auch auf den Philippinen und den Tongainseln in Polynesien wurde sie gesammelt.

Schon im alten China diente sie von 1500 v. Chr. bis 200 n. Chr. als Geldvorläufer. Arabische Händler brachten sie von Indien in die Heimatländer und bis nach Westafrika, so dass im 19. Jahrhundert über eine Entfernung von Polynesien bis Mauretanien (ca. 20.000 km) eine erstaunlich weit verbreitete ”Leitwährung” bestand.

In Westafrika rechneten die Menschen über Jahrhunderte hinweg mit Kauri-Muscheln, die eigentlich Schnecken waren und unter der Bezeichnung "Diwarra" und "Tambu" noch heute in der Südsee Zahlungsmittel sind. Diese Muscheln waren in Südafrika als Zahlungsmittel anerkannt, weil sie selten waren und infolge dessen natürlich als wertvoll betrachtet wurden. Der Hamburger Reeder Adolph Jacob Hertz wollte sich Mitte des 19. Jahrhunderts dieses einfach strukturierte Tauschsystem zunutze machen: Der findige Kaufmann kaufte an der ostafrikanischen Küste Kauri-Muscheln zu günstigen Konditionen ein und tauschte diese an der westafrikanischen Küste zum achtfachen des Einkaufspreises.

Woanders wurde das schöne Gehäuse der Kauri-Schnecke als "Zwischentauschmittel" genutzt. Die Kauri-Schnecke galt als wertvoll und wurde als Schmuck getragen. Aber weil die Kauri-Schnecken so beliebt waren, wurden sie häufig gefälscht. Sie wurden aus Steinen oder Knochen nachgemacht und bemalt. Damit war die Kauri-Schnecke praktisch das erste Falschgeld. Man brauchte also ein Tauschmittel, das nicht so leicht gefälscht werden konnte.

König Gyges aus Lydien (Kleinasien) veranlasst die ersten Münzen zu prägen. Diese ersten Münzen bestehen aus Elektrum, einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legierung. Wichtig war das Gewicht, nicht die Form der Münzen.

550 v. Chr. König Krösus führt Gold- und Silbermünzen ein

Unter dem lydischen König werden Münzen aus Elektrum durch Münzen aus reinen Metallen ersetzt.

    

Mit dem Denar wird die erste römische Silbermünze geprägt

Der Denar entwickelt sich durch die hohe Bedeutung des Römischen Reiches schnell zur Leitwährung rund ums Mittelmeer.

Als Julius Caesar Britannien erobert, benutzen die Briten noch Schwertklingen als Zahlungsmittel.

Klodevig besiegte 486 die Römer bei Soissons. Damit begann die Herrschaft der Merowinger und die Zeit der Christianisierung. Als Währung wurde der Merowinger eingeführt. Geschichtlich wird die Zeit als frühes Mittelalter, aber auch als Zeit der Völkerwanderung oder spätes Altertum angesehen. Die Merowinger gründeten das fränkische Reich und vergrößerten es in blutigen Schlachten. Zuletzt war Paris die Hauptstadt des fränkischen Reiches.

     

Abgelöst wurden die Merowinger durch das mächtig gewordene Geschlecht der Karolinger und als neue Währung führte Pippin der Kleine die Karolinger ein. Pippin der Kleine ließ sich 751 zum König krönen.

     

Karl der Große (768-814), der Sohn von Pippin dem Kleinen und dessen Frau Wertradas ist der Begründer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das über tausend Jahre bestand. Gekrönt wurde er durch Papst Leo III im Jahre 800. Er führte den ersten Pfennig ein, die Münze, die bis in dieses Jahrhundert Bestand hatte:

     

Die von ihm eingeführten Silbermünzen dienen in den folgenden 500 Jahren allen westlichen Münzprägungen als Vorbild. Noch heute hat Karls Geldsystem in Großbritannien Gültigkeit: 1 Pfund = 20 Schilling = 240 Pennis.

Die britische Guinee

In England wird die "Guinee" erstmals hergestellt. Der Name "Guinee" leitet sich aus dem Herkunftsort der Münze Westafrika ab. Diese jetzt gewalzte Münze ist anfangs einen Pfund wert. Die Guinee bleibt in England bis 1816 die Hauptmünze.

In Indien und Asien stand das Verhältnis von Gold und Silber über Jahrtausende bei 1:6 oder 1:7. Wer wie Venedig die Wege zwischen Ost und West kontrollierte, konnte aus diesem Unterschied ungeheure Profite ziehen. So konnten noch im 17. Jahrhundert portugiesische Händler Japan mit seinem Verhältnis von 1:6 um ein Drittel seines Goldes erleichtern.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, wenigstens in Stichpunkten die Geschichte des Geldes ein wenig anzuführen. Aber hier soll ja die heutige Situation des Geldes erörtert werden und nicht seine Geschichte.

War in der Geschichte des Geldes der Geldwert immer durch einen Bestand an Metallen als Gegenwert gesichert, hat sich das in der heutigen Zeit geändert. Selbst in der Anfangszeit bis ins vorige Jahrhundert wurde der Gegenwert des in Umlauf gebrachten Geldes durch Goldreserven gesichert. So ist auch der derzeit gelagerte Goldbestand der Bundesbank ursprünglich die Sicherung des in Umlauf befindlichen Geldes gewesen (ebenso die Goldreserven in Fort Knox in den USA).

Das hat sich grundlegend geändert. Heute ist selbst das in Umlauf befindliche Geld in Form von Banknoten und Münzen nur ein Bruchteil des tatsächlichen Geldumlaufs. Seit der Einführung der Elektronik im Bankwesen ist Geld oft nicht mehr, als eine Kette aneinander gereihter Bits und Bytes in den Computern und den elektronischen Speichermedien dieser Welt.

Und hier beginnt das, wass ich als Bezeichnung im Titel gewählt habe. Geld ist Plunder, elektronische Impulse, gesteuert von der Finanzwirtschaft der Welt. Es ist eine riesige Seifenblase und durch das Zinssystem wird diese Blase immer weiter aufgebläht. Jeder findet Zinsen heute normal und gerecht, aber das ist eine irrige Annahme, die allerdings von den wahren Herrschern, dem Großkapital, mit viel Aufwand eifrig genährt wird.

Die Gefahren des Zinses hatte man schon im Altertum erkannt und in der Bibel im 5. Buch Moses kann man lesen:
Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt.
oder: von deinem Bruder darfst du keine Zinsen nehmen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem, was deine Hände schaffen, in dem Lande, in das du hineinziehest, um es zu bestellen

Auch Luther verteufelte den Zins, damals als Wucher bezeichnet und forderte gar, wenig christlich, die Vierteilung der "Wucherer".

Heute wird argumentiert, es seien nur die Zinsen, die Anreiz böten, Geld zu investieren, ansonsten würde Geld gehortet. Das ist aber Unsinn. Wer reich ist, möchte reicher werden. Bekommt er keine Zinsen, stagniert sein Reichtum, es sei denn, er investiert es in etwas Produktives. Dann partizipiert er an den Gewinnen aus der Produktion. Das hat jahrhunderlang funktioniert. Nachhelfen könnte da auch der Finanzminister, indem er gehortetes Vermögen besteuert.

Was ist so schlecht am Zins? Es sind 3 Gründe, die gegen Zins sprechen:
  1. Es ist eine Geldvermehrung ohne produktiven Charakter. Bei dieser Vermehrung werden keine tatsächlichen Werte geschaffen
  2. Zins und Zinseszins hat exponentiellen Charakter. Was heißt das? Abhängig von der Höhe des Zinssatzes verdoppelt sich das Geld in einem festgelegten Zeitraum. Bei 7,2% in zehn Jahren. Stellen Sie sich vor, sie hätten 1.000.000 und legen die zu einem Zinssatz von 5% an. Zuerst verläuft die Steigerungskurve langsam, wird mit der Zeit aber immer steiler. Die nachfolgende, über 50 Jahre reichende Grafik soll das verdeutlichen

    Jetzt gehen Sie mal davon aus, ein Industrieller erzielt mit seinem Unternehmen einen jährlichen Reingewinn von 1 Million, den er nicht reinvestiert, sondern statt dessen mit einem Zinssatz von 5% jedes Jahr auf die Bank bringt. Dann sähe die Kurve so aus:

  3. Jetzt müssen Sie sich die Frage stellen, warum jemand überhaupt Zinsen bekommt. Weil die Bank sie ihm zahlt. Wäre das so, gäbe es keine Banken mehr. Er bekommt Zinsen, weil ein anderer Schulden macht. Sie zum Beispiel. Ein Beispiel: Sie nehmen einen Kredit auf und zahlen ihn mit Zinsen zurück. Für den Kredit können Sie Waren kaufen. Aber die Zinsen und die Gebühren sind Kosten, die Sie von Ihrem Einkommen zahlen, ohne einen Gegenwert zu bekommen. Sie können also weniger Geld ausgeben als im Normalfall. Der Verleiher könnte jetzt mehr ausgeben, aber er hat das Geld ja verliehen, weil er es übrig hatte. Also legt er das Geld plus Zinsen erneut an. Und jetzt schauen Sie noch einmal auf die zuvor gezeigte Grafik. Am Anfang mussten ein oder mehrere Leute 1 Million Schulden mit Zinsen zurückzahlen. Wenn er das 50 Jahre so macht, müssen schon über 10,9 Millionen zurückgezahlt werden. Dafür benötigte er nur einmal einen Einsatz von 1 Million. Die übrigen 9.921.333 wurden nur durch Zinsen erworben. Das ist der Betrag, der von der Kaufkraft der Schuldner verlorenging. Und je länger das Geld liegenbleibt, desto schneller steigt die Kurve. In der zweiten Kurve hat der Gläubiger jedes Jahr seinen Gewinn zusätzlich für die Verleihung zur Verfügung gestellt. Er hat also als eigenes Kapital in den 50 Jahren 50 Millionen eingesetzt. Sein Gesamtkapital ist in dieser Zeit auf 209.347.996 gewachsen, also 159.347.996 DM, Euro, Dollar oder welche Währung es auch immer sein soll, als Gewinn erziehlt, ohne dafür zu arbeiten. Diejenigen, die dafür arbeiten mussten, konnten das Geld weniger ausgeben. Zinsen haben also keine stimulierende, sondern eine Sogwirkung auf den Konsum.
  4. Wer sind nun die Schuldner? Das ist der kleine Mann von Straße ebenso, wie die kleinen, mittleren und großen Unternehmen und, nicht zu vergessen, der Staat. Unternehmer und der Staat zahlen aber die Zinsen nicht aus Ihrer Privatschatulle. Da sie ja was besseres sind, lassen sie zahlen. Der Dumme sind wiederum Sie, wenn Sie zu der Seite der Bevölkerung gehören, die für ihr Geld noch arbeiten muss. Unternehmen schlagen die Kosten für die Zinsen und Gebühren auf die Preise auf, der Staat kassiert es in Form von Steuern. Im Verhältnis zum Bruttosozial- oder Bruttoinlandsprodukt wächst der Zinsertrag inzwischen viel schneller. Damit wird dem Konsum immer mehr und immer schneller Geld entzogen. Je wenige konsumiert wird, umso weniger wird produziert. Wird weniger produziert, benötigt man weniger Arbeitskräfte für die Produktion. Die Zahl der Arbeitslosen wächst, aber noch schneller das Kapital, dass wieder in Form von Schulden auf den Markt gebracht werden muss.

    Und deshalb ist das Finanzsystem eine Seifenblase, die zwangsläufig platzt, wenn eine bestimmte Größe erreicht ist. Das nominell vorhandene Kapital kann nicht mehr auf den Markt gebracht werden, weil allenthalben eine totale Überschuldung besteht. Die Folge: Die Finanzwirtschaft kracht zusammen. Das Geld verliert seinen Wert. Alle stehen plötzlich wieder vor dem Nichts. Alle? Nein, natürlich nicht. Die Reichen haben ihr Kapital inzwischen in Sachwerten angelegt, Bilder, Immobilien, Grundstücke, Aktien, Gold und Schmuck etc. Sie können der nun folgenden Geldentwertung in aller Ruhe entgegensehen und weil der Mensch offensichtlich nicht aus seinen Fehlern lernt, wird das Spielchen dann anschließend wieder von vorne beginnen. das hatten wir schon mal, werden es in Kürze wieder haben und wenn die Menschen nicht begreifen, dass Zinsen eben nicht das Non plus Ultra sind, kommt es irgendwann erneut zum Crash.

    Sie sehen, Geld ist Plunder, nichts wert. Es ist eine Zahl auf Ihrem Kontoauszug, die Ihnen eine nicht vorhandene Sicherheit vorgaukelt. Wenn Sie erfahren, dass die Finanzwelt zusammekracht, ist es zu spät, noch etwas zu retten. Die Ketten der Bits und Bytes im Computer werden einfach kürzer oder der Gegenwert wird massiv geringer, wie wir das schon mal Anfang des vorigen Jahrhunderts hatten. Übrigens, für den Staat die einzige Möglichkeit, seine Schulden wieder los zu werden. Wenn die Menschen in Deutschland nur verstehen würden, dass die Hälfte ihres Einkommens nur dafür aufgewendet wird, die Schulden anderer Leute zu bezahlen. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben.