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Erstelldatum: 04.11.2007

Neoliberalismus, was ist das?

Neu ist der Beitrag nicht, ich habe ihn bereits 2005 verfasst und ins Netz gestellt. Doch ich denke, es ist an der Zeit, ihn ins Gedächtnis zurückzuholen.

Die Glaubensphilosophie der Neoliberalen heißt: Der Markt regelt alles! Fragt man einen Verfechter des Neoliberalismus, wird er niemals zugeben, dass der Neoliberalismus eine Ideologie ist. Er wird sagen, das sei eine Lebenseinstellung. Doch nehmen wir es mal etwa unter die Lupe.

Der Markt, was ist das eigentlich? Ist das ein lebendiges Wesen? Nein, es ist nichts anderes, als die Handelsbeziehungen der Menschen untereinander. Um diese Handelsbeziehungen zu vereinfachen, wurde das Geld erfunden. Will man etwas haben, geht man in den entsprechenden Markt und tauscht es gegen das geforderte Geld. Der Markt ist also nichts als ein Instrument, ähnlich einem Auto. Bei einem Auto ist es technisch vielleicht in absehbarer Zeit möglich, dass man einsteigt und den Rest macht das Auto, so wird der Neoliberale argumentieren. Und so möchte er auch den Markt sehen.

Aber stimmt das? Nehmen wir das Beispiel Auto. Nehmen wir weiter an, es sei voll automatisiert. Wir setzen uns also in das Auto und es fährt los. Halt! Wohin fährt es denn? Woher weiß es, wohin ich will? Ich müsste es ihm also sagen und weil es über Spracherkennung und GPS verfügt, fährt es mich zum Ziel. Ist es jetzt ein eigenständiges Wesen? Keinesfalls, es ist immer noch nichts anderes als ein Instrument, welches über Steuerimpulse gelenkt wird. Was sind das für Steuerimpulse? Hier wenige Beispiele:

  1. Die Zielangabe
  2. Steuermodule, die das Fahrzeug in Gang setzen
  3. Satellitensteuerung vom Start bis zum Ziel
  4. Leitimpulse von den benutzten Straßen wie Seitenabstand, Hindernisse etc.
  5. Radar oder Radarähnliche Impulse zur Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern, um Kollisionen zu verhindern
  6. und, nicht zu vergessen, ein Steuermodule, dass Ihre Kontodaten überprüft und vermutlich die Kosten für die anstehende Fahrt gleich vom Konto abbucht

Das alles ist technisch vielleicht in absehbarer Zeit möglich, aber ohne Steuerung bleibt das Auto einfach stehen. Fällt eines der externen Steuerelemente aus, kann es zur Katastrophe kommen.

Betrachten wir jetzt den Markt. Auch er ist ein Instrument, um den Menschen mit dem zu versorgen, was er zum Dasein benötigt. Darüber hinaus viele Dinge, die er nicht benötigt, die ihm aber mittels Werbung als unverzichtbar dargestellt werden. Und siehe da, schon zeigt sich ein erstes Steuerinstrument für den Markt: Die Werbung! Es gibt weitere:

  1. Die Preise: Denn es gibt andere Anbieter. Wer verkaufen will, muss sehen, dass er im Preisgefüge nicht mehr verlangt, als die Konkurrenz, weil er ansonsten auf der Ware sitzen bleibt.
  2. Die Produktion: Wird die Ware nicht produziert, kann man nicht verkaufen
  3. Die Arbeit. Um zu produzieren, benötigt man Menschen oder Maschinen, die die Ware herstellen.
  4. Der Transport: Um zu vermarkten, muss die Ware an den oder die Bestimmungsort(e) transportiert werden.
  5. Die Lagerung: Bis der Verkauf erfolgt, muss die Ware irgendwie gelagert werden.
  6. Der Konsument: Es muss ein Bedarf existieren. Ohne Käufer ist die Erstellung von Waren sinnlos.

Das ist nicht alles, aber zur Verdeutlichung reicht es. Der Markt ist nichts Eigenständiges. Um zu funktionieren, benötigt er eine Unmenge von Impulsen. Was bleibt also von dem Slogan: Der Markt regelt alles?

Noch ein Umstand spielt eine große Rolle. Technisch haben wir einen Standard erreicht, der viele Funktionen durch Automatisation fast unabhängig von menschlicher Einwirkung macht. Moralisch und ethisch haben wir uns seit der Steinzeit offensichtlich zurück entwickelt und der Neoliberalismus ist dafür ein deutliches Zeichen. Die Menschen der Steinzeit wussten noch, dass alles, was sie oder die von ihnen gejagten Tiere zum Leben benötigen, aus der Erde kommt. Wir haben das offensichtlich vergessen, aber daran hat sich nichts geändert und die Erde stellt keine Rechnung. Wirklich nicht? Die Rechnung wird uns präsentiert, schon seit Jahren, aber wir haben sie einfach zu den unerledigten Sachen gelegt. Auch die ersten Mahnungen ignorieren wir. Alles, was derzeit mit und über den Klimawandel an Aktivitäten läuft, ist der Versuch, aus der Besorgnis der Massen Profit zu schlagen.

Wehe, wenn die Zwangsvollstreckung kommt.

Der Neoliberalismus möchte die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen noch weiter enthemmen, ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen. Die neoliberale Philosophie beinhaltet für die, die es sich leisten können, dass sie ihren Egoismus voll ausleben. Die Folgen interessieren nicht. Natürlich würde man das nie zugeben, man lebt es einfach. Ziel des Neoliberalismus ist die totale Deregulierung. Der Staat wird unterhöhlt, bis am Ende die Wirtschaft übrig bleibt. Wer dem nicht folgen kann, fällt hinten runter.

Im Mittelalter war ein Menschenleben wenig wert, aber heute wohl noch weniger. Die Flutkatastrophe (Tsunami) in Asien hat zu einer Welle der Hilfsbereitschaft geführt, so stand es in allen Zeitungen oder klang aus den Lautsprechern der Radios und Fernsehapparate. Verständlich, denn die Zahl der Toten ist erschreckend. Völlig außer Acht bleibt dabei, dass permanent auf der Welt in einem Zeitraum von einer Woche mehr Menschen an Hunger, an Krankheiten und Seuchen sterben, als bei der Flutkatastrophe starben, weil der Markt mangels Kaufkraft kein Interesse an ihnen hat! Und wohin fließt das gespendete Geld oder die von den Staaten der Welt gestifteten Mittel? In die Wiederherstellung der Tourismusgebiete, damit der Markt wieder zum laufen kommt! Es geht nicht um die Betroffenen der Katastrophe, es geht einzig und alleine ums Geschäft. Das sind die wahren Werte des Neoliberalismus.

Die Dummheit dieses Systems ist dabei unverkennbar. Wirtschaft und Politik wollen nur kassieren und dafür müssen die übrigen Menschen auf ein Minimum ihrer Bedürfnisse abgesenkt werden. Der Wahnsinn dieses Systems wird wohl erst dann, auch für die Neoliberalen, in vollem Umfang sichtbar, wenn sie erkennen, dass der Taschenrechner ihnen zwar aufzeigt, wie viel mehr an Profit sie einstecken können, wenn sie keine Steuern, keine Sozialabgaben und sowenig wie möglich an Lohnkosten ausgeben müssen. Aber er zeigt ihnen nicht, dass sie damit auch ihre Waren nicht mehr verkaufen können, weil die Konsumenten abgeschafft wurden.

Menschen, die ihren Egoismus voll ausleben, sind nicht mehr fähig, die Folgen ihres Tuns zu erkennen. Sie erkennen nicht, dass der augenblickliche Erfolg sich schon nach kurzer Zeit ins Gegenteil verkehrt. Sie sind auf die Menschen angewiesen, die sie jetzt ausgrenzen und noch ausgrenzen wollen. Sie benötigen deren Kaufkraft, deren Know How, deren Begeisterung. Erst das hat sie zu dem gemacht, was sie heute sind. Ohne diese Menschen wären sie nicht reich geworden. Im Gegenteil, ohne diese Menschen wären Sie hilflos, denn außer der Fähigkeit zu raffen sind sie unfähig. Unfähig, kreativ zu denken, unfähig, zu produzieren, unfähig zu sozialem Engagement. Sie sind nichts als gierig, eben neoliberal.