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Erstelldatum: 10.02.2009

Lotto spielen

Nun einmal ein eigentlich triviales Thema: Das Glückspiel des staatlichen Lottospiels. Ich gehöre zu dem Leuten, die nur sporadisch mal einen Lottoschein abgeben. Das liegt zum einen daran, dass mir jederzeit bewusst ist, dass die Gewinnchancen auf einen nennenswerten Gewinn äußerst gering sind, ich aber dennoch von Zeit zu Zeit hoffe, dass Fortuna mich vielleicht gerade in Ihre Liste der möglichen Glückskandidaten aufgenommen hat. Werde ich dann eines Besseren belehrt, ist wieder für eine gewisse Zeit Ruhe, bis mich erneut ein Anfall von naivem Optimismus überfällt und ich erneut mein Glück versuche.

So weit, so schlecht. Aber seit dem 01.01.2009 gibt es eine Änderung. Der Glücksspielstaatsvertrag, gültig seit dem 01.01. 2008 und nach der Beendigung der Übergangsfrist von 1 Jahr verbietet es, dass die bequeme Variante, seinen Lottoschein über das Internet abzugeben, weiterhin genutzt wird. Das ist auf der einen Seite gut, weil damit die vielen kleinen Geschäfte, die neben ihrem normalen Geschäft mit der Annahme von Lottoscheinen ihr Einkommen aufbessern, wieder größeren Zulauf erhalten. Auf der anderen Seite ist es schlecht, denn die verwendete Argumentation der Politik für diese Maßnahme ist neben ihrer Dümmlichkeit noch ein weiterer Beweis für die Heuchelei unserer Politiker und vor allem für ihre Arroganz und ihr abfälliges Verhalten gegenüber ihren Wählern. 3 Aussagen seien hier einmal vorgetragen:

  1. Staatsvertrag wegweisend für Spielerschutz und Suchtprävention
    „Glücksspiel bringt nicht nur die Aussicht auf großen Gewinn, sondern auch die Risiken der Verschuldung und der Spielsucht mit sich. Es darf nicht sein, dass private Unternehmen die Spielleidenschaft der Bevölkerung gezielt anheizen und damit Profite erzielen, während die sozialen Folgen übermäßigen Spiels wie Überschuldung, Spielsucht oder Begleitkriminalität die Allgemeinheit trägt.“

    Renate Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestages, Bundesfamilienministerin a.D.
  2. „Traditionell gibt es in Deutschland angesichts der Risiken und Gefahren, die vom Glücksspiel ausgehen, eine klare staatliche Regelung. Nur ein staatliches Angebot garantiert, dass der natürliche Wunsch des Menschen nach Glücksspiel in geordnete Bahnen gelenkt und der Spielsucht wirksam vorgebeugt wird.“

    Dr. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes,
    Bundesminister a.D.
  3. „Glücksspiel ist kein beliebiges Produkt, sondern eine Veranstaltung, die besonders sensibel durchgeführt werden muss. Ein alltägliches, überall erhältliches kommerzielles Angebot in Verbindung mit aggressiver Werbung und suchtfördernden Spielformen stünde in krassem Gegensatz zu dem Leitgedanken des Spielerschutzes. Insbesondere muss dem großen Gefährdungspotenzial für Jugendliche wirksam entgegengetreten werden.“

    Barbara Stamm, Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags,
    Staatsministerin im Bayerischen Sozialministerium a.D.

Diese Aussagen sind die pure Heuchelei, denn mit diesen Maßnahmen wird ganz sicher nicht auch nur einer der angeführten Gründe erreicht. Man hat eine lästige Konkurrenz ausgeschaltet, die vor allem den Ländern erwachsen war. Die Online-Anbieter haben dann oft ihre Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet nur bei der regionalen Lottogesellschaft des Bundeslandes abgegeben, wo sie ihren Sitz hatten und damit gingen den anderen Bundesländern Einnahmen flöten, auf die sie scharf waren. Sieht man sich die AGB der einzelnen Lottogesellschaften der Länder an, dann werden dort pro Ausspielungstag von einem einzelnen Spieler bis zu 1.500 € akzeptiert. Bei regelmäßigem Spiel wären das mindestens 12.000 € im Monat, ein Betrag, den sich kaum ein Spieler leisten kann und den selbst gut betuchte Leute nur eine kurze Zeit ohne Schwierigkeiten aufzubringen vermöchten. Ganz sicher keine Gewähr für die Eindämmung der Spielsucht.

Aber diese Begrenzung gilt ohnehin nur für Leute, die mit Kundenkarte spielen, deren Namen also den jeweiligen Lottogesellschaften bekannt ist. Bei der Abgabe von einzelnen Scheinen oder Systemscheinen sind überhaupt keine Grenzsetzungen möglich, denn ein Spielsüchtiger könnte theoretisch an den verschiedensten Annahmestellen seine Scheine abgeben und weder für eine Annahmestelle noch für eine Lottogesellschaft wäre nachvollziehbar, welchen Einsatz er wirklich getätigt hat, weil auf den heutigen normalen Lottoscheinen kein Name angegeben ist und nur im Gewinnfall und nur für die Scheine mit einem Gewinn würde ein Hinweis auf einen Teil des Einsatzes überhaupt transparent.

Damit ist die Argumentation der Politiker nicht nur ausgesprochen dümmlich, sondern zeigt auch ihre Arroganz, mit der sie auf die Dummheit ihrer Wähler spekulieren. Anders kann ich es nicht bezeichnen, denn sie gehen ja offensichtlich davon aus, dass man ihnen ihre Argumentation glaubt.

Tipp24.com hat nun einen Ausweg gezeigt. Die Fa. hat sich nach England verzogen und man kann seine Spielscheine somit dennoch bei Tipp24.com einreichen. Theoretisch, aber in der Praxis sollte man das tun, was die meisten Menschen vernachlässigen, nämlich das Kleingedruckte lesen. Zwei Aussagen unter den Hinweisen auf die rechtliche Situation machen mich stutzig.
  • Aussage Nr. 1

    Die Aussage in den Medien, dass "der Jackpot im Internet nicht geknackt" werden kann, ist sehr missverständlich. Da die Landeslotterien teilweise keine Spielscheine von Tipp24 annehmen, werden alle Spielscheine bis auf Weiteres ordnungsgemäß an den britischen Lotterieveranstalter MyLotto24 Ltd zur Teilnahme weitergeleitet; dieser bildet alle Gewinne und Quoten des Deutschen Lottoblocks für alle Teilnehmer identisch ab. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Gewinnzahlen und Quoten des Deutschen Lotto 6 aus 49 erfolgt die Verbuchung der Gewinne an unsere Kunden. So können Kunden von Tipp24 selbstverständlich exakt die Summe gewinnen, die beim Deutschen Lotto 6 aus 49 als Jackpot angegeben wird.

  • Aussage Nr. 2

    Der Wohnort des Mitspielers ist sowohl für die Spielscheinabgabe als auch für die Gewinnansprüche vollkommen unerheblich. Die derzeitige, aus unserer Sicht rechtswidrige deutsche Gesetzeslage bedeutet lediglich, dass Tipp24 nur Spielscheine von Kunden annehmen darf, die sich bei Abgabe außerhalb Deutschlands aufhalten. Selbstverständlich ist es deutschen Mitspielern gestattet, im Urlaub oder während eines Kurzausfluges einen Internetzugang via Laptop oder Internetcafé zu nutzen und Spielscheine bei Tipp24.com abzugeben.

Ich interpretiere die Aussagen so: Wer nun bei Tipp24.com einen Lottoschein abgibt, nimmt nicht an dem Lottospiel bei einer der deutschen Landesgesellschaften teil, sondern lediglich an einer Nachbildung einer englischen privaten Gesellschaft (Aussage 1). Ltd. ist dabei in Großbritannien nach meiner Kenntnis das Äquivalent einer AG. Die Gesellschaft kann also jederzeit pleite gehen und damit zahlungsunfähig werden. Die Aussage 2 ist dabei für mich noch viel gravierender. Daraus ergibt sich, dass ich, wenn ich einen Spielschein bei Tipp24 abgebe, u. U. unwissentlich behaupte, dass ich mich zur Zeit der Spielscheinabgabe nicht in Deutschland aufgehalten habe. Bei kleinen Gewinnen wird das sicherlich keine Relevanz haben. Aber was, wenn ich tatsächlich einen Jackpot getroffen habe? Wenn Tipp24 dann den Nachweis verlangt, dass ich mich zur Zeit der Spielscheinabgabe im Ausland aufgehalten habe, stehe ich vermutlich dumm da, wenn ich das Kleingedruckte nicht gelesen habe. Habe ich es gelesen, dann habe ich gegen die Bedingungen verstoßen und bin selbst Schuld, wenn Tipp24 eine Auszahlung verweigert. Habe ich das Kleingedruckte nicht gelesen, habe ich unwissentlich gegen diesen Passus verstoßen, wobei mir meine Unwissenheit wenig nützen wird. Verweigert Tipp24 die Auszahlung, weil ich nicht nachweisen kann, dass ich mich zum Zeitpunkt der Scheinabgabe tatsächlich im Ausland aufgehalten habe, wird Tipp24 vor jedem Gericht mit einer Zahlungsverweigerung durchkommen.

Fazit:

Ich rate jedem Lottospieler, einen normalen Lottoschein auszufüllen und bei einer Annahmestelle des Deutschen Lottoblocks abzugeben. Hat Fortuna Sie dann wirklich auserkoren, ihr Füllhorn über Sie auszuschütten, haben Sie auch die echte Garantie der Auszahlung. Bei Tipp24.com aus meiner Sicht nur dann, wenn Sie bei der Scheinabgabe wirklich im Ausland waren.

Quellen:
http://www.lotto.de/
Tipp24.com