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Erstelldatum: 04.03.2007

Kinderkrippen

Von der Leyen hat die Diskussion um Kinderkrippen entfacht. Nicht nur das, in der Koalition ist ein regelrechter Streit darum entbrannt. Zumindest gaukelt uns die Presse das vor. Ob es wirklich so ist, kann ich nicht sagen, denn bisher war für die Politik das Thema Kinderkrippen und Kindertagesstätten kein Thema. Besser gesagt, es war ein Thema in der Politik, in welchem vor allem im Wahlkampf sehr oft die Begriffe "müsste, könnte, würde" verwendet wurden, ohne das etwas geschah.

Von einem Leser wurde ich auf eine Internetseite hingewiesen, in welcher jemand über die Krippen in Schweden berichtet. Der Bericht hat mich nachdenklich gestimmt. Natürlich ist die Schilderung die subjektive Sicht eines Einzelnen und es gibt sicher nur wenige Menschen in Deutschland, die in ausreichendem Maße über die Verhältnisse in Schweden informiert sind. Interessant finde ich dabei die Aussagen der Nobel-Preisträgerin Alva Myrdal über die Rolle der Hausfrau und Mutter. Alva Myrdal ist eine hoch gelobte und hoch dekorierte schwedische Politikerin und gleichzeitig eine Ikone der emanzipatorischen Frauenbewegung. Ihre Ansicht über die Rolle der Frau bestätigt meine (zugegeben subjektive) Empfindung, dass die Emanzipationsbewegung der Frau von den oberen Zehntausend kommt und eben nicht die Selbstverwirklichung der Frauen zum Ziel hat, sondern in der Hauptsache wirtschaftlichen Interessen dient und einer echten Emanzipation der Menschen im Wege steht. Ich sage bewusst "Emanzipation der Menschen", denn die ist aus meiner Sicht bitter nötig, um der herrschenden Klasse begegnen zu können.

Dass der vorgenannte Bericht über die Krippen in Schweden nicht nur eine rein subjektive Darstellung ist, beweist der Umstand, dass Schweden ab 2008 eine Neuerung einführt, wie Tagesschau.de berichtet. Künftig bekommen Familien 300 Euro monatlich, wenn sie ihr Kind in den ersten drei Jahren zu Hause lassen.

Allerdings glaube ich nicht, dass die derzeitige Diskussion um Kinderkrippen der Sorge um die Familien oder um die Mütter entspringt. Es geht dabei ausschließlich um handfeste wirtschaftliche Interessen. Ursula von der Leyen als siebenfache Mutter ist eben nur ein Zugpferd der CDU, um dieses Thema besser zu verkaufen. Ich aber glaube, dass sie vor allem durch ihre 4 Jahre als Gasthörerin an der Graduate School of Business an der Stanford University, Kalifornien (1992 bis 1996) eine deutliche neoliberale Prägung erfahren hat. Wer die Politik der CDU/CSU verfolgt, erkennt klar den amerikanischen Trend zum Lohndumping, der es Familien immer schwerer macht, mit nur einem Einkommen eine Familie zu ernähren. Sinkende Reallöhne bei steigenden Kosten machen es in immer mehr Familien zur Notwendigkeit, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Zielgruppen sind bei der CDU/CSU (eigentlich bei allen Parteien) nicht die Arbeiterfamilien, sondern das, was den Politikern als so genannte Elite vorschwebt, AkedemikerInnen.

Werbewirksam ist dabei natürlich das Dilemma von allein erziehenden Müttern. Dabei gebe ich allerdings zu bedenken, dass ein nicht geringer Teil allein erziehender Mütter eine Folge falsch verstandener Emanzipation sind. Frauen, die ein Kind wollten, aber getreu der so oft verkündeten Unterdrückung der Frau durch den Mann eine echte Beziehung abgelehnt haben. Das war vor allem in den so genannten besseren Kreisen eine oft gelebte Praxis.

Aber sind Krippen nun gut oder nicht? Außer einem "JEIN" fällt mir dazu nichts ein. Unbestritten ist, dass die frühkindliche Welt eine Welt der Prägung ist, eine Fortsetzung des bereits in der pränatalen Phase einsetzenden Lern- und Erfahrungsprozesses eines Kindes. Ein alter Spruch sagt: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." Ich glaube, dieser Spruch ist falsch. Er müsste heißen: "Was Hänschen lernt, verlernt Hans nimmermehr." In dieser frühkindlichen Phase werden die Weichen für Kinder gestellt und die in dieser Zeit erworbenen Eindrücke müssen nicht zwangsweise positiv sein.

Die ersten beiden Jahre sind für ein Kind mit einem ungeheuren Lernpensum erfüllt. Es lernt seine Bezugspersonen kennen und in einer ersten Einschätzung nach ihrer Wichtigkeit einzuordnen. Es lernt sprechen, die Koordination der Bewegung, laufen und noch vieles mehr. Gleichzeitig beginnt das Kind schon sehr früh, sich in das System zu positionieren, indem es die eigenen Grenzen auslotet. Es muss die Umstellung auf feste Nahrung lernen, die Geschmacksnerven bilden sich (mit manchmal leidvollen Erfahrungen der Eltern) und vieles mehr. Dass dabei die natürlichen Eltern nicht immer die absolute Idealbesetzung sind, versteht sich von selbst. Aber in fast allen Fällen bekommen die Kinder den wichtigsten Grundstock überhaupt NUR von den Eltern und das ist die Liebe. Liebe und Zärtlichkeit sind die wohl wichtigsten Grundelemente für ein Kind und in besonderem Maße prägend für das gesamte weitere Leben. Diesen wichtigsten Baustein der frühkindlichen Lernphase kann eine Krippe niemals geben.

Ein Aufenthalt in einem Kindergarten im Alter ab ca. 3 Jahre ist prinzipiell fördernd für die Kinderentwicklung, wenn ....

Ja, wenn er nicht gleichzeitig in politischem Sinne missbraucht wird. In den USA ist der Kindergarten, genau wie die Schule, ein Instrument, Kinder auf einen nationalistischen Kurs einzustimmen. Von Fahnen umranktes Bild des Präsidenten und tägliches Singen der Nationalhymne sowie entsprechende Aussagen der Betreuer verankern früh in den Kindern den Eindruck eines über allem erhabenen Präsidenten. Dieses System unterscheidet sich keinen Deut von den Praktiken totalitärer Systeme. Dass in der CDU/CSU ähnliche Praktiken angedacht sind, wurde vor einigen Monaten durch entsprechende Pressemeldungen bekannt. In den Kindergarten gehören weder politische noch religiöse Zeremonien. Sie sollten dem Elternhaus überlassen bleiben.

Kindergärten sind eine Erfahrungsquelle für soziologische Grunderkenntnisse von Kindern. Sie kommen mit anderen Gleichaltrigen zusammen und lernen erstmals, sich in einem anderen Umfeld zu behaupten. Voraussetzung ist erfahrenes Personal, das wie Eltern allzu großen Übermut ein wenig bremst. Erfahrenes Personal setzt aber auch eine entsprechende Ausbildung und ein anständiges Einkommen voraus. Beides ist heute eher selten gegeben und bei der politischen Praxis des Lohndumping und der Besetzung von solchen Stellen mit Ein Euro Kräften auch wohl nicht beabsichtigt. Aus meiner Sicht sollte auch der Kindergarten nur halbtags betrieben werden.

Bei meinen Vorschlägen kommen natürlich arbeitende Mütter zu kurz, egal, ob allein erziehend oder nicht. Aber wenn die Industrie Frauen in die Betriebe holen will, soll sie auch die Kosten für die Unterbringung der Kleinen übernehmen, bei großen Unternehmen in Form von eigenen Krippen und Kindergärten, kleinere Unternehmen könnten das in gemeinschaftlich unterhaltenen Einrichtungen organisieren.

Industrialisierung, Liberalisierung des Marktes und die Emanzipation haben das, was einmal als Familienbande bekannt war, gründlich zerstört. Konsum- und Anspruchsdenken wurde auf mannigfaltige Art erfolgreich in die Köpfe der Menschen gepflanzt. Jetzt wird das Anspruchsdenken wieder ausgemerzt und soll der früher geübten Genügsamkeit wieder weichen. Natürlich gilt das nur für die Masse, nicht für die oberen Zehntausend. Es ist die Art der Domestizierung der Menschen, die früher vom Adel, heute vom Geldadel geprägt wurde, bzw. wird. Ganztagskrippen und Ganztagskindergärten sind nach meiner Einschätzung ein politischer Weg, diese Mechanismen bereits in der frühkindlichen Phase zu verankern.

An der Auflösung der Familienbande war die Emanzipationsbewegung maßgeblich beteiligt. Es war eine Bewegung von oben nach unten, mit Schlagworten von eine "Männerdominierten Welt" oder der "Selbstverwirklichung" der Frau. Ich vertrete die Ansicht, dass Emanzipation bitter notwendig ist, aber nicht eine einseitige Emanzipation der Frau in Form von falsch platzierten Begriffen. Wir brauchen eine Emanzipation der Masse, die von unten nach oben geht, die der Familie wieder den Platz einräumt, den sie Jahrtausende innehatte. Eine Emanzipation, die Kinder nicht in die Armut treibt, sondern ihnen wirklich alle Chancen einräumt. Eine Emanzipation, die den Menschen vor Augen führt, dass sie es sind, die jeglichen Reichtum erwirtschaften, dass es ohne sie keine Reichen gäbe. Es wird Zeit, dass wir die Menschheit als einen Gesamtorganismus betrachten, der alle Teile gleichermaßen benötigt, um gesund zu sein. Kein Kopf ist überlebensfähig ohne den Körper. Das gilt für den einzelnen Menschen in gleichem Maße wie für die Gesamtheit.

Wenn wir uns diese Betrachtungsweise zulegen, dann sind Unternehmen die Adern der Gesellschaft und die Privatisierung oder Veräußerung von Unternehmen eine Art Organhandel mit lebenswichtigen Organen, die den Körper Deutschland schwächen. Wer dem Körper die Nahrung (Arbeit) entzieht, beeinträchtigt seine Funktionsfähigkeit. Wer seinen Zellrhythmus (Kinder, Alte) gezielt umformt, nimmt dem Körper die Überlebensfähigkeit. Ich überlasse es Ihrer Phantasie, die einzelnen Organe dieses Körpers Deutschland weiter zu erforschen oder anatomisch anders anzuordnen.

Fest steht nur eines, dieser Körper wird mit gezielter Giftzufuhr (Globalisierung, Liberalisierung) durch die Politik und die Wirtschaft krank gemacht. Die Ideen der Ganztags -Krippen und -Kindergärten sollen die wichtigsten Zellen des Körpers Deutschland frühzeitig umformen, um die Missgeburt dieses Europas am Leben zu erhalten. Missgeburt Europa deshalb, weil es die Länder dieses Europas nicht wie eine Familie oder Freunde betrachtet, sondern zu einem Monstrum zusammensetzen will, eine Art Frankenstein-Schöpfung, ein Patchwork-Körper. Sie sehen, für Emanzipation bleibt viel Raum, aber diese Emanzipation sollte den Interessen der Menschen dienen und nicht den Interessen derer, die sich für den Kopf halten, aber in der Wirklichkeit unterhalb der Wirbelsäule angesiedelt sind.

Allen Frauen und Männern gilt mein Rat, geben Sie Ihre Kinder nicht in die Obhut von Einrichtungen, sondern prägen Sie sie im ersten Stadium mit dem, was sie noch nötiger brauchen, als die tägliche Nahrung: "Liebe, Zärtlichkeit und Halt!" Die wirkliche Selbstverwirklichung der Frau ist nicht eine Karriere, welcher Art auch immer. Wenn Karriere ihr Ziel ist, sollte sie auf Kinder verzichten. Wenn sie aber Kinder in die Welt setzt, sind diese Kinder die wahre Selbstverwirklichung. Fremde können Kindern auch viel geben, nicht aber die wichtigsten Dinge für ein Kind. Eine vom Arbeitsstress gezeichnete Mutter kann diesen Nachholbedarf der ganztags außer Haus untergebrachten Kinder niemals erfüllen.

Aber das ist natürlich nur meine subjektive Meinung.