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Erstelldatum: 07.01.2007

Stoiber und Pauli

Kaum ein Tag vergeht, an dem nichts über Frau Pauli, die Landrätin der CSU und den MP von Bayern, Stoiber, in der Presse genüsslich berichtet wird. Oft ist dabei ein Bild der attraktiven und charmant wirkenden Landrätin gezeigt.

Wie üblich werden sogleich Umfragen gestartet, wie die Akzeptanz der Bayern aussieht, Stoiber eine weitere Legislaturperiode im Amt zu lassen. Diese Umfragen scheinen recht eindeutig mit der Meinung der Landrätin Pauli überein zu stimmen. Eine Mehrheit meint, Stoiber solle nicht mehr kandidieren.

Ich denke, zu diesem Schluss käme auch eine bundesweite Umfrage. Pauli hat derzeit eine Medienpräsenz, von der Politiker sonst nur träumen und wenn sie keine Fehler macht, wird sie in der CSU bald eine noch wesentlich wichtigere Rolle spielen. Auch wenn sich derzeit noch etliche Hofschranzen in der CSU demonstrativ hinter Stoiber stellen, sind sie nicht dumm genug, gegen die Stimmung im Land ihre Treue weiterhin zeigen zu wollen, wenn Umfragen ein Absacken der CSU in der Wählergunst deutlich werden lässt.

Eines ist klar, in den Augen der Männer und der Emanzen liegt Pauli vorn. Bei den Männern ist das mit dem Ansteigen des Testosteron-Spiegels primär zu begründen, bei den Emanzen mit dem Slogan: "Frauen an die Macht!" Wie aber sieht es bei den anderen Frauen aus? Stoiber ist ein gepflegter und gut aussehender Mann. Da bei Frauen aber Testosteron keine Rolle spielt, haben Elemente wie gut situiert, erfolgreich und wichtig einen weit höheren Stellenwert als das gute Aussehen. Frauen werden aber auch von einem gewissen Pragmatismus geleitet, wenn es um die Zuteilung ihrer Gunst geht. Stoibers Fähigkeiten zur Kommunikation und der freien Rede werden von den Frauen sicherlich (teilweise) in die Beurteilung eingehen. Reden wie vom Flugbahnhof, der Blumenhinrichtung, dem Bären Bruno, die Kompetenz-Kompetenz oder über Regelungen sind in ihrer Dialektik ja so ausgefeilt, dass sie außer ihm selbst keiner versteht. Das, so kann man mutmaßen, wird sich auf die Gunst der weiblichen Wähler negativ auswirken. Man kann also vermuten, dass die Gunst einer Mehrheit derzeit bei Pauli liegt.

Ich weiß nicht, ob es am zunehmenden Alter liegt und der damit verbundenen Verringerung der Testosteron-Ausschüttung liegt, wenn bei mir trotz der Attraktivität von Pauli ein paar graue Zellen dennoch aktiv bleiben und die Frage stellen, was hier passiert. Wird hier ein neuer CSU-Star (Pauli) von der Presse aufgebaut? Wenn es darum geht, Stoiber abzusäbeln, kommt von mir ein eindeutig positives Votum. Doch trotz meiner schmachtenden Blicke auf die Ablichtungen von Pauli stelle ich mir die Frage, welche Politik diese Frau denn eigentlich vertritt. Wie steht sie insgesamt zur derzeitigen Politik? Wie stark ausgeprägt ist ihre soziale Kompetenz? Wie fundiert sind ihre politischen Aussagen und welcher Klientel gilt ihr Interesse, der Wirtschaft oder der Bevölkerung? Ich will den Fragenkatalog nicht weiter ausweiten. Der Medienrummel um die Stoiber-Pauli-Affäre ist aus meiner Sicht einfach größer, als er es verdient und das macht mich misstrauisch.

Wir verkennen meistens die Beweggründe der Presse, wenn sie in der Berichterstattung "Serien" startet. Ich glaube nicht daran, dass es dabei um die Information der Menschen geht. Über 90 % aller Presseorgane werden von 5 großen Medienkonzernen betrieben, zu denen auch Bertelsmann gehört. Diese Machtkonzentration in Verbindung mit den Möglichkeiten der Presse dient längst nicht mehr der Information, sondern ausschließlich der Erzeugung von Meinungen. Mit der Art der Berichterstattung werden Menschen zu Sympathieträgern oder zu Buhmännern aufgebaut. Die größte deutsche Zeitung mit den größten Buchstaben im Logo und in den Schlagzeilen macht dies direkt mit der Holzhammermethode. Diese Zeitung als Zeitung zu bezeichnen, ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle Journalisten. Auch die Bezeichnung Revolverblatt trifft es nicht, denn dieses Blatt verstreut Gift in übelster Form. Doch mit diesem Missbrauch der Papierverwertung möchte ich mich nicht aufhalten. Ich erwähne es nur, weil dort oft die Quelle von Berichten zu finden ist, die dann von anderen Blättern aufgegriffen werden. Die Menschen in diesem Land haben oft großes Vertrauen zur Berichterstattung eines SPIEGEL, Stern, Focus, FAZ, Frankfurter Rundschau usw., um nur wenige wichtige überregional erscheinende Blätter zu nennen. Berichte diese Blätter erscheinen uns neutral und ohne Wertbeurteilung. Aber investigativer Journalismus bedeutet auch, mit dem Stil und der Wortwahl in einem Bericht eine positive oder negative Resonanz zu erzielen. Ohne eine direkte Aussage werden mit einzelnen Worten Reaktionen ausgelöst, die wir bei unserer Meinungsbildung werten. Wir sind nun einmal so programmiert, dass wir mit manchen Begriffen negative, mit anderen positive Gedanken assoziieren. Wird also bei dem, was wir lesen, auf Begriffe mit negativer Assoziation verzichtet, wird bei uns ein positiver Eindruck erweckt.

Florida Rolf ist ein probates Beispiel. Bild eröffnete den Reigen in der üblichen primitiven Form. Die großen Zeitungen griffen den Vorfall auf und der Mann wurde zu einem typischen Sozialschmarotzer abgestempelt, obwohl sich die Berichterstattung der großen Magazine scheinbar neutral darstellte. Mit der ganzen Berichterstattung wurde viel heiße Luft produziert, die aber letztendlich zu einer breiten Akzeptanz für die bisher nur bei Asylanten übliche Zwangsarbeit "im öffentlichen Interesse" und deren Übernahme in das BSHG (Bundessozialhilfegesetz) führte. Die Übernahme dieser Maßnahme nach Hartz IV in Form von Ein Euro Jobs war dann ein Kinderspiel.

Im Falle von Frau Pauli wird in den Berichten, die ich bisher dazu gelesen habe, das Bild einer attraktiven und mutigen Frau erzeugt, die tatkräftig ohne Rücksicht auf die eigene Karriere gegen den mächtigen Edmund antritt, das typische "David und Goliath" Klischee. Die Zahl der Berichte über dieses Thema, wie jeder einzelne Satz eines Politikers zu der Angelegenheit einen neuen Beitrag aus der Feder eines Journalisten zaubert, erweckt in mir den Eindruck einer gezielten PR-Kampagne.

Es ist dabei nicht sonderlich schwer, Frau Pauli sympathisch zu finden. Attraktive Menschen haben es da ohnehin wesentlich leichter als Menschen mit einem unscheinbaren oder gar mehr oder weniger abstoßenden Aussehen. Für mich stellt sich nur trotz aller Testosteron-Schübe die Frage, wie ist die Frau wirklich, welche Positionen vertritt sie und welche echten Fähigkeiten weist sie auf.

Ich bin zu weit ab vom Schuss, um eine eigene Meinung dazu zu haben, denn ich weiß nichts über Frau Pauli. Sie kann eine wirkliche Kämpferin mit einem großen Herzen sein, aber auch das krasse Gegenteil. Aufgrund ihres ansprechenden Äußeren hier eine echte (eigene) Meinung zu bekommen, reicht mir einfach nicht. In ähnlicher Form wurde Ursula von der Leyen in der Presse aufgebaut. Attraktiv, liebevolle Mutter von vielen Kindern, dazu Ärztin, eigentlich ideal für den Ministerposten einer Familienministerin. Auch die Verkündung ihrer politischen Aktivitäten vermittelt ein positives Bild. Aber zwischen Versprechungen und Taten sollte unterschieden werden. So ist das Elterngeld keineswegs ein Fortschritt oder ein sozialer Fortschritt. Elterngeld begünstigt die Besserverdienenden und benachteiligt die, die es wirklich nötig hätten.

Es ist eine Eigenart von uns Menschen, eine Fassade aufzubauen und selten genug hält diese Fassade der Realität wirklich stand. Wenn der Aufbau einer solchen Fassade aber von der Presse forciert wird, ist Skepsis angebracht, denn die Presse informiert, nicht über Geschehnisse, sondern über die Art, wie wir über Geschehnisse denken sollen. Sie macht Meinungen. Leider klappt das auch fast immer.