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Erweiterte Überlegungen

In meinem Beitrag über Oskar Lafontaine habe ich auch Stellung zum diskutierten Linksbündnis zwischen WASG und PDS bezogen, das Ganze als kaum machbar dargestellt und außerdem sehr skeptisch beurteilt.

Da habe ich den Fehler gemacht, den ich schon oft anderen zum Vorwurf gemacht habe:

  1. Ich habe nicht zu Ende gedacht
  2. Ich habe den Fehler, den mangelnden Mut, etwas Neues zu versuchen, ein Vorwurf, den ich schon mehrfach geäußert habe, selbst begangen.

Aber in einer Hinsicht bin ich mir treu geblieben: Ich habe meine Ansicht immer wieder überdacht und auch kein Problem damit, meine Fehler zuzugeben.

Zuerst, Wenn beide Parteien mitmachen, ist ein Linksbündnis möglich, bei dem beide Parteien eigenständig bleiben. Die CDU und die CSU haben uns das schon am Beginn der Republik vorgemacht. Wenn beispielsweise die PDS nur im Osten antreten würde, wo sie bekanntlich stark ist und die Anhänger der WASG dort die PDS wählen und ihre Mitglieder von der WASG in die PDS wechseln und im Westen die umgekehrte Konstellation entstehen würde, dann hätten wir das Linksbündnis.

Jetzt meine Skepsis, dass dann wieder alt gestandene Politprofis antreten würden. Nun, das würde wohl so sein. Aber vermutlich kämen auch ein paar Spritzer frisches Blut mit ins Parlament. Dann muss man sich fragen, ob sie die ideale Politik machen würden. Die Antwort kann nur lauten: Mit Sicherheit nein, denn es gibt keine ideale Politik. Keine Partei ist in der Lage, eine auf jeden Bürger maßgeschneiderte Politik zu machen. Aber ich bin überzeugt, es würde eine andere, bessere Politik gemacht.

Ein letztes Statement dazu: Die PDS ist die Nachfolgepartei der SED. Stimmt, aber die SED existiert seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Außerdem ist die Wahrnehmung der SED im Westen Medien- und Politik-geprägt, im Osten hingegen erfolgte die Prägung aus der Wahrnehmung. Seit dem zweiten Weltkrieg ist es eine typisch deutsche Mode, Kollektivschuld einzuimpfen und am Leben zu erhalten. Oskar hat bei Kerner in der ARD Richard von Weizecker zitiert, der zur PDS gesagt hat, man müsse ihr die Chance geben, ihr Demokratieverständnis zu beweisen. Betrachte ich mir die heutige, etablierte Parteienlandschaft, gehe ich davon aus, dass das Demokratieverständnis der PDS inzwischen wesentlich ausgeprägter ist, als im Einheitsbrei Rot, Grün, Schwarz und Gelb. Dort ist Demokratie nichts mehr als ein hohles Wort, gerne im Munde geführt aber nie praktiziert.

Deshalb habe ich mich entschlossen, ein Linksbündnis als Hoffnungsträger zu betrachten. Kommen sie ins Parlament, können sie die dortige Politik nicht verschlechtern, wohl aber verbessern. Diese Chance sollten Sie bekommen.