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Erstelldatum: 06.07.2007

Der PC-Absturz II

Und dräut der PC noch so sehr,
mit trotzigen Gebärden,
streut mit Error und Viren umher,
ich muss doch ready werden.

Der erste Crash war im Vergleich zum Zweiten harmlos. Zwar wurde das Betriebssystem geladen, aber war es erst mal oben, waren keine Eingaben mehr möglich. Er hatte sich aufgehängt. Auslöser war wohl ein (überflüssiges) Update der T-Online-Software während eines Gewitters. Der Strom war ein paar Sekunden unterbrochen, lange genug, um den PC abstürzen zu lassen. Nach dem Hochfahren startete das Update erneut, aber nach ca. einer halben Stunde war die Installation keinen Schritt weiter gekommen. Ein zufälliger Blick auf die Zeitanzeige der Systemuhr zeigte, auch die Zeit war unmittelbar nach dem Restart des Update zum Stehen gekommen (wenigstens für den PC).

Weitere 15 Min. später ohne jegliche Veränderung überzeugte mich endgültig, dass der PC sich krank gemeldet hatte. Also? Ausschalten, einschalten und wieder startet das Update automatisch und hängt meinen PC auf. Diese T-Online Lynchjustiz war so gar nicht in meinem Sinne, also schnallte ich meinen Revolver um und stellte mich zum Kampf. Im abgesicherten Modus ließ sich der PC starten, ohne dass das Update meine finsteren Absichten zu sehen vermochte und ich schoss das Update quasi in den Rücken, indem ich T-Online über die Systemsteuerung abmurkste. Mit der Mutter starb das Update.

Ohne Gewissensbisse verließ ich den abgesicherten Modus und begab mich wieder in die reale PC-Welt. Leider hatte mir T-Online ein böses Erbe hinterlassen oder war völlig unschuldig am Streik meines PCs. Norton Antivirus meldete mir Probleme und dann hörte die Zeit für den PC wieder auf, zu existieren. "Nicht mit mir", dachte ich vor mich hin, schnallte meinen Revolver wieder um, um auch Norton (über T-Online im Abonnement erstanden) ebenfalls aus dem abgesicherten Modus heraus in den Rücken zu schießen. Doch Pustekuchen, der abgesicherte Modus vereitelte mein böses Ansinnen und sagte mir: "Hier lasse ich das nicht zu, mach das gefälligst im Normalmodus." Nun war guter Rat teuer. Wie sollte ich Norton abschießen, wenn mich der PC nicht zum Schuss kommen ließ? Nach zwei bis drei vergeblichen Versuchen, in der realen PC-Welt wieder Fuß zu fassen, startete ich wieder den abgesicherten Modus. Unter dem misstrauischen Blick des Systems startete ich die DOS-Variante unter dem Menupunkt AUSFÜHREN. Meine Idee war, die Laufwerke zu checken, die ja mitunter angeschossene Dateien wieder heilen. Also gab ich CHKDSK /R ein. Erwartungsgemäß weigerte sich DOS, erklärte mir, die Laufwerke seien gerade beschäftigt, ich solle doch einen Termin zum nächsten Systemstart vereinbaren. Ich war einverstanden, verließ anschließend den abgesicherten Modus und rief das System auf, wieder seien Arbeit zu machen. Vorher ging aber der von DOS für den Start abgestellte Checker an die Arbeit, klopfte die Spuren meiner Laufwerke ab und fand auch einige defekte Dateien. Er ließ sich viel Zeit bei seiner Arbeit, vermeldete aber zum Schluss, er habe die defekten Dateien repariert und den freien Platz verifiziert. Damit übergab er die Kontrolle wieder an das Betriebssystem.

In banger Hoffnung wartete ich ab, ob das Ergebnis seiner Reparatur ausreichen würde, den PC wieder zu meinem willigen Sklaven zu machen. Leider nein, am Zustand hatte sich nichts geändert. Allmählich erinnerte ich mich an einen Leitspruch, den ich in der Zeit meiner Arbeit mit den großen Brüdern des PCs, den IBM-Rechnern von der IBM 360-40 bis zum Modell 900 der IBM ES 3090 nicht nur als eigenen Wahlspruch gewählt hatte, sondern auch jedem, der es hören wollte (und noch mehr, die es nicht hören wollten) geraten hatte "agieren, statt reagieren". Leichter gesagt, als getan. Folgten die großen Brüder des PCs in fast allen Bereichen einer durchgängigen Logik, angefangen bei der Hardware bis hin zur Software, einer Logik, die ich nicht nur kannte, sondern auch verstand, hat sich mir die Logik des PCs bis heute noch nicht erschlossen. Ich weiß eigentlich nur, dass auch der PC nur mit Bits und Bytes arbeiten kann, aber die Regeln des Betriebssystems (Windows) und der verschiedenen Subsysteme (Software-Systeme) habe ich bisher nicht durchschaut. Mein Eindruck der PC-Programme ähnelt eher den Ansichten der Bibel über den Turm von Babel. Da unterhalten sich die Akteure, aber keiner versteht die Sprache des anderen, trotzdem sollen sie sich untereinander abstimmen. Kein Grund für PC-Experten, jetzt beleidigt zu sein. Mein Eindruck ist der von jemandem, der mit der alten Technik vertraut war, sich aber auf die neue Technik nie richtig eingelassen hat. Musste ich bisher auch nicht. Der Wechsel von der Systemseite der Jumbos zum Anwender auf dem PC war einfach gewesen und hatte bisher völlig ausgereicht. Doch nun holte mich mein Desinteresse für Systemzusammenhänge des PC ein.

Ich sah nur einen Weg, ich musste zum Dr. Frankenstein werden, dabei hoffend, die erforderlichen anatomischen Kenntnisse in Form von learning by doing zu erwerben. Aber einen Rat des Systems wollte ich zuvor doch befolgen, die vom letzten Crash verbliebenen Daten zu sichern. Folglich besorgte ich mir zunächst ein externes Laufwerk und sicherte dort die Daten, die mir wichtig erschienen und noch mehr Daten, von denen mir nicht klar war, ob sie vielleicht wichtig waren. Dann versuchte ich zunächst den Weg des geringsten Widerstandes. Ich legte die Windows Installationsdiskette ein, um Windows neu zu installieren. Aber das System weigerte sich, die Diskette gleich beim Systemstart zu laden. Nun, über den Explorer leiß sich das doch noch bewerkstelligen aber wieder weigerte sich das System mit dem Hinweis, ich hätte bereits eine neuere Version installiert. Wenn überhaupt, ginge das nur mit einem Start (booten) von der Diskette. Ein erneuter Versuch, indem ich die Diskette ins andere Laufwerk packte und diesmal funktionierte es. Zunächst kam die Warnung, meine Platte würde damit geputzt, doch das war mir egal, hatte ich doch nun eine Sicherung. Der Vorgang begann, dann wurde der Bildschirm schwarz. Ein Text erschien, der mich informierte, dass die VGA850 nicht vorhanden sei und der Setup abgebrochen würde, dazu müsse ich eine beliebige Taste drücken. Ich drückte, das System startete erneut und lief gleich wieder in die gleiche Sequenz. Nach dem dritten Versuch erinnerte ich mich, dass ich die PF8 drücken musste, wollte ich verhindern, dass der vom Setup erzeugte Eintrag automatisch angewählt wurde. Damit hatte ich Erfolg und zunächst startete ich wieder das normale System. Ein sinnloser Versuch. Also wieder in den abgesicherten Modus. Dort rief ich wieder die Funktion AUSFÜHREN auf und gab diesmal den befehl MSCONFIG ein. Im nun erscheinenden PopUp ging ich zunächst in die BootIni, löschte die fehlerhaften Einträge vergangener Fehlversuche von mir. Allerdings konnte ich den Eintrag des Setup nicht löschen, Dafür setzte ich aber das normale System als Default ein und vergab eine etwas höhere Zeitspanne, mich zu entscheiden, welche Partition ich beim Systemstart verwenden wollte. Dann deaktivierte ich in der ProgrammIni alle Einträge von Norton und Symantec (dem Herausgeber von Norton). Anschließend bestätigte ich meine Einträge mit OK und folgte der Anweisung des Systems, dass für die Wirksamkeit meiner Eingaben ein System-Neustart erforderlich wäre. Das normale System startete, informierte mich dann darüber, dass ich Änderungen an der Konfiguration vorgenommen hatte und forderte mich auf, den Ursprungszustand wieder herzustellen und das System erneut zu starten. Diesmal ignorierte ich die Aufforderung, glücklich darüber, dass ich wieder Eingaben machen konnte. Über Systemsteuerung, dann Software bekam ich die Auflistung Programme, klickte Norton an und wollte es auf diesem Wege deinstallieren.

Mein System informierte mich, dass mein Versuch nicht ausführbar sei, weil die MSI-Komponente nicht vorhanden wäre. Was zum Teufel war MSI? Über den Explorer gab ich als Suchbegriff MSI ein und stellte fest, dass diese Komponente reichlich vorhanden war. Weshalb also die Reaktion des Systems? Mein Grübeln über diese Frage beinhaltete den Versuch, die Kurzbezeichnung MSI zu entschlüsseln und plötzlich machte es Klick in meinen Gehirnwindungen. MS stand für Microsoft und I für Interface. Jetzt ging mir ein Kronenleuchter auf. Das kannte ich doch von den Jumbos. Jedes Subsystem benötigte ein eigens dafür gestricktes Interface, die Schnittstelle, die den Datentransport zwischen dem Betriebssystem und dem Subsystem anhand eindeutiger Zuordnungskriterien ermöglicht. Es war also zwecklos, eine MSI-Komponente zu kopieren und hier einzusetzen. Das wäre das gleiche gewesen, als ob ich versuchen würde, auf mein Bike einen Autoreifen zu montieren. Aber wie kam ich an die erforderliche Komponente? Das war nur möglich, wenn ich ins Internet ging und bei Microsoft nachhakte. Also wollte ich das Internet aufrufen (nach der letzten Deinstallation hatte ich T-Online neu installiert) und war sogar für wenige Minuten wieder ins Netz gekommen, ausreichend Zeit, die Information über den erneuten Crash abzuschicken). Leider war diesmal der Versuch vergeblich. Keine Netzverbindung, wurde ich informiert. Ich war nicht mehr weit davon entfernt, meinen PC aus dem Fenster zu schmeißen, was bei 8 Stockwerken sicherlich leichte Deformierungen zu Folge gehabt hätte. Also wieder Systemsteuerung, Software und dann T-Online anklicken, danach entfernen. Anschließend erneut installieren und das Internet aufrufen. Heureka, es klappte. Microsoft aufrufen und nach Updates suchen. Dann diese installieren, das Internet verlassen (weil ungeschützt) und nach der Installation das System neu starten. Die Warnung von MSCONFIG wieder ignorierend der erneute Versuch, Norton zu deinstallieren. Diesmal funktionierte es, also war bei den Updates auch die MSI-Komponente geladen worden.

Jetzt konnte ich das System erneut herunter fahren, wieder starten und diesmal dürfte er sich nicht aufhängen. Zuvor musste ich aber MSCONFIG so einstellen, dass meine Änderungen rückgängig gemacht wurden. Pfui, wieder wurde der Eintrag vom Setup über die fehlende VGA-Komponente aktiv. Also, beliebige Taste, System-Neustart, PF8, das richtige System auswählen und der PC startete. Nicht nur das, auch Eingaben waren möglich. Ich war ja so stolz auf mich. Doch nun musste noch der Default-Wert beim Systemstart geändert werden. Unter Systemsteuerung/System wurde ich fündig. Die Registerkarte ERWEITERT gab mir die Möglichkeit, den Default-Wert beim Systemstart dauerhaft zu ändern. Auch die Zeit für die Auswahlmöglichkeiten. Anschließend habe ich Norton von der T-Online Installationsdiskette neu installiert, mit Life-Update die neuesten Updates geladen und nun bin ich wieder im System. War ich eigentlich schon am 4.7., aber diesmal wollte ich zunächst die Mails zumindest lesen, die inzwischen angefallen waren. Sorry, aber ich habe noch immer nicht alle durch. Die vielen guten Ratschläge per Mail haben mich ein wenig amüsiert. Wer nicht ins System kommt, kann schlecht per Mail geschickte Ratschläge befolgen. Eine Leserin hat das wohl erkannt und mir per Post ein Buch geschickt: Soforthilfe für den PC. Dafür mein besonderer Dank.

Einige Leser haben mir geraten, statt Microsoft doch Linux als Betriebssystem zu verwenden. Eine sicherlich wirkungsvolle Variante, aber ich habe auf Microsoft ausgerichtete Software installiert, auf die ich nicht verzichten möchte (z. B. Corel Draw). Sicherlich gibt es die Software auch für eine Linux-Plattform, aber dazu müsste ich sie neu erwerben und das ist mir zu teuer. Sehen Sie, die Interfaces (Schnittstellen) zwischen Software und Betriebssystem müssen auf beide System abgestimmt sein. Bei einigen Software-Produkten mag das der Fall sein, Indem man unter verschiedenen Systemen auswählen kann, bei anderen nicht. Bei meinem HTML-Editor wäre es beispielsweise möglich, bei Corel Draw nicht. Aber beide Tools sind für mich unverzichtbar (bilde ich mir wenigstens ein).

Zum Schluss noch der Hinweis, dass ich hier nur einen Teil meiner Bastelei aufgeführt habe. Frust, Resignation, Wut, all diese Emotionen müssen überwunden werden, will man wieder ein akzeptables System haben. Sehen Sie die Parallele zur Deutschland AG?