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Erstelldatum: 15.03.2009

So allerlei


Presseaufreger der Woche

Einsturz des Stadtarchivs Köln

Was hat als Pressemitteilung ein wenig für Aufregung gesorgt? Da ist einmal der Einsturz des Stadtarchivs in Köln, vermutlich durch den U-Bahnbau hervorgerufen. Zwei Todesopfer sind zu beklagen und eine Menge historischer Dokumente sind zum Teufel. Ob die Todesopfer hätten gerettet werden können, wenn man die Trümmer ohne weitere Sicherungsmaßnahmen direkt hätte abtragen können, ist nach meiner Kenntnis unklar. Natürlich wirft dieses Unglück die Frage auf, "wer hat Schuld". Mehr oder weniger direkt wurde bereits Bau der U-Bahn als verantwortliche Ursache verkündet. Aber wie kann das sein? Es waren doch Experten, also die über jeden Verdacht erhabene Sekte der Elite, die den Bau der U-Bahn, die Statik, die Sicherungsmaßnahmen und alles andere geplant haben. Nein, unmöglich, Experten irren nicht, nicht einmal dann, wenn sie an der einen oder anderen Stelle Sparvorschläge machen (nicht bei den eigenen Honoraren). Also muss die Schuld wohl woanders gesucht werden. Als nächste Verdächtige kommen Bauarbeiter in Betracht. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Unglück die Folge von Fehlern der Bautrupps verursacht wurde, die sich nicht genau an die Vorgaben der Experten gehalten haben. Das hat dann auch den Vorteil, dass, weil man es nicht an einzelnen Personen festmachen kann, der Vorfall in die Rubrik "menschliches Versagen" eingeordnet werden kann. Damit sind die "Experten" ein weiteres Mal entlastet und der Deutsche verliert nicht sein Vertrauen in die Handlungen und Aussagen dieser Gruppe. In ein paar Wochen hat sich die Aufregung gelegt, wird noch mal im Jahresrückblick für 2009 auftauchen und dann Geschichte sein. Ein weiterer Moment, in dem sich die wirklich Verantwortlichen aus der Verantwortung stehlen konnten und unbehindert weiter pfuschen dürfen. Nun ja, ich gebe zu, dass diese Aussage eine sehr subjektive Prognose der künftigen Aufarbeitung des Unglücks ist, basierend auf einigen Vorfällen in der Vergangenheit ähnlicher Art.

Leichenfund in der öffentlich zugänglichen Toilette der Charité

Ein weiterer Aufreger der Woche, der Leichenfund in der Charité, der größten Klinik in Berlin. Offenbar kann ein Junkie, der die Notaufnahme nach ca. 10 Minuten "in leicht agitiertem Zustand und ausreichend gegebener Geschäftsfähigkeit" wieder selbständig die Notaufnahme verlassen darf, weil eine " Vitalgefährdung ausgeschlossen werden konnte". Ich bin fasziniert. Welche ein "Sprech", denn als Sprache mag ich diese in Fokus veröffentlichten Aussagen nicht auffassen. Wenn ein Drogenabhängiger in eine Notaufnahme gebracht wird, dann von einem "leicht agitierten Zustand" zu sprechen, und ihn dann einfach wieder laufen lässt, dann fasse ich das schon als sehr merkwürdig auf. Offenbar reichte der leicht agitierte Zustand aus, diesem jungen Mann danach auf der Toilette den "leicht agitierten Zustand" in einen Zustand ewiger Ruhe zu wandeln. Es zeigt auch, welche hygienischen Zustände in dieser Klinik herrschen müssen, wenn die Leiche erst nach einer Woche gefunden wurde, weil sie einen "strengen Duft" verursachte. Auch in diesem Fall nehme ich an, dass die Verantwortung dem schlecht bezahlten Reinigungspersonal einer externen Reinigungsfirma zugeschoben werden wird, weil die sich nicht vergewissert habe, dass die Toilette von jemandem "im Wachzustand" besetzt war. Dabei ist diese Art der Reinigung mit Leuten besetzt, die für ihre Aufgabe ein äußerst geringes Zeitfenster haben, keinesfalls geeignet, in solchen Fällen mehr zu tun, als ein verschlossenes Klo einfach zu ignorieren. Würden sie immer nachfragen, ob ein verschlossener Raum, gleich welcher Art, vom Auftraggeber verschlossen wurde oder damit ein Risiko verbunden sein könnte, könnten sie wohl ihren Aufgaben ohnehin nicht gerecht werden. Also muss man den Fall damit abtun, dass ein kleines Malheur als Folge des Outsourcing der Dienstleistung "Reinigung" nicht vorhersehbar war. Das Klinikpersonal trifft natürlich keine Schuld, schließlich war der Patient "geschäftsfähig und in nur "leicht agitiertem Zustand". Oder hatte er vielleicht keinen Krankenkassenausweis und fehlte ihm das Eintrittsgeld von 10,- €?

Mineralwasser mit Östrogenen belastet

Frankfurter Forscher haben herausgefunden, dass insbesondere das Wasser aus Kunststoffflaschen oft mit Umwelthormonen belastet ist. In dieser Hinsicht sei es nicht besser als Wasser aus Kläranlagen. Umwelthormone, welch ein Wort. Tatsache ist, dass nicht nur Wasser in so genannten PET-Flaschen belastet ist, sondern auch Wasser in Glasflaschen. Mineralwasser wird als Lebensmittel geführt und bedarf sogar einer amtlichen Zulassung. Jeder Konzern, der Mineralwasser vertreibt, beschwört in mannigfaltiger Form die Vorteile für die Gesundheit, die man mit dem jeweiligen Wasser erreicht. Und nun das. Aber es kommt noch besser. Aussagen der Frankfurter Forscher:

    Wie hormonbelastet sind unsere Lebensmittel?

    "Wir wussten, dass Lebensmittel mit bestimmten Umwelthormonen kontaminiert sein können", erklärt Prof. Jörg Oehlmann, der das Projekt leitet. Als prominentes Beispiel nannte Oehlmann die Plastikkomponente Bisphenol A, eine östrogenartig wirkende Chemikalie, die aus Plastikflaschen in die Lebensmittel gelangen kann.

    "Allerdings haben wir es in der Realität nicht nur mit einer einzelnen Chemikalie, sondern mit einer Vielzahl von Umwelthormonen zu tun", so Oehlmann weiter.

    Um diese so genannten Cocktaileffekte einzubeziehen, haben sich die Wissenschaftler nicht auf eine einzelne Substanz konzentriert, sondern die gesamte Hormonaktivität von Mineralwasser gemessen.

    Hochgerechnet habe die Belastung im Schnitt bei 18 Nanogramm (Milliardstel Gramm) sogenannter Östradiol-Äquivalente pro Liter gelegen, sagte Martin Wagner. Dies sei zwar ein sehr geringer Wert, aber Hormone seien bereis in sehr kleinen Dosen wirksam.

    Oehlmann stellt angesichts der Forschungsergebnisse eine alarmierende Prognose: "Wenn sich herausstellt, dass das Auslaugen von Endokrinen Disruptoren aus Kunststoffverpackungen ein generelles Phänomen ist, würde dies bedeuten, dass nahezu die gesamte Bandbreite unserer Lebensmittel hormonell belastet ist."

    Gesundheitsrisiko - ja oder nein?

    Noch können die Ökotoxikologen nicht abschätzen, ob die östrogene Verunreinigung des Mineralwassers ein gesundheitliches Risiko darstellt. Falls doch, wären wir alle davon betroffen: Laut Aussagen des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) hat jeder Deutsche im Jahr 2008 138 Liter Mineralwasser getrunken.

    Jörg Oehlmann sagt zum Gesundheitsrisiko: "Unsere Ergebnis belegen zwar, dass wir mit einer größeren Menge an Umwelthormonen in Kontakt kommen als bisher vermutet, allerdings wissen wir noch nichts über deren Aufnahme und Abbau im menschlichen Körper."

    Welche Substanzen genau für die hormonelle Belastung im Mineralwasser verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt. Das Frankfurter Team arbeitet daran, diese zu identifizieren.

Hier wird nur nach Östrogenen gesucht. Was wir sonst noch alles so an Umweltgiften (ich möchte den Begriff Umwelthormone vermeiden) über jegliche Art behandelter Lebensmittel in uns hinein schaufeln, wird wohl noch für lange Zeit im Dunkel bleiben. Aber seien wir ehrlich, eigentlich wollen wir es auch gar nicht wissen, denn dann müssten wir abwägen, was uns lieber ist, unsere Gesundheit oder unsere Bequemlichkeit. Werden wir krank, gehen wir zum Arzt und können ziemlich sicher sein dass der uns Pillen oder Tropfen verschreibt, aber als Ursache keine Lebensmittel anführt (ausgenommen bei Allergien) Unser Arzt behandelt Symptome, nicht die Ursache. Meist kennt er die selber nicht und will sie auch nicht wissen, denn echte Heilung ist geschäftsschädigend.

Auch hier wage ich wieder eine sehr subjektive Prognose. In ein paar Wochen wird Entwarnung gegeben, denn dann haben sich die Mineralwasser-Konzerne und die VDM (Vereinigung deutscher Mineralbrunnen) und die Verpackungsindustrie eingeschaltet, die politischen Lobbyisten aktiviert und dem Frankfurter Institut einen Maulkorb umgehängt. 18 Nanogramm pro Liter, diese Menge absorbiert unser Magen und Darmtrakt in Verbindung mit Leber und Niere doch locker. Und vermutlich wird die EU einen Richtwert (ADI-Wert) von 20 bis 25 Nanogramm je Liter festsetzen. Das ist leichter, als die Schweinereien aus unserer Umwelt zu entfernen.

Waffen in Privatbesitz

Der Amoklauf in Winnenden hat offenbar auch einige Trittbrettfahrer animiert. Was für primitive Kreaturen, die es lustig finden, mit solch einer Tragödie die Polizei in Trab zu bringen und vermutlich stolz sind, wenn sie damit Schlagzeilen auslösen. Das eigentliche Problem ist ein anderes. Es geht grundsätzlich um die Frage nach Schusswaffen. Wie immer wird in solchen Fällen der Ruf nach schärferen Gesetzen laut, während die Gegenseite, also die Waffenbesitzer und vor allem die Waffenlobby sagen, die Gesetze wären ohnehin schon scharf genug und außerdem sei es leicht, sich illegal Waffen zu besorgen.
Ich kann beide Argumente nicht beurteilen. Ich kenne unser Waffengesetz nicht und weiß auch nicht, wie leicht oder wie schwer es ist, sich illegal eine Waffe zu besorgen. Für mich ist die USA ein typisches Beispiel. Die Waffenlobby verhindert seit Jahrzehnten schärfere Waffengesetze. Aber die USA sind auch das Land mit einer immensen Zahl an Tötungsdelikten mit Schusswaffen und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, mit der höchsten Mordrate aller westlichen Länder. Waffenbesitz hat auch nichts mit Freiheit zu tun, sondern ausschließlich mit Vernunft. Hätte ich eine Waffe und würde bei mir eingebrochen, ich aber wach wegen der Geräusche durch den Einbrecher, dann würde ich die Waffe nehmen und mich gleich viel stärker und mächtiger fühlen. Ich würde mich also nicht verkriechen, sondern mutig zur Tat schreiten, den dreisten Einbrecher zu fassen und den Behörden zu übergeben. Pech für mich, wenn der Einbrecher auch eine Waffe hat. Dann kommt es nämlich darauf an, wer besser mit diesem Gerät umgehen kann und wer schneller ist. Wie im guten alten wilden Westen. Aber ich denke, nichts, was ich besitze, ist den Einsatz des Lebens wert, weder meines Lebens noch das des Einbrechers. Vermutlich denkt der Einbrecher anders darüber aber das kann meine Einstellung nicht tangieren. Schon diese Sicht lässt mich den Besitz von Waffen als kontraproduktiv empfinden.

Aber ich war auch mal jung und in meiner Jugend haben mich Schusswaffen fasziniert. Wie wohl alle meiner Altersklasse haben mich Wildwestromane begeistert und ich habe die Groschenheftchen regelrecht verschlungen, sehr zum Leidwesen meiner Eltern. Sobald ich es mir leisten Konnte, habe ich mir eine billige und klobige Luftpistole gekauft und mit Kumpels auf Zielscheiben geschossen. Auf dem Rummel haben mich die Schießbunden weitaus mehr interessiert, als die anderen Attraktionen (ausgenommen die Autoscooter). Doch auch damals wäre mir nie in den Sinn gekommen, eine Waffe auf einen Menschen zu richten. Aber das hatte wohl auch mit meiner Erziehung zu tun. Anstand, Moral und Fairness habe ich bei meinen Eltern gelernt. Hatte ich Kummer, gleich welcher Art, konnte ich damit zu meinen Eltern gehen, aber auch, wenn ich etwas ausgefressen hatte. Hatte ich mich daneben benommen (und das kam häufiger vor), dann gingen mein Vater oder meine Mutter mit mir zu dem Betroffenen und ich entschuldigte mich für mein Verhalten. Natürlich bedurfte es dazu schon ein wenig Druck seitens meiner Eltern. Aber ich merkte schnell, dass ich von den Betroffenen als Folge wieder freundlich behandelt wurde, weil man meine Entschuldigung als anständiges Verhalten wertete. In der Folge hatte ich selten Stress, gewann Selbstvertrauen und verlor nie mein Vertrauen zu meinen Eltern.

Aber hat das ein junger Bursche, der mit einer Waffe herumläuft und wahllos Leute erschießt, auch in dieser Form von seinen Eltern gelernt? Oder spielt das Leistungsprinzip heute in der Erziehung eine größere Rolle, als das Verständnis für die eigenen Kinder? Wurde dieser junge Bursche durch Anforderungen aus dem Elternhaus über Gebühr belastet? Oder war das Gegenteil der Fall? Vielleicht ließ man ihm alles durchgehen, hatte er seinen eigenen Fernseher auf dem Zimmer, seinen eigenen Computer, konnte sich Gewalt- und Horrorfilme nach Belieben ansehen und am Computer jede Form von Ballerspielen praktizieren. Zumindest die Presse wirft solche Fragen auf.
Unsere allseits bemühte Kanzlerin will mehr Kontrollen bei den Waffenbesitzern, die Grünen fordern schärfere Waffengesetze, die CDU/CSU-Familienpolitiker pochen auf die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Höflichkeit, Fleiß und Disziplin. Dies sei «der Schlüssel für eine nachhaltige Eindämmung von Jugendgewalt», kurz, das Drama wurde gleich zum Wahlkampfthema.

In der Presse wird auch die plötzlich aufgetauchte Frage diskutiert, dass der Täter in psychologischer Behandlung gewesen sei. Wenn das stimmt, dann hat die Psychologie offenbar versagt. Was soll das alles? Solange es Menschen gibt, die Waffen in ihrem Haus haben, kann ein Missbrauch nie ausgeschlossen werden. Das einzige Mittel wäre, alle Waffen einzusammeln und in die Schrottpresse zu werfen. Aber Waffenbesitze ist nicht etwa eine Notwendigkeit, weil man in einem Schützenverein oder Jäger ist, es ist vor allem eine Prestigefrage. Wenn die Gewerkschaft der Polizei fordert, dass die Mitglieder von Schützenvereinen Waffen und Munition im Verein lassen, ist das noch der vernünftigste Vorschlag. Eine Frage geht in dem ganzen Tohuwabo inzwischen völlig unter, die Frage nach dem Warum. Es kann die Folge eines ständig wachsenden Minderwertigkeitskomplexes sein, die sich schließlich entlädt nach dem Motto: "Denen zeig ich es jetzt", die Ursache kann aber auch ein überdimensioniertes und nicht befriedigtes Geltungsbedürfnis gewesen sein, ebenso wie ein ständig aufgestauter Hass. Aus welchen Gründen auch immer, wir werden nie wirklich erfahren, was diesen und andere Menschen zu solchen Handlungen veranlasst. Die Geschichte ist voll von Beweisen, dass scheinbar ganz normale Menschen zu den größten Scheußlichkeiten bereit sind, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Das zeigt sich vor allem in Kriegen, aber eben auch in solchen Fällen wie hier in Winnenden. Was die CDU/CSU-Familienpolitiker von Disziplin und vermittelten Werten faseln, lohnt den Blick zurück in die Nazizeit, wo diese Art der Ordnung gepflegt wurde. Wir Menschen sind eben doch bloß Tiere, in ein dünnes Korsett zivilisatorischer Tünche gezwängt und bei manchen reißt dieses Korsett. Für mich steht fest, nichts und niemand wird verhindern können, dass so etwas wieder passiert, keine Psychologen, keine Politiker, keine Presse. Es handelt sich dabei aus meiner Sicht um einen irrationalen Prozess, der durch mannigfaltige Ereignisse ausgelöst worden sein kann und ich fürchte, dass gerade pubertierende Jugendliche hier besonders gefährdet sind.

Strafanzeigen gegen ZDF

Keine Ermittlungen wegen Becks Geburtsfeier und ein Leser meinte bitter, es sei ungeheuerlich, was man mit unseren GEZ-Gebühren so alles finanziere.

Meine Antwort: Es kommt darauf an, aus welcher Warte man es betrachtet. Fernsehen ist eine Dienstleistung. Wer diese Dienstleistung abonniert, darf gucken, aber nicht mosern. So ein paar Ungereimtheiten wie beispielsweise die Grundfrage nach der Trennung von öffentlich-Rechtlichen und Privatsendern wegen der unterschiedlichen Finanzierungsform hat den Abonnent nicht zu kümmern.

Wenn dann also ein öffentlich-rechtlicher Sender für seinen Chef des Verwaltungsrats, der "rein zufällig" auch noch MP des Landes ist, in welchem dieser Sender seinen Sitz hat, eine groß angelegte Geburtstagsfeier ausrichtet, ist es doch unsittlich, dagegen Strafanzeige zu stellen. Das ist, als wolle ein Zeitungsleser Strafanzeige gegen eine Zeitung stellen, die für einen Politiker, der zusätzlich im Aufsichtsrat sitzt, eine Feier ausrichtet.

Der Umstand, eine Dienstleistung (Fernsehen) in Anspruch zu nehmen oder eine Zeitung zu kaufen, beinhaltet nicht den Anspruch auf Mitsprache bei der Verwendung der Mittel. Die einzige Alternative ist die Kündigung des Abonnements, ein Schritt, den ich bereits vor drei Jahren vollzogen habe, zumindest teilweise (Radio muss ich noch bezahlen).

Es ist nun einmal so, dass der Deutsche Michel keine Rechte, sondern nur Pflichten hat. Die einzige Ausnahme sind die Wahlen und da weiß der Michel mit seinen Rechten nichts anzufangen. Wir alle stöhnen über die neoliberale Politik der sich selbst regulierende Märkte und haben inzwischen festgestellt, dass diese Politik von Grund auf falsch ist. Aber in der Politik, besser in unserem Wahlverhalten, agieren wir genau nach diesem Prinzip. Wir sehen die Gier und die Korruption unserer Politiker, aber scheinen trotz aller gegenteiligen Erkenntnisse auf die Selbstreinigungskräfte der Parteien zu vertrauen.

Damit spreche ich allen, die noch immer traditionell, nicht oder ungültig wählen, das Recht ab, sich gegen Maßnahmen wie diese zu beschweren. Sie haben diese Form der Korruption durch ihr Wahlverhalten abgesegnet.

20 Millionen Pension

Die Die FAZ berichtet über die 20 Millionen Pensionsauszahlung an Zumwinkel, aber ich verstehe die Aufregung nicht. Das war doch gang und gäbe und an bestehenden Verträgen kann doch weder eine Finanzkrise noch ein Wahljahr noch eine Vorstrafe rütteln. War es nicht so, dass sich Aufsichtsrat und Vorstand gegenseitig solche Zahlungen zugeschustert haben, ohne dass die Politik eingeschritten wäre? Haben nicht im Gegenteil CDU/CSU und FDP, aber auch die SPD in der Vergangenheit dieses Gebaren gebilligt? Hat man je kontrolliert, welches Vorstandsmitglied in welchem Aufsichtsrat mit welcher Funktion saß? Aber wir haben Wahljahr und da macht es sich gut, dieses Gebaren mit den hart arbeitenden und auf Gehalt verzichtenden Arbeitern zu vergleichen, die pünktlich ihre Steuern zahlen. Was für eine Heuchelei. Im Aufsichtsrat der Post saßen und sitzen Gewerkschaftsvertreter und Politiker und damals wie heute haben sie diesen Vertrag und ähnliche Verträge nicht verhindert.

Was mir dagegen auffällt, Unternehmensberatungen scheinen eine dominierende Rolle bei der Deutschen Post zu spielen. Einige Unternehmensberater sitzen im Aufsichtsrat und sowohl Zumwinkel als Ex-Chef, aber auch der derzeitige Vorsitzende Dr. Frank Appel und das für Global Forwarding zuständige Vorstandsmitglied Hermann Ude haben bei der Unternehmensberatung McKinsey ihre Karrieren begonnen. Sind schon seltsame Zufälle. Dass weiterhin außergewöhnliche Millionenbeträge an Vorstandsmitglieder gezahlt werden, ist dem FAZ-Bericht zu entnehmen. Ich finde, damit wird ein kleiner Einblick in die Kultur des Wegsehens von deutschen Aufsichtsräten enthüllt.