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Erstelldatum: 09.09.2007

Keulung

Ich habe im Duden nachgesehen, die 21. Ausgabe, herausgegeben nach der Rechtschreibreform. Das Wort, das derzeit in jedem Presseorgan in fetten Lettern zu finden ist, habe ich dort nicht gefunden. Keulung, zum ersten Mal habe ich den Begriff gehört, als die H5N1 Hysterie begann. Inzwischen sind massenhaft Tiere getötet worden, weil bei ihnen lt. Presse das hochpathogene Virus H5N1 nachgewiesen wurde. In Wachenroth bei Erlangen hat man bereits Ende August diesen Jahres 166.000 Enten gekeult, an diesem Wochenende findet die Keulung von 205.000 Enten in zwei Entenmastbetrieben im bayerischen Landkreis Schwandorf statt. Dort wurde nach Presseberichten bei 19 Proben das H5N1 Virus nachgewiesen, bei zahlreichen anderen Tieren seien Antikörper festgestellt worden. Die beiden Betriebe sind Tochterunternehmen des Betriebes in Erlangen, in welchem im August gekeult wurde.

Eine Meldung habe ich gelesen, in welcher der Titel lautete:
"Bisher größte Massenkeulung in Bayern nach Hinweisen auf Vogelgrippe"
Kommt Bayern nun in Guinness-Buch der Rekorde?

Keulung! Wie gesagt, in meinem Duden von Anfang 2000 findet man das Wort nicht. Wer hat den Begriff aufgebracht? Es hört sich ein wenig so an, als wären wir wieder in die Steinzeit abgerutscht, als die Menschen noch mit der Keule auf Jagd gingen. Doch der Eindruck trügt, in der Steinzeit hatten wir noch Achtung vor den Mitbewohnern unserer Erde, auch wenn wir sie gejagt haben. Mit der Erfindung des Geldes wurde auch der Profit erfunden und damit wurde die Achtung der Menschen vor dem Leben dem Götzen Profit geopfert. Konkurrenten um die gleiche Beute, wie die Raubtiere, wurden gnadenlos verfolgt bis zur totalen Ausrottung. Tiere wie der Büffel wurden fast ausgerottet, weil ihr Fell Profit brachte, während man die Kadaver verrotten ließ und damit den Ureinwohnern von Amerika die Lebensgrundlage raubte. Elefanten wurden wegen ihrer Stoßzähne getötet, weil ein Elfenbeinfigürchen auf dem Sims so niedlich aussieht. Nashörner wurden wegen dem Horn umgebracht, weil das Horn zu Pulver zermahlen angeblich die Manneskraft steigert. Tiger, Leopard und Gepard wurden wegen ihres schönen Fells verfolgt, oder weil sie sich als Bettvorleger gut im Boudoir der Reichen so gut ausmachten. Gerechtfertigt wurden solche Ausrottungen nicht selten auch mit Schauermärchen, die über die verfolgte Spezies in Umlauf gebracht wurde (z. B. der Wolf).

Im letzten Jahrhundert wurde dann die Massentierhaltung erfunden. Ob Geflügel oder Schweine und Rinder, man pferchte sie in Ställe auf engstem Raum und dort blieben sie, von der Geburt bis zum vom Menschen bestimmten Zeitpunkt ihres Todes. In den Geflügelmastbetrieben waren das nur wenige Wochen und selbst die Tötung wurde Maschinen überlassen. Leben? Nein, das Tier war zur reinen Handelsware degradiert worden, wurde mit Produkten gefüttert, in denen nicht selten die zermahlenen Reste ihrer Artgenossen enthalten waren und die Betreiber und deren Angestellte hatten keinen Blick mehr für die Leiden der Kreatur. Küken wurden bereits unmittelbar nach dem Schlüpfen sortiert und was dem Blick der Sortierer nicht standhielt, in den Abfall geworfen, nicht selten noch lebend.

Dann kam H5N1. Weniger als 100 Todesfälle bei Menschen, nach Aussagen von so genannten Experten von diesem pathogenen Virus (so behaupteten diese Experten) getötet, lösten eine weltweite Massenhysterie aus. Jährlich sterben Millionen Menschen durch Krieg und Kriegseinwirkungen, durch Verkehrsunfälle, durch menschliche Gewalteinwirkung. Aber weniger als 100 angeblich durch dieses Virus hervorgerufene Todesfälle wurden als die große Bedrohung der Menschheit bezeichnet und deshalb Millionen Tierleben einfach ausgelöscht. Aber es gibt für den Menschen nur eine echte Bedrohung: "den Menschen!"

Mit H5N1 lernte ich den Begriff "Keulung" kennen. Und nun, aktuell, mit dem Betrieb in Erlangen zusammen wurden 371.000 Enten umgebracht, pardon, gekeult. Wie berichtet, wurden bei etlichen Tieren Antikörper festgestellt. Da fällt mir auf, dass Menschen mit Krankheitserregern bewusst infiziert werden (Impfung), damit sie Antikörper produzieren und somit gegen eine Krankheit resistent werden. Tiere werden jedoch gekeult, trotzdem oder gerade weil sie Antikörper gebildet haben? Unbekannt ist, wie die Infizierung in diesen Mastbetrieben möglich war. Es reicht schließlich die Aussage, dass ein paar Tiere mit H5N1 infiziert waren. Wie hoch war wohl der Schadenersatz für den oder die Betreiber der Mastbetriebe?

Für die getöteten Tiere war der Tod vermutlich sogar eine Erlösung von einem Leben in Qualen. Für den Betreiber vermutlich ein gutes Geschäft und für UNS? Wir sollten vielleicht unsere Essgewohnheiten einmal überdenken. Nein, ich spreche nicht davon, Vegetarier zu werden, das bin ich auch nicht. Aber wenn ich Fleisch kaufe, dann auf dem Markt und fast ausschließlich Wild, denn da weiß ich sicher, dass es nicht aus solchen Profitanlagen kommt. Weil ich kein Krösus bin, muss ich den Genuss von Fleisch reduzieren. Na und? Die Gewohnheit, täglich Fleisch auf dem Teller vorzufinden, ist noch keine 50 Jahre alt und nur diese Gewohnheit ist verantwortlich für das, was die Lebensmittelindustrie mit den Haustieren anstellt. Was nützt es, Mitleid mit den Tieren zu haben, wenn wir gleichzeitig durch unsere Gewohnheit verhindern, dass sich etwas ändert oder gar ein Umdenken bei den Produzenten erzwingt, weil der erhoffte Profit ausbleibt? Wenn wir unsere Essgewohnheiten ein wenig umstellen, geben wir den echten Bauern eine Chance, die in den Tieren auf ihrem Hof noch Lebewesen und nicht reine Ware sehen, die noch für jedes Rind einen Namen haben, auf deren Höfen Hühner, Enten und Gänse noch frei herumlaufen. Und wir geben uns die Chance, wieder Fleisch zu kaufen, das schmeckt und nicht auf die Hälfte reduziert wird, weil es voll Wasser ist.

Ansonsten stellt sich die Frage, welchen Begriff man in naher Zukunft erfindet, um Menschen zu "keulen", die für die Profitstreben von einigen Wenigen als unrentabel eingestuft werden. Vielleicht gelingt es ja noch, dass der Mensch wieder zum Menschen wird und nicht noch stärker zur reinen Geldsammelmaschine verkommt.