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Erstelldatum: 15.10.2009

Fernsehen

Die Erkenntnis, dass das Fernsehen im Prinzip eine Maschine zur allgemeinen Verdummung ist, habe ich schon lange vor der endgültigen Abschaffung meines Fernsehers gehabt. Ich glaube, dass ich diese Erkenntnis mit vielen Leuten teile, aber mir erging es nicht anderes, als vielen anderen. Die Erkenntnis war da, sogar die Feststellung, dass es eine Sucht ist, eine Sucht, über die Presse und Fernsehen selten bis gar nicht berichten.

Zumindest hatte ich mich durchgerungen, die Kiste erst dann einzuschalten, wenn um 20:00 Uhr die Sendung beginnt, in welcher uns die ARD in 15 Minuten die Welt erklärt. Eine Welt, wie wir sie sehen sollen, nicht, wie sie wirklich ist.

Danach kam dann die Qual der Wahl. Da gab es die die sogenannten Comedians bei den Privaten. Die fielen direkt unter den Tisch, denn ich fand sie weder komisch noch unterhaltsam, eher erschreckend, weil oft ungeheuer primitiv. Irgendwie war mein Eindruck, dass sie nur dem Zweck dienen, die niedersten Instinkte in uns zu wecken.

Dann waren die Shows, die ich mir nicht einmal ansehen mochte, um mir bei einer Magenverstimmung das Übergeben zu erleichtern. Ob nun Dieter Bohlen, Heidi Klum, Dirk Bach, sie alle waren nur geeignet, Ekel zu erzeugen. Was bringt Zuschauer nur dazu, sich anzusehen, wie (meist junge) Leute dazu gebracht werden, sich von Leuten erniedrigen zu lassen, die für ihren Sadismus auch noch fürstlich bezahlt werden, nur, um sich auch mal für kurze Zeit als Star zu fühlen? Aus meiner Sicht eine schreckliche und primitive Form der Erziehung zum Exhibitionismus (die Casting-Teilnehmer) und Veuyorismus (die Zuschauer). Von den damals noch üblichen Big Brother-Sendungen ganz zu schweigen. Was mich allerdings immer stutzig machte, dass ausgerechnet die RTL-Gruppe, zum Bertelsmann-Konzern gehörig, die primitivsten Sendungen hervor brachte, Bertelsmann, das Unternehmen, das sich weltweit gerne als seriöse und unverzichtbare politische Instanz zu präsentieren sucht.

Die Sucht nach der Flimmerkiste war da. Ein Abend ohne Fernsehen? Nahezu undenkbar. Aber was zum Teufel sollte ich mir ansehen? Serien? Die erinnerten mich an die Textilindustrie. Ein Schnittmuster und dann werden alle Folgen nach diesem Muster gestrickt, lediglich der Stoff wechselt. Kennt man eine, kennt man alle. Nein, das war selbst für einen Süchtigen wie mich uninteressant. Was blieb, war noch die 20. Wiederholung von Aktion-Filmen, mit Stunts, die immer unwahrscheinlicher wurden, mit Helden, die eigentlich in Verfolgung der Aufgabe, die Welt zu retten, oder bei der Verfolgung des Bösewichtes derart rücksichtslos vorgehen, dass man sie in die Reihe der Täter einordnen muss. Aber offenbar gehört es zum Standard des heutigen Film, z. B. Verfolgungsjagden zu zeigen, in denen Dutzende von Autos in oft spektakulärer Weise ineinander krachen, Unfälle, die in der Wirklichkeit Tote oder zumindest Schwerverletzte zur Folge hätten, alles nur, weil der scheinbare Held sich in heiliger Mission durch nichts aufhalten lassen darf. Aber egal, wie bescheuert solche Filme (mit wenigen Ausnahmen) auch waren, ich habe sie mir reingezogen, auch in der x-ten Wiederholung, nur, weil ein Abend ohne Flimmerkiste einfach nicht denkbar war.

Doch natürlich gab es Alternativen wie Naturdokumentationen der Dritten Programme, Sendungen wie Monitor oder Report, die mitunter wirklich kritische Beiträge brachten. Hingegen die Talkshows wie Christiansen (heute Will), Plasberg oder Maischberger habe ich mir seltener angetan, weil sie in der Regel einfach zu systemkonform ausgerichtet waren. Nur bei bestimmten Themen waren sie interessant, wenn es darum ging, die dort aufgestellten Thesen zu zerpflücken und ihre Unsinnigkeit und/oder Verlogenheit anzuprangern.

Dann kam der Tag. Meine Flimmerkiste gab ihren Geist auf und ich fasste den heroischen Entschluss, sie nicht durch eine Neue zu ersetzen. Ich muss zugeben, dass mir meine finanzielle Situation diesen Entschluss erheblich erleichtert hat. Anfangs war das gar nicht einfach, denn da war am Abend eine Leere, die es aufzufüllen galt. In der Psychologie nennt man das "Entzugserscheinungen". Aber mit der Zeit kamen meine Gehirnwindungen wieder in Schwung und so ganz allmählich begann sich in mir die Erkenntnis auszubreiten, dass der Verzicht gar kein Verzicht, sondern ein Stück verloren gegangene Freiheit war, die ich nun wiedererlangt hatte.

Geht es um Sendungen wie "Neues aus der Anstalt", oder "Mitternachtsspitzen" kann man sich diese heute ja mit leichter Verspätung, zumindest auszugsweise, im Internet, entweder bei YouTube oder bei den Sendern direkt ansehen. Nach einem Hinweis auf die Sendung Mitternachtsspitzen vom 10.10. habe ich mir inzwischen diese Auszüge angesehen, in denen u. a. Schmickler, Priol, Schramm und Jochimsen nach der Wahl dazu aufrufen, auf die Straße zu gehen. Es war Jess Jochimsen, der es aus meiner Sicht auf den Punkt brachte, als er seinen Gemütszustand nach der Wahl beschrieb. Ihm fehle die Wut, war seine Aussage, es habe sich eine Art Leere nach der Wahl in ihm breit gemacht. Das ist in etwa auch das, was ich so fühle. Ist das Resignation?
Die Presse gibt ja seit der Wahl auch nicht viel her. Dass man die Impfung gegen die Schweinegrippe wie Sauerbier anpreist, ist nicht neu. Dass die Koalitionsverhandlungen angeblich schleppend verlaufen, erscheint mir eher als einstudiertes Theaterstück. Dass die Grünen im Saarland plötzlich mit schwarz-gelb koalieren wollen, sagt mehr über diese Partei als ihre gesamte Programmatik aus. Dass Matschie in Thüringen mit der CDU koalieren will, ist ein weiteres Merkmal des absoluten Niedergangs dieser SPD. Über den Ex- Finanzsenator und das heutige Bundesbank-Vorstandsmitglied Sarrazin und seine ständigen Attacken zu berichten, lohnt auch nicht. bei seinen Verbalattacken kann man eigentlich nur noch auf die Begriffsdefinition des Wortes "asozial" verweisen, mit dem in der Regel die falschen Leute gebrandmarkt werden. Asozial sind aus meiner Sicht Leute wie Sarrazin und seine Gesinnungsgenossen, wenn man das Wort im Sinne seiner Bedeutung anwendet.

Weil es aus meiner Sicht nichts Nennenswertes zu berichten gab, wenn man die ständigen Spekulationen der Presse über die Vorhaben und Vereinbarungen der künftigen Koalition nicht für wichtig genug hält, hat man Zeit und Muße, ein schon lange geplantes, aber bisher nicht realisiertes Projekt anzugehen. Der Vertrag von Lissabon. Gewiss, man kann ihn im Internet als PDF-File herunter laden, aber wohl kaum jemand wird das Dokument ausdrucken, um den ständigen Querverweisen auf andere Artikel leichter folgen zu können. Ihn wie einen Roman zu lesen, kann eigentlich nur Verwirrung stiften, denn verstehen werden ihn dann nur wenige. Es geht darum, Punkte heraus zu pflücken und in ihrem ganzen Zusammenhang darzustellen. Das nur aus dem PDF-File zu verwirklichen, ist eine mehr als mühevolle Aufgabe. Aber als HTML-basiertes File aufbereitet, erleichtert es den selektiven Zugriff.

Folglich habe ich das Vertragswerk als HTML-File aufbereitet und stelle es nun ins Netz. Ich bin noch nicht fertig, denn von den Protokollen habe ich gerade mal 7 schon aufbereitet und die Erklärungen muss ich noch komplett erstellen. Aber die beiden Verträge, EUV = Vertrag über die Europäische Union und AEUV = Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union sind fertig und alle Querverweise auf interne und auch zum Teil auf mir zugängliche externe Verträge sind verlinkt. Man kann also jederzeit aus einem Artikel auf den Artikel springen, auf den verwiesen wird. Diese Verweise sind mal einschränkend, mal als Voraussetzung und mal als Ergänzung zu sehen.

Ich möchte damit zwei Dinge erreichen:

  1. Jeder, der interessiert ist, kann so die Verträge genauer studieren,
  2. ich kann in Beiträgen zu den vertraglichen Regelungen jeden angesprochenen Artikel direkt verlinken oder auch als Pop-Up-Fenster einblenden.

Eine Feststellung habe ich schon bei Arbeit machen können. Viele, wenn nicht die meisten dieser Artikel über die Arbeitsweise der Europäischen Union scheinen bereits sehr alt zu sein, denn die Nummerierung der Artikel enthält als Untertitel den Verweis, aus welchem Vertrag mit welcher Artikel-Nummer er ursprünglich stammt. Und es sind eine Vielzahl von Artikeln dabei, die aus dem alten EGV-Vertrag stammen. Und der EGV-Vertrag ist der ursprüngliche Vertrag über die Gründung Europäischen Gemeinschaft, also einer der römischen Verträge aus dem Jahr 1957, ausgearbeitet von der Bilderberg-Gruppe.

Warum also wird politisch immer wieder betont, dass der Lissabonvertrag derart wichtig für die künftige Arbeit der EU sei, wenn die meisten seiner Artikel in anderen Verträgen standen, die längst ratifiziert waren? Nun, ich kann da natürlich nur spekulieren. Wenn ich einen Diamanten verstecken will, dann geht das am besten in einem großen Scherbenhaufen. Wenn ich also die brisanten Einzelheiten des Vertrages verstecken will, geht das am besten, wenn ich den Vertrag derart aufblähe, dass sich kaum noch jemand die Mühe macht, dieses monströse Machwerk wirklich zu lesen. Außerdem besagt der Verweis "(ex-Artikel 255 EGV)" ja nicht, dass der Artikel im Wortlaut übernommen wurde.

Leute wie Prof. Schachtschneider haben den Vertrag ja bereits bekämpft sich auch auf Veranstaltungen (im Internet zu sehen oder zu lesen) eingehend darüber geäußert. Aber Schachtschneider ist einer der führenden Staatsrechtler und hat deshalb natürlich auch das Schwergewicht seiner Argumentation auf Fragen des Staatsrechts gelagert.
Die eher kleinen Dinge wie die versprochenen Glückseligkeiten für die "Unionsbürger" mal eingehender zu beleuchten, wird sicherlich eine reizvolle Aufgabe in der nächsten Zeit sein. Ich werde es als "Medikament" nutzen, meine Wut wieder anzustacheln, denn die nächsten vier Jahre werden mit Sicherheit einschneidende Veränderungen bringen, einschneidend, bis Blut kommt. Und ich denke, so mancher "Bürger der Mitte" wird im Laufe dieser Jahre feststellen können, dass er längst zum so genannten Prekariat von den Verantwortlichen gezählt wird.

Die Worthülsen wie Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind längst wieder en Vogue und die FDP hat vor allem die Absicht, den neoliberalen Schwachsinn wieder zu beleben. Bei der CDU/CSU trifft sie dabei auf willfährige Geister.
Schau'n wir mal, wenn die Regierung steht, welche Unfähigen für welches Ressort benannt werden und welcher Mist dann verzapft wird.

Den Link auf den Lissabonvertrag finden Sie in der Navigationsleiste bei den "permanenten Links" (weiße Schrift) oben.