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Erstelldatum: 17.05.2008

Die Mail von Laura

Ich habe ja schon einiges an Kettenbriefen zu Gesicht bekommen, aber der Neueste ist wirklich das Beste, was mit bisher untergekommen ist. Und natürlich geht er wieder mit dem Vermerk der Wichtigkeit und der dringenden Bitte um Weiterleitung einher. Ich werde den Text nicht veröffentlichen, sondern nur den Inhalt anreißen. Laura Bush soll geschrieben haben, sie könne nicht mehr mit ansehen, was ihr Mann so treibt. Man müsse ihm dringend Einhalt gebieten.

Nun ja, inhaltlich ist es wirklich so. Was Bush so treibt, kann die Welt in einen Krieg stürzen, der verheerender ist, als alle Kriege zuvor zusammen. Mit ein wenig Glück wird die ganze Menschheit ausgelöscht, denn ich denke, Bush ist versessen darauf, sein Arsenal an Atombomben auszuspielen und andere Staaten werden es dann nachmachen. Die Folge ist eine fröhliche Pilzkolonie, die himmelwärts strebt, dazu Druckwellen, die über den Boden rasen und alles auslöschen, was dort ist, ohne zu selektieren, ob Fauna oder Flora und danach beginnt eine strahlende Zeit, in des Wortes wahrster Bedeutung.

Ja, das traue ich Bush alles zu. Aber dass seine Frau per Mail in die Welt einen Hilferuf zur Rettung der Menschheit hinausposaunt, ist genau so wahrscheinlich, wie die Nachricht, der Papst habe den heiligen Stuhl verbrannt oder eine Flotte von U-Booten sei über Berlin gesichtet worden.

Lese ich diese Mail, dann wird mir einmal mehr klar, warum die Welt ist, wie sie ist. Man kann dem Menschen wirklich alles verkaufen, es muss nur so verpackt sein, dass er es glauben will. Er ist aber auch ein Zeichen dafür, dass niemand die Gesetze der Hochfinanz wirklich kennt. Der Bush-Clan gehört zu diesem Kreis nunmehr in der 3. oder 4. Generation. Ehen werden dort arrangiert und sorgfältig darauf geachtet, dass der ins Auge gefasste Ehepartner nicht mit lästigem Beiwerk wie einem Gewissen ausgestattet ist. Wäre es en vogue, ein goldenes Kalb anzubeten, würden die Mitglieder dieser Familie immer ein solches bei öffentlichen Anlässen mitführen und inbrünstig anbeten, weil das bei der Masse ankommt. Aber seit Mose ist das goldene Kalb unmodern, also taucht in jeder Rede zig Mal der Begriff Gott auf, denn damit fängt man in den USA eine Mehrheit der Wählerschaft ein.

Bestünde die Gefahr, dass diese Dame plötzlich ihr Gewissen entdeckt, wäre ihre Familie die erste, die jeglichen unkontrollierten Kontakt zur Außenwelt unterbinden würde. Eine plötzlich aufgetretene Allergie, z. B. eine Lichtallergie, würde die Medien beschäftigen und größtes Verständnis dafür auslösen, dass sich Laura Bush nicht mehr dem Blitzlichtgewitter der Presse stellen könnte. Aber nichts dergleichen. Fröhlich lächelnd turnt sie an der Seite ihres Mannes in der Weltgeschichte herum, zeigt sich strahlend am Ausstieg von Airforce One und winkt fröhlich in die Kameras.

Solange, man den Menschen Märchen dieser Art glaubhaft machen kann, solange bleibt die Welt, wie sie ist. Nein, nicht ganz, sie wird schlimmer, denn so wie Bush-Gegner diese Mail im Netz verbreiten, verbreiten die Medien und PR-Dienste den ethischen und sozialen Nutzen der täglichen politischen Gemeinheiten einer politischen Klasse, die keine Klasse hat. Auch diese Märchenwelt hat eine Vielzahl Anhänger. Erst gestern war es mir wieder vergönnt, mit Leuten zu sprechen, die behaupten, Angela Merkel mache einen guten Job. Worin der besteht, das vermochten sie nicht zu sagen, dann weicht man aus, auf Gerhard Schröder oder auch auf Kohl.

Somit merkele ich still für mich hin und meine: "Wir müssen uns zusammen setzen und eine Lösung finden." Ob ich es mit diesem Standardsatz auch so weit bringe, wie Angie?