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Erstelldatum: 24.06.2012

Was kommt nach Bush?

Amerika hat gewählt. Ein wenig ironisch könnte man nun anmerken, das die USA nun ihren eigenen Hussein haben, denn der volle Name von Barack Obama lautet: "Barack Hussein Obama II". Die Bush-Ära ist vorbei, Geschichte und nicht gerade erfreuliche Geschichte. Jetzt ist George W. Bush ein Ex-Präsident, einer unter Vieren (Carter, Daddy Bush, Clinton und George W.). Weltweit werden viele Menschen aufatmen und gespannt auf die nun folgende Politik des neuen Präsidenten warten.

Die Spannung ist angebracht. Im Gegensatz zu George W. Bush schlägt ihm viel Sympathie entgegen. Unzweifelhaft, er wirkt sympathisch, aber wird seine Politik sich wirklich wesentlich von der seines Vorgängers unterscheiden? Ich verrate sicherlich kein Geheimnis, wenn ich darauf verweise, dass in den USA die Öl- und Waffenlobby sich bei jedem Präsidenten der Vergangenheit (auch schon im letzten Jahrhundert) nicht nur im Schatten aufhält, sondern man manchmal nicht mehr weiß, wer der Schatten und wer der Präsident ist. Nicht nur die Lobby ist mitbestimmend bei amerikanischer Politik, auch die Frage der Berater spielt eine wesentliche Rolle. So mancher US-Präsident war schon Spielball seiner Berater, weil er selbst nicht stark genug war, seine Positionen durchzusetzen.

Ich gehe davon aus, dass Condoleezza Rice mit George W. Bush ins Exil geht. Aus meiner Sicht sehr erfreulich, denn ich habe diese Frau für fast noch gefährlicher als George W. gehalten. Wenn der politische Alltag wieder in den USA eingekehrt ist, werden wir sehen, welche Änderungen es in der amerikanischen Politik geben wird. Spannend wird dabei die Militärpolitik in Sachen Irak, Iran und Afghanistan werden. Zwar hat Barack Obama dazu bereits im Wahlkampf etliche Äußerungen gemacht, aber nun muss sich zeigen, ob er die dort geäußerte Linie wirklich vertritt oder sich für eine Mäßigung der amerikanischen Aggressionspolitik einsetzt. Die Äußerungen im Wahlkampf galten, so hoffe ich, mehr der Einstellung auf die Positionen des politischen Gegners McCain.

Obama macht einen charismatischen Eindruck, ein Mann der abwägt, bevor er handelt. Losgelöst von der Frage, ob er die Erwartungen, die weltweit in seine kommende Politik gesetzt werden, ist die Frage, ob er die jeweiligen Erwartungen überhaupt erfüllen will und inwieweit er sie erfüllen kann. Von seinem Vorgänger hat er ein Trümmerfeld übernommen, Trümmer, die nicht so leicht zu beseitigen sein werden, weil einige interessierte Gruppen gut daran verdienen, die Trümmer zu vermehren, statt sie zu beseitigen. Ein solches Trümmerfeld ist der Irak. Obama hat versprochen, bis 2010 die Truppen dort abzuziehen. Wie werden wohl die privaten Söldnertruppen darauf reagieren? Sie können das ohnehin schon bestehende Chaos ausweiten und damit ein derartiges Vorgehen von Obama torpedieren.

Aus deutscher Sicht stellt sich die Frage, was nun, nach dem Ende des "Dream-Pair" Merkel Bush passieren wird. Wenn Obama seine Ankündigung verwirklicht, verstärkten Einsatz von NATO-Truppen in Afghanistan zu fordern, kann man auf die deutsche Reaktion getrost gespannt sein. Wird man im deutschen Dreigespann Merkel/Jung/Steinmeier auf einen Bonus bei Obama hoffend, einer solchen Forderung willig nachkommen? Das ist zu befürchten. Die Frage stellt sich dabei nach dem WANN. Noch vor, oder erst nach der Wahl 2009. Wesentliche Bedeutung wird auch die persönliche Einschätzung Obamas von Angela Merkel haben.

Eines steht fest, Obama ist ein begabter Rhetoriker. Das jedoch ist nicht alles. Er begeistert die Massen nicht nur mit Worten. Seine Rhetorik wird von seinem Erscheinungsbild, seiner Gestik und seiner vitalen Ausstrahlung unterstützt. Er wirkt glaubwürdig, ein Mann, der auf die Menschen zugeht, ein Mann, der meint, was er sagt.

Obamas Politik wird sicherlich eher in der Lage sein, zur Entspannung in der Welt beizutragen. Aber Wunder kann auch er nicht vollbringen. Ein Haus ist schließlich wesentlich leichter in Trümmer zu legen, als es wieder aufzubauen. Wenn er eine Entspannungspolitik will, werden ihm sicherlich von interessierten Kreisen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Die frage ist, wie er damit umgehen kann.

Die nächsten 4 Jahre werden zeigen, ob er der Mann ist, wie er wahrgenommen wird, oder ob er ein begnadeter Schauspieler ist, dem es gelingt, eine Rolle zu verkörpern anstatt sie nur zu spielen.