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Erstelldatum: 25.05.2007

Organspenden

und/oder Organhandel

Es gibt Menschen, die sind krank. Das ist nicht unbedingt neu. Aber unter diesen Kranken gibt es welche, denen geholfen werden kann, indem man ihnen das kranke Organ durch ein gesundes Spenderorgan ersetzt. Aber das ist nicht ganz so einfach, wie es im ersten Augenblick klingt. Organe, die dem menschlichen Körper entnommen werden, wachsen nicht nach und sind meist auch nicht doppelt vorhanden. Ein gesunder Mensch kann zwar eine Niere spenden, ohne Komplikationen befürchten zu müssen, vorausgesetzt, die verbliebene Niere gibt nicht ihren "Geist" auf. Bei einem Herzen oder der Leber ist das schon ein wenig problematischer. Die Gesundung des Kranken durch ein Spenderorgan ist dann abhängig vom Tod des Spenders. Der Tod eines Spenders alleine reicht auch nicht. Es muss ein Hirntod sein, also der geistige Tod (durch einen Schlaganfall, einen Unfall, Hirnquetschung etc.), damit die zu entnehmenden Organe bis zur Entnahme durchblutet werden. Ist der Hirntod (durch unabhängige Ärzte) bestätigt, werden dem Spender (unter Vollnarkose) die Organe entnommen und damit sein klinischer Tod herbeigeführt. Natürlich gilt das nur für Organe, die für die Lebensfunktion eines Menschen nicht entbehrlich (weil doppelt vorhanden) sind.

Organspender müssen ihre Bereitschaft zur Organspende schriftlich bekunden und bekommen dafür einen Spenderausweis. Für sie bedeutet es, wenn sie bei einem Unfall sterben, dass ihnen dann ein Arzt Organe entnehmen kann, um sie einem Kranken einzusetzen. Auch das geht nicht ganz so einfach, denn die Entnahme des Organs ist nur in einem sehr begrenzten Zeitfenster möglich, setzt voraus, dass das Organ bei dem Unfall nicht beschädigt wurde und setzt voraus, dass der nicht nur der Arzt die Voraussetzung zur Transplantationsmedizin auch erfüllt, sondern auch über die erforderlichen Gerätschaften verfügt, dieses Organ in den dafür vorgesehenen Gerätschaften eine begrenzte Zeit funktionsfähig zu halten. Als ob das nicht schon Schwierigkeiten genug wären, muss der Empfänger eines Spenderorgans die Voraussetzungen erfüllen dass sein Körper das Spenderorgan auch akzeptiert. Das Immunsystem des Menschen wehrt sich nämlich gegen jede Art von Fremdkörpern, also auch gegen lebensrettende Spenderorgane. Die Natur hat den Vorgang eine Organspende einfach nicht vorgesehen. Das hängt mit der individuellen Zellstruktur jedes Menschen zusammen (genetisch bedingt), vergleichbar mit den individuellen Fingerabdrücken.

Der Abwehrmechanismus des Körpers kann sich im Allgemeinen auf drei Arten auswirken:

  1. Die hyperakute/perakute Abstoßung tritt innerhalb von Minuten bis Stunden nach der erfolgten Transplantation ein.
  2. Die akute Abstoßung beginnt meist innerhalb von Tagen bis Wochen und kann meist durch medikamentöse Maßnahmen bekämpft werden.
  3. Die chronische Abstoßung kann einige Wochen bis Jahre dauern und würde eine erneute Transplantation erforderlich machen, weil das transplantierte Organ abstirbt.
Die Medizin hat Medikamente entwickelt, die Immunreaktionen des Körpers zu minimieren. Da es bis heute nicht möglich ist, die Immunreaktionen auf ein Transplantat dauerhaft zu unterdrücken, sind die Empfänger dauerhaft auf Medikamente zur Verminderung der Immunreaktionen angewiesen, mit der Folge, dass sie besonders anfällig für Infektionen sind.

Ich bin ein wenig näher auf diese Vorgänge eingegangen (soweit ich sie überhaupt verstehe), um das Verständnis für zwei Dinge zu schärfen:
  • Den Vorschlag des Ethikrats zu der Veränderung der Transplantationsgesetze
  • Den Vorschlag von Peter Oberender, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Bayreuth, Organhandel zu erlauben.

Was ist der Ethikrat? Er wurde von Schröder erstmalig (2001) ins Leben gerufen und die Mitglieder wurden und werden vom Kanzler ernannt. Mitglieder des Ethikrats haben eine Amtszeit von 4 Jahren, können anschließend noch maximal für eine zweite Amtszeit berufen werden. Der Grund für die Einberufung war die beginnende Diskussion um die Stammzellenforschung und Schröder war in der Diskussion für eine "pragmatische Lösung." Der Ethikrat soll Ausarbeitungen und Vorschläge im Bereich der medizinischen Forschung und Gesundheitspolitik erarbeiten. Er ist keine demokratisch gewählte Einrichtung (aber was ist heute noch demokratisch?).

Oberender ist Volkswirt an der Uni Bayreuth und steht der "INSM" nahe. Auch wenn er es nicht direkt ausspricht, ist zu vermuten, dass er mit seinen Vorschlägen vor allem Hartz IV-Empfänger meint. Wie könnte seine Vorstellung wohl aussehen? Es würde zur INSM und den ihr nahe stehenden Personen passen, Hartz IV-Empfänger im Falle der Überschuldung zu verpflichten, ihre Schulden durch den Verkauf von Organen zu minimieren. Da der Verkauf von der BA nach Gesetz aber als Einkommen gewertet würde, würde die BA wohl die Leistungen aussetzen, bis das Geld aus dem Verkauf des Organs aufgebraucht wäre?! Natürlich ist das eine reine Spekulation von mir, aber die menschenverachtende Politik in diesem Land lässt diese Spekulation im Falle der Verwirklichung solcher Vorschläge als sehr wahrscheinlich erscheinen.

Der Ethikrat will eine Änderung des Transplantationsgesetzes. Er verlangt nach einer Widerspruchslösung. Was bedeutet das? Zurzeit muss ein Organspender sich ausdrücklich zur Organspende bereit erklären. Er bekommt dann einen Organspenderausweis und im Falle seines Todes (Hirntod, während der Kreislauf noch arbeitet und damit die begehrte Organspende weiterhin durchblutet wird) dürfen ihm die Organe für eine Spende entnommen werden. Eine zweite Form der Organspende kann sein, dass ein Verwandter ersten oder zweiten Grades, der Lebenspartner, der Verlobte, ein Organ spendet (z. B. eine Niere). Das möchte der Ethikrat ändern, indem die Organentnahme nur dann ausdrücklich verboten ist, wenn der Betroffene ganz spezifisch eine Organspende ausgeschlossen hat.

Das klingt auf den ersten Blick ja nicht so abwegig. Die Situation ist doch so, dass ein großer Teil der Bevölkerung (ca. 68%) verbal die Bereitschaft zur Organspende bekundet, aber der Teil, der dies auch schriftlich fixieren lässt, ist weitaus geringer. Andererseits möchten 98% der Bevölkerung mit einem Spenderorgan beglückt werden, wenn sie diesbezügliche Probleme haben (Organversagen).

Ein zweiter Blick ist aber vonnöten. Die Zahlen (68% und 98%) spiegeln ein falsches Bild wider. Nicht jeder, der einen Organersatz wünscht, kommt in die Verlegenheit, auch ein Spenderorgan zu benötigen und nicht jeder der verbal oder real Bereitschaft für eine Organspende erkennen lässt, wird auf eine Art sterben, die eine Organentnahme ermöglicht.

Der Vorschlag des Ethikrates einer Widerspruchslösung ist nicht unbedingt neu. Diese Form wird in einigen Ländern bereits praktiziert. Statistisch gesehen haben diese Länder aber keine höhere Transplantationsrate. Was spricht gegen die Vorschläge des Ethikrates und des Volkswirtes Oberender?
  • Da ist die Frage der Infrastruktur.
  • Da ist zunächst die emotionale Feststellung der "Ware Mensch als Ersatzteillager."
  • Da ist die Frage der schwindenden ethischen und moralischen Werte der Menschen.
  • Wer bekommt Spenderorgane
  • Wer zahlt?

Reichen die vorhandenen Transplantationszentren aus? Wie viele Ärzte sind fähig, Transplantationen durchzuführen? Auch in den Zentren ist nicht jeder Arzt gleichzeitig ein Chirurg, der eine Transplantation durchführen kann.

Beispiele? (aus den Fingern gesogen)

  • Ein 18-Jähriger recht sportlicher junger Mann (oder auch Frau) hat den Führerschein bestanden und von Papa zum Abi einen Wagen bekommen. Auf der Jungfernfahrt unterschätzt er (sie) eine Kurve und knallt gegen einen Baum. Jugendliche haben mitunter einen Hang zum Leichtsinn. Er (sie) war nicht angeschnallt (weil er/sie das nicht cool fand), knallt gegen die Scheibe: Schädelbruch. Im Krankenhaus wird sein Hirntod festgestellt. Er (sie) hat keinen Ausweis, dass er (sie) gegen eine Organentnahme Widerspruch eingelegt hat. Da er (sie) auch die Papiere vergessen hatte, weiß man noch nicht, wer die Eltern sind, aber für eine Organentnahme benötigt man auch keine Einwilligung und Eile ist geboten, liegt doch gerade in der Abt. 1 A (das ist die Abteilung, wo der Professor jeden Tag mit den Patienten plaudert und sie mit Handschlag begrüßt) ein Vorstandsmitglied eines großen Konzerns. Sein Herz will nicht mehr und wenn man es austauschen will, muss das kurzfristig gehen. Für den jungen Mann (Frau) bedeutet das, dass (unter Vollnarkose) ihm das Herz entnommen wird, um es dem Vorstandsmitglied einzusetzen. Weil man auch öfter mal Bedarf hat, werden ihm Leber, Lunge, Nieren usw. entnommen und in hierfür vorgesehenen Behältern deponiert. Gewiss, diese Innereien sind nur begrenzt lagerfähig, aber man weiß ja nie, wann jemand kommt, der solche ein Spenderorgan benötigt und wann der nächste Spender kommt, dem man den Hirntod bescheinigt.
  • In einem anderen Fall benötigt ein Beamter ein Herz. Er hat sich durch peinliche Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben sehr verdient um den Staat gemacht. Ein wahrer Glücksfall, man bekommt auch einen hirntoten Beamten herein, Alter ca. 45 Jahre und nichts spricht gegen eine Organentnahme. Es folgt wie zuvor beschrieben. Der Glücksfall ist, weil man nicht genau weiß, ob die Seele nicht Teil des Herzens ist, so hofft man, gleichzeitig die Beamtenseele mit transplantiert zu haben.
  • In einem anderen Krankenhaus hat ein 50-Jähriger das Schicksal eines Hirntodes erlitten und gleichzeitig liegt dort ein 25-Jähriger Arbeitnehmer, der durch eine private Zusatzversicherung auch ein Herz transplantiert bekommen kann. Vorgang wie zuvor beschrieben.
  • Im letzten Beispiel hat ein herzkranker Hartz IV-Empfänger einen Antrag an die ARGE auf eine Herztransplantation gestellt. 4 Monate nach seinem Tod kommt der Bescheid der Arge:

      Nach dem SGB II X, Abs. Y sind die Mittel für Neuanschaffungen jeglicher Art in den Transferleistungen enthalten. Aus diesem Grunde wird der Antrag abgelehnt:

      Gegen diesen Bescheid können Sie innerhalb von 4 Wochen ab Datum des Poststempels Widerruf einlegen.

Natürlich weiß ich, dass meine Beispiele ein wenig überzeichnet sind. Aber wer garantiert, dass die Feststellung des Hirntodes nicht ein wenig überhastet erfolgt, wenn ein Würdenträger aus Politik, Wirtschaft oder Kapital dringend einen Ersatz braucht? Was geschieht mit Organen, für die bis Ablauf des "Verfallsdatums" kein Empfänger vorhanden war. Wie ist das bei Kindern, die noch keinen Widerspruch einlegen konnten und deren Eltern man einfach über den Tisch zieht, indem man ihnen erklärt, sie hätten den Widerspruch vorher einlegen müssen? Was weiß die Medizin eigentlich wirklich über den Hirntod?

Kommt es zu einer vom Ethikrat vorgeschlagenen Gesetzgebung für die Organentnahme, kommt es unweigerlich auch zum Organhandel und mit Sicherheit auch zu kriminellen Vorfällen (schließlich nimmt Deutschland gerne die Stelle des Vorreiters in der EU ein). Ein Ausweis, der die Verfügung über meine Organe untersagt, kann leicht verloren gehen. Ein Hirntod kann bei entsprechendem Bedarf leicht diagnostiziert werden. Sicher, die Feststellung des Hirntodes muss durch Ärzte erfolgen, die nicht Transplantationsärzte sind und nicht im gleichen Krankenhaus arbeiten. Aber kommt es nicht immer wieder vor, dass man sich auf die Aussagen von Kollegen verlässt und deshalb auf den eigenen Augenschein verzichtet?

Auch liegt nach meiner Meinung hier ein Aufruf zu einer verfassungswidrigen Lösung vor. Wenn ich die Verfügungsgewalt über meinen Körper nur bekomme, indem ich einen Antrag an eine Behörde stellen muss, ist das eine Verletzung des Selbstbestimmungsgebotes und damit eine Verletzung meiner im GG festgeschrieben Grundrechte.

Ja, es sterben Menschen, denen mit einem Spenderorgan vielleicht eine weitere Lebensspanne hätte ermöglicht werden können. Aber Weltweit sterben täglich Hunderttausende, denen schon mit ein wenig Essen und/oder mit frischem Wasser das Leben hätte verlängert werden können. Der Tod ist der einzige feste Bestandteil des Lebens und vor 50 Jahren hätte ein Organversagen unweigerlich den Tod bedeutet. Ich finde es erschreckender, dass man Hunderttausende verhungern lässt, als den Tod eines Menschen, weil kein Spenderorgan zur Verfügung steht. Möglich, dass ich in der Situation meine Ansicht ändern würde, aber eigentlich glaube ich eher nicht. Ob jemand bereit ist, dass man ihm nach seinem Tode die Organe entnimmt, ist seine ureigenste Sache und kann und darf nur auf freiwilliger Basis funktionieren. Mir ist durchaus bewusst, dass es in Europa Länder gibt, die diese Widerspruchslösung praktizieren und dass es dort scheinbar problemlos funktioniert. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht beurteilen. Aber nach Aussagen von Fachleuten haben diese Länder statistisch gesehen keine höhere Transplantationsrate als Deutschland. Woran mag das liegen? Ist der Hirntod u. U. seltener, als der Bedarf an Organen?

Der Vorschlag von Oberender passt so recht in das Umfeld der INSM. Warum soziale Kosten für die Allgemeinheit, wenn sich die Betroffenen selbst helfen können, indem sie ihre Organe verkaufen, eines nach dem anderen. Sind alle Organe erst mal verkauft und damit im Besitz entsprechend gegründeter Unternehmen, muss man "marktgerechte Lösungen suchen." Ein völlig neuer Markt und wie wir wissen, regelt der Markt ja alles. Auch das Ableben der Betroffenen???

Eine Art Transplantation würde ich für mache Leute uneingeschränkt befürworten: Eine Hirntransplantation. Das Hirn eines Huhns würde bei manchen Leuten völlig reichen.