Navigation aus    Navigation an

Meinung

Gemeinhin besteht die Ansicht, dass Meinung etwas ist, das man sich aus der Betrachtung einer Sache, der Abwägung des Für und Wider bildet. Aber das ist nur ein frommer Wunsch, eine nicht reale Vorstellung.

Meinung wird gemacht. Heutzutage gibt es dafür extra Denkfabriken, so genannte Think Tanks, die Meinungen wie am Fließband produzieren. Da bekanntlich der so genannte kleine Mann keine Lobby hat, sich die Bildung eines Think Tanks auch nicht leisten kann, ist leicht zu ermessen, welche Art von Meinung produziert wird. Die öffentliche Meinung ist der Maßstab für die ausgeführte Politik. Will man die Politik in eine bestimmte Richtung bringen, muss deshalb eine öffentliche Meinung produziert werden, die dieser Richtung entspricht.

Wie geschieht das? Ich will versuchen, es anhand einiger Beispiele zu erklären. Bereits in den 90ger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Begriff Globalisierung modern. In Deutschland wurde es mit der Schwarzmalerei verbunden, Deutschland sei international nicht wettbewerbsfähig, weil die Löhne und die Lohnnebenkosten zu hoch seien. Fast täglich wurde in diesem Zusammenhang in den Zeitungen (auch heute noch) berichtet oder in einer Talk-Show darüber geredet (am meisten bei Sabine Christiansen). Die Präsidenten der vielen Arbeitgeberverbände meldeten sich zu diesem Thema in der Zeitung oder im TV zu Wort, aber der Tenor war immer der gleiche, Deutschland ist international nicht wettbewerbsfähig, deshalb müssen die Lohnnebenkosten und die Löhne runter. Heute glauben viele Menschen in diesem Land, dass das wirklich so ist. Es wurde ihnen eingeredet und weil sie sich nicht die Mühe gemacht haben, selbst mal ein wenig nachzuforschen, um zu sehen, was an dieser Behauptung dran ist, nehmen sie es als Tatsache an. Heute haben wir die ersten Auswirkungen dieser Behauptungen bereits zu spüren bekommen. Wie hat Orwell in seinem Roman "1984" so treffend geschrieben? Wird die Lüge jeden Tag gesprochen, wird sie jeden Tag geschrieben, dann wird die Lüge wahr" (nicht wörtlich, sondern sinngemäß zitiert). Betrachten wir die ebenfalls nachlesbare Realität. Deutschland ist seit langer Zeit immer in der Spitzengruppe der Exportnationen vertreten, seit zwei Jahren sogar Exportweltmeister. Deutschland exportiert mehr Güter und erwirtschaftet einen höheren Exportüberschuss, als alle EU-Länder zusammen. Wäre Deutschland international nicht wettbewerbsfähig, wären wir Schlusslicht oder zumindest am Ende dieser Statistik.

Ein weiteres Beispiel: Schwarzarbeit. In den Medien, seitens der Politik, seitens der Meinungsmachenden Institutionen der Arbeitgeberverbände wird immer wieder darauf verwiesen, dass durch die Schattenwirtschaft dem Staat ca. 360 Milliarden an Steuereinnahmen verloren gehen und deshalb ist es unbedingt nötig, die Schwarzarbeit zu bekämpfen. Hier ist der Trick besonders fies. Schauen wir mal hinter die Kulissen. Die veröffentlichten Daten stammen von EINEM Mann, dem Linzer Professor Schneider. Seine Methoden der Berechnung der Schattenwirtschaft sind in Fachkreisen sehr umstritten, manche behaupten sogar, sie sind Schwachsinn. Da sie aber von der Politik herangezogen werden, leuchten wir auch seine Aussagen mal ein wenig aus. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass ich zwei Begriffe verwendet habe, einmal Schattenwirtschaft und einmal Schwarzarbeit. Selbst Professor Schneider behauptet nicht, dass die 360 Milliarden, die dem Staat verlustig gehen, aus der Schwarzarbeit resultieren. Er spricht von Schattenwirtschaft und rechnet folgende Komponenten dazu:

Tabelle 2.1: Mögliche Arten wirtschaftlicher „Untergrundaktivitäten“
Aktivitäten
Monetäre Transaktionen
Nicht-monetäre Transaktionen
Illegale Aktivitäten
Handel mit gestohlenen Waren; Drogenhandel und –produktion; Prostitution; Glücksspiel; Schmuggel und Betrug
Tauschhandel: Drogen, gestohlene Waren, Schmuggel, etc. Herstellen oder Anbauen von Drogen für den Eigenbedarf. Diebstahl für den Eigenbedarf

 
Steuerhinterziehung
Legale Steuerumgehung
Steuerhinterziehung
Legale Steuerumgehung
Legale Aktivi-täten
Nicht-deklariertes Einkommen von Selbständigen; Nicht-deklarierte Löhne, Gehälter und Vermögen aus Arbeit von der Produktion legaler Dienstleistungen und Waren
Steuerver-günstigungen
Tauschhandel von legalen Dienst-leistungen und Waren
do-it-yourself Arbeit und Nachbar-schaftshilfe

Hier wird die Meinungsmanipulation deutlich sichtbar. Durch den Hinweis, dass dem Finanzamt durch die Schattenwirtschaft viel Geld durch die Lappen geht und dann direkt als Folge Aussagen über Schwarzarbeit, entsteht der Eindruck, dass dieses Geld ausschließlich durch Schwarzarbeit an der Steuer vorbei gemogelt wird. Dass in der Realität die Schattenwirtschaft legale und illegale Steuerhinterziehung, Drogenhandel und sonstige, aus dem kriminellen Milieu resultierende unversteuerte Gewinne, aber auch die Aktivitäten von Heimwerkern in diese Rechnung einbezogen werden, wird nicht gesagt. So entsteht in der Bevölkerung der Eindruck, durch Schwarzarbeit würde soviel Geld an Eichel vorbei geschleust. Jeder hätte die Möglichkeit, selbst mal nachzurechnen. 360 Milliarden, das heißt, jeder Bürger, vom Baby bis zum Greis müsste jedes Jahr 4.500 € durch Schwarzarbeit hinzuverdienen, um diese gewaltige Summe zu rechtfertigen. Würde man es nur auf die 5 Millionen Arbeitslosen herunter rechnen, weil es gerne so dargestellt wird, würde jeder Arbeitslose im Jahr 72.000 € aus Schwarzarbeit erwirtschaften. Trotzdem diese Zahlen so offensichtlich falsch sind, glauben viele Menschen daran, weil sie Meinung entgegen nehmen und auf eine eigene Meinung verzichten.

Noch ein drittes Beispiel: Der Demographische Wandel.

Auch hier wird wieder auf Teufel heraus manipuliert. Es werden statistische Zahlen vorgestellt, die eine Überalterung der Gesellschaft prognostizieren. Herangezogen wird dabei der Vergleich der durchschnittlichen Lebenserwartung, beispielsweise von 1950 im Vergleich zu 2000. Tatsächlich ist hier eine Steigerung von ca. 10 Jahren festzustellen. Rürup, Raffelshüschen, Politiker wie Ulla Schmidt stellen es nun so dar, als wären die Menschen in diesen 50 Jahren um 10 Jahre älter geworden, doch das ist dumm und falsch. Natürlich steigt auch die Lebenserwartung im Alter durch den medizinischen Fortschritt, allerdings auch durch den relativen Wohlstand, den man in dieser Zeit genossen hat. Aber die durchschnittliche Lebenserwartung ist auch statistisch gestiegen, weil die Säuglings- und Kindersterblichkeit massiv reduziert wurde, weil die Arbeit sicherer wurde und auch die Arbeitsfolgeschäden durch neue Techniken drastisch gesenkt wurde. Autounfälle verlaufen heute trotz steigender Zulassungszahlen viel seltener tödlich, als noch vor 50 Jahren, weil die Autos heute viel sicherer geworden sind. Keine Statistik zeigt, um wie viel der Alterungsprozess nach oben verschoben wurde. Aber unsere Politik mit ihren Experten rechnet uns auf der Basis einer immer älter werdenden Gesellschaft ein Szenario für die nächsten 50 Jahre vor, welches in dieser Form nie eintreten kann. Alleine die durchgeführten Reformen werden die Sterblichkeitsrate wieder nach unten korrigieren, weil aus Kostengründen verschleppte Krankheiten, Suizide, wieder schlechtere Ernährung und die Zunahme von Stress durch bewusst geschürte Ängste eine höhere Sterberate verursachen, in jüngeren Jahren, versteht sich.

Meinungsmache beruht auf der Schürung von Ängsten. Erst werden sie erzeugt, dann werden Maßnahmen zur Abhilfe aufgezeigt. das funktioniert wie in einem gut gemachten Krimi. Nehmen Sie als Beispiel Hitchcocks Film Psycho. So mancher ist aus diesem Film heraus gegangen und hat Tage gebraucht, bis er die Ängste, die Hitchcock erzeugt hat, wieder abgebaut hatte. Wer solch einen Film gesehen hat, denkt dann schon über die logischen Zusammenhänge nach? Im Kino kann man darauf verzichten, nicht so im realen Leben.

So bin ich regelrecht entsetzt, dass ausgerechnet Otto Schily im Politbarometer des ZDF als der beliebteste Politiker gilt. Ich weiß nicht, ob dieser Polit-Barometer, vermutlich von der INSM entwickelt, getürkt oder real ist. Tatsache ist, dass Schily in meinen Augen der Politiker ist, der massiv den Rest an Demokratie, der noch vorhanden ist, unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung vernichtet. Auch hier ist das Spiel das Gleiche. Angst vor Terror wird geschürt, dann werden Gesetze erlassen, die angeblich den Terror bekämpfen sollen, in Wirklichkeit aber einen Überwachungsstaat etablieren. Beispiel Kontoüberwachung: Eingeführt als so genanntes Geldwäsche-Gesetz, wird es heute genutzt, die Konten aller Bundesbürger aufgrund fadenscheiniger Begründungen überwachen zu können. Nehmen Sie die Speicherung der Mails für ein Jahr, angeblich, um so Vorhaben von Terroristen aufspüren zu können. Glauben Sie ernsthaft, dass die Terroristen ihre Planungen über das Internet abwickeln? Eher ist anzunehmen, dass man den Mailverkehr von unbequemen Personen überwacht, daraus Profile erstellt und etwaige, unbedachte Äußerungen im Bedarfsfall gegen die Betroffenen verwendet. Jetzt will er das Bundesamt für Sicherheit im IT-Verkehr (BSI) mit weitreichenden Befugnissen versehen, um die Netze sicherer zu machen. So verkündet er es, doch tatsächlich wird es die staatliche Überwachung der Internetverbindungen weiter verschärfen. Dieser Mann baut einen reinen Polizeistaat und wird zum beliebtesten Politiker gewählt? Er verkehrt die in der Justiz bestehende "Unschuldsvermutung" (jeder gilt so lange als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wurde) ins Gegenteil und macht 80 Millionen Bürger zu potentiellen Terroristen (Mail und IT-Überwachung) und Kriminellen (Geldwäsche-Gesetz).

Meinung wird gemacht! Eigentlich ist es nicht schwer, Absichten und Tatsachen zu erkennen, aber dazu muss man anfangen, sich eine eigene Meinung durch Abwägung der Fakten zu bilden. Wann fangen Sie damit an?