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Klugheit

Es sagt sich so leicht daher: Eine kluge Entscheidung. Das ist ein kluger Mensch und ähnliche Aussagen. Sind sie gerechtfertigt?

Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht, was Klugheit ist. Natürlich ist das eine subjektive Sicht und viele werden ganz andere Sichtweisen haben.

Meine Sichtweise bezieht natürlich die augenblickliche politische Lage mit ein denn ich habe mir zuerst die Frage gestellt, sind unsere Politiker klug oder dumm oder irgendwo dazwischen. Dabei habe ich mir natürlich überlegt, dass die meisten Politiker studierte Leute, vielfach mit Doktertitel oder gar mit Professur sind. Das gilt in gleichem Maße für die vielen, zu Rate gezogenen Experten. Trotzdem werden viele ihrer Entscheidungen von breiten Bevölkerungsschichten als dumm empfunden. Ist die Bevölkerung klüger? Was ist der Hinterfrund dieser kritisierten Entscheidungen? Eine kluge Politik?

Um Antworten zu finden, musste ich zuerst mal definieren, was aus meiner beschränkten Sicht Klugheit eigentlich ist. Dabei habe ich die zweite technische Revolution ab Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Bemessung herangezogen. Wir haben in dieser Zeit eine wahnsinnige technische Entwicklung erlebt. Ein Zeichen von Klugheit?

Eine Aussage kann man wohl machen. Die ethisch-moralische Entwicklung des Menschen ist hinter seiner technischen Entwicklung weit ins Hintertreffen geraten. Die technische Entwicklung wurde von vielen hochintelligenten Menschen geprägt und Namen wie Einstein, Oppenheimer, Hahn, Neumann etc. kennt jeder. Aber die technische Entwicklung hat neben vielen nützlichen Dingen jede Art von Bomben, Minen und Waffen jeder Art hervorgebracht und wohl niemand wird den Bau von Atombomen, Landminen, Splitterbomben, Schnellfeuerwaffen und welche Vernichtungsinstrumente noch entwickelt wurden, als kluge Entwicklungen bezeichnen. Auch dann nicht, wenn Namen wie Oppenheimer oder Wernher von Braun damit verbunden sind.


Auch all die kleinen Schweinereien, mit deren Entwicklung wir mit Leichtigkeit die Jahrmillionen währende Entwicklung unseres Öko-Systems in einem einzigen Jahrhunder zerstört haben, möglicherweise irreparabel, kann man nicht ernsthaft als Klugheit bezeichnen.

Wir lieben die Möglichkeiten der Lebensmittelchemie, mit welcher Lebensmittel gestreckt, haltbar und geschmacklich verändert werden, ohne darauf zu achten, dass es sich dabei vielfach um hochtoxische Stoffe handelt, deren Verabreichung der Körper nicht dauerhaft kompensieren kann. Geschmacksverstärker, welche das natürliche Sättigungsgefühl verhindern, gehärtete Fette, um eine gewollte Konsistenz zu erreichen, künstliche Farbstoffe, um das Aussehen freundlicher zu gestalten, Gifte, um die Haltbarkeit zu verlängern und vieles mehr. Nicht zu vergessen Fast Food, wie es auf neudeutsch heißt, das hilft, unsere Körper aufgehen zu lassen wie einen Hefeteig.

Aber ist all das klug? Die Zahl der Menschen, die an Allergien leiden, hat in den letzten 30 Jahren drastisch zugenommen, aber niemand sucht ernsthaft die Ursache in der in Dosen von Milligramm verabreichten, heute in fast allen Lebensmitteln zu findenden toxischen Stoffe. Niemand hat ernsthaft die Wechselwirkungen dieser Zusätze untersucht. Statt dessen sucht man nach neuen Giften, um die Wirkung der alten zu neutralisieren. Ist das klug?

Vor ca. 30.000 Jahren hat der Mensch begonnen, Tiere zu domestizieren, um von der Jagd unabhängig und sesshat zu werden. 30.000 Jahre lang haben diese Tiere ein relativ normales Leben führen können, zwar nicht so lange, wie manche frei lebenden Artgenossen und auch im Laufe der Jahrtausende durch Kreuzung und Zucht auf bestimmte Eigenschaften abgestimmt, nicht mehr so widerstandsfähig wie ihre wild lebenden Artgenossen, aber dennoch bis zu ihrem verfrühten Ende ziemlich normal.

Das hat sich geändert, als der Mensch die Möglichkeiten der Chemie stärker als zuvor erkannte und sie auf seine Haustiere, die er lieber Nutzvieh nennt, anwendete. Jetzt begann er, die Tiere lebenslang in viel zu enge Ställe einzupferchen, Bewegungsmöglichkeiten zu verhindern. Er gab Zusatzstoffe in das Futter, welche die Fleischeigenschaften verändern (keinesfalls verbessern) sollten und betrachtete sie nicht mehr als Kreaturen, sondern als reine Objekte für die Erzeugung von Profiten. Heuchlerisch wandert er regelmäßig in die Kirchen, um zu einem Gott zu beten, der nach den Lehren alle Geschöpfe geschaffen hat. Nach dem Kirchgang geht er nach Hause und setzt ungerührt die Verstümmelung der Geschöpfe seines Gottes fort. Die Hüter der Lehren dieses Gottes sehen darin nichts schlimmes. Die bedauernswerten Kraturen haben aufgehört, Geschöpfe Gottes zu sein. Sie sind Fabrikware, die helfen, die Kirchensteuer einzutreiben. Das hindert die Kirchendiener nicht, nach wie vor ihr Monopol auf Ethik und Moral anzumelden.

Das alles brachte mich zu der Erkenntnis, Intelligenz und Wissen haben nichts mit Klugheit zu tun.

Es sind nichts als Fähigkeiten. Fähigkeiten, abstrakt zu denken, Fähigkeiten, hochkomplizierte Dinge zu planen und zu entwickeln, Rückschlüsse aus Beobachtungen zu ziehen, aber kein Zeichen von Klugheit.

Studierte Menschen haben Wissen angesammelt, keine Klugheit. Klugheit ist, das Wissen richtig anzuwenden, wobei die Betonung auf richtig liegt. Klugheit habe ich jetzt bei der Flutkatastrophe bei den so genannten Wilden im asiatischen Raum gefunden, die der Katastrophe entkommen sind, weil das Gebaren von Walen, Delphinen und Elefanten sie gewarnt hat. Sie haben die Natur nach wie vor als einziges Vorbild, kennen ihre Gesetze und befolgen sie. Sie haben nicht studiert, können nicht einmal lesen und schreiben und sind dennoch klug. Sie lesen in den Zeichen, welche ihnen die Natur gibt und haben damit ihre Existenz trotz einer Katastrophe von unvorstellbaren Ausmaßen gesichert.

Vergleicht man es mit dem Wissen und Können der so genannten zivilisierten Welt, dann haben Sie aufgrund einfacher und jedem sichtbarer Zeichen eine wesentlich bessere Wahrnehmung gezeigt, als all die Studierten und Wissenden der zivilisierten Welt. Man weiß um die Gefährdung dieses Raumes durch Tsunamis, jener gigantischen Flutwellen. Man weiß auch, dass Seebeben diese Wellen auslösen und man hat Stunden vor der Flutwelle das Beben, seine Stärke und seine Lokation registriert und dennoch haben all diese Wissenden keine Warnung herausgegeben, mit der Zehntausende hätten gerettet werden können. Aber in unserer zivilisierten Welt lässt man das von Robotern überwachen. Pech, wenn keine installiert sind oder ihren Geist aufgegeben haben. Das ist nicht nur fehlende Klugheit, sondern ein Zeichen von Dummheit. Wir nutzen unseren Verstand nur, wenn seine Nutzung Profite verspricht.

Es zeigt, dass die Studierten und Wissenden in dieser Welt auch nur in festgefahrenen Bahnen denken und ihr Wissen nur in diesen Bahnen anwenden können. Ein Scheuklappendenken, zielgerichtet auf einen traditionellen Erfahrungswert, auf die Erzeugung von Profiten, aber bar jeder Klugheit.

Klugheit hat etwas mit Ethik, Moral und Verantwortung zu tun. Gepaart mit Wissen eine wundervolle Kombination und es gibt sie, die Leute, die man als klug bezeichnen kann, aber ihre Worte verhallen ungehört, weil sie den Interessen der Mächtigen entgegen stehen.

Dabei muss man sich fragen, wie konnten sie so mächtig werden? Durch Klugheit? Nein. Wie bei allen Tiergattungen wird auch der Mensch mit einem unterschiedlichen Dominanzverhalten geboren. Manche Menschen sind dominanter als andere. Ist diese Dominanz mit Intelligenz gepaart, ist dies ein möglicher Ansatzpunkt für Macht, denn Menschen sind auch eine Manipuliermasse, in welcher einige wenige manipulieren und die meisten manipuliert werden. Diese Fähigkeit, zu manipulieren, erzeugt Macht und Macht macht süchtig. Diese Fähigkeiten, Macht und das Geschick der Manipulation war der Grundstock der großen Reichtümer.

Die Erben haben diese Fähigkeiten meist nicht mehr, aber das ist auch unnötig. Sie haben das Geld, welches, obwohl wertlose Materie ohne wirkliches Eigenleben als Ersatz die Funktion der Macht übernimmt. Die Manipulation übernehmen dienstbare Geister, die sich damit auch nach oben katapultieren

Bei den Amerikanern gibt es den Ausspruch vom "American way of life" und fasziniert wird der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Multimillionär oder gar Milliardär betrachtet. Es ist die Betrachtung des Götzen Geld, dabei wird übersehen, dass in den meisten dieser Fälle absolute Rücksichtslosigkeit und krasser Egoismus auschlaggebende Faktoren für den "märchenhaften Aufstieg" waren.

Die Mächtigen sind selten klug, obwohl viele von Ihnen immenses Wissen haben. Die wirklich Mächtigen, dass sind die Superreichen dieser Welt und wenn man etwas gegen sie sagt, wird man gleich des Neides bezichtigt. Aber schauen wir trotzdem mal genauer hin. Ist es Klugheit, was sie auszeichnet? Eher nicht. Was macht es für einen Unterschied, ob jemand 50 Millionen oder 5 Milliarden besitzt? Beide haben mehr, als sie im Leben je verbrauchen könnten. Was sie nicht mehr erkennen ist die Tatsache, dass Reichtum und Macht einsam machen. Freundschaft? Liebe? Echtes Glück? Das alles ist ihnen inzwischen verwehrt und sie sind nicht mehr fähig, diese wichtigsten Voraussetzungen für ein erfülltes Leben zu erkennen, weil der Reichtum und die Macht dies nicht zulassen.

Nehmen wir ein derzeit probates Beispiel: Die Hilton Erbin. Skandale über sie geistern durch die Presse und auf sie abgestimmt hat das Fernsehen eine Serie gebracht, wie sie sich auf einem Bauernhof zurechtfindet.

Ich glaube eher, dass sie trotz all ihres Geldes unglücklich ist, etwas sucht, es aber nicht finden kann, weil man sie hofiert. Sie hofiert? Nein, nicht die Frau, sondern das Geld und sie hat keine Chance, zu finden, was ihrem Leben einen wirklichen Sinn gäbe, weil ihr niemand die Chance dazu gibt. Ihre Aktionen auf dem Bauernhof wurden zur billigen Show, die verhinderte, wirklich Erfahrungen außerhalb ihres üblichen Umfeldes zu machen. Menschen, die ihr die echte Liebe oder echte Freundschaft bieten könnten, kommen erst gar nicht in ihre Nähe.

So wie ihr geht es vielen Abkömmlichen der Superreichen. Sie fühlen sich leer, sind gelangweilt und stürzen sich in Exzesse, um dem Hintergrund ihres Lebens zu entfliehen. Aber sie sind chancenlos. Die Superreichen sitzen selbst in einem Gefängnis. Ein Gefängnis, dass sie selber gebaut haben und in welches sie freiwillig eingezogen sind. Aus Angst um ihren Reichtum können sie nur mit den anderen Gefängnisinsassen zurecht kommen. Aus Angst um ihren Reichtum umgeben sie sich mit Leibwächtern, die jeden ihrer Schritte überwachen. Ein neues Auto, ein Urlaub, ein Haus an den schönsten Plätzen dieser Welt kann ihnen keine Freude bringen, weil der Erwerb als einzige Anstrengung das Ausfüllen des Schecks verlangt. Was wissen sie über die Freude und das Glück anderer, die für die Erfüllung eines Wunsches schwer arbeiten und sparen mussten, aber im Augenblick der Erfüllung ihres Traumes wirkliche Freude und wirkliches Glück empfinden können? Das Ziel der Reichen ist, noch reicher zu werden, in der Hitliste ganz weit oben zu stehen und diesem Ziel sind sie bereit, Opfer zu bringen. Leider sind die Opfer nicht sie selbst, sondern die übrigen Menschen außerhalb ihres freiwillig bewohnten Gefängnisses.

Was noch ein wenig Adrenalin in Ihren Blutkreislauf transferiert, ist das Spiel um Macht. Mit einem Fingerschnippen können sie die Existenz von Hunderten oder Tausenden Menschen vernichten und tun es, ohne einen Gedanken darüber zu verschwenden, wenn sie glauben dass die Situation es erfordert. Sie sind unfähig, zu erfassen, was sie anrichten, denn die Mauern des selbst errichteten Gefängnisses lassen den Blick nach draußen nicht zu. Sie sind nicht mehr fähig, zu begreifen, dass ihr ganzer Wohlstand den Menschen zu verdanken ist, deren Existenz sie täglich aufs Spiel setzen. Sie adaptieren die Leistung anderer als ihre eigene und werden dabei von einer Schar Helfer unterstützt, deren Horizont auch nicht weiter reicht. Sie sind Maschinen geworden, Geldsammelmaschinen und das ist ihr einziger Lebenszweck.

Ihre Helfer findet man in Politik und Wissenschaft. Die Großen pfeifen und die Helfer reagieren, wie ein Hund reagiert. Sagt Herrchen apport, dann apportieren sie und wedeln demütig mit dem Schwanz, bis sie ihre Belohnung bekommen.

Klugheit? Die sucht man dort vergebens. Wären sie klug, würden sie ihre Isolation aufgeben, helfen mit all ihrem Geld, eine lebenswerte Welt zu schaffen. Sie würden das Desaster der Profitgier erkennen und statt dessen Erfahrungen sammeln, die ihnen jetzt verborgen bleiben, wie einfach es ist Freude und Glück zu empfinden indem man Freude und Glück den anderen schenkt. Sie würden erkennen, dass sie es sind, die aus reiner Profitsucht nicht nur das Umfeld der Massen, sondern auch ihr eigenes zerstören, wenn sie die Ökologie zerstören, weil die Bewahrung Geld kostet. Geld, dass sie zwar haben, aber nicht opfern wollen, weil sie in der Hitliste der Gleichgesinnten einen Platz nach unten rutschen könnten. Aber auf diese Einsicht sollten wir nicht warten, denn dazu werden wohl noch weitere 30.000 Jahre Menschheitsgeschichte vergehen, vorausgesetzt, man hat die Lebensgrundlagen dieses Planeten und seiner Flora und Fauna bis dahin nicht völlig zerstört.

Klugheit ist relativ selten und da, wo sie am dringendsten gebraucht würde, in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, da wird sie so wenig wachsen, wie eine Eiche in der Sahara.