Dieses Schreiben habe ich heute, am 06.08.2004 na den Bundesminister für Wirtschaft als Mail versendet. Wer sich anschließen möchte, hier ist die Mail-Id: info@bmwa.bund.de

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Der Mann im Mond

Sehr geehrter Herr Clement,

als Kind fand ich Peterchens Mondfahrt lustig, aber wenn meine Eltern versuchten, mir zu erklären, dass es den Mann im Mond wirklich gibt, wollte ich das nicht glauben.

Ich habe mich geirrt. Es gibt ihn, den Mann im Mond und inzwischen kenne ich sogar seinen Namen. Er heißt Wolfgang Clement. Offensichtlich leitet er vom Mond aus ein Ministerium. Das bedeutet, dass aber seine auf Terra lebenden Mitarbeiter irgendwie mit Ihm Verbindung halten können. Und deshalb hoffe ich, dass Sie, Herr Clement, mein Schreiben dennoch erreicht.

Um die Verhältnisse auf der Erde und speziell in Deutschland richtig beurteilen zu können, genügt nicht ein flüchtiger Blick vom Mond, sondern man muss schon mal zur Erde fliegen und sich dort umsehen.

Sie möchten wissen, was mich veranlasst, Ihnen zu schreiben? Nun, Ihre Kommentare zu den Montagsdemos. Es waren doch Ihre Kommentare, oder? Nicht dass ein voreiliger Beamter in Ihrem Namen gesprochen hat. Sie da oben auf dem Mond können das nicht so recht sehen. Da gibt es hier ein Amt, das nennt sich "Bundesagentur für Arbeit". Wie so oft bei Behördenbezeichnungen ist der Name natürlich falsch. eigentlich muss es "Bundesagentur gegen Arbeit" heißen.

Die Hauptaufgabe dieser Behörde ist es, die offiziellen Arbeitslosenzahlen so hinzubiegen, dass sie schöner aussehen, als sie sind. Wenn man dort also von 4,35 Millionen Arbeitsosen spricht, kann man davon ausgehen, dass diese Zahl nur 2 Drittel der berichtigten Zahlen ausmacht.

Demgegenüber stehen Versprechungen der Vertreter der Arbeitgeberverbände, bei genügender Entlastung wieder Arbeitsplätze zu schaffen. Nun, das haben Sie schon bei der letzten Steuersenkung für die Wirtschaft versprochen. Und bei der vorletzen. Und bei der davor. Und ...

Wenn die Wirtschaft ihre Versprechen gehalten hat und wer würde wagen, die Worte eines Herrn Hundt, eines Herrn Henckel oder eines Herrn Rogowski anzuzweifeln, dann ist irgendwo ein Fehler passiert. Die Fehler müssen dann in der Ihnen unterstehenden Behörde, der "Bundesagentur ????? Arbeit" passiert sein, denn die Zahlen der Arbeitslosen stiegen unbeirrbar weiter. Ihnen Herr Clement, mache ich da natürlich keine Vorwürfe, denn Sie können das vom Mond aus wohl kaum erkennen. Und vermutlich glauben Sie, mit der Arbeit ist das so wie mit dem Mond. Mal nimmt er zu, mal nimmt er ab. Nur, bei der Arbeit ist das anders. Mal nimmt sie ab, mal wird sie weniger.

Ja Herr Clement, weil es so viele Menschen gibt, die keine Arbeit haben und denen man jetzt sagt: Such Dir Arbeit oder verhungere langsam, im vollen Bewusstsein, dass nur letzteres in Frage kommt, die treffen sich jetzt immer Montags an einer zentralen Stelle und unterhalten sich über ihre Probleme.

Ihre Aussage, Herr Clement, ist die eines Mannes, der hinter dem Mond, nicht einmal auf ihm lebt. Sie sagen:


Zitat:

Wo leben wir eigentlich?“ Der gesellschaftliche Skandal sei doch „nicht Hartz IV, sondern die Arbeitslosigkeit, der Fatalismus und die Gewöhnung an sie“. Ziviler Ungehorsam gegen die, die Ernst machen wollten mit dem Abbau der Arbeitslosigkeit, sei „völlig fehl am Platze“.


Zitat Ende:

Ich gebe Ihnen hiermit die Antwort. Sie leben hinter dem Mond, wir auf der Erde.

Keiner von uns hat sich an die Arbeitslosigkeit gewöhnt, nur weder Ihre Behörde noch die Vertreter der Wirtschaft geben uns einen Job. Wir sind nicht fatalistisch, wir sind verzweifelt. Mit der Arbeit ist das ähnlich wie mit den Orang-Utans. Es gibt nur noch wenig davon und Sie, Ihre Behörde und das Großkapital wollen uns nun wieder auf ein Niveau bringen, dass wir schon für einen angefaulten Apfel oder ein stinkendes Ei arbeiten. Dafür gibt es natürlich gute Gründe, denn schließlich sind Sie ja auch der Anführer der Bande, die ohne ausreichende Information an den Bürger dieses Land scheibchenweise an die WTO und GATS verkauft, wohlverstanden, nicht hier in Deutschland, sondern in Brüssel.

Ziviler Ungehorsam? Lesen Sie mal die Verfassung, Herr Clement, die Sie offenbar nicht mitgenommen haben zum Mond. Demos, ob Montags oder an anderen Tagen, sind ein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht und sie richten sich gegen die, die ernst damit machen, die ohnehin Gebeutelten jetzt völlig zu vernichten, gegen Sie und die Genossen unter Ihnen, die ihr gesamtes Umfeld verraten haben, den Wähler ebenso wie die Parteibasis.

Was Sie jetzt erleben, ist der erste Windhauch. Glauben Sie mir, es wird sich zum Sturm ausweiten.

Gert Flegelskamp