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Erstelldatum: 14.02.2007

Outsourcing

Wer kennt ihn nicht, den Begriff Outsourcing. Er ist ein Begriff aus dem Neudeutsch, oder wie einige sagen, aus dem Neusprech. Da die Deutschen ihrer Muttersprache offensichtlich immer weniger mächtig werden, verzichtet man auch hier auf die eigentlich einfache Bezeichnung "Auslagerung." Ist ja auch besser verständlich. Spreche ich von Outsourcing, weiß jeder, was gemeint ist. Spreche ich von Auslagerung, schaffe ich Irritationen. Was soll ausgelagert werden? Ist nicht das Ausmisten einer Wohnung auch eine Art Auslagerung? Bei dem Begriff Outsourcing käme hingegen niemand auf die Idee, ihn in irgendwelcher Form mit dem Sperrmüll in Verbindung zu bringen (obwohl ich nicht sicher bin, ob da nicht gewisse Ähnlichkeiten vorhanden sind).

Outsourcing ist auch mehr als eine reine Auslagerung. Es ist für Unternehmen eine elegante Art, Arbeitsplätze abzubauen. So werden heute vermehrt Betriebsteile wie z. B. IT-Aufgaben (Programmierung, Netzmanagement usw.) ins billige Ausland verlagert.

Aber, um ehrlich zu sein, diese Praktiken interessieren mich eher am Rande. Wenn ein Unternehmen Betriebsteile auslagert, ist das eine Sache. Wenn aber die Politik Outsourcing betreibt, ihre Bürger darüber aber im Unklaren lässt, ist das eine andere Sache. Die Politik spricht auch nicht von Outsourcing, sondern verharrt noch auf altmodischen deutschen Begriffen. So ist beispielsweise die "Entwicklung von Reformen am Arbeitsmarkt", mit der Peter Hartz beauftragt wurde, ein Akt des Outsourcing. Eine Kommission aus namhaften Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft mit ein wenig Gewerkschaft und ganz wenig Politik wurde zusammengestellt, um dringend erforderliche Reformen am Arbeitsmarkt zu erarbeiten. Ein verständlicher Akt des Outsourcing, konnte sich doch die Regierung damit auf ihre Kernaufgaben, dem Kassieren von Diäten und steuerfreien Pauschalen und den vielfältigen Aufgaben in Konzernen als Beirats- oder Aufsichtsratsmitglieder und auch als Mitglieder in Vorständen viel besser und effizienter widmen.

Ein wenig peinlich wurde es, als dann ein deutsches Gericht aufgrund der öffentlichen Meinung gezwungen war, den Leiter dieser Kommission, eben diesen Dr. Peter Hartz, wegen Untreue gegenüber seinem Arbeitgeber in 44 Fällen zu verurteilen. Mehr wollte das Gericht gar nicht wissen. Weil das Gericht nicht sonderlich daran interessiert war, diesen Wohltäter der Arbeitslosen noch mehr nachzuweisen, einigte man sich auf eine Absprache (in Neusprech auf einen "Deal") in der Form, dass das Gericht sagte:
"Du gestehst die nicht mehr leugbaren Fälle ein, wir graben nicht weiter und verhindern dafür, dass Du ins Gefängnis kommst".
Der "Deal" war schnell perfekt und etliche Leute haben wohl befreit aufgeatmet. Aber dennoch stellte sich bei der Politik Unbehagen aus anderen Gründen ein, waren doch die Reformen nach dem nunmehr Kriminellen benannt. Das war nicht gut, könnten doch missgünstige Elemente auf die Idee kommen, auch den Reformen hafte ein Hauch des Kriminellen an. Also dachte man darüber nach, die Reformen nun umzubenennen. Weil Denken in der Politik aber ein seltener Vorgang und deshalb entsprechend ungewohnt ist, denkt man noch immer darüber nach.

Eine ähnliche Art des Outsourcing wurde durchgeführt, um der Vergreisung der Gesellschaft entgegentreten zu können. Nach Berechnungen, die von einer Gruppe von Zwischenhändlern für Outsourcing-Aufträge politischer Art, auch Berater oder Experten genannt, vorgetragen wurde, besteht die Gefahr, dass Deutschland ausstirbt. Allerdings nur indirekt, weil die Vorbilder der Deutschen, die Karnickel, nicht mehr von allen Deutschen als Vorbilder gesehen werden. Damit würde der Nachschub an neuen Arbeitslosen verhindert und der Politik damit die Grundlage entzogen, Verantwortliche für falsche Politik benennen zu können. Gleichzeitig hätte aber eine andere Gruppe, die Rentner, die kriminelle Neigung, ein Alter nach dem biblischen Vorbild Methusalem zu erreichen. Das wäre schlecht nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es wäre etwa so, als wenn ein Supermarkt keine neuen Waren mehr einkauft, während der Warenbestand das Verfallsdatum überschreitet. Natürlich waren die Politiker geschockt, unterbrachen ihre Nebentätigkeiten, um die Fragen über dieses Problem an eine Gruppe outzusourcen (Verzeihung, ist Neusprech in der Art des früheren Pidgin-englisch). Es wurde also wieder eine Gruppe kompetenter Leute aus Wirtschaft und Wissenschaft mit ein klein wenig Gewerkschaft und Politik unter der Leitung des Weisen Bert Rürup zusammengestellt, deren Aufgabe es war, das Problem mit dem Verfallsdatum zu lösen. Dann konnte sich die Politik wieder ihren Kernaufgaben zuwenden.

Die aufopfernde Arbeit des Dienstleistungsunternehmens Rürup, unterstützt durch die professionelle Arbeit seines Co-Autors Raffelhüschen haben gleich an mehreren Stellen Wirkung gezeigt. Mit der Beschneidung der Geldzufuhr wurde erreicht, dass das Verfallsdatum der Alten seltener erreicht wird, die Ware also vorher verpufft und dass die nachfolgenden Generationen ihre Alten, also Eltern oder Großeltern, frühzeitig outsourcen. Für das Outsourcing stehen hier Einrichtungen, ähnlich einer Lagerhalle, zur Verfügung, gelegentlich auch als als Altenheime oder als Wartesaal des Todes bezeichnet. Damit wurde, da die Politik dieses Geschäft schon lange outgesourced (Pidgin-englisch) hat, gleichzeitig die Wirtschaft angekurbelt. Da sich beide Herren auch im Versicherungsgeschäft durch die Tätigkeit dort gut auskennen, bieten sie den nachwachsenden Generationen die Möglichkeit, durch Versicherungsabschlüsse Einfluss auf das eigene Verfallsdatum zu nehmen. Welch ein Segen für die gebeutelte Finanzwirtschaft.

Sie werden nun glauben, die Gesundheitsreform sein auch outgesourced (Pidgin-englisch ist wirklich schauderhaft) worden, aber das ist unrichtig. Hier handelt es sich um ein Joint Venture. Joint Venture ist auch Neusprech und bedeutet so viel wie Gemeinschaftsunternehmen. Da die Politik schon immer eng mit der Pharmaindustrie zusammen gearbeitet hat, lag es natürlich im Interesse der Politik, die Zusammenarbeit hier zu vertiefen. Schließlich hat die Pharmaindustrie in selbstloser Weise schon lange dafür gesorgt, dass außer Giftgas für Kriegseinsätze auch Pillen (mit eingebauten Nebenwirkungen) für Krankheiten gedreht wurden. Da die Erforschung und die Implementierung der Nebenwirkungen und deren Text-Verschlüsselung für den Beipackzettel Unsummen verschluckt, war es sinnvoll, eine Reform (nach der anderen) zu verabschieden, mit welcher diese Kosten auf jene verlagert werden, die solchen Wert auf die Beipackzettel legen. Dafür soll nach bisher unbestätigten Meldungen der Beipackzettel geändert und die Farben der Pillen angepasst werden. Dann ist es für die Patienten, wie die Kundschaft genannt wird, einfacher, die Pillen in der vorgesehenen Reihenfolge einzunehmen. Die Rote, um krank zu werden, die Gelbe, um einen Teil der Nebenwirkungen der Roten zu mildern, die Grüne gegen die Nebenwirkungen der Gelben und so fort. Aber das Konzept ist noch nicht voll ausgereift. Den Ärzten wird nun mit dieser Reform eine klare Vorgabe gegeben, welche Pillen sie als erstes verschreiben müssen. Eine der viel beachteten Nebenwirkungen ist, dass das Verfallsdatum der Käufer eingeschränkt wird. Somit ein durch und durch gelungenes Reformwerk.

Da die Politik aber sehr mit dem Kerngeschäft befasst ist, also kassieren, Nebentätigkeiten, Dummenfang für die Wahlen usw., mussten sie weitere Geschäftsbereiche outsourcen. Da ist das Zimmern von Gesetzen, mit welchen alles verboten wird, was eigentlich erlaubt ist. Hier hat man ein Joint Venture mit vielen Politikern anderer Länder getroffen und eine Holding (Neusprech, hieß eigentlich mal Dachgesellschaft) mit dem Namen EU gegründet. Das war wirklich wichtig, weil im Zuge der Globalisierung die internationalen Unternehmen ihre Lobbyisten ja nicht über ganz Europa verstreuen möchten. Jetzt können sie zentriert in Brüssel und den Haag sitzen und dort die Gesetze schreiben, die erforderlich sind, um den Markt unter sich aufzuteilen. Eine kluge Einrichtung, denn schließlich haben sie das Know how (Neusprech, früher mal Wissen, Kenntnis). Woher sollten Politiker, zumeist ehemalige Beamte, diese Kenntnis auch haben. Haben die Lobbyisten ein Gesetz geschrieben, wird es von ihren Kollegen aus der Verkaufsabteilung den Politikern vorgelegt und so gründlich das Für und Wider erläutert, dass diese entnervt unterschreiben und an ihre regionalen Kollegen als Richtlinien weiterleiten, damit sie endlich wieder ihrem Kerngeschäft nachgehen können.

Eine weitere Variante des Outsourcing ist eigentlich real gesehen wieder ein Joint Venture, das PPP-Modell. Das PPP-Modell darf man auch in der alten Sprache verwenden, also statt PPP = Public Private Partnership darf man auch ÖPP sagen, was Öffentlich-Private Partnerschaft bedeutet. Ein geniales Unterfangen. Ein Staat treibt schließlich Steuern ein, damit er bestimmte Dinge regeln und auch bezahlen kann. Dazu gehört die Bildung. Für Bildung braucht man Schulen. Aber das reicht in der Regel nicht, weil gemeinhin Kinder in die Schulen geschickt werden. Da geht schon mal was kaputt. Auch malen Kinder gerne, notfalls an die Wände. Also müsste ab und zu ein wenig Geld aufgewendet werden, um die Schulen instand zu halten. Aber der Staat hat kein Geld dafür, trotz der Steuereinnahmen, denn er hat viel sinnvollere Möglichkeiten, das Geld auszugeben, z. B. ein Denkmal. Damit niemand auf die Idee kommt, den Begriff Denkmal mit denk mal in Verbindung zu bringen, wird so ein Denkmal oft abstrakt gehalten. so muss der Bürger darüber nachdenken, was es wohl bedeuten mag und vergisst dabei, über die Politik nachzudenken. Doch irgendwann kommt der Punkt, da muss etwas für die Schulen getan werden. Es reicht einfach nicht, mehr Kinder in eine Klasse zu packen, dazu ein paar Lehrer zu entlassen (wenn sie nicht beamtet sind) und die Zahl der Schulen zu verringern. Wie sollte man den Eltern erklären, dass die einstürzende Decke in einem Schulgebäude nur Kinder und nicht die Zukunft erschlagen hätte, hat man doch immer behauptet, die Kinder seien die Zukunft. Was liegt da näher, als eine Öffentlich rechtliche Partnerschaft? Ihr liegt das Prinzip "kaufe jetzt, bezahle später" zugrunde. Dafür müssen zunächst wieder Berater her, weil ja in der Politik Denken ein langwieriger Prozess ist, jetzt aber schnell etwas geschehen muss. Die Berater setzen sich hin, schreiben sehr viel Papier voll, suchen geeignete Partner aus (ob diese Suche nach dem Prinzip "Couvert unter dem Tisch" funktioniert, weiß ich nicht genau). In jedem Fall steht in dem Papier, warum das ÖPP-Modell viel billiger ist, als wenn die Politiker selbst etwas getan hätten. Das den Politikern begreiflich zu machen, ist nicht schwer, denn sie sehen, was der Bürger nicht sieht. Wenn sie solch einen Vertrag unterschreiben, müssen sie zunächst kein Geld aufbringen. Das machen die Unternehmen, wenn auch viel teurer. Dann zahlt der Staat jährliche Raten, gleich bleibend hoch, 15 bis 30 Jahre lang. Da aber kein Politiker weiß, ob er überhaupt so lange im Amt ist, müssen halt die Nachfolger zahlen. Dieses Argument reicht schon. Sie bekommen die Lorbeeren, der Nachfolger die Kosten. Damit niemand auf die Idee kommt, Kritik zu üben, werden die Verträge geheim gehalten. Die Raten fallen nicht unter die Vorgaben für die Verschuldung, also ist es eigentlich egal, wie hoch die Kosten sind. Weil man erkannt hat, wie ideal diese Möglichkeit ist, den Staatsbankrott so lange zu vertuschen, bis er nicht mehr vertuscht werden kann, wird diese Variante nun auf die Bundeswehr und den Straßenverkehr ausgeweitet. Beim Straßenverkehr ist das noch besser, bezahlt doch da nicht die Regierung die Raten, sondern der Bürger über eine Mautgebühr.

Eine ähnliche Variante ist das CBL. CBL steht für Cross Border Leasing. Hierfür gibt es keine Entsprechung im alten Deutsch, denn das Geschäft ist neu. Es funktioniert über Ländergrenzen hinweg, weshalb man es als "über Grenzen hinweg mieten/vermieten" übersetzen könnte. Ein Beispiel. Der Staat verkauft die Justizgebäude an eine ausländisches Konsortium und mietet anschließend die Räume in diesen Gebäuden wieder an. War er vorher Eigentümer, ist er nun Mieter. Leasing ist eigentlich Miete. Aber das CBL-Modell ist so etwas wie ein Potemkinsches Dorf, indem es steuerlich in beiden Ländern so behandelt wird, als wäre der jeweilige Partner Eigentümer und somit berechtigt zur steuerlichen Abschreibung des Objekts. Damit haben sich in der Vergangenheit einige Kommunen einen Vorteil verschafft. Leider gibt es einen kleinen Haken. Die amerikanische Regierung hat 2004 die Steuergesetze geändert und diese Art der Abschreibung als Umgehung der Steuergesetze bezeichnet. Seither ist Schluss mit lustig. Da in den Verträgen vermutlich eine Klausel steht, dass die Deutsche Seite dem ausländischen Vertragspartner entgangene Rendite ersetzen muss, wird wohl einiges an Zahlungen fällig werden. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn dafür hat man ja den Michel, manchmal auch Steuerzahler genannt.

Damit die Politiker weitgehend ungestört ihrem Kerngeschäft nachgehen können, haben sich einige Unternehmen bereit erklärt, Mitarbeiter zur Entlastung in die Ministerien zu entsenden. Dort verfassen sie Gesetze, beraten die im Ministerium tätigen Mitarbeiter, kurz, machen alles, was in grauer Vorzeit einmal das Kerngeschäft von Politikern war. Wenn dabei gelegentlich, natürlich aus reinem Versehen, eine Maßnahme besonders günstig für das Unternehmen ausfällt, dessen Mitarbeiter die Minister nebst Anhang berät, ist das doch nicht mehr als recht und billig, oder? Wichtig ist, dass diese fast neutralen Berater nicht nur das Ergebnis liefern, sondern zusätzlich auch die Worthülsen und Sprechblasen für die Medien und die Bürger.

Eine weitere Sorte Berater erfreut sich großer Beliebtheit in der Politik. Das sind die so genannten Stiftungen. Eine Stiftung wird wohl so genannt, weil damit Unfriede gestiftet wird, glaube ich zumindest, aber so genau weiß ich das nicht. Da ist z. B. die Bertelsmannstiftung. Der Gründer, Reinhard Mohn, spart damit eine Menge Steuern und kann mit seiner Stiftung die Politik in allen Dingen beraten. Böse Zungen behaupten gar, diese und ähnliche Stiftungen würden in Wirklichkeit die Politik bestimmen. Aber das ist Unsinn. Sie beraten nur. Schlägt ein Politiker den Rat aus, ist das seine Sache und die Stiftung wird nach der nächsten Wahl seinem Nachfolger den gleichen Vorschlag machen. Kluge Politiker nehmen den Rat an. Schaut man ins Parlament, sieht man, dass es viele kluge Politiker gibt, denn sie sind schon seit vielen Jahren Politiker, ein Zeichen, dass sie viele Ratschläge angenommen haben.

So, nun habe ich Ihnen einige Facetten des Outsourcings in der Politik gezeigt. Das sind nicht alle, aber vielleicht machen Sie sich die Mühe, mal selbst ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Schließlich bin ich nicht Ihr Berater.