PISA in den Parlamenten?

Ich denke, die PISA-Studie wurde um Jahrzehnte zu spät in Auftrag gegeben. Tatsache und auch nachweisbar ist, dass in unseren Parlamenten entweder Demenzkranke oder des Rechnens Unkundige sitzen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Parlamente und es hat den Anschein, dass auch alle Parlamentarier betroffen sind.

Es scheint sich aber um eine Art Virus zu handeln, der von den Verbandspräsidenten der Industrie, allen voran Rogowski und Hundt, eingeschleppt und gezielt verbreitet wurde. Inzwischen wurden scheinbar auch die Gewerkschaften von dem Virus erfasst.

Ach so, Sie möchten wissen, wovon ich denn eigentlich rede? Nun, von dem Geschwätz über längere Arbeitszeiten. Dieses Geschwätz können eigentlich nur Leute verbreiten, denen von einem Virus die wenigen, noch arbeitenden Hirnzellen zerfressen wurden.

Da meldet die Bundesanstalt für Arbeit (eigentlich ist die Bezeichnung falsch, es müsste Bundesanstalt gegen Arbeit heißen) in schöner Regelmäßigkeit, dass so um die 4,5 Millionen Menschen ohne Arbeit sind. Da beschwert sich die CDU, dass die Zahlen der BA geschönt seien, die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen bei ca. 7 Millionen läge, (und die CDU muss es wissen, schließlich hat sie mit der Statistikfäschung ja begonnen) und zur gleichen Zeit reden alle davon, die Arbeitszeit müsse wieder auf zunächst 40 Stunden, ganz Clevere reden sogar von 50 Stunden in der Woche, angehoben werden. Rogowski, der Dr. Mabuse des BDI, sieht seine böse Saat aufgehen und stellt bereits die nächste Forderung, eine Woche Urlaub weniger.

Das alles würde ja nur auf Verantwortungslosigkeit und reine Gier hindeuten. Aber das kann es nicht sein, denn alle reden davon, dass damit neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Damit ist erwiesen, dass unsere Regierenden nicht rechnen können. Wie heißt es doch so schön in einem Karnevalsschager? 2 mal 0 is 0 blifft 0, denn wie woren in de Kaigass in de School!

Da gibt es ca. 35 Millionen abhängig Beschäftigte. Unterstellen wir einmal nur eine wöchentliche Mehrarbeit, unbezahlt natürlich, von 2 Stunden, dann entspricht das einer wöchentlichen Mehrarbeitsleistung von 70 Millionen Stunden. Da diese Mehrarbeit unentgeltlich geleistet werden soll und ich mal von einem (niedrigen) Durchschnittslon von 8,00 in der Stunde ausgehe, entspricht das einer wöchentlichen Spende der Arbeitnehmer an die Unternehmer von 560 Millionen , oder im Jahr 29 Milliarden und 288 Millionen Euro (29.288.000.000 ).

Sie sehen, unsere Regierenden meinen es gut mit unseren Unternehmern. Da aber Herr Rogowski bereits eine Senkung der Unternehmenssteuern gefordert hat, wird ihm sein Erfüllungsgehilfe Gerhard Schröder auch in diesem Punkt sicher entgegen kommen.

Doch zurück zu der Mehrarbeit und den damit nach Aussagen unserer Politiker verbundenen neuen Arbeitsplätzen. Da muss man zuerst sehen, dass der Export boomt, das muss wohl daran liegen, dass wir nach Aussagen der Experten international nicht konkurrenzfähig sind. Aber die Binnennachfrage stagniert. Nachfrage aber wird erzeugt, wenn die Menschen wieder mehr kaufen. Wenn also alle mehr arbeiten, werden sie auch mehr kaufen und auch die Binnennachfrage steigt wieder. Ist doch logisch, oder?

Da gibt es nur etwas, das können unsere Politiker, unsere Unternehmer und scheinbar auch unsere Presse nicht wissen. Woher auch? Woher sollen diese Leute wissen, dass, wenn man kein Geld hat, man auch nichts kaufen kann. Schließlich ist es doch einfach, wenn man als Politiker knapp bei Kasse ist, erhöht man einfach die Diäten. Natürlich ist man jedesmal sehr unglücklich darüber, wenn man so seine Bezüge selbst erhöhen muss, aber wenigstens im Unglück ist man sich einig und alle Finger gehen bei der Abstimmung nach oben. Wäre ja auch schlimm, wenn da jemand mit einer Gegenstimme das Unglück noch vertiefen würde.

Als Politiker hat man auch sonst noch Möglichkeiten, sein viel zu knappes Budget etwas aufzubessern. Hier mal eine kleine Rede vor einem Verband, dort ein kleiner Aufsichtsratsposten, mal ein paar Aufwandsentschädigungen für die vielen Ehrenämter und gelegentlich auch mal so ein kleiner schwarzer Koffer, den ein Besucher im Büro vergessen hat und weil einem der Name des Besuchers nicht geläufig ist, kann man den Koffer auch nicht zurückgeben. Dabei ist das wirklich lästig, muss man doch mit dem Koffer jedesmal in die Schweiz, um ihn zu entsorgen.

Und die Herren unserer Verbände und die der Industrie? Nun, selbst bei einer Pleite hat man doch zuvor seine Schäfchen ins Trockene gebracht.

Ach ja, es gibt ja auch noch die Arbeitnehmerverbände, Gewerkschaften genannt. Nur leider haben die inzwischen auch ein großes Handicap, sie sitzen selbst in Vorstandsetagen, in Aufsichtsräten und sollen eine Klientel vertreten, die sie nicht mehr kennen bzw. nicht mehr kennen wollen. Mit den Leuten, die diese Bewegung mal ins Leben gerufen haben und an der Spitze der Arbeiter mühsam die paar Gutties erstritten haben, die man heute verzeichnen kann, haben diese Gewerkschaftsbosse nichts mehr gemein. Sie geben lieber wieder scheibchenweise die wenigen Vorteile, welche die Arbeitnehmerschaft am BIP partizipieren lässt, wieder zurück. Frei nach Nietsche: Not ist nötig. Aber diese Not für alle muss mal erst wieder geschaffen werden, damit wieder Verhältnisse wie im 19. Jahrhundert herrschen.

Doch zurück zu unseren PISA-geschädigten Abgeordneten. Ihre einfältige Argumentation: Wenn alle mehr arbeiten, kann das Unternehmen billiger produzieren, es wird mehr gekauft und neue Arbeitsplätze entstehen. Wer kaufen soll, darüber kein Wort. Wie wohl die Argumente aussehen, wenn durch die Mehrarbeit weitere Stellen abgebaut werden? Eines ist jetzt schon klar: Schuld sind die Arbeitnehmer, weil die nicht genug arbeiten, Schuld sind die Arbeitslosen, weil die sich nicht genug um nicht vorhandene Stellen bemühen, Schuld sind die Sozialhilfeempfänger, die nur versuchen, den Staat zu betrügen. Niemals schuld sind die Politiker, egal wieviel Mist sie bauen. Man sieht es an Stolpe. Was er in die Hand nimmt, gerät zum Flop. Er muss mächtig viel Wissen aus der ehemaligen DDR mit herüber gerettet haben, um soviele Freibriefe zu bekommen.

Und die Arbeitgeberseite? Sie wird das tun, was sie in den letzten 30 Jahren mit allen Steuergeschenken der Regierung gemacht hat: Sie wird weiter rationalisieren, wird trotz hoher Gewinne weiter Stellen abbauen und an die Politik mit neuen Forderungen herantreten. Das hat bis jetzt geklappt und solange die Bevölkerung bescheuert genug ist, diese hirnlose Brut weiter in Ämter zu hieven, zu denen sie ungeeignet sind, die sie nicht ausfüllen können, oder in denen sie sich als Erfüllungsgehilfen bestimmter Industriebosse betätigen (so wie zur Zeit Gerhard Schröder für Rogowski), solange wird diese Abwärtsspirale weitergehen. Doch was passiert, wenn die Umverteilung von unten nach oben nicht mehr funktioniert, weil unten bereits totale Ebbe ist?

Und die Presse? Die berichtet, was man sie lässt. Schließlich sind die Bosse der Medienlandschaften Bestandteil unserer Milliadärsliga und wer schneidet schon ins eigene Fleisch?