Navigation aus    Navigation an

Laufradpolitik

Die Politik, aber auch das Verständnis vieler Menschen oder kirchlicher Organisationen verbindet die Würde des Menschen mit Arbeit.

Damit degradieren alle die Würde zu einem Handelsobjekt, denn Arbeit ist eine Handelsware, in welcher der eine (Arbeitnehmer) sich zum Verkauf bzw. zur befristeten Ausleihung seiner Arbeitskraft (Leasing) anbietet, der andere (Arbeitgeber) diese Ware kauft bzw. least, weil er sie für zur Herstellung seiner Produkte oder zur Durchführung von Dienstleistungen kurz- oder langfristig benötigt. Diese Handelsware wird auf dem so genannten Arbeitsmarkt feilgeboten.

Hintergrund dieses Handels ist das beiderseitige Interesse an Geld, der eine, weil er es für seine Lebenshaltungskosten benötigt, der andere, weil er ebenfalls seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, aber darüber hinaus Profite anstrebt, die seine Machtposition in einer auf rein pekuniäre Interessen ausgerichtete Kapitalpolitische Staats- und Wirtschaftspolitik erweitern können.

Das ist nicht neu. Neu ist, dass im Laufe der Zeit ein Menschersatz geschaffen wurde: Der Roboter und jede Maschine ist ihrer Struktur nach ein Roboter. Auch diese Roboter müssen zunächst gekauft werden, doch diesmal zu einem einmal zu entrichtenden Festpreis. In beiden Fällen fallen Zusatzkosten an. Im ersten Fall werden sie als Lohnnebenkosten, im zweiten Fall als Wartungskosten bezeichnet.

Diese Entwicklung verändert zwangsläufig den Handelsmarkt für Arbeit. Auf der einen Seite steht der Mensch (Arbeitnehmer), durch Ausbildung und Art der Tätigkeit spezialisiert, aber dennoch mit einer begrenzten Flexibilität versehen, die ihn auch zu anderen Tätigkeiten befähigt. Auf der anderen Seite steht der Roboter, zwar unflexibel in Bezug auf die auszuübende Tätigkeit, dafür aber unermüdlich und ohne Pausenzwang bereit, seinen Arbeitsauftrag zu erfüllen. Allerdings hat die Arbeitskraft Mensch noch einen zweiten Vorteil für den Produzenten: Er ist gleichzeitig Konsument. Damit fließen Teile seines Einkommens direkt oder indirekt wieder zurück in das Unternehmen. Diese Komponente hat ein Roboter nicht.

Der Markt für Arbeit ist begrenzt, begrenzt durch den ausschließlich von Menschen praktizierten Konsum. Hier entsteht grundsätzlich ein Interessenkonflikt für den Konsumenten der Ware Arbeit. Setzt er Roboter für die Fertigung seiner Produkte oder die Ausführung seiner vermarkteten Dienstleistungen ein, dann ersetzt er Menschen durch Maschinen, kann mathematisch gesehen einen höheren Gewinn erzielen. In der Realität aber entzieht er dem Markt für seine Produkte die Basis, den Konsumenten, weil dieser aufgrund des fehlenden Einkommens nur noch beschränkt konsumieren kann. Da 90 % aller Produkte prinzipiell nicht lebenswichtig sind, werden diese Produkte bei dem eingeschränkt Konsumfähigen als erstes in seinem Konsumverhalten ausgeklammert. Das Ergebnis ist bei der schwachen Binnenmarktnachfrage sichtbar.

Das Ausweichen auf internationale Märkte ist dabei keine Lösung, auch wenn es zunächst so aussieht. Exportierte Produkte verdrängen die Produktion dieser Produkte in den Importländern, setzen damit dort Arbeitskräfte frei und somit kann auch der Export nur eine begrenzte Zeit als Ausgleich für den schwachen Binnenmarkt betrachtet werden.

Damit sind wir bei Hartz IV. Hartz IV ist das Ergebnis einer Laufradpolitik. Eine Politik, die nach einer Umdrehung des Laufrades wieder an ihrem Ausgangspunkt angelangt ist. Der letzte Ausgangspunkt dieser Politik war die Weimarer Republik in der Zeit von 1930 bis 1933. Die Namen der führenden Köpfe dieser Politik könnte man beliebig austauschen. Setzt man für den Namen Brüning den Namen Merkel ein, stellt man politisch keinen Unterschied zur damaligen Politik fest. Gleiches gilt für die Zünfte der Arbeitgeber. sieht man den gestern (5.2.) erstellten Artikel der Welt am Sonntag über die Forderungen des DIHK-Präsiddenten http://www.wams.de/data/2006/02/05/841332.html und vergleicht seine Forderungen mit denen der Arbeitgeberseite in der Weimarer Republik, sind auch hier keine Unterschiede festzustellen.

Hartz IV war und ist ein absolut untaugliches Instrument und auch die angestrebte Arbeitsmarktpolitik der Kombilöhne ist absolut untauglich, einzig auf das Ziel ausgerichtet, die Löhne der noch im Arbeitsprozess Befindlichen zu drücken, um den Mangel beim Konsum durch höhere Gewinne am Produkt auszugleichen. Das System hat 1930 nicht funktioniert und wird auch diesmal nicht funktionieren.

Im Gegensatz zur landläufigen Verquickung der Würde des Menschen mit Arbeit haben beide nichts gemein. Würde ist eine Charaktereigenschaft, die vor allem die im Laufrad befindlichen schnell ablegen, wenn sie damit den persönlichen Interessen dienen können.

Arbeit ist eine Ware, eine Dienstleistung, die heute in einer Mischung aus Mensch und Maschine durchgeführt wird. Diese Dienstleistung wird auf einer Zeitschiene erbracht. Da Maschinen nicht konsumieren, andererseits auch nur durch die natürliche Begrenzung der Zeit (24-Stundentag) an die Zeitschiene gebunden sind, muss der traditionelle Begriff Arbeit neu überdacht werden. Dazu müssten aber Politik, Arbeitgeberverbände und die so genannten Arbeitsmarktexperten mal aus dem Laufrad aussteigen. Vielleicht würden sie, wenn sie ihre Laufradmentalität ablegen könnten (hier habe ich Bedenken), erkennen, dass Arbeit ein notwendiges Übel ist, so lange die Bestreitung des Lebensunterhaltes aus einem durch Arbeit erzielten Einkommen das Arbeiten notwendig macht. Hat man sich erst mal zu dieser Erkenntnis durchgerungen, würden einige vielleicht sogar erkennen, dass eine Kürzung der menschlichen Dienstleistung "Arbeit" auf der Zeitschiene für alle Seiten die beste Lösung wäre. Diese Einsicht würde den Konsum wieder ankurbeln, die Steuereinnahmen des Staates bei gleichzeitiger Reduzierung der Staatsausgaben verbessern, die Solidarsysteme stabilisieren und einer Politik, Wissenschaft und Arbeitgeberseite eine veränderte Wahrnehmung außerhalb des Laufrades ermöglichen. Dabei ist die Argumentation über die "fehlende Qualifikation" nichts als ein auf Schlagworten basierendes Alibiverhalten von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, gleichzeitig ein Beweis für die Arroganz dieser Kreise. Und Arroganz ist nur eine andere Art der Dummheit.

Sollte es gelingen, dass sich alle aus dem Laufrad befreien, könnte es ein Anfang sein, dass man sich vor dem wegen der Inflationspolitik der FED (USA Notenbank) unausbleiblichen Crash des weltweiten Finanzmarktes Gedanken darüber macht, dass dieser Globus mit seinen endlichen Ressourcen ein Globus für alle und nicht nur für die Eigner von Kapital ist und die Weiterentwicklung von Maschinen und Robotern in den Dienst der gesamten Menschheit stellt. Ein diesbezügliches Konzept würde den Crash dann zu einer Hoffnung statt zu einer Katastrophe werden lassen.